Skandal in Buenos Aires: Räuberische Nonnen

Von | 22. Juli 2016

“……Ein Video zeigt, wie ein früherer argentinischer Spitzenbeamter Millionen von Dollar im Nonnenkloster versteckt. Seine Verbindungen reichten bis zum Erzbischof…. ” (Details in der NZZ)

9 Gedanken zu „Skandal in Buenos Aires: Räuberische Nonnen

  1. Thomas Holzer

    @Ortner
    Ein bisserl mehr Mut zur Wahrheit schadet sicherlich nicht 😉 Auch wenn er -in diesem Fall- einer reisserischen Schlagzeile anscheinend weichen musste:
    Weder aus dem Artikel noch aus dem Video geht hervor, daß Nonnen irgendetwas geraubt hätten.
    “Die Kongregation der Nonnen hat übrigens privaten Charakter, sie ist formell nicht als religiöse Institution anerkannt.”

  2. Reini

    … warum wohl hat der Vatikan eine eigene Bank? wie kommt die Kirche zu ihren Reichtümern und Grundbesitzen? …
    vielleicht stehen argentinischer Spitzenbeamte auf Nonnen? 😉

  3. Fragolin

    Oh, es gibt korrupte Katholiken? Wer hätte das gedacht.
    Was kommt als Nächstes?
    Buddhisten, die Kampfsport betreiben?
    Moslems, die Terror verbreiten?
    Russische Sportler, die dopen?
    Fußballfunktionäre mit Steuervergesslichkeit?
    Ach was, egal.
    Nächste Sau bitte, das mediale Dorf wartet.

  4. stiller Mitleser

    ach ja, eine liberale Lieblingsbeschäftigung: das Nonnenfressen. Gibt’s auch auf andren – ansonsten löblichen – blogs und historisch mags ja seinen Sinn gehabt haben. Tatsächlich ist das innerkirchliche Gestrüpp an Untergrüppchen, Tratsch und Nähe zu Politikern auch heut noch vielfach abstoßend.
    Ob die 95jährige aus einer Mischung von Naivität und falscher Dankbarkeit “für Kaffee und Kuchen” (und vermutlich auch etwas Geld für notwendige Instandhaltungsarbeiten am Kloster) die Hehlerin gemacht hat, oder auch – nicht unwahrscheinlich – politische Sympathien hatte? Wenn Kleriker fehlen ist die öffentliche Häme garantiert.
    Ohne monastische Traditionen aber wäre unsere Kultur nicht das, was sie eben ist. Im Islam z.B. gibt es keine zölibatären Gemeinschaften, außer im Sufismus, der aber viel seltener und weniger einflußreich ist, als gern erzählt wird.
    Im Regelfall sind Nonnen (heutzutage oft Spätberufene, die sich bereits beruflich bewährt und ganz normale Erfahrungen gesammelt haben) ziemlich tüchtige und vernüftige Frauen und das müssen sie auch sein, wenn sie ihre Konvente ökonomisch erhalten wollen. Aus Westafrika etwa weiß ich, daß nicht die verschiedenen Botschafter Bescheid über die Entwicklungen wissen, sondern Nonnen, die ihr Leben nicht in klimatisierten diplomatischen Reservaten sondern mit den Einheimischen verbringen.
    Selbstlosigkeit führt nicht automatisch zu Dummheit und Hilflosigkeit, googeln Sie etwa mal das Leben von Frau Dr. Ruth Pfau, eine Nonne die als Arzt Jahrzehnte im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet unterwegs war und der es gelang, die dort stark verbreitete Lepra zu reduzieren.

  5. Lisa

    @stiller Mitleser: Ihr Kommentar ist goldrichtig, bloss die “liberale Lieblingsbeschäftigung” ist ziemlich daneben, finden sie nicht auch?

  6. stiller Mitleser

    @ Lisa
    Danke für Ihr Lob!
    Liberalismus ist historisch u.a. Befreiung von religiöser Bevormundung; das hat bedeutende intellektuelle Leistungen und die gesellschaftliche Emanzipation ganzer Sozialgruppen erst möglich gemacht. Scharfe Kritik an Religion(en) und Klerikalismus ist liberale Tradition.
    Manche liberale Blogger identifizieren sich mit den französischen Enzyklopädisten, manche eher mit den
    Gründervätern und andre wieder (im – seit dem Ende der Monarchie, mit Unterbrechung durch den NS-Staat – Roten Wien) mit dem marxistischen Antiklerikalismus. In Wien gibt es immer noch einen starken Unterstrom des Kulturkampfes der ersten Republik, sogar eine rezente, sich auf den Liberalismus berufende, Parteigründung (die Neos) hat es nicht unterlassen – mit viel positivem Echo in Zeitungskommentaren – sich in dieser zählebigen Polarisierung eindeutig zu positionieren.

    Wie eigentlich verhält es sich mit Rezeption und Tradition des Liberalismus in der Schweiz?

  7. Lisa

    @stillerMitleser: Also, Gottfried Keller (naja, so arg viel hat die Schweiz ja kulturell nicht zu bieten…da ist man wohl mehr fürs Praktische…) wurde der Schule verwiesen wegen seiner Teilnahme an einer liberalen Demo…Liberalismus – ich mag solche –ismen eigentlich nicht, bzw. erst nach gegenseitiger Übereinkunft, dass wir das Gleiche darunter verstehen – sollte eigentlich nur mit einer (möglichst demokratisch vereinbarten) Rechtsordnung dafür sorgen, dass die Freiheit des Bürgers gewährleistet ist. Da indes Freiheit– wie mir ein hier auf Freiheit hoffender Zuwanderer allen Ernstes antwortete – nicht heisst, „alle Menschen können tun, was sie wollen“, sondern dass jeder mit seiner freien Wahl auch die Verantwortung dafür übernimmt. Jede freie Wahl will also überlegt sein: Was sind die Folgen? Wie hoch ist der Preis? (natürlich gibt es treibmotivierte “Denker”, die Freiheit und Verantwortung u.Ä.nicht für vereinbar halten – aber lassen wir das) Diese vorausschauenden Übelegungen führen auch dazu, dass die Demokratie, zumindest in der CH, eben nicht eine plumpe Mehrheitsgewalt sein darf, sondern – da alle Bürger vor dem Gesetz gleich sein sollen – die Minderheiten berücksichtigt werden müssen; denn Gewalt erzeugt immer Gegengewalt (Trotz, Rebellion, dumpfen Groll, der sich irgendwann entlädt etc.) Die Macht der Gewerkschaften wird z.B dadurch beschränkt, dass der „Arbeitsfriede“ Priorität hat, eine schreckliche Vorstellung für Streikfans in Italien oder Frankreich…Dass Vereinigungsfreiheit mit Vorsicht zu erlauben ist, leuchtet jedem vernünftigen und vorausdenkenden Menschen ein: da die Inhalte, die Werte ja nicht festgelegt sind, kann auch eine Vereinigung zur Abschaffung der Freiheit möglich sein… und da beisst sich die Schlange in den Schwanz… In der Regel fühlen sich Schweizer also frei – auch wenn manch internationale oder mediale Kritik laut wird, wenn laut deren Definiton gegen “Menchenrechte” u.a. verstossen wurde. “Gosch’n halten” sag ich da nur, und : erst mal vor dereigene Tür kehren…

  8. aneagle

    Na ja, das rechtfertigt zwar nicht, erklärt aber die Haltung Bergoglios zum Kapitalismus. Aber als er Karriere machte, hätte er sich doch umfassender mit dem erfolgreichsten Wirtschaftssystem der Welt beschäftigen sollen, als mit der Spielart seiner Heimat. Der Mann bleibt enttäuschend, schließlich ist er nicht mehr argentinischer Glaubensbeistand. Oder doch?

  9. stiller Mitleser

    @ Lisa
    Danke für die ausführliche Antwort, die mir zeigt, daß ich mich mit dem für dieses blog an der Schweiz vor allem Interessanten, nämlich der aktuellen Politik und den Parteien, viel zu wenig befaßt habe!
    Sah ich die Schweiz, in der ich mich länger aufgehalten hab und die ich zu kennen glaube, doch vor allem im Rückblick, als den von Reformatorenfleiß, Calvinismus und Anarchosyndikalismus geprägten sicheren Hafen für Exilanten aller Art: Linke, Rechte, Reiche, Reformatoren, Exaltierte und Sparbüchlein. Sogar die vielempfohlene NZZ zu lesen hab ich wieder aufgehört, zu uninteressant, wenn nicht der Wirtschaftsteil. – Ich gelobe Besserung!

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