Sklaven tragen keine Waffen

Von | 30. April 2020

(ANDREAS TÖGEL) Auch wenn die Gegner von Waffen in Privathand in den letzten Jahren die Schlagzahl erheblich erhöht haben und jeden denkbaren Vorwand dazu nutzen, gegen das Recht auf Selbstverteidigung zu polemisieren, so sind Bestrebungen zur Entwaffnung der Bürger – zumindest in Europa – dennoch keine Erfindung der Neuzeit.

Schon in der Antike, zur Zeit der griechischen Polis und der römischen Republik, war es nur den freien Bürgern erlaubt, Waffen zu besitzen und zu tragen. Für Unfreie – Sklaven – war der Waffenbesitz dagegen strikt verboten. Damit sollte sichergestellt werden, dass mögliche Erhebungen der weitgehend Rechtlosen gegen die Herrschenden keinesfalls zum Erfolg führten. Den Spartakusaufstand anno 73 vor Christus vermochten diese restriktiven Regeln indes nicht zu unterbinden.

 Thomas Hobbes

Die wirkungsmächtigen Ideen Thomas Hobbes‘ („Der Leviathan“, 1651) sind bis heute auch für die Waffengesetzgebung von Bedeutung. Wer, wie Hobbes, im Menschen des Menschen Wolf erblickt (was für die meisten der von ihrer moralischen Überlegenheit überzeugten Intellektuellen bis heute typisch ist), wird sich den Wolf zahnlos wünschen und nur der vermeintlich über außergewöhnliche geistige und moralische Qualitäten verfügenden politischen Elite und deren Schergen den Waffenbesitz zugestehen. Andernfalls würde ja, so die Überzeugung dieses Kindes des Englischen Bürgerkriegs, der Kampf aller gegen alle auf der Tagesordnung stehen und das Leben dementsprechend „scheußlich, brutal und kurz“ sein. Hobbes‘ Ideen folgen schon einer Logik, wenn auch einer totalitären. Sein „Leviathan“ beflügelt bis heute die Allmachtsansprüche der meisten Regierenden.

Karl Marx und Friedrich Engels

Stets waren es die Schwachen, die ihr Recht auf Waffenbesitz vom übermächtigen Staat einforderten. Solange die Sozialisten, heute die vehementesten Kritiker der Privatbewaffnung, den Staat nicht vollständig durchdrungen und erobert hatten, warfen sie sich ganz entschieden für Volksbewaffnung ins Zeug. In einer „Ansprache der Zentralbehörde an den Bund vom März“ verkündeten Karl Marx und Friedrich Engels höchstselbst im Jahre 1850: „Die Bewaffnung des ganzen Proletariats mit Flinten, Büchsen, Geschützen und Munition muss sofort durchgesetzt werden.“ Auf dem Hainfelder Gründungsparteitag der österreichischen Sozialdemokratie im Jahre 1888 traten die Genossen für den „Ersatz des stehenden Heeres durch die allgemeine Volkbewaffnung“ ein. Warum wohl? Weil auf der Hand liegt, dass sich nur der Wehrhafte gegen die Übergriffe der herrschenden Klasse mit Erfolg erheben kann.

Heute, in der Spätzeit des Wohlfahrtssozialismus, da die Sozialisten sowohl die absolute Deutungshoheit als auch die Gewalt im Staat errungen haben, wollen sie davon nichts mehr wissen. Heute vertrauen sie nur noch auf die Waffen in der Hand des von ihnen kontrollierten Apparats. In der Alten Welt (außerhalb der noch immer verhältnismäßig freisinnig verfassten Schweiz) wird dem Bürger heute kein uneingeschränktes Grundrecht auf Waffenbesitz – auf Selbstverteidigung – zugestanden. Wozu auch? Der omnipräsente Staat sorgt von der Wiege bis zur Bahre für seine Mündel – und besonders für deren Schutz vor sich selbst.

 USA und Europa

In den USA, wo das Grundrecht auf Waffenbesitz im zweiten Verfassungszusatz explizit garantiert ist, an dem sich der Entwaffnungsfuror der Linken bis heute die Zähne ausbeißt, ist das gänzlich anders. Wer dort mit dem Gedanken an die Entwaffnung rechtschaffener, mündiger Bürger kokettiert, begeht – trotz ebenfalls linkslastiger Massenmedien – politischen Selbstmord.

In Europa aber befinden sich die Befürworter eines möglichst freien Zugangs zum Waffenbesitz seit Jahrzehnten wieder in der Defensive. Es ist mittlerweile zur Routine geworden, sie für die wenigen mit Schusswaffengewalt begangenen Verbrechen mitverantwortlich zu machen. Doch wer öffentlich für Waffen in Privathand eintritt, tut das nicht in der Absicht, seinen Mitmenschen zu schaden. Wer so viel Mut zeigt, hat auch Charakter und will Schaden abwenden statt ihn zu verursachen.

 

Dieser Text ist soeben in der Mai-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 202 erschienen

Ein Gedanke zu „Sklaven tragen keine Waffen

  1. sokrates9

    Corona ist sicherlich hervorragende Wwaffe waffengesetz weiter zu verschärfen! Der Bürger fürchtet sich ja so vor Corona, da sollte man ihm die Angst vor privaten Waffen nehmen.. es genügt doch wenn Verbrecher Waffen haben!

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