Sollen Ungeimpfte zahlen, wenn sie auf der Intensiv landen?

Von | 27. September 2021

(ANDREAS TÖGEL) Christiane Druml, Vorsitzende der Bioethikkommission, hat mit ihrem Vorschlag, Ungeimpften, die coronabedingt auf einer Intensivstation landen, Kostenselbsthalte abzuverlangen, in ein Wespennest gestochen. In einem Land, in dem Gesundheitsdienstleistungen grundsätzlich „gratis“ zu sein haben, ist das in der Tat eine unerhörte Zumutung.
Kaum war das Wort gesprochen, rückten schon die Beschwichtigungshofräte aus, um zu beruhigen. Allen voran der Gesundheitsminister, der erklärte, „…eine solche Diskussion nicht führen zu wollen.“ Der Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), Andreas Huss, warnte davor, mit einer solchen Debatte „die Büchse der Pandora” zu öffnen.
Selbstverständlich ist es schwer vertretbar, Menschen, die möglicherweise schon Jahrzehntelang genötigt waren, Beiträge ins Zwangssystem der Sozialversicherung einzuzahlen, im Bedarfsfall die Leistung zu verweigern. Sehr klug war der Schnellschuss Frau Drumls also nicht – schon gar nicht im Zusammenhang mit der ohnehin hochemotional geführten Diskussion um die Coronaimpfung.
Allerdings sollte man sich einmal ganz grundsätzlich mit der Frage beschäftigen, ob an der auf fetten Wiesen grasenden heiligen Kuh namens Sozialversicherung, keinerlei Kritik geübt werden darf.
Wenn der bereits zitierte Herr Huss von einer drohenden „Entsolidarisierung“ spricht und im Zusammenhang mit der heimischen Krankenversicherung das „Versicherungsprinzip“ beschwört, dann wirft das Fragen auf. Denn was, bitteschön, hat ein Zwangssystem mit Solidarität zu tun? Solidarität ist eine Frage freier Entscheidungen, und kann nicht per Ukas verordnet werden. Da aber kein Erwerbstätiger sich der Zahlung zur SV entschlagen und im Gegenzug auf jegliche Leistung verzichten kann, ist es somit also falsch, von einem „Solidarsystem“ zu sprechen. Es geht um Zwang, nicht um Solidarität!
Kommt hinzu, dass natürlich gerade die Sozialversicherung ja eben nicht auf dem Versicherungsprinzip aufbaut. Eine Kraftfahrzeug- oder Haushaltsversicherung fragt nicht nach dem Einkommen desjenigen, der ein Objekt versichern lässt. Was zählt, ist das Risiko und die Größe des Versicherungsverbandes. Der Reiche zahlt für die Versicherungsdienstleistung aus gutem Grund nicht mehr als der Arme. Die Sozialversicherung dagegen enthält ein massives Umverteilungselement, das mit dem Versicherungsprinzip nichts zu tun hat. Die Behandlung eines Beinbruchs kostet bei einem „Besserverdiener“ ja nicht mehr als bei einem Hilfsarbeiter – dennoch zahlt ersterer einen wesentlich höheren „Versicherungsbeitrag“ (der mit der Höchstbemessungsrundlage gedeckelt ist).
Noch deutlicher wird der Widerspruch bei der „Pensionsversicherung“: Die Versicherung gegen ein unvermeidbar eintretendes Ereignis (nur wenige erleben die Zustellung des Pensionsbescheides nicht) ist nämlich unmöglich. Beim Pensionssystem geht es vielmehr um Mittel, die entweder (wie in Chile) aus einem individuell aufgebauten Kapitalstock an deren Eigentümer fließen, oder aber um ein Umlagesystem, in dem die Aktiven jene Beiträge abliefern, die umgehend an die Pensionisten ausgezahlt werden. Das hat mit einer Versicherung exakt Nullkommanix zu tun.
„Sozial“ kann man es übrigens auch nur dann nennen, wenn die wahre Bedeutung des Begriffs „sozial“ lautet: Ein anderer zahlt. Denn, wie drückte es der US-Ökonom und Nobelpreisträger Milton Friedman aus: „Es gibt kein freies Mittagessen.“ Irgendeiner zahlt immer. Bei einer echten Versicherung ist es der sich aus freien Stücken bindende Versicherungsnehmer, dem bei Schadenseintritt klar vereinbarte Leistungen zustehen.
Jede Diskussion sollte unter Verwendung der richtigen Begriffe geführt werden: Bei der „Sozialversicherung“ handelt es sich um ein staatlich oktroyiertes System mit einer starken Umverteilungskomponente. Es ist in keinen Stein gemeißelt, dass das in alle Ewigkeit so bleiben muss. Noch weniger ist ausgemacht, dass eine Diskussion um die Einführung von Selbstbehalten für selbst herbeigeführte Gesundheitsschäden (Rauchen, Alkohol- und Drogenabusus, Übergewicht, Unfälle bei der Ausübung gefährlicher Sportarten, etc.) nicht geführt werden darf. Die (niemals gefragten) Zwangsbeitragszahler würden davon erheblich profitieren.

9 Gedanken zu „Sollen Ungeimpfte zahlen, wenn sie auf der Intensiv landen?

  1. Gast

    Selbsthalte und die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Versicherungsunternehmen zu wählen, wäre sicher ein guter Vorschlag.
    Der Versicherungsnehmer muss aber immer eine faire Chance haben, sich zu entscheiden, ob er trinkt, raucht, übergewichtig ist, eine riskante Sportart ausübt…
    Ich bezweifle, dass dies der Fall ist. Ein hoher Prozentsatz der Kinder sind bereits übergewichtig und werden zeitlebens mit den Kilos kämpfen. Der Staat ist nicht so weit, für gesundheitsschädliche Lebensmittel ein Werbeverbot zu erlassen, Geschmacksverstärker zu verbieten, höher zu besteuern, usw. Als Antialkoholiker oder Wenigtrinker wird man milde belächelt und gilt als Weichei unter den Jugendlichen – der Erwachsene macht’s vor. Und soweit ich weiß, gehört Fußball und Schifahren zu den Sportarten, die am meisten Unfälle produzieren – von der Schule massiv gefördert. Da hat asiatische Bewegungslehre keine Chance.

  2. LePenseur

    Einspruch, Herr Tögel!

    Beim Pensionssystem geht es vielmehr um Mittel, die entweder (wie in Chile) aus einem individuell aufgebauten Kapitalstock an deren Eigentümer fließen, oder aber um ein Umlagesystem, in dem die Aktiven jene Beiträge abliefern, die umgehend an die Pensionisten ausgezahlt werden. Das hat mit einer Versicherung exakt Nullkommanix zu tun.

    Das hat mit einer Versicherung exakt gleichviel zu tun, wie jede x-beliebige Er-und Ablebensversicherung in der Rentenvariante (die es ja schon immer gab und gibt). Und die gescholtene Pensionsversicherung hat im Gegensatz zur Krankenversicherung sogar weniger “sozial(istisch)e” Elemente an sich, als die Krankenversicherung! Denn die Pensionshöhe hängt sehr wohl von der Höhe der gezahlten Beiträge ab (wogegen der gebrochene Hax’n beim Generaldirektor nicht wirklich teurer zu reparieren ist als bein Hilfsarbeiter, unterschiedlich hohe Beiträge dafür also tatsächlich Umverteilung pur sind).

    Sie berücksichten nämlich nur die (in der Tat nicht allzu hohe) Komponente “Versterben vor Pensionsantritt”! Daß es aber geradezu klassisch “versicherungsmäßig” ist, die Frage der Dauer des Rentenbezugs “abzusichern”, lassen Sie außen vor. Und es gibt halt 80-jährige Hilfsarbeiter, die dadurch mehr Rente bekamen als ein Generaldirektor, der zwei Jahre nach Pensionierung an einem Herzinfarkt verblich. Ist so — aber ist exakt so wie meine KFZ-Haftpflicht, die ich seit Jahrzehnten zahle, ohne sie jemals in Anspruch genommen zu haben …

    Und was die Frage der Selbstbehalte betrifft: wenn man bei Pensonen, die nicht mit einer der jetzt angebotenen Spritzen einverstanden sind, über Selbstbehalte schwadroniert — dann bitte auch Selbstbehalte für die an Injektionsfolgen Leidenden!

    Denn ersten gibt es ja — nach offiziellem Narrativ — nie und nimmer eine “Impfpflicht” (ihre Verweigerung wird halt nur gezielt seeeehr ungemütlich für die Betroffenen gemacht). Also entschließen sich Spritzwillige ebenso wie die Spritzenverweigerer aus freien Stücken dazu. Warum also kein Selbstbehalt für die Myokarditis, die trombosebedingte Beiamputation oder die Rehabilitation nach dem Schlaganfall?

    Zweitens kommen Injektionsfolgen bei den jetzigen “Wundermitteln ja ohnehin nie-nie-niemals vor, außer in gaaaanz seltenen Ausnahmefällen (sofern man dem offiziellen Narrativ glauben mag), also betrifft so ein Selbstbehalt ja ohnehin nur ganz wenige.

    Ach ja, Herr Tögel — nur eine Anregung: Sie erwähnen als Selbstbehaltkandidaten die Giftler, Raucher, Säufer und Fettleibigen. Bei der Aufzählung haben Sie leider, leider, auf die munteren Hinterlader vergessen, deren lebenslange HIV-Medikation ein Lawine kostet und auch von den sexuell normal Orientierten mitgetragen werden muß. Aber offenbar ist das eine Heilige Kuh, von der auch Sie sich hüten, Notiz zu nehmen …

  3. CE___

    Ja, da wird in ein Wespennest hineingestochen. Will man das unbedingt öffnen?

    Weil es geht ja nicht um eine Systemdebatte an sich, sondern nur um das krampfhafte Suchen nach einem weiteren Prügel damit mehr von dem Impfzeug an unfreiwillig Freiwillige verspritzt werden kann.

    Denn wie schon von einem anderen Mitposter ausgeführt, dann sollen aber die Geimpften die Risken und Folgen der Impfung auch SELBER tragen.

    Tja, und da steht man dann halt selber als Privatperson im Risiko, weil Pharmabranche UND Politik haben sich ja schon einmal davon gestohlen wie das berühmte “Dirndl von Tanze”.

    Und private Versicherer werden sich auch wegducken, wenn sie Hirn haben.

    Weil was eine Privatversicherung noch mehr haßt als hohe Wahrscheinlichkeiten von teueren Schadenseintritten gegenüber niedrigen Prämien, ist eine totale Unbekannte und keine Regressionsmöglichkeit (weil sich alle weggestohlen haben), so wie bei den Corona-“Impfstoffen”.

    Aber unsere Impflinge werden es ja sicher bei Lloyd’s zu London versuchen können.

    Vielleicht gibt es im UK ein paar Pools von Rentiers die anstatt auf den Ausgang von Pferderennen in Ascott, Happy Valley oder Louiseville zu wetten, ein kleines Wagnis mit dem Versichern der Folgeschäden der Versuchs-Impfstoffe für die so nächsten 10 Jahre eingehen wollen.

  4. hausfrau

    Solche Gedanken haben auch ihr Gutes : mögen sie die Geburtsstunde einiger neuen Parteien werden!
    Womöglich ist eine dabei die Bioethikkommissionen “umstritten” findet?

  5. andreas

    Verehrter Penseur,
    es geht mir weder um Rechthaberei noch um semantische Feinheiten, aber auch eine private “Lebensversicherung” ist halt weniger eine Versicherung gegen ein Risiko, sondern ein Ansparsystem, der Aufbau eines Kapitalstocks, aus dessen Erträgen (und mittels dessen Verbrauchs) die später auszuzahlende Rente fließt. Wie auch immer man das Ding benennt – es wird dadurch trotzdem nichts anderes draus.
    Ich hatte nicht vor, in meinem Beitrag eine Lanze für Covid-Geimpfte zu brechen. Ein Zwangssystem wie jenes der allgemeinen Krankheitsverwaltung, bietet halt grundsätzlich keinerlei Wahlmöglichkeit für den ungefragten Zahler. Und das ist schlecht. Die Leute sollen sich aussuchen können, wogegen sie sich versichern lassen wollen und wofür sie das Risiko lieber selbst tragen. Dafür braucht es keinen staatlichen Vormund.
    Dass mein Katalog an “Sonderrisiken” vollständig ist, habe ich nicht behauptet. Selbstverständlich stellen auch “ungewöhnliche” Sexualpraktiken ein individuell beeinflussbares Sonderrisiko dar. Gegen die Ausbildung eines Hirnaneurysmas oder eines Pankreaskarzinoms ist dagegen keiner gefeit- ganz egal wie er sich verhält.
    Mein Beitrag versteht sich als Denkanstoß und nicht als konkrete Handlungsanleitung.
    Wie auch immer: Die Möglichkeit seine “Versicherung” (wogegen auch immer) nach Belieben wählen zu können, ist einem paternalistischen Zwangssystem in jedem Fall vorzuziehen. Ich denke, zumindest in diesem Punkt sollten wir Einigkeit erzielen können, oder?

  6. Gast

    Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie die Pathologen:

    https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/126061/Heidelberger-Pathologe-pocht-auf-mehr-Obduktionen-von-Geimpften
    Pressekonferenz zum Thema “Tod durch Impfung/Undeklarierte Bestandteile der COVID-19-Impfstoffe”, der Pathologen Prof. Dr. Arne Burkhardt und Prof. Dr. Walter Lang. Weitere Infos: https://pathologie-konferenz.de
    https://odysee.com/@BannedFromYoutube:d/Pressekonferenz-Tod-durch-Impfung-Undeklarierte-Bestandteile-der-COVID-19-Impfstoffe:a

  7. Franz Miksch

    Ich weis nicht warum ich das alles gelesen habe, aber da ich es gelesen habe muss ich dazu etwas schreiben.
    Wenn sich jemand zB. gegen einen Herzinfarkt nicht versichern würde und trotzdem einen bekommt wird er vielleicht Chile gleich in die Grube geworfen aber bei uns würde ma im sicher trotzdem helfen und wir alle würden es bezahlen, oder?
    Richtig, der Gipsfuss des Gen.Dir. kostet das gleiche wie der des Hilfsarbeiter. Aber da viele Hilfarbeiter dafür arbeiten das der Hr. Gen. Dir. Viel verdienen kann finde ich es gerecht das er mehr bezahlt.

  8. seerose

    Ich zahle seit 58 Jahren gezwungener Massen in die Holzklasse der österreichischen Krankenversicherungen ein. Dazu habe ich seit 50 Jahren eine Zusatzversicherung, weil die Leistungen meiner erzwungenen Versicherung nicht das Gelbe vom Ei sind.
    Ich habe mich in den vergangenen 58 Jahren niemals über die Raucher, Alkoholiker, die Vielesser, die Risikosporter etc. aufgeregt, ich habe für diese alle stillschweigend mitbezahlt.
    Und jetzt, nach 58 Jahren, soll ich auf Wunsch oder Zuruf von Frau Druml einen Selbstbehalt bei einer Krankheit bezahlen?
    Ja, ich kann mich impfen lassen. Aber Alkoholiker können zu trinken aufhören, Raucher zu rauchen, Vielesser zu Essen, und Risikosportanhänger können daheim auf der Couch abhängen. Alle habe die Wahl.

  9. Gast

    Das Leben ist nichts für Feigling.

    Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie den Pathologen.

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