“Sozialbetrüger geniessen das wahre Leben…”

Von | 15. April 2013

“…Die Arbeitsmoral des Abendlandes hat sich mit den Jahrhunderten verändert. Aus Almosenempfängern sind Kunden der Jobcenter geworden. Ein materieller Fortschritt, der zugleich moralisch fragwürdig ist…” (Welt)

23 Gedanken zu „“Sozialbetrüger geniessen das wahre Leben…”

  1. Lodur

    Lustig, lustig, da total widersprüchlich, dass sich die hier postenden “Wirtschaftsweisen” über die “faulen betrügerischen Arbeitslosen” aufregen, dabei sind diese die Folge eines Systems, das Arbeit nicht nach gesamtgesellschaftlichen Erfordernissen, sondern nach individuellen Profitbedürfnissen verteilt. Und wenn die Überakkumulation von Kapital sowie die damit verbundene Tendenz der fallenden Profitrate einmal einen bestimmten Punkt erreicht hat, werden branchenübergreifend immer weniger Arbeitskräfte benötigt. Dann bleibt nach der 300. unbeantworteten Bewerbung halt nicht mehr viel übrig, als von Sozialhilfe und Co. leben zu können. Liebe Liberale! Immer und immer wieder verteidigt Ihr ein System, über deren Folgen Ihr euch aufregt.

  2. Turing

    1. Dass es Menschen gibt, die das Sozialsystem ausnutzen, ist etwas, wovor Liberale und andere Kritiker des Sozialstaates immer gewarnt haben. Linke ohne Realitätssinn sind es, die die Existenz von Betrugsfällen und Bequemlichkeitshartzern grundsätzlich negieren. Linke mit Realitätssinn (Acker, Münte, Clement, Sarazzin) verlieren schnell ihre politische Familie.

    2. Was sind gesamtgesellschaftliche Bedürfnisse und wer definiert sie? Wer definiert, wie viele Ökotrophologen, Gleichstellungsbeauftragte und Sozialarbeiter wir benötigen? Diese Stellen werden heute schon weit über Bedarf produziert. Und in dem Sinne gibt es sowas wie Gesellschaft nicht. Eine Gesellschaft hat kein Bedarf. Individuen haben Bedarf, Bedarf nach Brötchen, nach Fleisch und nach Gesundheit.

    3. Als Liberaler und Neoliberaler bin ich nach wie vor Befürworter eines Sozialstaates. Nur weil es Betrugsfälle gibt, steht für mich nicht die Notwendigkeit sozialer Einrichtungen infrage, genausowenig wie mich ein bisschen Korruption bei der Polizei nicht in dem Glauben erschüttern kann, dass dem Staat das Gewaltmonopol gehört. Man muss sich aber einen realistischen Blick wahren und pragmatisch an die Sache rangehen. So wie Sanktionsmechanismen für korrupte Polizisten gibt, so muss es Sanktionsmechanismen für Leute wie “Susanne Müller” geben, die sich in Hartz IV eingerichtet hat.

    Und ich halte die Sozialstaat auch für falsch konzipiert. Die Arbeitslosenversicherung kann ich eigentlich weg. Für ein paar Monate Arbeitlosigkeit kann jeder selbst vorsorgen. Wenn die Beiträge wegfallen, ist das Ansparen eines Finanzpolsters auch viel einfacher. Und als letztes Auffangnetz ist ja noch Hartz IV da. Die Rentenversicherung kann eigentlich auch weg. Es gibt Politiker, die davon schwafeln, dass die Rentenversicherung die “Lebensleistung belohnt”. Mit Verlaub: Wer sein Leben lang gut gearbeitet und verdient hat, kann sich die Lebensleistung selbst belohnen und das viel besser. Der Markt belohnt die Lebensleistung. Und wer sich nicht belohnt, ist selber schuld.

    Würde ich keine Beiträge in die Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung einzahlen, hätte ich jeden Monat 400 € mehr in der Tasche. Ich würde mit dem Geld das tun, was ich ohnehin tue: Aktiensparen. Nach zehn Jahren und bei einer Durchschnittsrendite von 8 % wären das am Ende 72049 €. Dieses Geld könnte ich einerseits als Altersvorsorge nutzen und weiter ausbauen oder es dient mir als Eigenkapital für ein Eigenheim, das ja viele Politiker fälschlicherweise als beste Altersvorsorge ansehen. Ich könnte mit mehr Eigenkapital bauen, hätte den Kredit schneller getilgt und hätte viel mehr finanzielle Freiräume. Ich wäre auf Dauer nicht auf die Sozialsystem angewiesen. Aber unabhängige Menschen sind ja nicht im Sinne der Sozialpolitiker.

  3. Rennziege

    @Turing
    Ziehen Sie sich eine warme, wenn möglich halbwegs kugelsichere Weste an. Für solche einfachen und unwiderlegbaren Argumente werden Sie hier von den Alt-Mohikanern des “wissenschaftlichen” Sozialismus an den Marterpfahl genagelt. Das Feuer, das an Ihnen emporzüngelt, wird zwar nicht wenig CO2 in die eh schon vergewaltigte Atmosphäre entsenden. Aber für den unaufhaltsamen Fortschritt der geknechteten Arbeiterklasse müssen halt auch ökologisch zweifelhafte Opfer gebracht werden.

  4. Reinhard

    @Lodur
    Stimmt, in der DDR gab es keine Arbeitslosen.
    Dafür haufenweise stinkfaule Beiwagerl, die in jeder Firma mitgezerrt werden mussetn. So viele, dass kaum eine Firma noch gewinnbringend arbeiten konnte. Musste sie ja auch nicht im Sozialismus; ein System, das sich selbst trägt.
    Komischerweise ging das Wirtschaftsparadies DDR pleite und der Wohlstand von Konsumbrot und fettfreier Milch, Kaffee-Ersatzmischung und Kohlsuppe wurde auf dem Altar so böswilliger individualistischer Wünsche wie dem nach einer Banane oder einem Sttück Butter, in dem sich sogar Milchfett befindet, geopfert. Das Volk ließ sich von den Konterrevolutionären einreden, es dürfe Bedürfnisse haben, anstatt die eigenen hinter jene der Gesellschaft (vor Allem der feinen Gesellschaft in Wandlitz) zu verdammen.

    Die leeren Phrasen aus der Gesamtausgabe des Marxismus-Leninismus, dieses biblischen Gebetsbuches der Salonkommunisten aus den wohlstandsverwahrlosten Konsumgesellschaften, werden nicht durch Wiederholung mit Substanz gefüllt. Aber jeder Versuch, diese krude quasireligiöse Vergötterung der Lehrsätze eines Straßenpredigers in der Praxis zu leben, führte bisher immer, unweigerlich und ohne eine einzige Ausnahme in Not, Elend, Diktatur und Massenmord.
    Der spottsprühende Hass, die selbstgerechte moralische Überlegenheit, das messianische Sendungsbewusstsein im Namen des Heiligen Marx die Proletarier der Welt retten zu müssen, passen nahtlos in den immer wiederkehrenden antiklerikalen Ton (der selbst wenn er nicht zum Thema eines Threads passt angeschlagen wird), denn der größte Feind des Missionars ist der Missionar der Konkurrenzreligion.
    Das ist das putzige an den glühenden Atheisten, dass sie ihren angebliches Nichtglauben (ein Irrtum, sie nennen ihren Gott nur anders) mit ebenso fanatischem Eifer verfolgen wie die glühenden Theisten jeglicher Coleur ihren Glauben.
    Eiferer sind und bleiben Eiferer; es mag sie ihre Richtung unterscheiden, aber nicht ihr Wesen.
    “Es gibt nur einen Gott und du darfst keinen neben ihm haben!” Und alle glauben sie an Gottes Wort durch einen Propheten. Jesus, Mohammed oder Marx – im Inhalt unterschieden, im Wesen gleich.

    Liberale Menschen lehnen deshalb jeden Gottesstaat ab, den muslimischen ebenso wie den christlichen oder den marxistischen. Denn wo Fanatiker regieren, stirbt die Freiheit des Menschen zuerst und fließt immer das Blut kübelweise.
    Natürlich nur der guten Sache wegen.
    Freundschaft!

  5. Rennziege

    @Reinhard
    Geflügeltes Wort aus dem Arbeiter und Bauernparadies, von meinem alten Herrn zitiert, der einst dort oft zu tun hatte:
    “Die da oben tun so, als ob sie uns bezahlen, und wir tun so, als würden wir arbeiten.”

  6. Lodur

    @Reinhard
    “Dafür haufenweise stinkfaule Beiwagerl, die in jeder Firma mitgezerrt werden mussetn. So viele, dass kaum eine Firma noch gewinnbringend arbeiten konnte.”

    Die Hauptgründe für das Scheitern der DDR waren nicht die “Faulheit” oder “Inkompetenz” der dortigen Arbeiterschaft, immerhin entwickelte der VEB “Kombinat Haushaltsgeräte Karl-Marx-Stadt” den Prototyp des ersten FCKW-freien Kühlschranks, sondern:

    1.) Ein bürokratisch-zentralistisches System, das genauso kostenaufwenidg wie undemokratisch war.

    2.) Ein System, das den Unmut der Bevölkerung schürte, da es meilenweit von einer echten Emanzipation der Werktätigen entfernt war, ja sogar repressiv behinderte.

    3.) Die hohen Kosten für einen überdimensionierten Militär- und Verwaltungsapparat.

  7. Lodur

    “Die da oben tun so, als ob sie uns bezahlen, und wir tun so, als würden wir arbeiten.”

    Und Rennziege tut so, als würde sie denken.

  8. Lodur

    Anstatt, dass Liberale Armut bekämpfen, bekämpfen sie die Armen, da diese der beste Beweis dafür sind, dass der Kapitalismus permanent versagt.

  9. Lodur

    Mir wäre eine Totalabschaffung des Sozialstaats auch am liebsten. Denn dann hätten wir wegen der Pauperisierungsprozesse eine vorrevolutionäre Situation. Die perfekte Basis für den Sturz des kapitalistisch-bürgerlichen Systems.

  10. Reinhard

    @Lodur
    Natürlich, wenn man einem “Armen” die Möglichkeit eröffnet, über Bildung und Leistung aus der Armut zu entfleuchen, ist er nicht mehr arm. Ist ja wirklich ein schlimmer Kampf gegen die Armen!

    Der VEB Sachsenring Zwickau entwickelte auch das erste Vollheckauto der Welt, ich habe ja auch nicht gesagt die Leute im Osten wären dumm gewesen, aber die Kommunisten konnten noch nie wirtschaften. Gewinn aus einer Entwicklung zu schlagen wäre ja auch kapitalistisches Denken.

    Ein kommunistisches System ist immer zentralistisch. Ist es das nicht, ist es ein anarchistisches System; andere Baustelle und ganz und gar nicht marxistisch.
    Und das System war nicht von einer Emanzipation der “Werktätigen” entfernt, sondern die Werktätigen von der Emanzipation des Systems. Es wurde eben nicht als der Quell von Freude und Wohlstand gesehen, als den ihn die Aktuelle KAmera abends anpries, sondern realistisch als ein System, das den Fleißigen drückt und den Faulen füttert.

    Wem das jetzt bekannt klingt, bitte aufhorchen…

  11. Reinhard

    Lodur :
    Mir wäre eine Totalabschaffung des Sozialstaats auch am liebsten. Denn dann hätten wir wegen der Pauperisierungsprozesse eine vorrevolutionäre Situation. Die perfekte Basis für den Sturz des kapitalistisch-bürgerlichen Systems.

    Eine Situation wie diese hatten wir zuletzt 1933.
    Eine Revolution lässt sich nur schwer lenken.

  12. Rennziege

    @Lodur
    Grenzdebiles Stammeln, wie von Ihnen gewohnt. Ich habe aber nicht gedacht, sondern aus authentischem Arbeiter- und Bauernmund der DDR von 1986 zitiert, wobei ich zwei Wörtlein vergessen habe. Der vollständige Originaltext, DDR-weit hinter vorgehaltener “werktätiger” Hand im Umlauf, lautet:
    Die da oben tun so, als ob sie uns bezahlen, und wir da unten tun so, als würden wir arbeiten.

    Zufrieden, Genosse? Ihre Genossen haben das gesagt, nicht nur in Wikiblödia nachzulesen.
    P.S.: Wovon leben Sie eigentlich, wenn das keine zu private Frage ist?

  13. Lodur

    @Reinhard
    “Ein kommunistisches System ist immer zentralistisch.”

    1.) Die DDR begriff sich in ihrem Selbstverständnis als sozialistisch, als im Übergang zum Kommunismus befindend.

    2.) Sozialismus im marxistischen Sinn muss demokratisch sein, sonst widerspricht er seinen eigenen Anforderungen und Zielsetzungen. Solange eine zentrale Planung demokratisch legitimiert, rechenschaftspflichtig und abwählbar ist, ist Zentralismus kein Problem.

    3.) Die Krise des Kapitalismus lässt die davon betroffenen Staatswesen sowie die EU immer zentralistischer agieren, im Sinn einer zentralen politischen Planung zur Rettung des Systems. Nicht nur im Sozialismus gibt es Zentralismus, ja er ist sogar ein Wesensmerkmal kapitalistischer Krisenpolitik.

  14. Lodur

    Das hasserfüllte Gekreische einer Rennziege ist wie immer keine Beantwortung wert.

  15. Lodur

    Und Faktum ist auch, dass Arbeitslosigkeit nicht nur eine Folge der kapitalistischen Produktionsweise, sondern von den Arbeitgebern selbst sogar erwünscht ist. Denn ohne Arbeitslose lassen sich Lohn- und Arbeitsdruck schlecht erhöhen, schließlich gäbe es ja dann keine potenziellen Arbeitnehmer, die bereit wären, unter schlechteren Bedingungen als die in Lohn und Brot stehenden Werktätigen zu agieren, nur um auch ein Einkommen zu erlangen.

  16. Lodur

    “Ist es das nicht, ist es ein anarchistisches System; andere Baustelle und ganz und gar nicht marxistisch.”

    Kommunismus im marxistischen Sinn ist Anarchismus:

    “Die arbeitende Klasse wird im Laufe der Entwicklung an die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft eine Assoziation (= freiwillige Vereinigung) setzen, welche die Klassen und ihren Gegensatz ausschließt, und es wird keine eigentliche politische Gewalt mehr geben, weil gerade die politische Gewalt der offizielle Ausdruck des Klassengegensatzes innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft ist. …” (K. Marx, Elend der Philosophie, MEW 4, 181f.)

    “An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation (= freiwillige Vereinigung), worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.” (K. Marx, Kommunistisches Manifest, MEW 4, 482.)

  17. Reinhard

    @Lodur
    “Sozialismus im marxistischen Sinn muss demokratisch sein, sonst widerspricht er seinen eigenen Anforderungen und Zielsetzungen. Solange eine zentrale Planung demokratisch legitimiert, rechenschaftspflichtig und abwählbar ist, ist Zentralismus kein Problem.”

    Und genau da liegt der Hase im Pfeffer.

    KEINE Zentralmacht lässt sich, einmal von Wählerstimmen legitimiert, von diesen wieder entfernen. Immer nach dem guten alten Motto: Wenn Wahlen etwas ändern würden, hätte man sie schon verboten. Daher auch das in zentralistischen sozialistischen Systemen vorherrschende “freie” Wahlsystem. Wie das in der DDR ablief dürfte auch Ihnen bekannt sein, ich erkläre es Ihnen aber auch gerne an anderer Stelle.
    Zentralismus ist immer ein Problem, denn nur der Zentralismus in jeglicher Form bereitet den Boden für Diktaturen. Besonders aus linken Kreisen kommen doch die ganzen Vereine zu Bekämpfung der mehrheitsdemokratischen “Diktatur der Mehrheit über die Minderheiten”; genau das ist aber ein Problem zentralistischer Strukturen.

    Zum Zweiten erkenne ich einen gewissen Widerspruch in Ihren eigenen Postings. Hier kreideschmeicheln Sie von “demokratischer Legitimation”, die nach unserem Verständnis nur durch Agitation und freie Wählerentscheidung durch eine Mehrheit erreicht werden kann; andernorts freuen Sie sich aber auf die Bereitung des Bodens für den revolutionären Aufstand der geknechteten Werktätigen und den Sturz des kapitalistischen Systems. Als Marxist identifizieren Sie sich ja auch mit der marxschen Überzeugung, der Sturz der herrschenden Ausbeuterklasse kann nur in einer blutigen Revolution erfolgen, die sich aus der Befreiung der geknechteten Massen aber selbst legitimiert. Dabei übersehen Sie, dass revolutionäre Aufständische nicht unbedingt die demokratische Mehrheit sein müssen, ja diese nicht einmal automatisch repräsentieren, wie das immer wieder fälschlich vorausgesetzt wird. Seit die zu Marxens Zeiten vorhandenen Massen billigster Tagelöhner (“doppelt freier Lohnarbeiter”) als Facharbeiter und Angestellte im von Wohlstand geprägten bürgerlichen Mittelstand angekommen sind, fühlen sie sich eben nicht mehr geknechtet (außer durch den massiv steuereintreibenden und enteignenden Staat, der damit aber jene füttert, die sonst nix tun oder aus Kompetenzgründen keinen Job finden würden).

    Ich finde es immer wieder seltsam, wie jemand, der den Katholen vorwirft, ihr Glaube wäre von gestern und ihre Bibel veraltet, selbst so bedingungslos am Geschreibsel eines an seiner Gesellschaft Gescheiterten hängt, der in Zeiten lebte, als die gesellschaftlichen Bedingungen ganz andere waren. Es gibt die marxsche Klassentrennung mit dem Lineal nicht mehr, es gibt keine Legitimation für selbsternannte “Klassenkämpfer”, die glauben, sich für eine Klasse in einen Kampf gegen eine andere Klasse werfen zu müssen. Diese Denkschablonen haben ausgedient. Wer einer gestrigen Ideologie anhängt und nicht erkennt, dass sie in der heutigen Zeit keine Gültigkeit mehr hat, weil 99% der “Werktätigen” ebenso wie 99% der “Kapitalisten” inzwischen begriffen haben, dass Unternehmer und Arbeiter nicht gegeneinander sondern miteinander arbeiten und beide voneinander abhängig sind und ihr Erfolg umso größer ist, je weniger politische Machtstrukturen auf sie EInfluss nehmen.

    Eine Ideologie, die dem Bauern einreden will, dass er ein böser Mensch ist, wenn er eine Kuh besitzt, und ihm, wenn er diese dem Staat schenkt, aber das lebenslange Anrecht auf Milch auf Marken verspricht, wird bei keinem Bauern mit Hirn ankommen.

    Und wer glaubt, es gäbe kein unternehmerisches Risiko an einem freien Warenmarkt, nur weil der Staat und die Partei selbst jetzt Unternehmer werden, der ist entweder blind für die Flexibilität der Bedürfnisse der Menschen (nein, nicht der “Gesellschaft”, das ist Kokolores und eine Ausrede, denn “die Gesellschaft” existiert nicht als Kunde oder Marktagierende, sondern immer und ausschließlich Individuen!) oder er negiert diese Flexibilität und verdonnert die Menschen zum Konsum der staatlich vorgesetzten Portion EInheitsbrei.
    Der Kommunismus ist eine Sackgasse, die am Menschen scheitert.
    Wie jeder Versuch, “von oben” die Massen mit Modellen zu beglücken, die keine Rücksicht auf ihren individuellen Lebens- und Arbeitsstil nehmen. Sie können keine Gesellschaft ohne Freie Unternehmer gründen, ohne alle Menschen mit dem Drang zur Freiheit und Mut zum Risiko unter Androhung des Gulags zu unterdrücken. Deshalb führt Marxens Traum vom Freien Arbeiter auch zur “Diktatur des Proletariats” und zur staatlichen Unterdrückung aller Andersdenkenden.

  18. Lodur

    “Als Marxist identifizieren Sie sich ja auch mit der marxschen Überzeugung, der Sturz der herrschenden Ausbeuterklasse kann nur in einer blutigen Revolution erfolgen, die sich aus der Befreiung der geknechteten Massen aber selbst legitimiert.”

    So, als ob die Bürgerlichen Revolutionen wie die Französische, eine Pazifistenveranstaltung gewesen wären.

    “KEINE Zentralmacht lässt sich, einmal von Wählerstimmen legitimiert, von diesen wieder entfernen.”

    Und um das zu verhindern, braucht es die permanente Revolution.

  19. Lodur

    “Und wer glaubt, es gäbe kein unternehmerisches Risiko an einem freien Warenmarkt, nur weil der Staat und die Partei selbst jetzt Unternehmer werden, der ist entweder blind für die Flexibilität der Bedürfnisse der Menschen (nein, nicht der “Gesellschaft”, das ist Kokolores und eine Ausrede, denn “die Gesellschaft” existiert nicht als Kunde oder Marktagierende, sondern immer und ausschließlich Individuen!) oder er negiert diese Flexibilität und verdonnert die Menschen zum Konsum der staatlich vorgesetzten Portion EInheitsbrei.”

    Bei Kollektivierung der Produktionsmittel und der damit verbundenen Führung der Betriebe durch die Arbeiter und Konsumenten gibt es keine Unternehmer und auch kein unternehmerisches Risiko mehr, da bedürfnis- und nicht tauschwertorientiert produziert wird. Ergo muss auch kein Unternehmer/Betrieb einen produzierten Mehrwert am Markt realisieren. Das Problem bei Liberalen ist, dass sie den Sozialismus auf Basis kapitalistischer Maßstäbe zu widerlegen versuchen.

  20. Reinhard

    Leider gleiten die Threads zu schnell in den Keller des Vergessens, daher mein letzter Einwand für diesen Strang:
    Das mit der Kollektivierung und der Führung durch die Arbeiter klingt ja gut, funktioniert aber nicht. Produktionsstränge funktionieren nicht nach dem Prinzip Wunsch des Einzelnen oder Ergebnis basisdemokratischer Diskussionsrunden. Es muss entschieden werden, und das rasch.

    Den Rest kann ich einfach nicht mehr Ernst nehmen. Es gibt weder einen Mehrwert noch einen Markt? Müssen wir wirklich Begriffsbestimmung betreiben? Der Mehrwert eines Produktes ergibt sich aus seinem höheren Gebrauchswert; im kapitalistischen System durch den Gegenwert des Tauschmittels Geld dargestellt, in Wirklichkeit aus dem Wert der Brauchbarkeit entstehend. Ein Rasierer ist besser zur Bartabnahme geeignet als ein Stück Blech, weswegen ich auch mehr Leistung in einen Rasierer investiere als in ein solches. Es existiert also am Ende einer Produktion immer ein Mehrwert, genauso wie am Ende des Verbrauchs immer ein Wertverlust steht. Ein zwanzigmal benutzter Rasierer ist schlechter zu gebrauchen als ein neuer. Wie ich den Wert darstelle, ob mit Währungszahlen, Arbeitseinheiten oder Bonuspunkten, ist vollkommen egal.
    Der Bedarf des Konsumenten bestimmt auch heute schon die Produktion – findest keinen, der seine Leistung in deine Ware investieren möchte, geht die Firma den Bach runter oder muss sich den Wünschen der Konsumenten beugen. Einzige Ausnahmen sind bisher hochsubventionierte Staatsbetriebe, no na.
    Dass Waren immer an einem Markt angeboten werden müssen, außer man lebt autark in einer Art Kibbuz und fährt seine Bedürfnisse radikal in den Keller, versteht sich wohl auch von selbst. Die Auswahl von Produkten steht nun einmal in einem Geschäft zur Verfügung, und der einzelne Kunde entscheidet aus seiner momentanen Laune heraus, welches Angebot er heute annehmen möchte. Daher gibt es Massengüter, deren Bedarf statistisch vorherberechnet werden muss; aber angeboten werden müssen sie immer auf einem Markt.
    Es wird also immer einen Mehrwert geben und immer einen Markt, solange wir nicht in steinzeitliche Lebensverhältnisse (nicht Umstände, bitte nicht verwechseln) des “Urkommunismus” zurückfallen wollen. Solange wir als Menschen den Drang nach Konsum, nach Fortschritt und nach Befriedigung persönlicher Bedürfnisse verspüren, den Drang nach Freiheit und freier Wahl der Möglichkeiten, wird es keinen anderen Maßstab geben können als den Liberalen. Der Kommunistische ist der Feind der Freiheit.

    Ach ja, zwei Dinge noch: Revolutionen sind immer blutig, egal von wem. Nur haben sich die Bürgerlichen von diesem Gedankengut verabschiedet, während die Marxisten die blutige Revolution bis heute als legitimes Mittel zur Durchsetzung ihrer Interessen sehen. Dass sich das Klassenbild überholt hat, möchte ich nicht wiederholen.
    Und eine “permanente Revolution”, also bitte, jetzt entführt uns das Sandmännchen aber ins Traumsandland. Sie begehren selbst die Notstände, die zu einer Revolution führen würden, um dann den Wohlstand aller Werktätigen zu sichern – ich denke, Wohlstand und Revolution passen nicht zusammen? Sind es nicht immer die Benachteiligten, die gegen die Privilegierten aufstehen? Sind die Werktätigen nicht auch wieder nur die Privilegierten Ihres Systems, in dem jeder Mensch mit Unternehmergeist und Freiheitsdrang ins werktätige Kollektiv verdammt wird, ob er will oder nicht?
    Woran Ihr Marxisten immer scheitern werdet ist der Traum von der großen, allumfassenden Gleichheit und Gerechtigkeit. Denn die gibt es nicht. Auch die Diktatur des Proletariats ist nur eine Diktatur und lebt von der Unterdrückung anderer. So gesehen sind Liberale eher Realisten.

  21. Lodur

    “Der Mehrwert eines Produktes ergibt sich aus seinem höheren Gebrauchswert; im kapitalistischen System durch den Gegenwert des Tauschmittels Geld dargestellt, in Wirklichkeit aus dem Wert der Brauchbarkeit entstehend.”

    Falsch. Der Mehrwert ist jener Wertanteil im Wertschöpfungsprozess, der über den Ersatz der Kosten für die menschliche Arbeitskraft und die Produktionsmittel hinausgeht. Der Mehrwert entsteht natürlich nicht aus dem “Wert der Brauchbarkeit” (=Gebrauchswert), sondern aus dem Faktum, dass die menschliche Arbeitskraft etwas produziert, was einen höheren Wert als sie selbst hat. Und dieser Wert der menschlichen Arbeitskraft basiert auf dem Quantum der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit (bzw. -kraft), die nötig ist, um dieser Arbeitskraft zu (re-) produzieren, zu erhalten, zu verfestigen. Natürlich muss als Grundlage einer Warenproduktion diese Ware einen Gebrauchswert haben, um überhaupt einen Tauschwert zu erlangen.

    “Der Bedarf des Konsumenten bestimmt auch heute schon die Produktion – findest keinen, der seine Leistung in deine Ware investieren möchte, geht die Firma den Bach runter oder muss sich den Wünschen der Konsumenten beugen. Einzige Ausnahmen sind bisher hochsubventionierte Staatsbetriebe, no na.”

    Das Problem dabei ist, dass man erst ab einer gewissen finanziellen Liquidität zum Konsumenten wird. Die kapitalistische Marktwirtschaft befriedigt also lediglich Bedürfnisse mit einer bestimmten Zahlungskraft, ist also tauschwertorientiert. Sozialismus produziert auf Basis der Bedürfnisser aller am System Teilhabenden, also gebrauchswertorientiert.

    “Das mit der Kollektivierung und der Führung durch die Arbeiter klingt ja gut, funktioniert aber nicht. Produktionsstränge funktionieren nicht nach dem Prinzip Wunsch des Einzelnen oder Ergebnis basisdemokratischer Diskussionsrunden.”

    Unter kapitalistischen Bedingungen natürlich nicht. Das ist ja auch eines der Hauptprobleme Venezuelas, eine Verfassung mit sozialistischen Elementen in einer noch immer kapitalistischen Gesellschaft. Diese schränken die Profitrate der dortigen Unternehmer ein, von denen die meisten daher nur mehr auf Terror und Sabotage setzen.

  22. Lodur

    “Und eine “permanente Revolution”, also bitte, jetzt entführt uns das Sandmännchen aber ins Traumsandland.”

    Permanente Revolution heißt, dass Klassenbildungen immer und immer wieder bekämpft werden müssen. Auch die Entstehung von Bürokratien, die nur ihrem eigenen Interesse dienen, werden im Rahmen der permanenten Revolution bekämpft. Das heißt nichts anderes, dass politische/administrative Amtsträger wählbar, rechenschaftspflichtig und abwählbar sein müssen.

    “Auch die Diktatur des Proletariats ist nur eine Diktatur und lebt von der Unterdrückung anderer.”

    An deren Ende die kommunistische, also klassenlose Gesellschaft steht. Die “Diktatur des Proletariats”, also die Demokratie der Lohnabhängigen, ersetzt die dem Sozialismus vorhergehende “Diktatur des Kapitals”, also die bürgerlich-liberale Parteiendemokratie.

    “So gesehen sind Liberale eher Realisten.”

    Nein, nur Verteidiger von Armut, Ausbeutung und Entrechtung.

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