Sozialdemokratischer Sozialismus

Von | 13. Oktober 2015

“……Wenn Einkommen produziert wird, ist es automatisch verteilt; der Produzent ist der Eigentümer. Im Gegensatz dazu befürwortet der Sozialismus sozialdemokratischer Art die teilweise Enteignung der natürlichen Eigentümer durch die Umverteilung eines Teils des Einkommens von den Produzenten weg hin zu Personen, die, was immer ihre sonstigen Verdienste sein mögen, jedenfalls definitiv nicht das in Frage stehende Einkommen produziert haben und die definitiv keinen wie immer gearteten vertraglichen Anspruch darauf haben, und die zusätzlich das Recht haben, einseitig, d.h. ohne auf das Einverständnis des betroffenen Produzenten warten zu müssen, zu bestimmen, wie weit diese Enteignung gehen darf….” (H.-H. Hoppe, hier)

9 Gedanken zu „Sozialdemokratischer Sozialismus

  1. Fragolin

    “Sozialdemokratischer” (er sit beides nicht, niemals) Sozialismus heißt, der Eine soll das Risiko tragen, ohne Anrecht auf den Gewinn zu besitzen, derweil der Andere den Rechtsanspruch auf den Gewinn hat, aber kein Risiko tragen muss. Dieses System führt automatisch zur heute sichtbaren Perversion des Rechtsstaates, in dem die Einen alle Pflichten aber keine Rechte besitzen, derweil die Anderen alle Rechte aber keine Pflichten haben.
    Der Sozialismus, der immer von sich behauptet die Endsiegsituation im Klassenkampf darzustellen, ist in Wirklichkeit ein menschenverachtendes Ausbeutersystem. Es gibt keine Achtung vor dem Menschen, seiner Leistung und seinem Eigentum, nur Neid, Hetze, Forderung und Verächtlichmachung. Wenn jemand einen Vertrag abschließt, eine Leistung erbringt und dafür entlohnt wird, ist das Ausbeutung, aber wenn jemandem die Hälfte seines Gewinnes ohne Gegenleistung und unter Androhung des Einsatzes des staatlichen Gewaltmonopols enteignet wird, ist das Gerechtigkeit – ein System, das auf einer solch kranken Denkweise basiert, kann nur krank sein.

  2. Panta rhei

    Ich möchte nur dazu bemerken, dass Arbeiter und Angestellten auch kein Risiko tragen, aber durch die Bereitstellung ihrer Arbeitkraft an der Wertschöpfung mitwirken und man diese daher ebenso zu den Geschröpften zählen darf. Was den Sozialismus stärkt, ist die rasant wachsende Zahl derer, die von diesem System erhalten werden – so entsteht ein sich gegenseitig verstärkende Wechselwirkung, wenn man darauf achtet, möglichst viele in existenzielle Abhängigkeit zu bringen, auch durch “Import”. In Wien hat das schon sehr gut funktioniert.

  3. de Voltaire

    @ Panta rhei
    Natürlich tragen Arbeiter und Angestellte ein Risiko. Wenn ein Unternehmen nicht ausreichend erfolgreich seine Kunde zufriedenstellen und Gewinn erwirtschaften kann, dann wird dieses Unternehmen zusperren und die Arbeiter und Angestellten ihren Arbeitsplatz verlieren. Wenn ein Arbeiter oder Angestellter die am Arbeitsmarkt gehandelten Ansprüche nicht oder nicht zu den geforderten Kosten erfüllen kann, dann wird er keinen Arbeitsplatz finden / behalten. Oder eben nicht das verdienen, das er gerne hätte.
    Das sozialistische Anspruchsdenken, das, wie Sie richtig bemerken, viele in existenzielle Abhängigkeit bringt, verschleiert aber genau diese Risiken und die damit einher gehenden Möglichkeiten und Chancen.

    Merke: existentielle Abhängigkeit von den eigenen Möglichkeiten* ist böse, existentielle Abhängigkeit vom Staat ist gut. Aber eben nur für den Staat.
    *) Nur um nicht falsch verstanden zu werden: Damit sage ich nichts gegen eine soziale Absicherung von Menschen, die sich nicht selbst ernähren können. Aber das kann nur die Ausnahme, nicht die Regel sein.

  4. panta rhei

    @ de Voltaire
    “Natürlich tragen Arbeiter und Angestellte ein Risiko.” Ich meinte hier im engeren Sinne das unternehmerischen Risiko und wollte ergänzend zu Fragolin auch die Arbeiter und Angestellten nicht unerwähnt lassen. Das unternehmerische Risiko kann man finde ich nicht mit dem eines unselbständig Erwerbstätigen vergleichen. Denn jene müssen nicht ihr privates Vermögen riskieren und bekommen Arbeitslosengeld, auch wenn sie mal keine Arbeit haben.

  5. de Voltaire

    @panta rhei
    Natürlich ist das wirtschaftliche Risiko eines Unternehmers größer, kein Widerspruch, auch nicht zu Fragolin weiter oben. Aber es trägt eben jeder, der am freien Markt sein Geld verdienen muss, auch ein Risiko. Die Umschichtung dieses Risikos vom Arbeiter und Angestellten zum Unternehmer und ganz besonders vom Staatsangestellten, Beamten und Politiker zu allen anderen ist eben das menschenverachtende Ausbeutersystem des Sozialismus. Und gleichzeitig das Werkzeug, um sich ausreichend viele (mittels existentieller Abhängigkeit) als verlässliche Wähler zu halten. Siehe zB den Mißbrauch “öffentlicher” Mittel zum Ankauf von (Beamten-)Wählerstimmen, den übrigens kein Medium mehr thematisiert.
    Aber der Österreicher will es ja nicht anders …

  6. Mordred

    ich verstehe den sinn des artikels nicht wirklich. will er tatsächlich nur die trivialität aufzeigen, dass zwischen marxismus und sozialdemokratie das handling von eigentumsrechten bzw. von deren aneignung “nur” graduell unterschiedlich sind? oder habe ich ein brett vorm kopf?

  7. Marcel Elsener

    @Mordred
    Ich verstehe Hoppes Text dahingehend, dass der sozialdemokratische Sozialismus ‘lediglich’ Einkommen umverteilt und der marxistische Hardcore-Sozialismus zusätzlich auch noch Vermögen. Allerdings scheinen mir die Grenzen zwischen beiden Sozialismusformen fliessend zu sein. Voraussetzung ist in jedem Fall eine autoritäre Führungsstruktur, die die Untertanen durch das von ihr beherrschte Repressionssystem gängeln und ausbeuten kann. Auch glaube ich nicht, dass sich deren ideologischen Unterschiede im differierenden Umverteilungsumfang schon erschöpfen.

    Zweifellos gibt es sozialistische Theoretiker, die inbrünstig behaupten, dass es irgendwo und irgendwie doch noch den ‘wahren Sozialismus’ gebe, der keine Menschen unterdrücke und gängle. Nur hat bislang niemand irgendeine Form des ‘wahren Sozialismus’ in grösserem Massstab verwirklicht ohne dabei auf autoritären (und nicht selten totalitären) Machtstrukturen des Staates zurückgreifen zu müssen. Die Machthaber in den Ostblockstaaten sprachen zu Recht vom ‘real existierenden Sozialismus’ im Gegensatz zur real inexistenten Sozialismus-Utopie irgendwelcher weltfremder Träumer. Eine Sonderform des real existierenden Sozialismus war auch die Volksheim-Ideologie in Schweden, die aber deutlich kürzer dauerte als die sozialistische Diktatur in der Sowjetunion.

    Die Kibbuz-Idee kam dem utopischen Sozialismus vielleicht noch am nächsten, da nie jemand gezwungen wurde, im Kibbuz zu leben. Die jedoch dort lebten, hatten ein ziemlich streng reguliertes Leben, und waren somit sehr stark in ein autoritäres System eingebunden. Formell wurden Entscheide im Kibbuz zwar basisdemokratisch gefällt; faktisch aber entschied wohl immer eine Minderheit von Persönlichkeiten mit Führungsqualitäten die wesentlichen Kibbuzbelange, und die Mehrheit dackelte treudoof hinterher. Es handelte sich somit um informelle Oligarchien, die eine gewisse Ähnlichkeit mit primitiven Sippen und Clans haben. Der Kibbuz war ein sehr kleinräumiges Herrschaftsmodell weit unterhalb der Grösse eines Staates, weshalb auch keine staatlichen Herrschaftsstrukturen notwendig waren, da alles sehr überschaubar war. Ausserdem konnte sich die Kibbuz-Idee kulturgeschichtlich nur kurze Zeit (wenige Generationen) halten.

    Die sozialistisch-anarchistischen (und angeblich antiautoritären) Kommunen der 60er und 70er Jahren waren in der Regel schon nach wenigen Jahren wieder zerfallen. Das ist kein geeignetes Modell, innerhalb dessen generationenübergreifend eine menschliche Gesellschaft sich reproduzieren und damit ihre Existenz langfristig sicherstellen kann. Auch hier ist der Sozialismus gescheitert.

    Und noch immer warten die Sozialisten auf ihr materialistisches Paradies in Form einer klassenlosen Gesellschaft und auf den Heiland, der sie dort hinführen soll; und sie warten und warten und warten. Noch jeder sozialistische Messias, der die Verwirklichung der sozialistischen Utopie versprach, hat sich hinterher als falscher Messias entpuppen. Nicht selten haben wahre Leichenberge die Verwirklichung seiner sozialistischen Utopie gesäumt.

    Man muss schon einen sehr starken Glauben haben, wenn man trotz aller Fehlschläge und trotz der Leichenberge noch immer an den Sozialismus glaubt.

  8. Dorfbewohner

    @ Marcel Elsener
    Tolle Kurzbeschreibung!
    Auch die Querverweise auf die westlichen Kommunarden und die Kibuzze.
    Nur einen Einspruch hätte ich. Sie warten und warten nicht. Sie arbeiten und arbeiten, ähnlich wie in der Homöopathie, oder besser wie bei einer schleichenden Vergiftung. Und wie bei der schleichenden Vergiftung merkt man es erst, wenn es zur Rettung zu spät ist!

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