„Soziale Gerechtigkeit“: Eine sozialistische Utopie

(ANDREAS TÖGEL) Im Ringen um die Nachfolge der Chefin der Wiener Grünen, Maria Vassilakou, tritt unter anderem auch deren „Sozialsprecherin“, Birgit Hebein, als Bewerberin in den Ring. Dass diese Frau sich niemals in ihrem Leben wertschöpfend betätigt hat, versteht sich von selbst. Immerhin trifft das ja auch auf so gut wie alle anderen Berufspolitiker zu, jedenfalls auf die in den Linksparteien.

Nach ihren vorrangigen politischen Zielen befragt, sieht die gelernte Sozialarbeiterin den Kampf gegen den in Österreich tobenden „Turbokapitalismus“ (!) als eine ihrer Hauptaufgaben. Es müsse endlich mehr linke Politik gemacht und mehr „soziale Gerechtigkeit“ hergestellt werden. Bei einem Grenzsteuersatz von 55%, einer Staatsquote, die nahe bei 50% liegt und angesichts einer Gesamtabgabenbelastung, die jeden „Besserverdiener“ um 2/3 seines Einkommens bringt, von „Turbokapitalismus“ zu phantasieren, führt unausweichlich zur Frage, welchen Planeten jener Mond wohl umkreisen mag, auf dem Frau Hebein lebt.

Denn nie zuvor wurden die Leistungsträger im Land am Strome stärker geschröpft; nie zuvor waren seine Unternehmer stärkeren Regulierungen ausgesetzt; andererseits wurde es nie zuvor arbeitsscheuen Individuen leichter gemacht, ihren Mitmenschen gegenleistungsfrei auf der Tasche zu liegen – und zwar lebenslänglich. Das also ist es, wodurch der „Turbokapitalismus“ sich auszeichnet? Ein Glück, dass es linke Geistesakrobaten vom Kaliber Frau Hebeins gibt.

Wer beherzt und unermüdlich den Kampf für die „soziale Gerechtigkeit“ aufnimmt, oder allein schon das Wort „sozial“ in inflationärer Weise gebraucht, weist sich dem kundigen Beobachter in jedem Fall als Experte fürs Fischen im Trüben aus. „Sozial“ bedeutet in der Spätzeit des wohlfahrtsstaatlichen Sozialdemokratismus nämlich, die volle Konzentration auf das Verteilen des Geldes der Werteproduzenten auf Sozialbürokraten und müßige Nichtproduzenten. Der systematische Raub an den Leistungsträgern, wird mit wortreichem Gefasel von „gesellschaftlicher Solidarität“ und der unabdingbar angezeigten staatlichen Fürsorge für diejenigen legitimiert, die vermeintlich nicht selbst für sich sorgen können. Ein netter Versuch, offensichtliches Unrecht mit „guten Gründen“ zu tarnen.

Denn Solidarität hat mit erzwungener Vermögens- und Einkommensumverteilung nicht das Geringste zu tun. Solidarität (mit Unterprivilegierten) folgt aus einer autonomen, freien Entscheidung mündiger, selbstverantwortlicher Bürger, nicht aus den Befehlen einer machttrunkenen Nomenklatura. Zwang und Gewalt, oder deren Androhung, können niemals Solidarität begründen. Güte und Barmherzigkeit können nur das Produkt einer freien Wahl sein – einer freien Entscheidung für das Gute und gegen das Böse, niemals aber das Ergebnis einer Anordnung par ordre du Mufti.

Einer der wenigen Nobelpreisträger die Österreich nach dem zweiten Weltkrieg hervorgebracht hat, Friedrich August von Hayek, bezeichnete den Begriff „sozial“ einst als „Wieselwort“, das zur gleichen Zeit alles und nichts aussagt. Der Begriff „soziale Gerechtigkeit“ dagegen, stößt sogar in den Bereich orwell´scher Qualität vor: Er stellt auf materielle Gleichheit ab, auf eine egalitäre Gesellschaft, in der jeder – ungeachtet seiner Leistung – den gleichen Lohn erhalten und das gleiche besitzen soll. Da Menschen aber nun einmal hinsichtlich ihres Fleißes, ihrer Talente und ihrer (Leistungs-)Fähigkeit sehr verschieden sind, ist selbstverständlich auch ihr „Output“ ungleich. Und zwar nicht, wie die Egalitaristen behaupten, aufgrund von „gesellschaftlicher Ungerechtigkeit“, Zufall oder Glück. Ungleichheit zwischen den Individuen ist vielmehr ein lupenreines Naturprodukt. Und weil das so ist, kann es in einer „kapitalistischen“ Marktgesellschaft keine Ergebnisgleichheit geben. Deshalb wiederum beraubt der sozialistische Wohlfahrtsstaat seine produktiven Insassen – ohne sie nach ihrer Meinung zu fragen – der Früchte ihrer Arbeit, um sie an seine eigenen unproduktiven Agenten und an seine vermeintlich bedürftigen Klienten zu verteilen.

Da die Anwendung von Zwang und initiierter Gewalt gegen eine bestimmte, von Bürokraten für vogelfrei erklärte Gesellschaftsgruppe, unmöglich gerecht genannt werden kann, bedeutet „soziale Gerechtigkeit“ somit das exakte Gegenteil von Gerechtigkeit. Orwell pur, wie bereits ausgeführt: Freiheit ist Zwang und Krieg ist Frieden. Und die Umverteilungsexperten in allen Parteien sind durchwegs edle Menschen – ganz bestimmt!

Um auf den Punkt zu kommen: Nicht grundlos hat Hayek den Begriff „soziale Gerechtigkeit“ „völlig leer und bedeutungslos“ genannt. Wohlstand entsteht nun einmal nicht durch „gerechte“ Verteilung, sondern durch Produktion. Somit führt der Kampf für die Herstellung von Ergebnisgleichheit – als Konsequenz der damit zwingend verbundenen Leistungsbestrafung und Produktivitätssenkung – zur Gleichverteilung von Mangel und Armut. Immer. Überall. Man braucht nicht unbedingt nach Venezuela zu reisen, um dafür den Beweis zu finden.

9 comments

  1. Michael Haberler

    Ich finde es gut, daß Hebein und Ellensohn zwei astreine Kummerln für den Vorsitz der Grünen kandidieren.

    Damit sollte auch dem schlichtesten Wähler klar sein, welche Farbe die Hand im grünen Kasperl hat.

  2. Marianne

    Wie gut, daß es das Migrationsasylantenthema gibt. Sonst würde doch glatt wem auffallen, daß Nettozahlern 2/3 ihres Lebenseinkommens weggenommen wird.

  3. sokrates9

    Die einfachsten wirtschaftlichen Zusammenhänge werden nicht mehr erkannt und kapiert! Dies trifft auf Politikerinnen und Medien zu. Ist doch logisch dass dann auch der einfache Bürger Zusammenhänge nicht mehr erkennt!

  4. Boris Danner

    Danke für den tollen Artikel. Das Problem ist und bleibt der Neid. Es liegt in der Natur der Sache, dass es weniger Reiche als Normal- und Geringverdiener gibt. Somit entfaltet der polemische Satz, Diktatur sei die Diktatur des Pöbels, seine ganze Kraft. Der Neid, anderen etwas wegzunehmen, um selber besser dazustehen, lässt die Menschen links wählen. Das und die in Westeuropa angesiedelte Erinnerung an den zweiten Weltkrieg und die damit einhergehende Überzeugung, rechts sei böse und links sei gut.
    Wenn nicht komplett beseitigt, aber doch abgeschwächt kann dieser Neid und diese historische Verblendung nur durch ein kulturelles Misstrauen gegen den Staat werden. In den USA sieht man dieses Misstrauen überall. Die Waffengesetze, die geradezu perverse Wut, die sich bei Obamacare aufgestaut hat oder der Begriff “Kommunist” als Beleidigung sind Zeugnis dessen. Deutsche und Österreicher sind staatsgläubige und unselbstständige Lemminge. Das ist das Ergebnis jahrzentelangen Wohlfartsstaates. Wie die Eltern, die ihr Kind rund um die Uhr bewachen, damit es sich nicht wehtut, somit dem Kind aber die Möglichkeit verweigern, durch einen unüberlegten Griff auf die Herdplatte die Wirkung von Hitze zu lernen und sein Leben lang nicht mehr zu vergessen. Ich sehe keinen Politiker, keine Bewegung und kein Ereignis, das imstande wäre, diesen Umstand zu verändern. Zu bequem ist die Ausgangslage und zu leicht die Schuldzuweisung Richtung “Turbokapitalismus”, um das ständige Versagen eines nimmersatten 80%-sozialistischen Staates zu erkennen und zu ändern. Mehr finanzielle und wirtschaftliche Bildung in der Schule wäre die einzige Möglichkeit, an dieser Burg zu kratzen. Da aber die Lehrer und Beamten, die an dieser Situation verdienen, kaum ihr eigenen Grab schaufeln werden, sehe ich ziemlich schwarz für unsere Zukunft.
    Grüße aus dem Schwabenland

  5. sokrates9

    Boris Danner@..Mehr finanzielle und wirtschaftliche Bildung in der Schule wäre die einzige Möglichkeit, an dieser Burg zu kratzen.. Glaube ich nicht; Das Problem liegt tiefer! Wir sind in einem sozialistischen Nannystaat der uns das Denken abgewöhnt und wir von der Wiege bis zur bahre ohne ” Mutti” total hilflos sind!Eigenverantwortung, Streben nach Bildung, Reichtum,Wissen, Ehrlichkeit, hat doch alles wenig Bedeutung! Wenn sie heute viel Arbeiten sind sie der Dumme, mit Spitzensteuersätzen wird wieder nivelliert. Individuelle Leistung zählt weniger als 2sozioale Kompetenz” Wichtig ist dass wir uns alle lieb haben! Nur die rechten, di muss man aus voller Seele hassen, die streben doch nach Individualismus!

  6. Falke

    Die grüne Möchtegern-Kandidatin hat offenbar nicht einmal den deutschen Wahlkampf verfolgt (oder gar verstanden), wo dem SPD-Spitzenkandidaten Martin Schulz außer dem Schlagwort “Gerechtigkeit” nichts anderes eingefallen ist. Dementsprechend war auch das Ergebnis.

  7. fxs

    Durch Vorsetzen einen Adjektivs vor einen Begriff wird oft die positive Bewertung eines Begriffes verwendet, aber das Gegenteil der ursprünglichen Bedeutung diese Begriffes gemeint. Politische Korrektheit meint, im Gegensatz zur Korrektheit schlechthin, dass bestimmte Aspekte eines Themas zu verschweigen sind. Soziale Gerechtigkeit meint, dass eine gerechte Verteilung von Gütern, die ja jedem das zukommen lässt, was er selber geleistet hat, ungerecht sei, vielmehr müssten die Leistungsträger den Nichtsleistern einen Teil ihres Leistungserfolges abtreten.

  8. Johannes

    Schauen wir uns doch an wer in der Vergangenheit von sozialer Gerechtigkeit gesprochen hat.
    Da fällt mir ad hoc ein gewisser Gusenbauer ein auch eine gewisse Glawischnig, da gab es doch auch irgendwann einen gewissen Verzetnitsch und Rechberger, viele Bankdirektoren die alle Sozialisten waren, die eine wurde aus purer sozialer Gerechtigkeit in einem Konzern untergebracht nachdem der Herr Miniiiister sie aus der Fassung und das Krankenhaus aus ihrer politischen Karriere gebracht.
    Aus sozialer Gerechtigkeit wurden Fremdwährungskredite aufgenommen, das Budgetdefizit innerhalb von ein paar Jahren verdreifacht.
    Da gabs doch Einem der aus purer sozialer Gerechtigkeit links autonome Vereine großzügig fördern ließ und bei einem Anschlag in der rechten Szene ermitteln ließ bis sich die wahren Täter herausstellten.

    Die soziale Gerechtigkeit hat dazu geführt das ein Zuwanderer mit zehn Kindern eine kostenlose Behandlung seiner Frau forderte um ein 11. Kind zu bekommen.
    Soziale Gerechtigkeit bedeutet für viele, Einwanderung ohne Obergrenze, No Borders, Kopftuch tragen aus Solidarität, nimm dein Flaggerl für dein Gaggerl und vieles mehr.

    Weit kommt sie herum, die soziale Gerechtigkeit, heut zu Tag.

  9. Alice Benedik

    Sehr gute Beiträge. Analytisches selbständiges Denken findet auch in Österreich statt. Lässt den Glauben erstarken dass junge Leute durch hinterfragende Diskussion aus eingefahrenen Denkmustern herausgeführt werden können. Gute Leistung muss zur Schau gestellt, belohnt werden, als Vorbildfunktion dienen, das Selbstbewusstsein stärken. In.Österreich ünerkommt einem das Gefühl dass sich das Gros der linken Wählerschaft wie in einer “geschützten Werkstätte für Unterstützungsbedürftige” verhält. Die Erwartungshaltung an den.Staat erfordert unglaubliche Umverteilungsmittel. “Jaja da Wein is guad I brauch an neichn Huat” ist lustig und fidel. Dem.Reich der Folklore zuzuordnen.
    Beginnt in der Schule. Französisches Schulsystem

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