Sozialisten, der Neid und das Geld anderer Leute

(ANDREAS TÖGEL)  „Alles, was die Sozialisten vom Geld verstehen, ist die Tatsache, daß sie es von anderen haben wollen.“ Also Sprach Konrad Adenauer – und traf damit den Nagel auf den Kopf. Seit den trüben Tagen des Jahres 1848, als das „Kommunistische Manifest“ das Licht der Welt erblickte, kennen die Roten kein anderes Ziel, als den Kampf gegen diejenigen, die sie als ihren Klassenfeind identifiziert haben. Das sind faktisch nicht die wirklich Reichen, derer sie in Ermangelung einer zentralen Weltregierung ohnehin nicht habhaft werden, sondern die Angehörigen des Mittelstands, die „Bildungs- und Besitzbürger“, die ihnen auf dem Marsch in die lichtvolle Zukunft des Arbeiter-und-Bauern-Paradieses im Wege stehen.

Glaubten die Roten einst noch, die Produktivkraft des Kapitalismus mit einer Plan- und Kommandowirtschaft in den Schatten stellen zu können (immerhin fallen ja Reibungsverluste durch die als zerstörerisch missverstandene Konkurrenz weg), geben sie es heute, nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Hinwendung Rotchinas zu einer rigoros gelenkten Marktwirtschaft, etwas billiger. Dass Planwirtschaften nur in der Produktion von Mangel und Elend unschlagbar sind, haben nämlich auch sie inzwischen begriffen.

Nicht Kollektivierung, sondern Umverteilung heißt das neue Mantra. Nicht mehr die Verstaatlichung der Produktionsmittel, sondern den entschlossenen Kampf gegen die materielle Ungleichheit haben die Genossen jetzt auf ihr Panier geschrieben. Zu diesem Zwecke bedarf es zuallererst eines den Klassenfeind anvisierenden, willkürlich gesetzten Steuersystems. Marx und Engels meinten eine „starke Progressivsteuer“, deren segensreicher Wirkung wir längst teilhaftig werden: wer müßig herumhockt bleibt ungeschoren, wer etwas leistet, wird bestraft.

Doch eine Einkommensteuer mit konfiskatorischem Charakter reicht den Damen und Herren von der Linken mittlerweile nicht mehr. Sie träumen von Substanzsteuern, die nur die „wirklich Reichen“ treffen sollen. So beispielsweise Genossin Barbara Teiber, ihres Zeichens große Vorsitzende der österreichischen „Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier“. Für sie beginnt märchenhafter Reichtum bei einer Million Euro, wobei sie ihre Einschätzung auf die Umfrage eines parteinahen Meinungsforschungsinstituts stützt. Eine relative Mehrheit (26%) nennt auf die Frage nach der Untergrenze für die Einstufung als „sehr reich“ den Betrag von einer Million Nettovermögen. Alles inklusive versteht sich, also Immobilien, Wertpapiere, Firmenbeteiligungen, abbezahlte Autos, Bargeld etc. (abgezinst kapitalisierte Pensionsanwartschaften werden seltsamerweise nicht genannt).

Die „sehr Reichen“ sollen nach den Vorstellungen Frau Teibers künftig ein Prozent ihres – mutmaßlich nicht verdienten, sondern ererbten – Vermögens an den Fiskus abtreten. Ein Prozent klingt nicht viel, oder? Jährlich 10.000,- Euro und mehr vom Substanzwert ist allerdings ein schöner Batzen – besonders dann, wenn dieser beispielsweise in einer Immobilie festliegt. Ein vor 20 Jahren in guter Lage zu damals noch erschwinglichen Tarifen errichtetes Haus kann heute die Wertgrenze von einer Million locker überschreiten. Womit der Eigentümer, so er nicht über beachtliche Einkünfte verfügt, 10.000 Euro jährlich an „Reichensteuer“ zahlen soll, kümmert Frau Teiber natürlich nicht.

Ebenso wenig der Umstand, dass die Masse der Vermögen, man kann es nicht oft genug wiederholen, ja nicht in Juwelen, Luxyachten oder Privatflugzeugen steckt, sondern in den Betrieben. Substanzsteuern, gleich welcher Höhe, würden dem Mittelstand – und damit dem größten Arbeitgeber im Lande – erheblich schaden.

Anstatt dafür einzutreten, die Kapitalkraft der Betriebe zu stärken (etwa mit einer Reduktion der Körperschaftssteuer!) planen die neidgetriebenen Genossen einen Anschlag auf die Kuh, die sie zu melken beabsichtigen. Sie scheinen nicht zu bedenken, dass es nur „Reiche“ sind, die Arbeitsplätze schaffen, niemals aber Arme.

Einmal mehr erweist sich Nassim Talebs Befund („Skin in the Game“) als goldrichtig, wenn er meint, dass Leute, die bei ihrem Tun ihre Haut nichts aufs Spiel setzen, oft schlechte Entscheidungen treffen. Frau Teiber, die, so wie auch ihre gewerkschaftlichen Mitstreiter, ihr Lebtag lang weder einen produktiven Arbeitsplatz geschaffen, noch jemals wertschöpfend gearbeitet hat, macht da keine Ausnahme. Die wackere Frau sitzt zwar nicht in der Regierung, sollte sich aber dennoch ein Zitat Margaret Thatchers zu Herzen zu nehmen: „Sozialistische Regierungen richten traditionell ein finanzielles Schlamassel an. Immer geht Ihnen irgendwann das Geld anderer Leute aus.“

2 comments

  1. fxs

    Warum wohl, kommen von all den Migranten, die ja nach Ansicht der Linken alle hoch leistungsfähige Fachkräfe sind, ausgerreichnet nur die Ausnahmen, also jene Migranten die mangels Leistungsfähigkeit von Sozialsysterm leben, zu uns? Kann es sein, dass die Leistungsfähigen in Gegenden einwandern, wo sie weniger Steuern zahlen müssen, ihnen also mehr Netto von Brutto bleibt?

  2. Johannes

    Erst gestern sah ich eine Dokumentation (nicht im ORF) über den Werdegang Stalins, unter anderem sah man ein Foto aus den 20iger Jahren, Demonstranten hatten Schilder bemalt, sie waren denen heutiger Demonstrationen sehr ähnlich, darauf stand sinngemäß rückt euer Getreide heraus wir haben Hunger. Und so kam es das Lenin seine Schergen zu den Kulaken schickte aber auch zu den ganz kleinen Bauern und ihnen all ihr Saatgut raubte. Später wurden sehr, sehr viele Kulaken, die einen Aufstand führten, von Lenin und seiner kommunistischen Mörderbande erschossen.

    In der Folge kam es 1921-1922 zu einer Hungersnot die 5 Millionen Menschen das Leben kostete.

    1932-1933 war dann Stalin für die nächste große Hungersnot verantwortlich wieder starben drei bis sieben Millionen Menschen, laut Wissenschafter kann es nur Schätzungen geben.

    Ab hier ein Auszug aus nd aus dem Jahr 1993

    *Anfang August 1932 unterschrieb Stalin eine „Verordnung zum Schutz gesellschaftlichen Eigentums“, nach der bis Anfang 1933 allein in der RSFSR 54 645 Bauern verurteilt wurden, darunter 2 110. zur Todesstrafe, die aus Hunger und Verzweiflung sich von den schlecht bestellten Getreidefeldern heimlich Ähren abgeschnitten hatten. „Gesetz über eine Handvoll Ähren“ nannten die Bauern jene Verordnung.
    (Die große Hungersnot von 1932/33 in der Sowjetunion / Resultat einer fatalen Wirtschaftspolitik nd)

    **Kommunisten, die angesichts der wachsenden Hungersnot die Herabsetzung der Planauflagen, Hilfe für die Hungernden verlangten und sich Zwangsmaßnahmen widersetzten, wurden mit Parteiausschluß oder gar Lagerhaft „bestraft“. Stalin schickte „Außerordentliche Kommissionen“ unter Leitung von Molotow und Kaganowitsch in die Ukraine und den Nordkauskasus, damit diese aufräumten. Allein in der Region Nordkaukasus wurden ca. 26 000 Parteimitglieder, d. h. 45 Prozent der ländlichen Kommunisten, aus der Partei ausgeschlossen.

    Wie die damalige Stalinsche Führung voller Ignoranz die ländliche Bevölkerung ihrem Schicksal überließ, so scheinen auch heute der wohl noch längst nicht beendete Machtkampf der rivalisierenden Gruppen im Kreml und das Image, das die derzeitige Moskauer Führung gegenüber dem Ausland zu pflegen versucht, wichtiger, als die Sorgen und Probleme der Bevölkerung des Landes. Und das Ausland verhält sich auch nicht viel anders als damals, 1932/33. Prof. Dr. Horst Schützler

    * **Erschienen ist der Artikel im nd (Neues Deutschland) 1993

    Auszug aus Wikipedia
    Neues Deutschland (eigene Schreibweise: neues deutschland, Abkürzung: nd) ist eine überregionale Tageszeitung mit Leserschwerpunkt Ostdeutschland. Die Zeitung mit Sitz in Berlin versteht sich als „sozialistische Tageszeitung“. Sie hat die Rechtsform einer GmbH. Die verkaufte Auflage beträgt 20.577 Exemplare, ein Minus von 68,5 Prozent seit 1998.[1]

    Von 1946 bis 1989 war die Zeitung in der DDR das Organ des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Ab Dezember 1989 bis Anfang 2007 befand sich die Zeitung über eine GmbH im Besitz der Nachfolgepartei PDS.[2] Sie gehört seither jeweils zu 50 Prozent der Föderativen Verlags-, Consulting- und Handelsgesellschaft mbH – FEVAC, treuhänderisch für die Partei Die Linke[3] mit 50 Prozent Nominalkapital[4], und der Communio Beteiligungsgenossenschaft eG. Chefredakteur der Zeitung war von 2013 bis 2017 Tom Strohschneider. Er schied zum Ende des Jahres 2017 auf eigenen Wunsch aus der Redaktion aus. Bis zur Neubesetzung übernimmt sein Stellvertreter Wolfgang Hübner die Leitung der Redaktion.[5][6

    Empfehle auf Wikipedia : Neues Deutschland

    Man kann anhand der Einträge dort ein gutes Bild von der geschickten Metamorphose der Linken gewinnen.
    Wie jedes metamorphe Wesen kann es auch ganz schnell wieder seine ursprüngliche Form annehmen wenn die Umstände passen.

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