Spinnen die Ausbeuter?

Von | 9. November 2021

(ANDREAS TÖGEL) Dieser Tage wird wieder viel über die Benachteiligung von Frauen am Arbeitsplatz geklagt. Niedrigere Einkommen werden als Beweis angeführt. Diese Lohnungleichheit ist natürlich ein veritabler Skandal – zumindest aus der Sicht hauptberuflicher Feministinnen. Die Antwort auf die Frage, weshalb die Unternehmerklasse so dumm ist, die sich – wie Karl Marx es in seiner phantasievollen Prosa ausdrückt -, darauf spezialisiert hat, die werktätigen Massen um den „Mehrwert“ ihrer Arbeit zu betrügen, teure Männer zu beschäftigen, wo sie an deren Stelle doch – pardon – billige Frauen mit größerem Gewinn ausbeuten könnten, steht indes aus. Die raffgierigen Kapitalisten scheinen heute auch nicht mehr zu sein, was sie in der guten alten Zeit noch waren.    

Auf der Homepage des Bundeskanzleramtes erfahren wir zum Thema jedenfalls folgendes: „Um gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit zu erreichen, bedarf es in Österreich noch vielfältiger Maßnahmen.“ Alle in der Folge genannten Maßnahmen sind lupenrein planwirtschaftlicher Natur und nehmen auf die unterschiedlichen Neigungen, Interessen und Fähigkeiten der Geschlechter keinerlei Rücksicht. Das offenbar nicht nur von in der Wolle gefärbten Marxisten angebetete Ideal ist allemal die Gleichheit, die mit größter Selbstverständlichkeit mit Gerechtigkeit verwechselt wird.

Da ein guter Teil der beklagten Einkommensunterschiede aus den stark voneinander abweichenden Interessenlagen von Frauen und Männern – und der daraus resultierenden, unterschiedlichen Berufswahl folgt, wird es drastischer staatlicher (Zwangs-)Maßnahmen bedürfen, um Abhilfe zu schaffen. Während es nämlich Burschen in Lehrberufe zieht, die relative hohe Löhne versprechen, verhält es sich bei jungen Frauen, sofern sie keine höheren Schulen besuchen, anders: Für sie steht immer noch der Einzelhandel und das Friseurhandwerk ganz oben auf der Wunschliste. Aber auch wenn Gleichstellungsbeauftragte das nicht gerne hören: Dienstleistungsjobs sind eben schlechter bezahlt, als Stellen in der Produktion – was übrigens nichts mit der Bosheit der Unternehmer, sondern mit der Wertschöpfung der Tätigkeit zu tun hat. Nicht zufällig gibt es in der Maschinenbau- und Kraftfahrzeugindustrie höhere Löhne als im Bäckereigewerbe.

Bei universitären Studien zeigen sich ähnliche Muster: Frauen zieht es bevorzugt in „weiche“ Disziplinen („irgendwas mit Menschen“), während Männer eher zur Belegung von MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) neigen, die den Absolventen gut dotierte Jobs versprechen. Es ist keineswegs ungerecht, dass Diplomingenieure in der Computerindustrie mehr verdienen als Genderwissenschaftlerinnen.  

Wer allerdings glaubt, intensivere Gleichstellungsbemühungen würden mehr Frauen zu gutbezahlten Jobs verhelfen, der irrt. Die Erkenntnisse, die eine britische Studie anno 2018 zutage gefördert hat, deuten vielmehr in die gegenteilige Richtung (https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0956797617741719). Kurz zusammengefasst: Je gleicher die Gesellschaft, desto weniger Frauen entscheiden sich für ein MINT-Studium – so etwa in Finnland und Schweden, wo ihr Anteil bei nur 20 Prozent liegt. Im „Macho-Land“ Algerien dagegen sind es rund 50 Prozent: Je weiter die Gleichberechtigung in einem Land war, desto weniger Frauen wählten die MINT-Fächer.“ Und weiter: „Länder mit hoher Geschlechtergleichheit seien oft Wohlfahrtsstaaten, in denen das Lebensglück nicht so extrem vom Beruf abhänge. Deshalb fühlten sich die Frauen in diesen Ländern freier dazu, ihren wahren Neigungen nachzugehen.“ Damit ist alles gesagt. Möglicherweise spielen verschiedene Chromosomensätze doch eine Rolle, was von der Gleichmachereifraktion gern übersehen wird.

Kollektivverträge kennen übrigens keine geschlechtsabhängigen Gehaltunterschiede. Die Gehaltschemata des öffentlichen Dienstes auch nicht. Der Gender Pay Gap hat also andere Ursachen. Etwa die, dass weniger Frauen als Männer sich für berufliche Selbständigkeit und häufiger für Teilzeitarbeit entscheiden. Ebenfalls bemerkenswert: Experimentalökonomen haben herausgefunden, dass weibliche Uber-Fahrer weniger verdienen als männliche, wofür ganz gewiss keine „strukturellen“ Gründe vorliegen können. Dass der Gender Pay Gap hierzulande ohnehin Jahr für Jahr kleiner wird, sollte schließlich auch nicht übersehen werden.

Dieser Beitrag ist zuerst auf Exxpress | für Selberdenker erschienen

8 Gedanken zu „Spinnen die Ausbeuter?

  1. Gerhi09

    Die Gleichmacherfraktion ist derzeit – zumindest medial – satrk in der Überzahl. Kommunismus samt der unglückseligen Planwirtschaft werden Schritt für Schritt installiert – zuletzt mit stark zunehmendem Tempo. Die MS – Medien nehmen die Hauptrolle bei diesem Prozess ein und die ersten Auswirkungen sind schon gut sichtbar: unter anderem stark steigende Energiepreise und erste Stimmen, Energie zu “rationieren” (im Neusprech: “angebotsorientierte” Zurverfügungstellung von Energie) werden schon laut. Es macht mich sehr traurig, aber die Menschen lernen nichts aus der Geschichte. Und stürzen ins nächste planwirtschaftliche Elend.

  2. Susi

    Als Frau schäme ich mich oft wie WENIG Frauen zu bieten haben und wie VIEL sie fordern. Dazu launisches Verhalten und offensichtliches “Geiffern” nach Posten mit hohem Machtanspruch und ständigem Gezetere und Forderungen , Maßregeln der Bevölkerung sowie nach Quoten für Frauen. Derzeit gut zu sehen in der SPÖ mit Frau JP Rendi-Wagner und Frau Meinl-Reisinger, sowie Frau Belakowitsch. Frau Katharina Rogenhofer von der FFF Aktivistenbewegung, die unrichtige, also vom Zuhörer/Zuseher nicht verifizierbare Behauptungen in den Raum wirft um ihre eigenen Wichtigkeit hervorzukehren und dabei, wie die anderen, UNS FRAUEN eher schädigt als hilft. uj.v.a.m. Wie gesagt, als Frau schäme ich mich oft dafür.

  3. dna1

    Laut eines Artikels im “Manager Magazin” verdienen Frauen in DAX Konzernen mehr als Männer. Da staunt und wundert man sich, aber es liegt halt daran, dass die eine Quotenregelung haben und kaum geeignete Frauen finden, Angebot und Nachfrage sozusagen, also bitte, wo gibt es denn sowas :-).

  4. GeBa

    Ich verstehe diese Dikussionen überhaupt nicht. Entweder konnte ich mich gut verkaufen oder habe ich in Firmen wo man damals schon das Potential von Frauen erkannt hat gearbeitet, aber ich bin mir nie unterbezahlt oder weniger bezahlt als meine männlichen Kollegen vorgekommen.
    Allerdings hatte ich immer ein gutes Selbstwertgefühl und Selbstbewußtsein, habe auch nicht nur halbtags gearbeitet sondern wenn es erforderlich war auch außerhalb der Normalzeit, dafür hatte ich aber auch das Vergnügen, zu Firmenbesuchen im Ausland eingeladen zu werden und – naja das war eher harte Arbeit – zu Messen.

  5. sokrates9

    Andreas Trögl – perfekt dargestellt.Man könnte trivial ja auch mal fragen was eigentlich österreichische politikerinnen ihren Parteien gebracht haben.Mir fallen da ganz wenig Beispiele ein wo eine Politikerin ihre Partei weitergebracht hat. Wie ist das eigentlich mit Merkel und ihrer Partei? haben nicht die Grüninnen ihre Partei in Österreich aus dem Parlament gekickt?

  6. Selbstdenker

    Die “Argumentationsweise” der Geschlechtersozialisten (wie auch die der Rassensozialisten und Nation**-Sozialisten) beruht im Kern auf intellektuelle Untedlichkeit.

    Sie bilden fiktive Klassen entlang willkürlicher Kategorien, reduzieren alles auf eine Vergleichsvariable und blenden alle weiteren Einfluss- und Ergebnisgrössen aus.

    Sie tun so, als würde eine Billaverkäuferin einen Vorteil davon haben, wenn ihr Mann aufgrund Geschlechtszugehörigkeit keinen Vorstandsposten bekommen kann.

    Bringt es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern etwas, wenn ihr Arbeitgeber Führungspositionen nicht nach Kompetenz, sondern nach Geschlechtszugehörigkeit besetzt?

    Gibt es irgendeine Mutter, die ernsthaft sagt “es ist mir egal, wenn meine Kinder im der Schule dumm gemacht werden – Hauptsache alle sind gleich dumm”?

    Der Mensch definiert sich nicht nur über unveränderliche kategorisierbare Merkmale, sondern viel mehr über einzigartige Eigenschaften / Eigenschaftskombinationen (Charakter) und individuelle Beziehungen.

  7. Falke

    Bemerkenswert, dass immer “gleicher Lohn für gleiche Arbeit” verlangt wird, von dem eigentlich entscheidenden Faktor “Leistung” ist nie die Rede, was ja bei Roten und Grünen auch nicht weiter verwunderlich ist: die wissen gar nicht, was das ist. Dabei kann ein Unternehmer gar nicht anders, als ausschließlich nach Leistung zu bezahlen, die ja auch bei gleicher Arbeit durchaus unterschiedlich sein kann, auch innerhalb des selben Geschlechts.

  8. David v. Gendre

    Um des Teufels Advotakten zu spielen: Der Gender Pay Gap ergibt sich nicht aus dem generellen Vergleich was Frauen und Männer verdienen, sondern was Frauen und Männer im expliziten Beruf verdienen. Man kann also nicht das Gehalt von Diplomingenieuren in der Computerindustrie mit dem von Genderwissenschaftlerinnen vergleichen!
    Wie dem auch sei. Untersuchungen bei Ärzten in den USA haben ergeben, dass die männlichen Kollegen weit mehr Überstunden machen als ihre Kolleginnen und der Gehaltsunterschied damit erklärt wird.
    Ausserdem kann man doch keine zwei Arbeiter/Angestellte miteinander vergleichen. Selbst wenn zwei Angestellt das gleiche Diplom haben, die gleiche Arbeit bei der gleichen Unternehmung ausführen und gleich alt sind so heisst das doch überhaupt nichts. Die Buchhaltung in einem Industriebetrieb zu führen ist was ganz anderes als auf der Bank. Wenn also eine Bank eine Buchhalterin aus der Industrie anstellt, warum sollte Sie dann, ohne Bankerfahrung, gleich viel verdienen? Selbst mit der gleichen Erfahrung in der gleichen Branche ist das so eine Sache. Soll jener Angestellte der sich für die Firma einsetzt, Überstunden macht, nie Krank, flexibel beim Ferienbezug ist, selbsständig seine Aufgaben erledigt etc. das gleiche Gehalt haben wie jemand der ständig fehlt, um Punkt 16.00 Uhr alles stehen und liegen lässt, alle paar Wochen krank ist, ständig vom Chef “betreut” werden muss, die Kaffeepause regelmässig “verlängert” etc. ? Arbeit ist eben nicht gleich Arbeit und Arbeiter ist nicht gleich Arbeiter. Also selbst wenn beide Angestellt mit demselben Grundgehalt anfangen, so muss es später unterschiede geben! Sonst werden jene die sich geschickter vor Arbeit drücken übervorteilt und das kann’s ja wohl nicht sein!

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