Statt sich selbst zu helfen, delegieren Afrikaner ihre Rettung lieber an andere

(Volker Seitz ) Gerade las ich im Internet die Überschrift “Regierung zieht Lehren aus Ebola-Epidemie”. Erfreut habe ich die Meldung aufgerufen. Es war aber nicht eine der betroffenen Regierungen in Guinea, Liberia und Sierra Leone gemeint, sondern die deutsche Bundesregierung. Es ist ja richtig diese Länder zu unterstützen. Die Gesund­heits­sys­teme in den betrof­fe­nen Län­dern müs­sen ver­bes­sert wer­den – bei­spiels­weise durch aus­rei­chen­des und qua­li­fi­zier­tes Gesund­heits­per­so­nal, lebens­wich­tige Medi­ka­mente und ver­bes­serte Infor­ma­ti­ons­sys­teme. Gleich­zei­tig muss sicher­ge­stellt sein, dass alle Men­schen, die medi­zi­ni­sche Hilfe brau­chen, auch Zugang zu Gesund­heits­dienst­leis­tun­gen haben. So könnte man in Not­si­tua­tio­nen schnel­ler und effek­ti­ver reagieren. Bevor andere zahlen, müssen aber die betroffenen Länder selbst Verantwortung übernehmen. Durch solche vorauseilenden Hilfsangebote werden die Regierungen geradezu angehalten, selbst nichts in die Hand zu nehmen. Die gerade wieder in einem CDU Afrika-Papier apostrophierte Augenhöhe zwischen Geber und Nehmer ist selten gegeben. Afrika wird von der Gouvernante Entwicklungshilfeindustrie bemuttert. Diese Entmündigung kann nicht zu einer selbstbestimmten Eigendynamik und Entwicklung der afrikanischen Staaten führen, die den Menschen eine Zukunftsperspektive verspricht. Eigene Verantwortung und Gestaltungswille der afrikanischen Regierungen bleiben damit unterentwickelt. Welche Regierung in Liberia, Guinea oder Sierra Leone hat sich zur Aufgabe gemacht, den Kampf gegen Ebola mit Aufklärungskampagnen, Hygieneschulungen, Nahrungsmitteln, und Hygienesets zu führen? Neue Epi­de­mien kön­nen sich jeder­zeit aus­brei­ten und die Gesund­heit gefähr­den.

Die von Ebola betroffenen Länder gehören zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Die Geringschätzung der eigenen Gesundheits-und Bildungssysteme in diesen Ländern bremst die wirtschaftliche und soziale Entwicklung und hat zur Katastrophe geführt. Es geht auch anders: Weil die Ugander ihrem Gesundheitssystem vertrauen, ist die Bevölkerung gut informiert und kooperierte bei dem letzten Ausbruch 2012 mit den medizinischen Einrichtungen. In Westafrika konnte sich Ebola verbreiten, weil in diesen Ländern politisches und soziales Missmanagement sowie irrationale Ängste gegen westliche Medizin vorherrschen. Außerdem fehlt eine disziplinierte Seuchenhygiene. Die Bekämpfung der Seuche ist sehr schwierig, weil sich die Menschen nicht an die überall verbreiteten Warnungen halten.

Wegen dem geringen Vertrauen der Bevölkerung in ihre Machthaber gibt es in den betroffenen Ländern zudem den strengen Geruch der Verschwörung. Sie vermuten, dass die Infektionskrankheit eine Erfindung ihrer Regierung oder gar westlicher Ärzte ist. Helfer werden bedroht oder sogar physisch angegriffen, weil viele Menschen glauben, dass diese die Krankheit erst verbreiten oder die Organe der Toten stehlen würden. Das Ebola-Virus steckt vor allem im Fleisch von afrikanischen Wildtieren (Bushmeat). Bushmeat ist Fleisch von kleinen Antilopen, Ratten, Affen, Stachelschweinen, Elefanten, Büffel sowie Reptilien.

Die genannten Staaten haben seit Jahrzehnten ihre Gesundheitssysteme mit schwerwiegenden Folgen vernachlässigt. Dies vor allem weil das Führungspersonal zur eigenen Behandlung ins Ausland reisen kann. Die Ebola-Krise war in weiten Teilen hausgemacht. Die Vernachlässigung der Gesundheitssysteme bezahlen wieder einmal die Ärmsten und Schwächsten. Dabei hatten 2001 alle Regierungen des Kontinents in Abuja versprochen mindestens 15 Prozent des Staatshaushalts in die Gesundheitsversorgung seiner Bürger zu investieren. Nur Ruanda und Südafrika haben dies auch getan.

Die heuchlerische Political Correctness wird als Knebel gegen unliebsame Kritikermeinungen missbraucht. Deshalb werden unsere Anliegen-nach meinen Erfahrungen-in der Regel so lau vorgebracht, dass die Mahnung als “Anregung” aufgefasst werden kann.

Die Entwicklungshilfegeber müssen endlich umdenken und künftig nur noch dort helfen, wo Regierungen Probleme selbst anpacken. Niemand kann Afrika retten und erneuern, außer den Afrikanern selbst. Das ist der Imperativ der Selbsthilfe. Heute hängen fast alle afrikanischen Länder von internationaler Unterstützung ab, während ihre Herrscher ihre Länder durch Korruption, Kungelei und Inkompetenz ausplündern. Lassen wir weiter zu, dass vermögende Afrikaner weiterhin zu Lasten fremder Steuerzahler geschont werden?

(Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik, Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Volker Seitz gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Buches „Afrika wird armregiert“, welches im Herbst 2014 in erweiterter siebter Auflage bei dtv erschienen ist.)

9 comments

  1. Der Realist

    Jahrzehntelang wurden Billionen an Entwicklungshilfe nach Afrika transferiert, wurde mit qualifiziertem Personal und Medikamenten geholfen, mit dem Ergebnis, dass sich alle Staaten um internationale Hilfe anstellen, und es wird nicht mehr lange dauern, bis auch Südafrika heruntergewirtschaftet ist. Die Ursachen sind ja allgemein bestens bekannt, dazu ein passendes Zitat aus einem Leserbrief vor ein paar Tagen: ” Es spenden die Armen eines reichen Landes, für die Reichen eines armen Landes”.

  2. Reini

    … Afrika,… ein Kontinent mit Mord und Totschlag, Kriege, Dürreperioden, Hunger, Krankheiten, usw. … mit Millionen Toten! … eigentlich müsste der Kontinent Menschenleer sein … und trotzdem wächst die Bevölkerung! …
    die Prognose 2010 1Mrd. – 2050 3Mrd. Menschen…
    … sollte man in Afrika den Menschen nicht selbst überlassen, damit die Natur die Bevölkerungsexplosion regelt?
    … mehr Menschen mehr Geburten, mehr Tote, mehr Hilfe,… usw… stellt sich da nicht die Frage der Hilfe?
    … Ist es nicht eine Ironie zu glauben, das es durch die Entwicklungshilfe weniger Geburten gibt!!! … trifft eher nicht das Gegenteil ein? … ein unendlicher Kreislauf, aber Frau Merkel wird’s schon richten! 😉

  3. john smith

    Dafür hat der Herr Diktatorkönig Bungo Bungalungo jetzt 12 neue Kloschüsseln aus 24 Karat Gold mit Diamanteinlagen in seine Yacht und seinen Privatjet einbauen lassen….man gönnt sich ja sonst nix…und wenns kracht im Lande dann gehts flux ab in die Schweiz in das 1000 QM Wochenendhaus am Genfer See….das Entwicklungshilfegeld ist ja nach einer kurzen Weltreise eh schon lange wieder auf Nummernkonten bei den einschlägigen Banken eingelangt….aber unsere Lefties sind immer noch der Meinung, dass Europa am Unglück der Welt Schuld hat….man schüttelt nur verwundert den Kopf über soviel Selbsthass und Idiotie!

  4. Marianne

    Es gibt genügend Menschen in Europa und USA mit Bernhadinersyndrom. Die haben seit Jahrzehnten in Afrika reiche Betätigung gefunden. Begonnen hat es übrigens mit einem gewissen Albert Schweitzer.

  5. aneagle

    Deutschland zeigt es mit der “Flüchtlingskrise” vor: Je mehr Caritas, desto mehr Elend.
    bzw. 1. Satz Sozialgesetz: Wo Arme sind, ist die Kirche nicht weit. (Sibylle Berg)

    Warum verlangt man von den failed states Afrikas mehr, als von den saturierten, scheiternden Erben einer fleissigen (noch) geordneten Zivilisation?

  6. Thomas Holzer

    “Statt sich selbst zu helfen, delegieren Afrikaner ihre Rettung lieber an andere”

    Ist ja auch viel einfacher und praktischer, vor allem, wenn man bedenkt, daß es ja genügend Politikerdarsteller in -nicht nur- Europa gibt, welche von der (ewigen) Schuld, welche aus der Kolonialzeit angeblich resultiert, faseln

  7. Gerald Steinbach

    Sokrates@ An diesen bild ist Europa zu einen hohen Maß selbst schuld…aus den ufern gelaufene Toleranz, conchitas, politische waschlappenmentalitaet…usw

  8. Fragolin

    Ähnliches war auch letzthin von Broder zu lesen, aber an die Adresse unserer Friedensreligiösen gerichtet…

    Neulich habe ich mal wieder im Augenwinkel-TV eine Doku mitbekommen, wo es um die Dürre in Afrika und die Probleme eines Dorfes irgendwo on Somalia oder Eritrea ging. Mir blieb nur ein Bild in Erinnerung: die mageren Frauen stehen am Brunnen, in dem knochendürre Kinder mit den Händen nach Schlamm wühlen, während die recht kräftig gebauten Männer im Schatten sitzen und palavern, in ihrer Mitte der etwas füllige, um nicht zu sagen fette Dorfhäuptling. Dieses Bild sagte für mich alles.

  9. Fragolin

    Und da es gerade so schön zur aktuellen Entwicklung passt: Statt sich selbst zu liquidieren, delegieren Deutsche ihren Selbstmord lieber an andere.
    Das Euthanasieprogramm des Merkle-Regimes läuft…

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