Steuern: Schluss mit dem diskreten Abführ-Mittel!

Von | 6. Juli 2015

(CHRISTIAN ORTNER) Wer je in New York ein Hotelzimmer reserviert hat, weiß, dass dort auf den ausgewiesenen Preis noch happige 14,75 Prozent an Steuern aufgeschlagen werden. In vielen anderen Ländern wird das genauso gehandhabt: Angeschrieben wird, was der Verkäufer verlangt – was sich der Staat krallt, wird extra dazugerechnet.

Bei uns wäre das verboten, wie jüngst eine Gruppe von Hoteliers feststellen musste. Aus Ärger über die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Übernachtungen (von 10 auf 13 Prozent) wollten sie ihre Tarife netto angeben und à la USA die 13 Prozent extra aufschlagen – das ist aber nicht zulässig, dem Kunden muss der Bruttopreis inklusive aller Steuern offeriert werden.

Was wie eine unbedeutende und irrelevante Kleinigkeit erscheinen mag, ist aber von durchaus grundsätzlicher Bedeutung. Denn indem hierzulande die Steuern in allen Preisen sowie teils auch in Löhnen und Gehältern gut verborgen sind, wird den meisten Steuerzahlern gar nicht bewusst, wie enorm viel Geld sie an den Staat abdrücken. Was sehr im Interesse der Regierenden ist, die nicht zuletzt deshalb unterbinden, Preise netto anzuschreiben.

Im Interesse der viel strapazierten Steuerehrlichkeit wäre aber diese Form der Steuertransparenz durchaus wünschenswert. Dazu wäre zum Beispiel dienlich, den Preis eines Neuwagens vor Steuern anzugeben und dem Käufer einen Erlagschein in die Hand zu drücken, mit dem er Umsatzsteuer und Nova direkt ans Finanzamt abführt – das sind beim Kauf eins Neuwagens um 20.000 Euro (je nach Verbrauchskategorie) mindestens 4000 Euro, gegebenenfalls aber auch deutlich mehr.

Auch wenn sich die Steuerlast dadurch nicht ändert: Steuern eigenhändig zu überweisen, fühlt sich wesentlich unmittelbarer an, als sie einfach als Rechnungszeile ausgewiesen zu sehen. Dazu wäre auch hilfreich, bei kleineren Ausgaben zumindest den Nettopreis anzuschreiben und anschließend, für den Konsumenten deutlich sichtbar, die Mehrwertsteuer aufzuschlagen. Auch das führte zu einem geschärften Bewusstsein dafür, wie schwer die Steuerlast drückt.

Das gilt nicht nur für Preise, sondern auch für Arbeitseinkommen. Nur den wenigsten Beschäftigten ist bewusst, dass ihr Unternehmen für sie in erheblichem Maß Abgaben berappen muss, die auf der Gehaltsabrechnung nur mit Tarnkappe auftauchen. Deshalb merken sie natürlich nicht, dass schon bei Einkommen von 3000 Euro die Gesamtbelastung (also inklusive Arbeitgeberbeitrag, den ja auch der Arbeitnehmer erwirtschaften muss) mehr als 50 Prozent beträgt – und durch die vom verbleibenden Netto noch zu leistenden Konsumsteuern auf 60 Prozent und mehr steigt.

Auch hier gilt: Dem Arbeitnehmer seine Gage brutto zuzüglich der Arbeitgeberbeiträge auszuzahlen und ihn alle Steuern per Erlagschein oder Überweisung selbst vornehmen zu lassen, wäre ein höchst nützlicher Beitrag zur Steuertransparenz. Dass das im Alltag problemlos funktioniert, beweist die Schweiz, wo Bezieher höherer Gehälter in genau dieser Form Steuern zahlen.

Für den Staat wäre dies freilich riskant. Denn selbst dem stoischen österreichischen Steuerzahler stiege wohl gröberer Zorn hoch, würde ihm derart drastisch bewusst, wie viel er tatsächlich an den Staat abführt. (“WZ“)

11 Gedanken zu „Steuern: Schluss mit dem diskreten Abführ-Mittel!

  1. Kannitverstaan

    Es gehört ja geradezu zu den Kardinaltugenden unserer Kleptokraten, nebst Ignoranz der Grundrechnungsarten höchst effektvoll zu verschleiern, wieviel uns aus der Tasche gezogen wird – bzw dort gar nicht landet!
    Dazu kommt noch sprachliche Verschleierung (Sparen bei Ausgabensenkungen zB) und verbale Behübschung (wir können das Negativwachstum durch Steigerung der staatsinduzierten Sparquote im öffentlichen Bereich kompensieren) usw.

    Schöne Neue W oche

  2. Panta rhei

    Es ist zulässig, dem Arbeitnehmer die Bruttolohnkosten auf seiner Gehaltsabrechnung anzuführen. Zumindest ein erster selbsinitiativer Schritt. Man ist heute schon mit durchschnittlichen Gehältern in der 50% Abgabenquote, das sollte schon jedem Einkommensbezieher bewußt sein. Wenn man dann noch so “dumm” ist, mehr als 2 Kinder in die Welt zu setzen, geht es sich mit einem Einkommen alleine nicht mehr aus. Wenn beide arbeiten, entstehen aber erhebliche Kosten für die NM Kinderbetreuung und ein Zeitdruck, dem viele Eltern nicht gewachsen sind. Verkauft wird das unserer weiblichen Bevölkerungshälfte als Gleichberechtigung oder so. Wenn man dann noch sieht, wieviele in diesem Land auf Kosten der Leistungsträger leben bzw. Milliardenbeträge von unfähigen Politikern versenkt werden, dann muss man einfach feststellen: Leistung lohnt sich (in diesem Land) nicht mehr.

  3. Panta rhei

    Nachtrag: es genügt schon mehr als ein Kind.

  4. Christian Peter

    Andererseits sollte erwähnt werden : Es gibt nicht viele Steuerzahler, die mehr in das System einzahlen als sie an Leistungen zurückbekommen. Müssten sämtliche vom Staat erbrachten Leistungen aus der eigenen Tasche bezahlt werden (Schulbesuch, etc.) würden etwa 3/4 aller Bürger (meist erhebliche) Verluste erleiden.

  5. Weninger

    @Christian Peter
    Dann würden allerdings auch die Preise für so manche “Leistungen” nicht so hochgetrieben sein können.
    Irgendwer verdient ja immer nit, und das ist nicht nur “der Staat”.

  6. Christian Peter

    @Weninger

    Man sollte nicht vergessen : der Staat häuft gewaltige Schuldenberge an, um Pensionsversprechen und alle sonstigen Leistungen zu finanzieren (selbst vergleichsweise gut wirtschaftende Staaten wie etwa die Schweiz hat eine implizite Staatsverschuldung von 174 % des BIP bzw. 1000 Milliarden Franken).

  7. Bazille

    Die Idee ist ja nicht schlecht, nur wird das nichts, weil es am Unverständnis der Kunden scheitern muss. Meine Kunden sind großteils Naturwissenschaftler . Denen muß ich jedesmal erklären das unsere Angebote ohne Mehrwertsteuer sind. Trotzdem kommt nach der Bestellung sehr oft die Beschwerde das wir viel teurer verkaufen als anbieten. Ausgewiesen wirds ja, aber eben erst am Schluß und das liest dann keiner.
    Würde man das nun so machen wie vorgeschlagen führt das zu einem Chaos. Die meisten Leute fangen damit nichts an.

  8. Panta rhei

    @Weninger: alleine die Verwaltung des Nanny-Staates verschlingt immer größere Summen Steuergeldes, für das hart gearbeitet werden mußte und das von denen, die nie in der Realwirtschaft bestehen mußten, ohne Skrupel verschleudert wird.

  9. ZwangsmitgliedIn

    Alles nichts gegen die Unverschämtheit der Arbeiterkammer, ihre Zwangsmitgliedschaftsgebühr in den “Sozialabgaben” am Lohnzettel zu verstecken. Wie gut würde es hier tun, die Geschröpften müssten jeden Monat ihren Obulus selbst abliefern, so wie das bei jedem anderen Mitgliedsbeitrag der Fall ist!
    Und diese Leute laufen dann herum, um aufzuspüren, wo Unternehmen die Konsumenten hinters Licht führen…

  10. Mourawetz

    Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar. So sagte einst Ingeborg Bachmann, die Namensgeberin für den Kärntner Literaturpreis, hofiert vom Politik-Medienkomplex. Wenn aber eingefordert wird, die Wahrheit über den Staat und seine Einkünfte zu verkünden, halten sich Politik und Medien regelmäßig die Ohren zu.

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