Steuervermeidung, na und?

Von | 4. Dezember 2017

(GEORG VETTER)  Lange Zeit forderte das Finanzministerium die Arbeitnehmer zu Jahresbeginn zur Abgabe eines Jahresausgleichs auf. Seit 2017 wirbt das Ressort auf der Homepage sogar mit der automatischen Arbeitnehmerveranlagung. Der Zweck ist klar: Arbeitnehmer sollen nicht nur Steuern vermeiden, sondern Steuerzahlungen retour erhalten.

Bei Selbständigen ist es ähnlich, doch konzentriert sich die Steuervermeidung derzeit auf das Jahresende. Wer es noch nicht getan hat, kauft betriebsausgabenfähige KMU-Anleihen, um die Steuerlast zu reduzieren. Der Gesetzgeber förderte diese Art der Steuervermeidung, um die Kapitalausstattung der kleinen und mittleren Unternehmen zu stärken.

Wenn man grundsätzlich der Ansicht ist, dass Geld besser in der Hand von Privaten als von Staaten aufgehoben ist, weil es hier effizienter arbeitet, wird auch keine Einwände gegen Steuervermeidungsstrategien erheben. Wenn unsere neue zukünftige Regierung die Reduktion der Steuerquote von rund 44 Prozent auf 40 Prozent anpeilt, scheint auch sie in diese Richtung zu denken.

Dennoch gibt es etatistische Frömmler, die in ihrer staatsgläubigen Einseitigkeit (legale) Steuervermeidung und (illegale) Steuerhinterziehung in einen Topf werden. Für sie stellt gesetzeskonforme Steueroptimierung eine Art Staatsschädigung dar, die im Namen irgendeines obskuren Allgemeinwohls zu bekämpfen wäre. Wer der Relativierung von Legalität und Illegalität, Gut und Böse sowie Richtig und Falsch das Wort redet trägt nicht zur Sensibilisierung bei, sondern zum Gegenteil: Bei zunehmender Unsicherheit setzen sich eher die Skrupellosen durch. Wenn das so weiter geht, wird es bald keinen legalen Mittelweg mehr geben. Entweder zahlt man zu wenig Steuern, und wird vom Bundesfinanzgericht gemaßregelt. Oder man zahlt zu viel Steuern und wird vom Strafgericht wegen Untreue verurteilt, weil man seine Anteilseigner geschädigt hat. Bei unterschiedlichen Berechnungsmethoden wird man vielleicht sogar von beiden Gerichten verknackt.

Wer also gegen die Steuervermeidung hetzt, leistet in Wirklichkeit einen Beitrag gegen die Rechts- und Steuermoral. Wehret den Anfängen.

 

8 Gedanken zu „Steuervermeidung, na und?

  1. Thomas Holzer

    Weniger und “einfachere”, verständlichere Gesetze würden auch dazu beitragen, daß der Unterschied zwischen Vermeidung und Hinterziehung offensichtlicher wird.
    Aber schon vor Jahrzehnten hat der Herr Tramontana das österr. Steuersystem als das balkanesische (widersprüchlich, wuchernd, mit einer Unzahl von Ausnahmen etc.) das Schweizerische als das radikale (einfach, stringent, keine Ausnahmen) bezeichnet.

  2. Calderwood

    Steuer-Oasen sind nur deshalb so gefragt, weil überall sonst eine Steuer-Wüste ist, in der die Bürger erbarmungslos vom Staat ausgeplündert werden.

  3. Christian Peter

    Steuervermeidung und Steuerhinterziehung gehen Hand in Hand, zumindest bei multinationalen Konzernen. Bei heimischen mittelständischen Unternehmen ist Steuervermeidung kein Thema, diese werden mit einer durchschnittlichen Gesamtsteuerpflicht von 43,1 % des Gewinns ausgenommen wie eine Weihnachtsgans.

  4. Christian Peter

    @Thomas Holzer

    Das Steuersystem sollte möglichst einfach sein und niemanden privilegieren, denn Steuerprivilegien sind Subventionen (die Begriffe Steuerprivileg und Steuersubvention sind deckungsgleich). Aber gerade das Steuersystem der Schweiz ist ein abschreckendes Beispiel – Steuerhölle für einheimische Schweizer und Steuerparadies für Ausländer bzw. ausländische Unternehmen zugleich.

  5. gscheithaufen

    Steuer-Hinterziehung bedeutet, durch halb oder ganz ilegale Transaktionen den Staat zu betrügen. Steuervermeidung heißt, die vom Gesetzgeber vorgesehenen Möglichkeiten zu nutzen. Letztlich – siehe auch G.V.s Text – ist es (zumindest theoretisch, LOL), im Interesse des Staates, den echten Steuerzahler am Leben zu erhalten. Dass eine wildgewordene Finanzverwaltung jeden nur erdenklichen Strohhalm ergreift, um etwas einzutreiben, das zum Teil jeder gesetzlichen Grundlage entbehrt, ist systemimmanent – beschleunigt durch die Begleitmaßnahmen der letzten Steuerreform. Somit erhebt sich die Frage, wer da wen betakelt…..

    Neu ist das aber nicht. In den Achtziger Jahren schrieb der Economist, wahrlich kein Schmierblatt, über “Tax Havens”. Erkenntnis: In Europa sei die größte Steueroase Italien, allerdings sei diese auf Grund “informeller” Strukturen nur Italienern zugänglich. Und Ösiland ist davon nicht wirklich mehr weit entfernt. Man möge daher die richtigen Schlüsse daraus ziehen und nicht jene verurteilen, die mit Hausverstand und Gesetzeskenntnis ihre ökonomische Basis zu erhalten suchen. Kriminelle wird es immer geben und selbst DER Mafiaboss des Jahrhunderts, nämlich Al Capone, wurde letztlich durch die Steuerbehörden zu Fall gebracht…

  6. kannitverstaan

    Eines verstehe ich nicht: warum werden die Nachfahren der Kuenringer (das sind die, die den Schiffern auf der Donau zwangsweise Maut un Zoll abgepresst haben, indem sie die Donau mit Ketten absperrten) als “Gute” in den Himmel gelobt und jene die sich mit erlaubten Mitteln dagegen wehren, als “Böse” gebrandmarkt? Ist das der Neid der Unfähigen, die in freier Wildbahn verhungern würden, würden sie nicht von den Nachfahren der Kuenringer mit Hilfe der Beute alimentiert und beruhigt?

  7. Johannes

    Die Steuer ist wenn man so will eine Solidarabgabe an die Gesellschaft, man ist bereit, eigentlich wird man ja gezwungen einen Teil seiner Einnahmen wieder abzuführen.
    Was ist der Sinn von Steuern? Der Staat soll Infrastruktur schaffen, Investitionen in das Allgemeinwohl, Spitäler, Landesverteidigung, Schulen, Schulbücher, Universitäten, Forschung, Verkehr und vieles mehr.

    Jetzt zahlen wir im Moment und Durchschnitt 43 Prozent unseres Einkommens als Steuern, dazu kommt bei jeder Ausgabe 20 Prozent MWST. Kommunalabgaben, Steuren für PKW, Hunde, Kanalgebühren, Wassergebühren, Stromgebühren nicht Verbrauch sondern Grundgebühren sind gemeint.

    Für unsere soziale Absicherung zahlen wir Pensions, Unfall und Krankenversicherung,
    Eigentlich ein Wunder das noch etwas bleibt.
    Ich kann es nicht mehr hören wenn mir diverse NGO aber auch Wifo-Experten erklären wollen diese oder jene Zahlung an diese oder jene staatspolitische Aufgabe die Migration betreffend würde jeweils eh nur 1% Prozent des BIP kosten und sei somit verschwindend.
    Das ist der größte Humbug den ich als Steuerzahler kenne, erstens ist es viel und zweitens sind hundert Organisationen die mir eh nur 1% Prozent vom BIP abnehmen wollen schnell gefunden und alles ist weg.
    Ich halte die Diskussion was wie viel vom BIP ausmacht schon nicht mehr aus.

  8. Fragolin

    @kannitverstaan
    Es ist die Angst derer, die von diesem abgepressten Geld gut leben, dass es damit einmal Schluss sein könnte…

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