Strenge Waffengesetze erfreuen Kriminelle

(ANDREAS TÖGEL) Je weiter die Demokratisierung der Gesellschaft voranschreitet, desto stärker reguliert das Kollektiv das Leben der Menschen. Je mehr Regulierung, desto weniger Entscheidungskompetenz für den Bürger. Je größer die politische Einheit, desto massiver die darin wirkenden Zentripetalkräfte und desto stärker die Entrechtung kleiner Einheiten und der einzelnen Bürger. Die Entwicklung der USA – von einem freisinnig verfassten Minimalstaat zu einem zentralistischen Moloch – ist unübersehbar. Die EU ist auf dem besten Wege, dieses Vorbild noch zu übertreffen.

Wahlrecht und Waffenfreiheit
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Die Entwicklung waffenrechtlicher Bestimmungen folgte dem Drehbuch der Durchdringung aller Lebensbereiche mit Demokratie. In der Donaumonarchie bestand ab 1852 eine erste waffenrechtliche Regelung: das „Kaiserliche Waffenpatent“. Der Besitz und das Tragen von Waffen waren, mit wenigen typenbezogenen Ausnahmen, grundsätzlich jedermann erlaubt. Der Kaiser fuhr damals in der offenen Kutsche, später im automobilen Cabriolet – ohne dabei von bewaffneten Bütteln eskortiert zu werden, wie das die demokratisch legitimierte Nomenklatura dieser Tage zu tun pflegt. Es lebte sich damals recht ungefährlich.

1933, im Jahr der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, begann in Deutschland mit der „Reichsverordnung zum Schutz von Volk und Staat“ die Entwaffnung politischer Gegner und Juden. 1939 wurde im ein Jahr zuvor ans Deutsche Reich angeschlossenen Österreich das von den Nationalsozialisten beschlossene Waffengesetz ebenfalls eingeführt. Dieses wurde nach Kriegsende in großen Teilen in den Rechtsbestand der Zweiten Republik übernommen und galt bis 1967. Das deutsche und das österreichische Waffengesetz waren zwischen 1939 und 1967 weitgehend identisch.

Danach gab es eine Reihe oft anlassbezogener Verschärfungen, bis ab 1991 die Regelungen der EU zu greifen begannen, die bis heute einen immer restriktiveren Charakter tragen. Die naive Vorstellung, durch hohe Zugangsbarrieren eine waffenfreie Friede-Freude-Eierkuchen-Gesellschaft schaffen zu können, ist in Kreisen von Politik, Zentralbürokratie und Medienmachern weitverbreitet – aller das Gegenteil belegenden Evidenz zum Trotz.

Selbst viele nicht im Dunstkreis des Leviathans lebende Zeitgenossen sehen den privaten Waffenbesitz heute kritisch. Das mag mit dem Umstand zusammenhängen, dass bei Gewaltverbrechen, in denen Schusswaffen zum Einsatz kommen, selten darauf hingewiesen wird, dass es sich fast immer um illegal beschaffte Tatwerkzeuge handelt, noch so rigorose Waffengesetze die Taten also nicht hätten verhindern können.
Das mit dem weitverbreiteten Wunsch nach betreutem Denken und Handeln Hand in Hand gehende Misstrauen gegen die Freiheit findet in restriktiven Waffengesetzen seine logische Folge. Wer von freien Entscheidungen mündiger Bürger nichts hält und sich selbst nichts zutraut, misstraut auch seinen Mitmenschen – und möchte ihre Rechte so weit wie möglich beschränken. Glückliche Sklaven sind allemal die erbittertsten Feinde der Freiheit.

Waffen in der Hand rechtschaffener Bürger sind niemals bedenklich. Gefährlich werden sie nur in der Hand von Verbrechern und Schergen zu allem entschlossener Politdesperados. Die Geschichtsbücher quellen über von einschlägigen Gräueltaten. Diese wirklich gefährlichen Individuen werden entweder – wie die Handlanger von Beria, Himmler und Genossen – auf gesetzeskonforme Weise mit allem Nötigen ausgestattet, oder sie beschaffen sich illegale Geräte vom Schwarzmarkt.
Fazit: Restriktive Waffengesetze kennen tatsächlich nur zwei Profiteure: den Staat und den freischaffenden Gewaltverbrecher.

Dieser Text ist zuerst in der Ausgabe Nr. 193 des Magazins „eigentümlich frei“ erschienen.

One comment

  1. astuga

    Drei Beispiele dafür: Schweden, Deutschland, Großbritannien.
    Jeweils in den sozialen Brennpunkten bzw den Großstädten dort.

    London schießt überhaupt den Vogel ab.
    Obwohl die Polizei dort nicht nur abweichende Meinungen im Internet bekämpft, sondern auch Schweizer Taschenmesser und vereinzelt bereits Esslöffel beschlagnahmt (sic!), ist es die Hauptstadt für Säure- und Messerattacken in der westlichen Welt.

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