Syrien: Und wieder eine Pleite des Westens

Von | 20. Januar 2014

“Die westliche Syrien-Politik hat bisher nur ein Ziel erreicht – eine Verwicklung in den Krieg zu vermeiden. Die Folgen dieser moralisch wie strategisch zweifelhaften Politik werden immer deutlicher….” (NZZ)

2 Gedanken zu „Syrien: Und wieder eine Pleite des Westens

  1. aneagle

    Also Herr Obama ist mir schon einer! Mit seiner entschlossenen Syrienstrategie läßt er den strategischen Weitblick einer Lady Ashton alt aussehen und sein erfolgsgetränkter Tatendrang macht das Fehlen der Führungsqualität des unerwartet früh ausgeschiedenen Herrn Westerwelle verschmerzbar. Anhand des raschen konzertierten Vorgehens unserer westlichen Staatslenker ist es mir mühelos gelungen meinen Söhnen vor Augen zu führen, was sie bisher am 2. Weltkrieg nicht verstehen konnten: nämlich dass dilettierende populistische Politiker zur Lebensgefahr für ganze Völker werden können!

    Was mir aber besonders fehlt: Wo sind die Heerscharen besorgter Gutmenschen, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Wiener Ring verstopfen, um ihre überlegene Moral gegenüber Israel in Stellung zu bringen? Muß man sich um sie sorgen? Es wird ihnen doch nichts passiert sein? 🙂
    Gerade dieser Winter bringt ja die Vorteile der angeblichen Erderwärmung schön auf den Punkt, so etwas sollte doch, angesichts der wahrhaft entsetzlichen Lage der bedauernswerten Bevölkerung, den moralisch kaum einholbaren grünbewegten Vorbildern, den 68ern, 78er, 88ern und ev. schon die jungen 98ern zumindest einen Spaziergang über den mild sonnigen Ring wert sein? Ob denn die Jungen schon wissen, wie gut es sich anfühlt die “Internationale Solidarität” zu beschwören? 🙂

    Von Obamas inkompetenter Syrienpolitik, über das außenpolitische “Wirken” der Europäer zu dem zynisch mörderischen Machtstreben von Putin, Erdogan und Konsorten, ja sogar bis hin zu den G´tt sei Dank vernachlässigbaren, widerwärtigen Ring-Spaziergängern in Wien,
    eines haben sie gemeinsam- auf sie passt der Spruch von Max Liebermann wie angegossen:
    „Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“

  2. Reinhard

    @aneagle
    Etwas anderes wäre zu lernen: Es gibt kein “gut” und kein “böse” in einem Krieg. Die dümmliche Schwarzweißmalerei der Medien – hier die guten heldenhaften Rebellen, dort der brutale und fiese Diktator – wurde an der Realität zerschreddert. Wenn islamistische Terrortrupps mit von westlichen Gutmenschenorganisationen eingeforderter Waffenhilfe durch syrische Vorstädte ziehen, dann ist das nicht “gut” sondern der brutale Versuch der Machtübernahme einer religionsfanatischen Diktatur.
    Wir zermürben uns hier im Westen immer wieder an der Einschätzung, welcher der potenziellen Machthaber denn das kleinere Übel (für uns…) wäre um ihn zu unterstützen, können es aber nicht. Vor Allem, da wir immer wieder in typisch wohlstandswestlicher ahnungsloser Selbstüberschätzung unsere Maßstäbe an Gesellschaften anlegen, die nicht nach unseren Maßstäben zu messen sind. Wenn wir auf eine auf den ewigen Konsens diskutierende Demokratie in Gesellschaften hoffen, in denen die Suche nach Konsens bereits verachtenswerte Schwäche bedeutet, können wir nur fehl laufen.
    Wohin westliche Unterstützung für neue, uns nützliche Machthaber führt, haben wir bei Khomeini und Hussein ebenso gesehen wie bei bin Laden. Mit der Gewissheit der westlichen Unterstützung im Rücken konnte Hussein nicht nur intern härtest gegen Gegner vorgehen sondern sogar Nachbarstaaten annektieren. Erst als er in Ungnade fiel, wurde er vom vorherigen Protegee zum Abschuss freigegeben. An die Macht kam er aber nur, um gegen Khomeini Krieg zu führen, der vorher im Westen als Ablöser für den größenwahnsinnigen Shah herangezüchtet wurde. Bin Laden’s Gotteskrieger wurden als Kämpfer gegen die Russen in Afghanistan gezüchtet und waren nach deren Vertreibung nicht mehr kontrollierbar.
    Die Entwicklung heute in Nordafrika lässt ähnliche Entwicklungen für die Zukunft befürchten; da wird sich noch einiges spielen im Chaos von Libyen und der Militärdiktatur von Ägypten.
    Das einzige, was sich die westliche Politik immer noch nicht getraut, ist zu sagen: Finger weg! Was sich in Syrien abspielt ist ein interner Kampf eines (immerhin gewählten) Präsidenten gegen hauptsächlich islamistische Terrorarmeen. Dass sich einige von denen hinter dem Aushängeschild einer “Demokratisierung” verstecken lässt sich mit einem bekannten Ausspruch des Islamisten Erdogan erklären, dass Demokratie als Zug zu verstehen sein, auf den man so lange aufspringt, bis man an seinem Ziel – dem Gottesstaat – angekommen sei.
    Bei globalpolitischem Nachdenken ohne Berücksichtigung der Meldungen über die Gräuel (die übrigens nicht nur von Regierungstruppen, sondern ebenso von Terroristen begangen werden) müsste der Westen eigentlich Assad unterstützen, denn der steht immerhin für eine gewisse Stabilität in der Region. Was nach seinem Ende kommen wird kann nur schlimmer werden…

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