Tabak, Porno & Freiheit

“Erst Tabak, jetzt Porno: Der Frauenausschuss des EU-Parlaments will uns vor unsittlichen Angeboten aus den Medien schützten. Mit Moral hat das nichts zu tun – das ist ein Angriff auf unsere Freiheit.” (Von Henryk M. Broder, “Welt“)

109 comments

  1. Mercutio

    @Lodur
    “Chavez keiner war, der sich mit dem wissenschaftlichen Marxismus beschäftigt hat.”

    Das ind Sie etwas weltfremd, keiner der das Steuer in der hand hält und regiert wird sich jemals mit wissenschaftlichen Marxismus beschäftigen, genauswenig wie sich keiner der konservativen Regierenden ernsthaft mit ökonomischen Theorien von Smith bis Schumpeter auseinandergesetzt hat bzuw, das in die praktische Politik einfließne lässt. So läuft Herrschaft nun mal nicht, die gehorcht viel primitiveren Gesetzen.

  2. Lodur

    @Mercutio
    “Nur das freie Spiel der Kräfte hält die Demokratie am Leben, jede Alleinherrschaft, ob links oder rechts, endet in einer Diktatur.”

    Deswegen fordern ja revolutionäre Marxisten und Rätekommunisten, dass die gewählten Räte (= Volksvertreter) permanent abwählbar und ihren Wählern gegenüber rechenschaftspflichtig sein sollten. Des Weiteren sollte sich ihre Aufwandsentschädigung am Medianeinkommen orientieren.

    “Der Zusammenschluss der Arbeitenden gegen die Unternehmer ist nicht nur legitim, sondern notwendig, quasi im Sinne eines Kräfte-Markts des Ausgleichs der Interesssen.”

    Der Zusammenschluss sollte nur das Mittel sein, um das Ziel der Arbeiterselbstverwaltungsbetriebe zu realisieren. Die Betriebskomitees sollten dabei von den Arbeitnehmern selbst gewählt werden. Diese sollten das Recht haben, ein gewisses Quantum an Delegierten auf Basis eines Verteilungsschlüssels für die lokalen Räteversammlungen zu stellen, die von den örtlichen Arbeitnehmern und Konsumenten gewählt bzw. besetzt werden. Diese Räteversammlungen sollten dann neben den jetzt schon getroffenen Entscheidungsprozessen, die die politischen Köperschaften des jetzigen Systems treffen, auch noch über Produktion und Distribution entscheiden, sprich die Entscheidungsgewalt über die Produktionsmittel und die damit verbundenen Immobilien sowie Grundstücke haben. Banken bzw. Finanzdienstleister sollten ebenfalls von gewählten Räten geführt werden, und so der Gesamtgesellschaft gegenüber nützlich sein. Dabei sollte das alles im Eigentum der Gesamtgesellschaft sein.

  3. Mercutio

    @Lodur
    Klingt in der Theorie alles gut, in der Praxis wird sich ein linker Machthaber (ebenso wie ein rechter) nie mehr gewaltfrei “abwählen” lassen, bzw. sich zuvor die Kontrolle über alle Medien und Sicherheitskräfte sichern, Siehe Chavez, Castro, Kim Il Sung etc. etc.

  4. Lodur

    @Mercutio
    “Klingt in der Theorie alles gut, in der Praxis wird sich ein linker Machthaber (ebenso wie ein rechter) nie mehr gewaltfrei “abwählen” lassen, bzw. sich zuvor die Kontrolle über alle Medien und Sicherheitskräfte sichern, Siehe Chavez, Castro, Kim Il Sung etc. etc.”

    Diese Gefahr besteht tatsächlich. Aber dazu muss es auch Sicherheitskräfte und in den Medien Bedienstete geben, die das auch zulassen. Das beste Mittel dagegen ist eine Demokratisierung ALLER Bereiche der Gesellschaft.

  5. wollecarlos

    Lodur :
    @Mercutio
    Diese Gefahr besteht tatsächlich. Aber dazu muss es auch Sicherheitskräfte und in den Medien Bedienstete geben, die das auch zulassen./p>

    Der KGB ( Комитет государственной безопасности?/i) war der sowjetische In- und Auslandsgeheimdienst, der von 1954 bis 1991 bestand.

    Die Geheime Staatspolizei, auch kurz Gestapo genannt, war ein kriminalpolizeilicher Behördenapparat und die Politische Polizei in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945).

    Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR (kurz MfS oder Stasi Staatssicherheitsdienst) war der Inlands- und Auslandsgeheimdienst der DDR und zugleich Ermittlungsbehörde (Untersuchungsorgan) für „politische Straftaten“.
    Das MfS war innenpolitisch vor allem ein Unterdrückungs- und Überwachungsinstrument der SED („Schild und Schwert der Partei“) gegenüber der DDR-Bevölkerung, das dem Machterhalt diente.

    Dabei setzte es als Mittel Überwachung, Einschüchterung, Terror und die so genannte Zersetzung gegen Oppositionelle und Regimekritiker („feindlich-negative Personen“) ein.

    Das kann man auch “konservativ” nennen, oder, Mercutio ?
    Links-Konservativ!

    In einer Demokratie gibt es dafür die Rechtsprechung und keine Unterdrückungsapparate.

  6. Mercutio

    @wollecarlos
    Na bitte, CIA, FBI und Konsorten in anderen westlichen Ländern waren gegen die Bürgerrechtsbewegungen und andere “linke Umtriebe” bis in die Gegenwart hinein auch nicht zimperlich, — so ein reines Paradies der Freiheit ist der Westen auch wieder nicht. Und wenn das inzwischen großteils so ist, dann ist dies sicher in erster Linie nicht allein das Verdienst der Konservativen …

  7. wollecarlos

    @Mercutio
    Nun, selbst wenn Sie Recht HÄTTEN:
    das eine ist systemimmanent, das andere eben nicht.

    Oder können Sie sich einen us-amerikanischen Präsidenten vorstellen, der seine Dienste angewiesen hat, “Bürgerrechtsbewegungen” (also solche, die wirklich den Namen verdienen!) auszulöschen?

  8. wollecarlos

    Buchbesprechung in der realen “WELT” aus der realen Welt:

    Umso erstaunlicher, dass gerade jetzt eine Polemik des Soziologen, „Konkret“- Autors und überzeugten Marxisten Wolfgang Pohrt erscheint, die gnadenlos mit den Glaubensbekenntnissen der radikalen Linken bricht:

    „Über den universellen Kapitalismus, den Kommunismus als Episode und die Menschheit als Amöbe“. Wolfgang Pohrt, Jahrgang 1945, klassischer 68er und ebenso geistreicher wie sprachmächtiger Gesellschaftskritiker, nimmt es ganz persönlich:

    „Ist es schlimm, nach lebenslanger Beschäftigung mit Marx einsehen zu müssen, dass der Kommunismus wohl doch nicht funktionieren kann?“

    In einem furiosen historischen Abriss von Adam & Eva bis heute resümiert er

    die Irrtumsgeschichte der Linken,

    in der der Sozialismus stets als Ersatz-Paradies fungiert hatte.
    Was heute davon übrig ist, sei kaum mehr als „Kulturmüll“. Schon bei Marx gab es den Traum vom glücklichen Endzustand nach allen Klassenkämpfen, jene „Assoziation“, worin „die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist“.

    Ein „fürchterlicher Kitsch“, meint Pohrt, dem die „Befähigung“ schon anzumerken sei, „dereinst als Legitimationsideologie einer herrschenden Kaste zu dienen“, ganz im Sinne der fatalen Dialektik von Menschheitsbeglückung und Menschenfeindschaft. Allein, „vor 40 Jahren hat unsereins noch an die heile Welt geglaubt“.

    Und mit ihm die gesamte Linke, die das „himmelsstürmerische Triumphgeheul jener wilden Jahre für bare Münze“ nahm.

    Dabei habe das „Revolutionstheater“ im „Zeitalter erwarteter Endsiege“ lediglich die gesellschaftliche Stagnation camoufliert:

    „Ahnungslosigkeit inspirierte unsere Träume“,

    klagt Pohrt und fragt: „War der Sozialismus, den wir im Mund führten, tatsächlich eine Idee, oder war er nicht eher eine gedankenlose Schwärmerei?“

    Unvorstellbar in diesem Wünsch-dir- was-Kosmos, dass zwei Jahrzehnte nach 68 der „Kommunismus einfach so“ ablaufen würde „wie Badewasser, wenn man den Stöpsel zieht“.

    Offenkundig waren hier Kräfte im Spiel, „die wir gar nicht auf der Rechnung hatten“.

    „Die Wirklichkeit“

    nannten das damals bürgerliche Spielverderber. Egal. „Um es kurz zu machen: Der Sozialismus ist erledigt, und endlose Zankereien, welches der echte, wahre, falsche, hübsche, hässliche oder richtige sei, bringen ihn auch nicht wieder auf die Beine.“

    Sarkastisch stellt Pohrt fest:

    „Das größte Berufsrisiko für den Marxisten nämlich ist, dass der Kapitalismus tatsächlich abgeschafft wird.

    Danach stünde er vor dem Nichts.“

    Aber keine Angst, denn wie soll sie bloß aussehen, die antikapitalistische Gesellschaft? Ratlos stehen die alten und neuen Systemkritiker vor der großen Alternative, die sich leider nicht mit flammenden Feuilleton- Essays bauen lässt.

    So ist selbst noch die akute Krise des Kapitalismus konterrevolutionär. „Statt dem Sozialismus Auftrieb zu geben, haben die Finanzkrisen also seinen Untergang besiegelt“, diagnostiziert der Ex-Revolutionär.

    Der globale Kapitalismus ist faktisch alternativlos geworden – von China bis Amerika, von Russland bis Australien.

    Eine schmerzhafte Wahrheit auch für den eingefleischten Marxisten, der seinem Übervater schließlich den Gnadenstoß versetzt.
    Dessen Theorie von den ewigen Klassenkämpfen bis zum Endsieg des Proletariats, der das Paradies wiederherstellen solle, ist für ihn reine „Eschatologie“, pure Glaubens- und Heilslehre:

    „Marxens historischer Materialismus beweist also nichts anderes als die logische Unmöglichkeit jener finalen Revolution, die wissenschaftlich zu begründen sein Ziel ist.“

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .