Tahir wird Tienanmen

Die Ägyptische Armee veranstaltet in Kairo ein kleines Massaker mit 42 Toten: Tahir wird Tienanmen, sozusagen. Europas Intellektuellen und Medienleuten, die einst von einem “Arabischen 1989″ halluziniert hatten und von einer “Revolte der Generation Facebook” fällt dazu nur ein  Schweigen ein, das freilich ziemlich laut dröhnt.

6 comments

  1. Plan B

    Eine etwas merkwürdige Parallele, Herr Ortner. Die Armee (man kann ihr Korruption und Machtgier vorwerfen) schützt doch gerade die Protagonisten der so genannten “Arabellion”; also die Facebook-Gemeinde. Wer am gewaltätigen Rad dreht, das sind die Islamisten, also die Anhänger der Muslimbrüder. Und deren einjährige Regentschaft hat doch zum Abbau aller einmal zaghaft installierten demokratischen Regeln geführt; also der Auslöser für den Mursi-Sturz.

    Mit einer “Chinesischen Lösung” hat das überhaupt nichts zu tun. Die Aufgabe der Armee muss sein, rigoros einen Bürgerkrieg zu verhindern. Der “Youth Bulge” ist enorm; der Bürgerkriegs-Index höher als in Syrien und vormals in Algerien (1992) und dem Libanon (80er Jahre.

  2. Rennziege

    @Plan B
    Ich pflichte Ihnen bei. Der Tahrirplatz hat mit dem Platz des himmlischen Friedens nichts gemein. Zu verschieden sind die Systeme, zu verschieden die Temperamente der Menschen und die Ursachen der Auflehnung.
    Unterschiedlos allerdings bleibt die Trauer über den Tod so vieler Menschen, die für kommunistische und islamistische Mörderbanden ihr Leben lassen mussten.

  3. Plan B

    Rennziege :

    Unterschiedlos allerdings bleibt die Trauer über den Tod so vieler Menschen, die für kommunistische und islamistische Mörderbanden ihr Leben lassen mussten.

    Das ist die traurige Realität. Aber vielleicht meint CO ja, dass die adressierten Intellektuellen und Medienleute sich nicht trauen, die wahren Ursachen zu benennen: Mit den Islamisten ist keine Zivilgesellschaft möglich, basierend auf demokratisch und rechtstaatlich organisierter Gewaltenteilung.

  4. Prinz Eugen von Savoyen

    Die Armee hat die Islamisierung abgestellt. Die stärkste Waffe aben sie aber noch nicht verwendet, das wäre eine Überreaktion. Das wäre die Waffe des Appells.

  5. Reinhard

    Ägypten ist ein heikles Thema.
    Die Frage ist, ob es der Armee zusteht, Partei zu ergreifen. Ägypten hat eine Verfassung; auch wenn deren Inhalt in unserem Kulturkreis für Sodbrennen sorgt, ist es doch die eine gültige Verfassung die von einer demokratisch gewählten Versammlung beschlossen wurde. Und die Armee ist auf diese Verfassung vereidigt. Darf sie gegen diese Verfassung verstoßen?
    Verfassungsbruch ist bei uns ja nun ein tägliches Hobby der abgehobenen Politikerkaste, vielleicht wird auf dieses Detail deswegen kein besonderes Augenmerk gerichtet (man will die Leute ja nicht für lästige Fakten sensibilisieren, das könnte zuhaus peinlich werden…), aber eigentlich handelt es sich in Ägypten um einen Putsch der Armee gegen ein ihr (und vielen Ägyptern) nicht genehmes demokratisches Wahlergebnis.
    Bei allem berechtigten erleichterten Aufatmen, wenn den Bestrebungen der Hardcore-Islamisten, einen Gottesstaat religiöser Fanatiker iranischer Prägung zu errichten, ein Riegel vorgeschoben wird, bleibt der saure Nachgeschmack, dass Demokratie also eine Form der freien Wählerentscheidung ist, bei der die Wähler aber keine Wahlfreiheit besitzen, denn selbst wenn sie eine zur Wahl zugelassene und legitimierte Gruppe wählen, die nicht ins Konzept passt, wird zur Not mit Waffengewalt das Ergebnis “berichtigt”.
    Ob der Zweck da alle Mittel heiligt oder die gerade eben in nordafrikanischen Gefilden als neue Modeform der gesellschaftlichen Ordnung entdeckte Demokratie nicht nachhaltig beschädigt wird, bleibt fraglich. Denn es bewahrheitet sich die gute alte Tradition der Wüstenvölker: nicht der Clan herrscht, der die meisten Wähler kaufen kann, sondern der, der die größte Macht ausübt. Zum Beispiel im Heer.

  6. Ehrenmitglied der ÖBB

    Die Opfer des Massakers:
    Es war das Privileg des ORF, die Bilder NICHT zu zeigen, die zur Reaktion der Armee auf die Mursianhänger geführt hat: die Heckenschützen bzw. Scharfschützen in den Reihen der Mursianhänger /Protestierer.
    Auf allen deutschen Nachrichtensendern war die Berichterstattung so, dass aus den Reihen der Mursigetreuen zuerst geschossen wurde, bevor die Armee zurückschoss.
    Das ändert sie Sachlage etwas (was leider den Toten nichts mehr nützt).

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