Tel Aviv, wen kümmert das schon?

Von | 2. Januar 2016

Man stelle sich mal vor, heute, am 1. Januar 2016, hätte ein Mann in einer Bar in Paris wild um sich geschossen und auf den Süden Frankreichs wären Raketen abgeschossen worden, auf Facebook wären jetzt alle Paris und die Gebäude der Welt würden sich in den Farben Frankreichs tauchen. Aber ach, es wurden nur Menschen in Tel Aviv ermordet und der Süden Israels mit Raketen beschossen. Juden! Wen kümmert das?…. (Weiter hier)

18 Gedanken zu „Tel Aviv, wen kümmert das schon?

  1. Thomas Holzer

    Es kümmert aber auch (fast) niemanden, wenn z.B. Boko Haram in Afrika hunderte, tausende Menschen hinmetzelt………..
    Das ist halt das Problem der “westlichen” Welt, eine besondere Form der selektiven Wahrnehmung.

  2. Lisa

    @thomas Holzer: Genau. Es wäre an der Zeit, die ganze Journaille abzuschaffen und es jedem selbst überlassen, sich im Internet über Dinge schlau zu machen, die ihn wirklich interessieren. Da sieht man dann auch, wer sich tatsächlich für Weltpolitik und Zusammenhänge interessiert und wer das bloss so tut, wie es etwa der schon mal zitierte “Bürger” im Faust hält::
    Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
    Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
    Wenn hinten, weit, in der Türkei,
    Die Völker aufeinander schlagen.
    Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
    Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
    Dann kehrt man abends froh nach Haus,
    Und segnet Fried und Friedenszeiten

  3. Fred

    Den fortlaufenden Israel-Frankreich(*)-Vergleich halte ich für wenig zielführend, zumindest nicht solange man sich bezüglich der geschichtlichen und politischen Hintergründe nicht völlig als Ignorant outen will. Meines Wissens sind es in Paris ja nicht die Kelten, welche sich gegen die römisch-germanische Besetzung ihres Landes wehren…

    (*) Wobei Frankreich beliebig durch das jeweilige europäische Terrorziel des Tages ersetzt werden kann

  4. Falke

    Das hat sicherlich vor allem damit zu tun, dass Israel (so wie auch Syrien, Irak, Afrika usw.) im Bewusstsein der Europäer “irgendwo fern von uns” liegt und uns daher nicht so (be)trifft. Auch die Bewohner dort sind sozusagen eine “andere Art von Menschen”, anders als wir Europäer (obwohl das gerade bei Israel teilweise nicht stimmt).

  5. astuga

    @Thomas Holzer
    Letztlich besitzen Menschen immer nur eine selektive Wahrnehmung.
    Das ist keine Eigenart des “Westens”.

    Den Muslimen ist der Kurdenkonflikt, Sinkiang oder die Westsahara auch egal.
    Anders als die Palästinenser (gut, dort interessiert die Muslime auch bloß der Konflikt als solcher, nicht die Palästinenser selbst).

    Viele Israelis haben auch mit Europa nichts zu tun, weil sie ehemals aus dem gesamten islamischen Raum stammen, von wo sie vertrieben wurden.
    Soweit so nachvollziehbar.
    Es gibt aber eine selektive Wahrnehmung, die ist erklärbar und normal (weil Nahes uns näher steht, salopp gesagt).
    Es gibt aber auch eine selektive Wahrnehmung die ungerecht und ideologisch gefärbt ist.
    Denn wenn es um die sog. Israelkritik geht, ist vielen in Europa Israel doch sehr nahe.
    Wenn es aber um Verständnis geht, weit entfernt.
    Wenn also etwas typisch für Westeuropa ist, dann ein ideologischer konstruierter Schuldkomplex, und der lässt dann in einer Form von bigotter Selbstgerechtigkeit (Mea maxima culpa – was sind wir nicht gut) viele Europäer anderen gegenüber reflexhaft ungerecht werden.

  6. aneagle

    Palästinenser sind aus der Sicht der Europäer echtere Opfer als alle anderen Menschen auf diesem Planeten. Da nützt es gar nichts z.B. in Dafur auf die Welt gekommen zu sein.
    Denn: Wer ein Opfer ist, entscheidet, frei nach Lueger, immer noch der aufgeklärte zivilisierte humane Europäer!
    Die asymmetrische Kriegsführung der Palästinenser bedingt eben eine asymmetrische Weltsicht der überaus wertebefreiten Europäer.

  7. Der Realist

    mich kümmert das genauso wenig wie eine Schießerei in Paris, ich bin ja schließlich kein Kümmerer, und außerdem muss man sich von den politisch Überkorrekten ja nicht am Nasenring durch die Arena ziehen lassen. Das Leben ist halt lebensgefährlich, täglich sterben viele Menschen bei Arbeitsunfällen, im Straßenverkehr, bei Freizeitunfällen oder durch psychische Defekte. Früher starben Menschen durch für heutige Verhältnisse harmlose Krankheiten, infolge von Epidemien der Infektionen die in unserer Zeit völlig gefahrlos verlaufen. Heutzutage stürzen halt Flugzeuge ab und verunglücken jährlich Millionen im Straßenverkehr, und da der Islam nun auch zu Europa gehört, müssen wir auch die Nebenwirkungen aushalten.
    Für irgendwelche grenzdebilen Solidaritäts- und Betroffenheitskundgebungen bin ich zumindest nicht zu haben.

  8. Mona Rieboldt

    Israel ist der Jude unter den Staaten. Die “Palästinenser” können noch so viele jüdische Zivilisten ermorden, einen Schulbus in die Luft sprengen, wie gehabt, sie bleiben stets die Opfer des bösen Israels. Dafür sorgen schon die Linken und die EU, die die “Palästinenser”, also Araber, mit viel Geld unterstützen.

  9. Der Realist

    @Mona Rieboldt

    meist bin ich ziemlich uneingeschränkt bei Ihren Kommentaren, diesmal muss ich aber schon ein paar Abstriche machen, wurden doch auch schon viele palästinensische Zivilsten ermordet, Häuser mutmaßlicher Attentäter einfach gesprengt usw.

  10. Rennziege

    2. Januar 2016 – 15:53 Der Realist
    Ihr ambitionierter Schkenker “… auch schon viele plaästinensische Zivilisten ermordet” fügt sich passgenau in die Schwubelei mitteleuropäischer Antisemiten der linken und grünen Färbung ein. Alle verfügbaren Quellen belegen, dass gerade Israels Soldaten penibel darauf achten, keine Unschuldigen zu töten. Letztere aber, zumeist Frauen und Kinder, werden von den palästinensischen Mördern gerne an ihren Raketenwerfern positioniert, um weltweite Empörung zu generieren.
    Im Übrigen erinnert mich Ihr wohlfeiles Posting an den Gynäkologen, der nach seiner sündteuren Scheidung sagte: “Jetzt muss ich viele Abstriche machen.” 🙂

  11. Rennziege

    P.S.: Man lese bitte “Schlenker” und “Schwurbelei” — Smartphone-Tastaturen, auf der Straße bedient, verschlucken manche Eingaben.

  12. Christian Weiss

    “Meines Wissens sind es in Paris ja nicht die Kelten, welche sich gegen die römisch-germanische Besetzung ihres Landes wehren… ”

    Wollen Sie uns etwa den unsäglichen Bären aufbinden, dass es sich bei den “Palästinensern” um Freiheitskämpfer und den Israelis um Besatzer handelt?
    Da scheinen Sie aber vom “geschichtlichen und politischen Hintergrund” wenig mitgekriegt zu haben…

  13. Fred

    @Christian Weiss Nein, diesen unsäglichen Bären will ich niemandem aufbinden. Es ändert aber nichts an der Problematik, dass es in Israel und Palästina zwei Völker nicht schaffen, einigermassen friedlich zusammenzuleben. Wie ich auch meinen Kindern bei Streitereien immer wieder sage: Mich interessiert nicht, wer angefangen hat, sondern wer den Weg zum Aufhören findet.

    PS: Der Vergleich wäre mE deutlich aussagekräftiger, wenn anstelle von Tel Aviv (wo sich halt beim besten Willen verschiedene Terrorgründe überlagern) Beirut, Bagdad oder Damaskus verwendet worden wäre.

  14. Gerhard

    Israel und Palestinenser – ein jahrzehntelang ungelöstes Problem.
    Genau genommen liegen die Ursachen dafür schon sehr lange zurück. Bei der Gebietsaufteilung zwischen Großbritannien und Frankreich vor 100 Jahren wurden schon Fehler gemacht. Vor 60 Jahren war bei Staatssgründung die Fläche Israels für die damalige Bevölkerungsanzahl ausreichend. Dann kamen die vielen vorwiegend jüdischen Einwanderer aus aller Welt, sowie mehrere Kriege, welche von den Arabern angezettelt wurden. Fazit: Westjordanland kam faktisch dazu, der Gazastreifen wurde eine Art überdimensionales Dauergefängnis für die dort lebenden Palestinenser. Seit vielen Jahren hat niemand in der Welt eine Lösung dieser Pattsituation gefunden – außer der Iran, welcher Israel dem Erdboden gleichmachen will. Als Schutzmacht stellt sich die USA (mit den besonders einflussreichen Ostküsten-Juden) dar, welche Israel zur bestausgerüsteten Armee verhalf und es auch weiter tun wird.
    Wie geht es weiter und wer hat eine gute Lösung? — derzeit niemand.
    Aus meiner Sicht läuft das Ganze auch unter der in der christlichen Bibel prophezeihten Entwicklung ab, denn es handelt sich weiterhin um das vielzitierte “Volk Gottes”, obwohl es da verschiedene Meinungen und Auslegungen über den Begriff Israel, dessen Religion sowie Bewohner gibt.

  15. gms

    Gerd,

    “Aus meiner Sicht läuft das Ganze auch unter der in der christlichen Bibel prophezeihten Entwicklung ab, denn es handelt sich weiterhin um das vielzitierte „Volk Gottes“, obwohl es da verschiedene Meinungen und Auslegungen über den Begriff Israel, dessen Religion sowie Bewohner gibt.”

    Eine derartig fokusierte Begriffsbetrachtung ignoriert idente Phänomene abseits jüdischer Ambitionen. Das altertümliche Babylon hat ebenso einen glasklaren Gottesbezug, wie das heutige ‘God’s own country’. Bestimmte Ethnien bezeichneten das eigene Volk als ‘Menschen’, andere sich wiederum sinngemäß ‘Nicht-die-Anderen’. Worunter läuft das Ganze nun?

    Sich als Mittelpunkt der Welt zu betrachten, als etwas Besonderes, mit oder ohne transzendenten Rückhalt, ist charakteristischer Wesenzug nahezu aller Soziotäten, weswegen es im Zweifel mangelnder Bildung zugeschrieben werden möge, ausgerechnet Juden Vergleichbares vorzuhalten mit der Folgerung, dies erkläre deren Tun oder Lassen.

  16. aneagle

    @fred 2. Januar 2016 – 17:09

    Genaugenommen sind es keine zwei Völker, die nicht in Frieden leben können, sondern nur eines, das nicht in Frieden leben kann, weil:
    * seine Nachbarn dies strategisch nicht dulden, (nicht mal Yasser Arafat hat es letztlich gewagt Frieden zu schließen, das wäre sein Ende gewesen),
    * Sie sicher noch niemals in den letzten 60 Jahren von Israel den Aufruf “Treibt Sie ins Meer” gehört haben,
    * Sie eben diesen Aufruf vom Iran über verschiedene “Freiheitsbewegungen” i.e. PLO, Hamas, Palästinian Authority, Hizbullah, Boko Haram, Al Qaida, IS, Daesh , Shahab Milizen Al Nusra Front, you name it, bis Saudiarabien von Heerscharen verschiedener religiöser Eiferern wöchentlich hören können,
    * Israel schon mehrmals den “Weg zum Aufhören” gefunden hat, wie Jordanien und Ägypten zeigen,
    * ein zweites Volk systematisch in den Elendslagern der Glaubensbrüder über 60 Jahre
    “gezüchtet” wurde,
    * die Weltmächte mit der aktuellen Situation sehr sehr zufrieden sind, wird doch Israel seit Jahrzehnten an der Kandare gehalten und gezwungen “nützlich” im Sinne der großen Weltstrategie mit zu spielen,
    * niemand sonst auf dieser Welt für seine Gefangenen $ 900 Mill jährlich erhält außer deren Gefängniswärter Hamas und PLO,
    * Europa zusätzlich jährlich mit einen Medienkrieg für ca. €400Mill. den Status quo einzementiert , der nicht einen einzigen Palästinenser befreit, sondern nur dafür sorgt, die europäischen Problemrabauken fern der Heimat zu halten. Mit Geldzuwendungen werden diese dazu animiert in “journalistischen” NGOs im Nahen Osten ihre psychisch problematischen Charakterzüge auszuleben und zuverlässig den Hass bis zurück nach Europa aufrecht zu erhalten, (….to be continued)

    Eines sollten Sie eventuell Ihren Kindern doch noch mitteilen:
    nicht nur ist es manchmal doch interessant, wer (und warum) angefangen hat, sondern ungleich interessanter ist, wer (und warum) aller daran arbeitet die Situation für alle zwangsweise Beteiligten, so ausweglos wie möglich zu gestalten. Weder Israel noch die Palästinenser können stolz von sich behaupten in dieser Tragödie freiwillig die zugeteilten Rollen zu spielen. Wie überall stinkt der Fisch vom Kopf !

    Wenn Sie sich unvoreingenommen mit den Friednsverhandlungen auseinandersetzen, werden Sie mühelos

  17. aneagle

    …..zu einer differenzierteren Ansicht gelangen

  18. Lisa

    @astuga: Richtig, aber davon hört und liest man sehr wenig: die arabischen und muslimischen Brüder interessieren sich nur für den Konflikt als solchen – die Palästinenser selbst sind ihnen nciht nur egal, sondern sie verachten und kritisieren sie ganz massiv. Das erfährt man erst, wenn man mit den Menschen aus den Ländern spricht, wo sie “Zuflucht” gefunden hatten – und wenn man ein wenig advocatus diaboli spilet, um ihre Ansichten rauszukitzeln…

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