Traumatherapien werden wenig gegen den Terrorismus helfen

Von | 23. Juli 2016

(Christian Ortner) Pessimisten haben nach dem Massaker in der Pariser „Charlie Hebdo“-Redaktion vor mehr als einem Jahr befürchtet, der Terror würde in Europa forthin genauso wüten wie bis dahin in Israel. Die Pessimisten haben sich geirrt. Seither sind nämlich in Europa schon deutlich mehr Menschen Opfer islamistischen Terrors geworden als in Israel. Tel Aviv dürfte heute ein sichererer Ort sein als Brüssel oder Nizza; nicht nur für Juden.

Umso bemerkenswerter war, wie am Montagabend in einer TV-Debatte auf Puls4 Bundeskanzler Christian Kern die Ursachen des zeitgenössischen Terrors beschrieb. „Wir haben in Nizza ja gesehen, was passiert, wenn man Menschen in die Enge drängt“, meinte er da in Anspielung auf den 31-jährigen Tunesier, der vergangene Woche über 80 Menschen bestialisch ermordet hat.

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Leider hat niemand den Bundeskanzler gefragt, von wem und wodurch der Täter so „in die Enge gedrängt“ worden ist, dass ihm praktisch nichts anderes übrig geblieben ist, als ein Blutbad anzurichten. Waren es die Leistungen des französischen Sozialstaates, die den tunesisch-stämmigen Mann derart zur Verzweiflung trieben? War es die Rede- und Meinungsfreiheit, die er in Frankreich genoss, obwohl er zumindest am Schluss seines Lebens Islamist gewesen sein dürfte? Oder doch die vielfältigen dortigen Bildungsmöglichkeiten auch für Migranten, die ihn „in die Enge gedrängt haben“?

Bedauerlicherweise bedient so auch der eloquente Kanzler ein Stereotyp, das da lautet: Wir, der Westen, sind irgendwie selbst schuld am muslimischen Terrorismus, weil wir uns in irgendeiner Art „zu wenig um die gekümmert haben“. Oder, wie Gudrun Harrer dieser Tage im „Standard“ schrieb: „Diese Täter sind [. . .] ein Phänomen und Produkt unserer eigenen Gesellschaften.“ Nicht der Täter ist schuldig, sondern „die Gesellschaft“, die ihn vermeintlich zum Täter gemacht hat.

Würde das stimmen, ginge in Europa jeden Tag eine Bombe hoch, die ein illegaler chinesischer Küchenarbeiter in Turin, ein sozial deklassierter Roma in Bukarest oder ein indischer Arbeitsloser im Londoner Osten gezündet hat, weil er „in die Enge gedrängt“ worden ist.

Da dies aber zum Glück nicht der Fall ist, deutet sehr viel darauf hin, dass eben nicht eine allfällige soziale Benachteiligung zentrales Motiv des europäischen Terrors ist, sondern ein anderer Faktor, den nicht zu erkennen schon ein hohes Maß an intellektueller Blindheit erfordert.

Dass sich ein Teil des politischen wie medialen Establishments in Westeuropa noch immer an der unhaltbar gewordenen Fiktion vom zeitgenössischen muslimischen Terrorismus als primär sozialer Frage festhält, könnte schlimmstenfalls zu einem weiteren Verlust an Menschenleben führen. Denn der Kampf gegen diesen Terrorismus kann sicher nicht gewonnen werden, solange nicht dessen Ursachen klar diagnostiziert und ausgesprochen – und dann angemessen polizeilich, nachrichtendienstlich, militärisch und strafrechtlich adressiert werden. Zu glauben, dem Problem sei mit einer Division Sozialarbeitern beizukommen, vergeudet nur Zeit und Geld und steht einer echten Lösung im Weg, soweit die überhaupt möglich ist.

Diese Lösung, so hässlich und gewöhnungsbedürftig sie auch sein wird, muss eher rasch gefunden werden. Etwa, indem Israels robuste Anti-Terrormaßnahmen teilweise kopiert werden (siehe auch „Quergeschrieben“ vom 18. 7.). Denn dass sich die Europäer einfach daran gewöhnen, in Fußgängerzonen, Zügen oder Theatern regelmäßig abgeschlachtet zu werden, ist eher nicht zu erwarten und auch nicht wünschenswert. Journalisten, die jetzt in sozialen Medien vorrechnen, wie gering statistisch die Gefahr ist, einem Terrorakt zum Opfer zu fallen, zeigen damit vor allem, wie weit sie sich bereits vom wirklichen Leben losgelöst haben.

„Wir sind am Rande eines Bürgerkriegs“, befürchtete dieser Tage der französische Geheimdienstchef, Patrick Calvar. Mit Traumatherapien für Jihadisten wird der eher nicht zu verhindern sein. (“PRESSE”)

64 Gedanken zu „Traumatherapien werden wenig gegen den Terrorismus helfen

  1. MM

    @Thomas Holzer: Da war einer noch schneller als wir:

    https://www.youtube.com/watch?v=o3aKbLVBo1A

    Da gibt es sogar “Beweise” für die Verbindung mit dem Mossad: Der Journalist Richard Gutjahr wäre zufällig in Nizza und in München live dabei gewesen und das ließe sich nur damit erklären, dass seine Frau beim Mossad ist.

  2. MM

    Zur Sicherheit: Lieber Heiko, liebe Anette: Das ist nicht ernst gemeint.

  3. Mona Rieboldt

    stiller Mitleser
    Der Vater ist Iraner, Mutter Deutsche. Daher hat er eine iranische und eine deutsche Staatsangehörigkeit. Das gibt es in Deutschland, aber nicht in Österreich, da geht keine doppelte Staatsangehörigkeit.

  4. MM

    @Mona Rieboldt: Woher wissen Sie, dass die Mutter Deutsche ist? Ich habe das nirgends gefunden. Normalerweise schreiben die Medien “Deutschiraner” oder Ähnliches, wenn jemand den deutschen Pass hat, aber eben kein Deutscher ist. Den Doppelpass gibts ja für in D geborene Kinder ausländischer Eltern ab Geburt.
    Özil ist manchmal Deutschtürke, Gomez war aber noch nie Deutschspanier, sondern i.d.R. Deutscher mit spanischem Vater.

  5. Christian Peter

    @Mona Rieboldt

    Woher wissen Sie, dass dieser Iraner etwas mit den Anschlägen von München zu tun hatte ? Ohne strafrechtliche Aufarbeitung des Falles können die Behörden jede Geschichte auftischen, niemand kann es überprüfen. Einem Toten kann man alles anlasten, denn dieser kann sich nicht mehr verteidigen.

  6. gscheithaufen

    Wiederholung meines aus geheimer Quelle stammenden Kommentartextes:
    Yuropien Komischen. Schänderall Dear-Action of Free-Doom And Tourism-Fighting

    Ein EU-Konzept zur Bekämpfung von Terrorismus
    Der mittlerweile unbestrittenen erheblichen Zunahme terroristischer Aktivitäten wurden bis jetzt wenig brauchbare Maßnahmen entgegengesetzt. Dies soll nun ein Ende haben. Die Generaldirektion für Terrorismuswirtschaft und Freiheitsbekämpfung legt dafür folgendes Konzept in Grundzügen vor:

    Grundproblem:

    Terroristen operieren im Geheimen, bis sie letzlich explosiv an die Öffentlichkeit treten.

    Lösungsansatz:

    Nachdem es sich hier um eine sicherheitsrelevante Verhaltensweise handelt, muss diese reglementiert werden. Um als Terrorist tätig werden zu dürfen, muss es daher einen EU-weiten Befähigungsnachweis geben, der den Terroristen autorisiert, bei der jeweils örtlich und sachlich zuständigen Behörde eine Lizenz zum Tätigwerden zu beantragen.
    Der Befähigungsnachweis muss durch die erfolgreiche Absolvierung eines mindestens zwei- und höchstens sechsundzwanzigsemestrigen post- oder prägradualen Ausbildungsganges – abhängig von der Vorqualifikation – erbracht werden, der durch eine kommissionelle Prüfung abgeschlossen wird. Konstitutive Bestandteile eines solchen Lehrganges sind u.a.:
    – Strategien zur Beschaffung von illegalen Waffen und Sprengmitteln auf lokalen und regionalen Schwarzmärkten
    – Verwendungstraining durch Schieß- und Sprengübungen
    – Anschlags-Teamtraining (Kommunikation, Hierarchische Strukturen, Befehlskette, Ausführung im Team und Alleingang)
    – Systemische Aufsprengung, Rollenverständnis
    – Grundzüge des Selbstmordanschlagswesens
    – Stochastische Methoden zur Kollateralschadensmaximierung
    – Konsequenzenmanagement nicht-suizidaler Anschläge
    Der Befähigungsnachweis ist zu erteilen, wenn der jeweilige Terrorist sämtliche Module erfolgreich absolviert hat. Zur Ausstellung der Lizenz ist der Einzahlungsnachweis über 1001 Euro in Münzen, versehen mit der Langstampiglie des ausbildenden Institutes, ein Satz Passbilder in EU-Format sowie ein Original-Personaldokument aus einer syrischen, türkischen oder irakischen anerkannten Fälscherwerkstatt vorzulegen.
    Die Anmeldung von Anschlägen als Veranstaltungen im öffentlichen Interesse hat bei der lokal zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde zu erfolgen. Diese hat die Genehmigung zur Durchführung zu erteilen, wenn
    – alle teilnehmenden Terroristen den Befähigungsnachweis vorlegen können
    – sämtliche dabei verwendeten illegalen Waffen und Sprengmittel nachweislich ordnungsgemäß verwahrt und registriert worden sind
    – der Erwerb der Sprengmittel und Waffen in einem autorisierten illegalen Handelsunternehmen unter Einsatz von Leib und Leben erfolgt ist
    – die Bezahlung der Sprengmittel und Waffen ausschließlich mit 500 Euro-Scheinen erfolgt ist, deren Seriennummern registriert und auf den Rechnungsbelegen vermerkt wurden.

    Erwartete Resultate:
    Diese Maßnahmen werden als ausreichend erachtet, das Terrorismusproblem nachhaltig zu lösen, da einerseits damit zu rechnen ist, dass die zu erwartenden Ausfallsquoten im Ausbildungsmodul „Suizid-Anschläge“ die Anzahl potentieller Absolventen drastisch zu reduzieren geeignet sind. Weiters ist zu erwarten, dass diejenigen, die den Lehrgang doch absolvieren und positiv abschließen, längstens bei der Bewilligungsprozedur für die Anschlags-Anmeldung an der Bürokratie scheitern und daher von ihrem Vorhaben ablassen werden.

    Da diese Maßnahmen einen unüberbietbaren Effekt haben werden, werden sich auf lange Sicht auch budgetäre Effekte in allen teilnehmenden Ländern einstellen, da die erforderlichen Ausgaben im Bereich der öffentlichen Sicherheit weiter zurückgefahren werden können. Unsicher ist allerdings, ob der Einsparungseffekt nicht durch Zunahme weiterer administrativer Vorgänge, die die Einführung jeder Veränderung zwingend begleiten müssen, egalisiert werden wird.

    N.B.: durch die bevorstehende Abschaffung des 500-Euro-Scheines wird sich die Anschlagsdurchführungsgenehmigung als unmöglich erweisen, da ja dann kein Nachweis mehr über die ordnungsgemäße Bezahlung erbracht werden kann.

    Gez.: Hirnederl, Amtsrat
    Generaldirektion für Terrorismuswirtschaft und Freiheitsbekämpfung

  7. Wanderer

    @mona rieboldt
    Er hatte lt. Kurier iranische Eltern.

  8. Fragolin

    @Christian Peter
    Alles wird gut! Es wird keine toten Selbstmordattentäter oder Amokläufer mehr geben! Die Polizei hat endlich, angeregt durch Frau Künast, neue Strategien entwickelt, wie man diesen Tätern beikommt:

  9. Christian Peter

    @Fragolin

    Wer die von den Behörden präsentierte Geschichte des geistig verwirrten Einzeltäters glaubt, soll selig werden. Vermutet wird, dass die Behörden an anderen Münchner Orten weitere Anschläge verhinderten, anders lassen sich die Großeinsätze der bayrischen Polizei an verschiedenen Münchner Orte nicht erklären (wegen eines Einzeltäters an einem einzigen Ort wären sicherlich nicht 2.300 Einsatzkräfte + die GSG 9 + Sondereinheiten der österreichischen Kobra angefordert worden). Der Münchner Hauptbahnhof wurde evakuiert, Hubschrauber kreisten stundenlang über der Stadt, Ärzte und Krankenschwestern wurden zum Dienst gerufen, die Bürger angehalten, die Wohnungen nicht zu verlassen und alle Veranstaltungen im Raum München für mehrere Tage abgesagt. Die Polizei selbst berichtete ursprünglich von Anschlägen an mehreren Münchner Orten, Männer mit Gewehre wurden gesichtet, am Stachus kam es zu panikartigen Szenen, am Flughafen München gab es einen Großeinsatz. Das bedeutet : Die Geschichte, ein geistig verwirrter Einzeltäter hätte an einem einzigen Ort in München zugeschlagen, lässt sich mit den Ereignissen am 22.7. nicht in Einklang bringen , vermutlich sind die Täter nach wie vor auf der Flucht.

  10. P. Eugen

    Was mich auch sehr stört: Warum versucht man -via Norwegen- Rechtsextremismus hineinzubringen? Wer sind die Hetzer?

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