Triste Zeiten voraus

(ANDREAS TÖGEL) Zwei wichtige Wahlen sind geschlagen. Ergebnis: Trotz erheblicher Mandatsverschiebungen, wird alles genauso bleiben, wie es ist. Die Führer der einst „staatstragenden“ Roten und Schwarzen, sind eben dabei, den Staub von ihren Schuhen zu schütteln, die erlittenen Verluste kleinzureden und in ihren alten Trott zurückzufallen. Die Grünen und die Pinken wiederum würden – angesichts einer möglichen Regierungsbeteiligung – jederzeit als Steigbügelhalter bereitstehen.

Stünde rundherum alles zum Besten, wäre das nicht schlimm. Doch das ist leider nicht der Fall.

Der mit größten Vorschusslorbeeren bedachte Finanzminister präsentiert ein Phantasiebudget, das weder auf der Einnahmen- noch auf der Ausgabenseite glaubhaft ist. So entsprechen etwa die aus den Titeln Registrierkassenpflicht und Kampf gegen die Steuerflucht erwarteten Mehreinnahmen reinem Wunschdenken, während die Kosten der Völkerwanderung offensichtlich unterdotiert sind. Die nach dem ersten Jänner des kommenden Jahres zu erwartende Welle von Betriebsstillegungen (wenn alle im Zuge der „Steuerreform“ von den Regierungsparteien ausgeheckten Scheußlichkeiten auf die KMU hereinprasseln) wird der Republik beachtliche Steuerausfälle und eine Menge neue Arbeitslose bescheren. Und eben dieser explodierenden Arbeitslosigkeit wird im Budget nicht ausreichend Rechnung getragen. Die von Minister Schelling für 2017 in Aussicht genommene Senkung der Lohnnebenkosten kommt – falls überhaupt – um Jahre zu spät! Die liberale Denkfabrik „Agenda Austria“ kommentiert die Farce so: „Chillen, bis die Troika kommt“ und könnte damit – wie so gut wie immer – ins Schwarze treffen.

Weit schwerer noch, wiegt die allgemein triste Stimmung unter den Wirtschaftstreibenden, die nichts Gutes erahnen lässt. Das in Zürich beheimatete Institute for Global Economic Forecasting, das im Monatstakt weltweite Erhebungen über Auftragslage und Stimmung in den Unternehmen veröffentlicht, meint in seiner letzten Ausgabe: „Österreichisches Konjunkturklima: Erdrutsch ohne Ende“. Das Institut konstatiert den siebenten Rückgang des Stimmungsbarometers im laufenden Jahr. Originalton: „Ende November [2014] verzeichnete die Erhebung hoffnungsvolle 106,7 Punkte. Nun liegt der Business Monitor in Österreich bei 88,7 Punkten und hat insgesamt 18,0 Zähler verloren.“

Wer nicht im Elfenbeinturm hockt, oder als unkritischer Agent der heillos überforderten Bundesregierung von deren Wohlwollen (und von Zahlungen der AK) abhängig ist und daher, wie etwa Karl Aiginger vom WIFO, vor Zweckoptimismus nur so überquillt, wird keine große Schwierigkeiten haben, die Ursachen der miesen Stimmung zu erkennen: Debatten über die verbindliche Einführung einer sechsten Urlaubswoche ist eine davon. Die Verpflichtung der Unternehmen – wenn nötig auch unter hohen Kosten – „barrierefreie Zugänge“ zu schaffen, ein weiterer. Den Betrieben ist es nämlich – dank des bestehenden „Diskriminierungsverbots“ – nicht erlaubt, darauf zu verzichten mit behinderten Kunden Geschäfte zu machen. Kontrahierungszwänge (oder -Verbote!) aller Art sind indes Gift für die Wirtschaft. Derart Offensichtliches leuchtet den in einer Parallelwelt lebenden Staatsbürokaten anscheinend nicht ein. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Am schlimmsten jedoch setzt den heimischen Unternehmen zweifellos die Billigkonkurrenz aus dem benachbarten, östlichen Ausland zu. Und dabei handelt es sich um eine Bedrohung, der nicht mit einfachen Mitteln zu begegnen ist und die von der Nomenklatura vollständig ignoriert wird. Gleich, ob man sich in Malerbetrieben, Gärtnereien, bei Schlossern, Fensterbauern oder anderen Gewerbebetrieben umhört, das Bild ist immer das gleiche: Gegen die in Tschechien, der Slowakei oder in Ungarn anfallenden Lohnkosten, sind heimische Betriebe – nicht zuletzt dank des Jahrzehntelangen, unermüdlichen Treibens von Gewerkschaften und Arbeiterkammern – machtlos. Je arbeitsintensiver ein Produkt oder eine Dienstleistung, desto größer der Wettbewerbsnachteil des inländischen Anbieters. Viele Kleingewerbler stehen vor dem Aus.

Diese Problematik trifft nicht alle Branchen gleichermaßen. Auch die geographische Lage spielt dabei eine Rolle. Klar ist aber, dass es einer massiven Entlastung bei den Arbeitskosten bedarf, damit die Konkurrenzfähigkeit der heimischen Produktions- und Dienstleistungsbetriebe mittelfristig nicht vollends verlorengeht.

12 comments

  1. Thomas Holzer

    Sie sehen das viel zu negativ, Herr Tögel.
    Jetzt, mit den zahlreichen Neubürgern und den noch zahlreicher noch Kommenden in naher Zukunft, wird ein neues Wirtschaftswunder einhergehen. Höchst produktive Arbeitsplätze in der Sozial-, Asyl-, Begleitungs- und Betreuungsindustrie werden zu Tausenden, wenn nicht Zehntausenden geschaffen, von den Stellen im Baugewerbe, der Verwaltung, Justiz et al. gar nicht zu sprechen.

  2. Panta_rhei

    Ich habe sehr viel mit Kleinbetrieben zu tun, und die Stimmung dort ist durchgehend miserabelst. Sehr viele werden kommendes Jahr das Handtuch werfen, weil es sich schlichtweg für sie nicht mehr ausgehen wird. Aber es gibt ja eh die Mindestsicherung.

  3. Hanna

    @ Thomas Holzer
    Wie immer ist Ihr bitter-wahrer Sarkasmus ein geschätzter. Naja – ich habe extra eine Ausbildung zur Trainerin in der Erwachsenenbildung gemacht, schon vor zwei Jahren, weil abzusehen war, was in Sachen “Integration” nötig sein würde … damals allein aufgrund der vorhandenen, kaum integrierten MigrantInnen der letzten Jahrzehnte … und ich habe einen sehr vielseitigen, absolut passenden beruflichen Hintergrund, allein, keine Sau ruft mich an.
    Ich kann mich bewerben, soviel und wo ich will.
    Vor einiger Zeit nahm ich dann ein einem Caritas-Freiwilligen-Workshop teil, wo sich Leute, weniger als halb so alt wie ich (damals 49) als wohlwollende LehrerInnen aufspielten, Null Lebens- oder Berufserfahrung, und wo mir mitgeteilt wurde, freiwillig könne ich nur in einem Bereich tätig sein, wo ich mich nicht beruflich gut auskenne.
    ?
    Genau. Das dachte ich mir auch. Ich war (bin) sehr bewandert in sozialen Dingen, EU-BürgerInnen, Drittstaaten-MigrantInnen, Wohnungsmarkt … überall dort durfte ich NICHT helfen. Ich glaube heute, das ist deshalb, weil sonst die Gefahr bestünde, dass man bei intensiver freiwilliger Tätigkeit dann mal eine Anstellung anstreben könnte. Also … dass diese Organisationen in der Zukunft viele Arbeitsplätze ausspucken werden, wage ich zu bezweifeln. Wissen Sie, warum viele Leute freiwillig helfen? Damit sie aufhören, sich zu fürchten. Im Ernst. Es heißt immer wieder “ich will mir das selber anschauen, was da an Volk zu uns kommt”. Viele freiwillige HelferInnen – NICHT jene, die Tee ausschenken und Teddybären verteilen, sondern jene, die Sprachunterricht geben (wollen) und andere Lern- und Integrations-Hilfen – werfen schnell, sehr schnell das Handtuch und werden entweder depressiv oder überlegen Frühpensionierung und Auswanderung. Ein bissl Sarkasmus dabei, okay, gebe ich zu, aber zu 93% Tatsachen.

  4. Thomas Holzer

    @Hanna
    Aber lt. Zeitungsberichten wollen sowohl Rotes Kreuz als auch Caritas, Diakonie zusätzliches Personal fix anstellen………….vielleicht aber auch nur welches mit Migrationsvorder- oder -Hintergrund 😉

    Nicht nur viele Freiwillige werfen schnell das Handtuch; lt. eines Berichtes in deutschen Medien haben 70% der Neubürger, welche in Bayern eine Lehre begonnen haben, diese spätestens nach dem 2. Lehrjahr abgebrochen 😉

  5. waldsee

    das schiff sinkt,leider.in vielen bereichen-nicht nur in kleinbetriebe- haben die leute genug,die freude ist
    einfach weg,ich habe schon lange keinen mehr getroffen,der optimismus versprüht.sie?
    aber meine niedergeschlagenheit endet sofort,wenn ich die spitzen unseres staates ,die bilder der offenen grenzen,angelika und andere leuchten für HELLEUROPA sehe .hoffnung und freude kommen dann wieder auf.
    (so ähnlich halt,bla,bla,bla)

  6. heartofstone

    In meinem Umfeld, viele kleine Gewerbetreibende wie ich, wird schon länger auf das nötigste reduziert … Personal abgebaut … Bewerbungen von Mohammedanern nicht einmal ignoriert … Aufträge von Kunden nur mehr gegen Vorkassa angenommen und ausgeführt …

  7. Thomas Holzer

    “..Bewerbungen von Mohammedanern nicht einmal ignoriert…..”

    Das ist aber schwer diskriminierend 😉
    Passens bitte auf, daß Ihnen nicht die staatlichen Gewaltmonopole zu Nahe kommen; weil in diesen Bereichen dürfen sie sich ja noch austoben

  8. Fragolin

    @Pantha rhei
    Ich kann Ihren Eindruck nur bestätigen. Nächstes Jahr wird ein Rekord-Abbau- und Pleitejahr.
    Ich habe seit zwei Jahren meinen Umsatz vom maximal Erreichbaren auf das zum Leben Notwendige reduziert. Meine Gesundheit ist mir mehr Wert als neues Spielgeld für die Steuergeldverbrenner. Abspecken heißt die Devise, und bei vielen EPUs und KMUs, die ich kenne, entwickelt es sich auch in diese Richtung. Lebensqualität und Ruhezeit sind wichtiger als Abhetzen für andere Leute. Wenn sich Leistung nicht mehr lohnt, wird die Leistung eingestellt. Der Mittelstand hat kapituliert und lehnt sich zurück. Der Wirtschaftsstandort ist tot, abgesandelt, hinüber – und wenn niemand innerhalb der nächsten Jahre gewaltig das ruder herumreißt wird der Schaden irreparabel sein.

    @Hanna
    Die von Ihnen angesprochenen Leistungen werden aber ausschließlich von Bildungsinstituten der roten Reichshälfte oder der inzwischen nicht minder stramm links ausgerichteten Kirche benötigt. Und dort, das lassen Sie sich von einem Kenner dieser Branche gesagt sein, zählen nur Beziehungen, Protektionismus und A*kriecherei. Und bestenfalls rotes Parteibuch plus Gewerkschaftsmitgliedschaft (auch als Honorarkraft) bzw. bei den kirchlichen Vereinen Mitgliedschaft und Nachweis aktiver Kirchenarbeit.
    Und neben der Trainerausbildung muss ein aufrechtes Gender- und Diversity-Management-Zertifikat sowie mindestens 300 bis 500 Stunden Praxiserfahrung als Trainer nachgewiesen werden (außer man hat besagte Beziehungen, dann wird schon mal getrickst).
    Also, ich würde aus dieser Richtung auf keinen Anruf warten. Aktives Anbaggern (entschuldigen Sie meine Wortwahl) von Entscheidungsträgern dieser Branche könnte helfen, aber fachliche Qualifikation allein ist wertlos. In diesen linken Netzwerken gilt die Parole: Es kommt nicht darauf an, was man kann, sondern darauf, wen man kennt. Und was man sagt, denn wer nicht für uns ist, ist gegen uns…

  9. Thomas Holzer

    Und in Berlin wird heute Abend eine 30 Kilometer lange Lichterkette für Flüchtlinge veranstaltet.
    Da wird in Österreich doch hoffentlich auch bald ein 2. Lichtermeer veranstaltet werden, da dürfen wir nicht zurückstehen……..

  10. Selbstdenker

    @Hanna:
    “Wissen Sie, warum viele Leute freiwillig helfen? Damit sie aufhören, sich zu fürchten.”

    Diese Einschätzung kann ich bestätigen. Bei den – häufig sehr weit links ausgerichteten – Laien im katholischen Milieu sind schon vor circa zwei Jahren die Sicherungen komplett durchgeknallt.

    Die Gesten bzw. die Symbolik der “Willkommenskultur” ähnelt fatal den Bildern fähnchenschwingender und blumenwerfender Frauen und Kinder beim Eintreffen der jeweiligen Besatzungsmacht im zweiten Weltkrieg: zuerst die Deutschen und dann die Russen, Amis, etc.

    Es ist ein in das kulturelle Gedächtnis einprogrammierter Reflex: man wirft sich der neuen Macht bedingungslos an den Hals und verklärt die einrückenden Eroberer / Besatzer zu Befreier um mit dieser neuen Situation klar zu kommen. Die Euphorie ist im Grunde genommen eine in die Realitätsflucht umgelenkte Angst.

    In der Außenwahrnehmung werden diese Gesten als Bereitschaft zur Unterwerfung und der Selbstaufgabe einer Kultur wahrgenommen. Die Bildersprache könnte nicht fataler sein.

  11. Passant

    @Selbstdenker
    Sehr gut beobachtet! Das Verhaltensmuster ist keineswegs neu, man will es nur nicht wahrhaben.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .