Trump & Hofer

(JÜRGEN POCK) Während sich der US-Wahlkampf zwischen Trump und Clinton nach zwei von drei TV-Debatten bereits auf der Zielgeraden befindet, wo eine Schmutzkübelkampagne nach der anderen in den Ring geworfen wird und die Beschäftigung mit Politik zu einer Art Seifenoper verkommt, bringen sich auch die österreichischen Kandidaten Hofer und Van der Bellen nach erzwungener Sommerpause langsam aber sicher für die finale Runde in Stellung. Wieder einmal. Wahrscheinlich zum letzten Mal. Man wird sehen. Beinahe zeitgleich wird entschieden, wer in das Weiße Haus respektive in die Hofburg einziehen wird.
Nach dem letzten medialen Aufeinandertreffen des Republikaners mit der Demokratin drehten die meisten Meinungsmacher am medialen Rad. Das Niveau sei primitiv und giftig, vulgär und geschmacklos. Verbissenheit und mürrisches Auftreten würden eine sachliche Diskussion verunmöglichen. Ähnliches monierten auch die Kommentatoren hierzulande im Anschluss an diverse TV-Duelle. Die sogenannten Verbalattacken sorgten landesweit für Schlagzeilen, man attestierte den Kandidaten „Kindergarten-Niveau“, sprach von einer Beschädigung des Amtes, Blamage, Eskalation und bedauernswerten Entgleisungen. Befremdlich: Die Forderung nach zahnloser Debattenkultur in der Endphase eines Wahlkampfes zweier diametral entgegengesetzter Systeme als universell-journalistischer Anspruch verwundert dann doch.
Während Clinton insgesamt gute Kritiken bekam, wurde Trump mit Hasstiraden überzogen. Auch die eingleisige Berichterstattung erinnert an österreichische Verhältnisse im medialen Umgang mit den Bewerbern um das höchste Amt im Staat. Dass sich Van der Bellens politisch-moralisches Selbstbewusstsein aus  ideologischen Irrlichtern speist, tangiert die intellektuelle Basis in den Redaktionen nur peripher. Sie sind für Clinton/Van der Bellen und gegen Trump/Hofer, was nicht weiter erstaunt. Clinton und Van der Bellen stehen links, Trump und Hofer rechts.
Trump und Hofer seien Lügner und Heuchler, lesen wir. Natürlich, das liegt in der Natur Politiktreibender, aber möglicherweise tun sie dies ehrlicher als ihre Kontrahenten. Beeindruckend, dass Trump dennoch authentischer rüberkommt als die steril wirkende,  Berufspolitikerin Clinton. Sie verpflichtet sich den Etablierten, er personifiziert den Aufstand gegen das Establishment. Siehe Österreich: Hofer weckt in vielen den Glauben an die vage Chance, die rot-schwarze Politik in die Schranken zu weisen. Beide gelten als Gegenentwurf zum Status quo und ihren politisch korrekten Profiteuren. Im Falle des Wahlsieges würden beide ein weitreichendes Erdbeben lostreten, einen weiteren Befreiungsschlag gegen die selbstzufriedene  Polit-Elite setzen.

11 comments

  1. mariuslupus

    Interessant wird sein, wieviel das VdB Lager von der Clinton-Kampagne lernen wird. Clinton&Co heaben gezeigt wozu das linke Establishement in der Lage ist, sollte es in die Enge getrieben werden. Clinton hat es geschafft Frauen ans Tageslich zu zerren die angeblich von Trump vor 20 Jahren, im Flugzeug wie vom Oktopus umschlungen wurden, oder sonst gegen ihren Willen geküsst wurden.
    Clinton verkörpert das verknöcherte Regierungssystem dass die USA, auch dank Obama, in den wirtschaftlichen Abgrund führt.
    Die ganze europäische Linke steht eindeutig hinter Clinton. Die Erwartung ist die Stärkung der bisherigen Merkel Politik,, mit immer mehr Unterwanderung der Rechtstaatlichkeit. Gleichzeitig hetzen gegen Russland und Putin. Bedeutet das Ende der selbständigen europäischen Aussenpolitik. Russland ist ein natürlicher Verbündeter Europas, nicht die USA.. Die Clinton Administration wird Russland provozieren, um einen Krieg zu beginnen.
    Empfehlung, Fox-News und nicht ORFARDZDF.

  2. Sozialrat

    Es möge der literarisch kreative Autor doch einmal nachdenken, wodurch er das so abgedroschene Wort von der “Schmutzkübelkampagne” originellerweise ersetzen könnte.

  3. Der Realist

    Eines hat der Autor noch vergessen, die Wähler von Trump/Hofer werden pauschal den Bildungsfernen zugerechnet. Und ob es die intellektuelle Basis in den Redaktion überhaupt gibt, ist auch zu hinterfragen, und ich glaube auch nicht, dass ein Wahlsieg Hofers ein weitreichendes Erdbeben lostreten würde. Wen interessiert es hierzulande wirklich brennend, wer in Deutschland, immerhin eines der wichtigsten Länder der EU, Bundespräsident ist. Auch international gesehen hat der deutsche Bundespräsident nicht mehr als Repräsentationscharakter. Auch den Namen des italienischen Staatspräsidenten werden außerhalb seines Landes nur wenige korrekt wiedergeben können. Und da soll der Sesselwärmer in der Hofburg ein Erdbeben lostreten? Natürlich wird bei einem Sieg des freiheitlichen Kandidaten das Gegackere einiger im Ausland zu vernehmen sein, jener, die durch heimische hauptberufliche “Widerstandskämpfer” und Berufsempörter eben aufgescheucht wurden, und einige Medien transportieren das auch bereitwillig.
    Und dass das arme Flüchtlingskind endlich eine Heimat gefunden hat, sei ihm von Herzen gegönnt.

  4. sokrates9

    Der Realist@ Sehe bei Hofer einen Funken Hoffnung! Natürlich ist die gesamte Bundespräsidentenwahl völlig sinnlos. Doch man konnte doch sehen wie durch das Auftreten Hofers plötzlich die SPÖVP nervös wurden! Feymann war innerhalb von 24 Stunden weg von der Futterschüssel und es wurde ihm nicht einmal gestattet (Gottseidank) auf WIEDERSEHEN zu sagen!!

  5. Rennziege

    Parallelen zwischen Donald Trump und Norbert Hofer zu ziehen ist reichlich abwegig, da ein US-Präsident (vereinfacht gesagt) in Personalunion nicht nur Staatsoberhaupt, sondern auch Regierungschef ist. Doch auch er unterliegt den verfassungsgemäßen checks and balances der beiden Häuser des Kongresses, die ihn sehr wohl in die Schranken weisen können — was auch regelmäßig geschieht, siehe auch Obamas Amtszeit.
    Dagegen ist ein österreichischer oder deutscher Bundespräsident nur ein Grüßaugust oder Frühstücksdirektor, der außer salbungsvollen Sprüchen wenig auf- oder anzusagen hat.
    Trump und Hofer haben nur eines gemeinsam: Gegen beide läuft eine infame und medial orchestrierte Schlammschlacht der untersten Kajüte.

  6. Thomas Holzer

    @Rennziege
    “Gegen beide läuft eine infame und medial orchestrierte Schlammschlacht der untersten Kajüte.”

    Mag sein, aber der Herr Trump hat ja auch kein Fettnäpfchen ausgelassen; und der Herr Hofer…….na ja, seiner Agenda traue ich auch nicht über den Weg.

    Sowohl in den USA als auch in Österreich sprechen viele von der Wahl zwischen Pest und Cholera, und dieses Diktum trifft es eigentlich ziemlich genau, denke ich

  7. Rennziege

    18. Oktober 2016 – 16:46 — Thomas Holzer
    Als Grüßaugust finde ich Norbert Hofer gescheiter, konservativer, fescher und repräsentativer als den schrulligen grünroten Professor. Außer dem (nur in akuten kriegsähnlichen Situationen, noch niemals in der Zweiten Republik ausgeübten) Oberbefehl über das Bundesheer hat unser Präsident kaum was zu sagen. Und freundlich grinsen kann jeder Pavian. (Afrikanisches Sprichwort: “Je höher er klettert, um so deutlicher sieht man seinen knallroten Hintern.”)
    Lassen Sie uns lieber unserer Sehnsucht nach einer konstitutionellen Monarchie frönen, Herr Holzer!

  8. astuga

    Alle Vergleiche hinken letztlich.
    Aber so man einen ziehen möchte, dann erinnert mich eher der “heimattreue” Van der Bellen an einen linken Trump.
    Jedenfalls soweit es charakterliche Qualitäten, Schamgefühl und Populismus betrifft.

    Bei dem ist ja alles drinnen.
    Vom posieren mit einem volkstümlichen Schützenverband und Gewehr in der Hand, bis zum Fototermin mit dem SPÖ-Rapper Nazar, der uns Österreicher als Sch***-Fotzen bezeichnet.
    Sozusagen zwei österreichliebende Migranten unter sich…

  9. mariuslupus

    @Thomas Holzer
    Trumps Fettnäpfch sind von der Linken Presse, in den USA und in Europa, herbeigezaubert. Wichtig ist Trump im O-Ton zu hören und nicht das glauben was die Kommentatoren für notwendig halten zurechtzufantasieren.. Nur ein Beispiel: Nach der zweiten Diskussion hat ein Kommentator das Ergebnis wie folgt zusammnegefasst: ” Hillary Clinton won the debate, she showed a presidential attitude.” Seh überzeugend.
    Aber Hofer wird sich noch wundern was die linke Presse über ihn noch entdecken wird.

  10. Herzberg

    @Der Realist,

    Und da soll der Sesselwärmer in der Hofburg ein Erdbeben lostreten?

    Die Brisanz der Situation des kleinen Austriachstans erwächst dem Umstand einer hierzulande als Präsidentenwahl verklausulierten Abstimmung über hinkünftige EU-Integrationsschritte. Die Grünen werden nicht müde, dies unterschwellig bei jeder Gelegenheit zu betonen, Soros himself thematisierte unseren Wahlkampf unlängst in seinen monatlichen Enzykliken zur Lage des Globus und selbst das Time-Magazine war sich nicht zu blöd für eine Coverstory mit Strache und Hofer.

    Der entsprechende Sesselwärmer in Wiens Prunkräumen könnte Sand ins EU-Projekt-Getriebe streuen, was so manche Teilprojektleiter bereits jetzt vorbeugend Erdbeben lostreten läßt.

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