Trump, Klima, oder: Kann die Wahrheit ein Skandal sein?

(JÜRGEN POCK) Donald Trump hat es wieder einmal auf das Cover des Spiegels geschafft. Mit ge­wohnt kämpferischer Aufdringlichkeit zeigt das Wochenblatt den Mann mit dem markanten Teint beim Golfschlag. Energisch ruft er der von Flammenglut umrandeten Erdkugel hinterher: „You’re fired!“. Die kreative Doppelbödigkeit der Aussage, Trump war jahrelang Moderator einer Reality-Show, die ihre Verlierer mit diesen beflügelten Worten nach Hause schickte, bezieht sich aber primär auf die Absage Trumps an das Klimaabkommen. Beim G7-Gipfel Ende Mai auf Sizilien hat sich der Pariser Klimapakt wie erwartet zu einem unüberwindbaren Streitthema entwickelt, nun hat sich Trumps bekannte Skepsis im angekündigten Ausstieg der USA kumuliert.
Noch bevor der US-Präsident in den Garten des Weißen Hauses trat, um seine Entscheidung öffentlich zu machen, war er bereits von der Tagespresse für die bevorstehende Klimakatastrophe getadelt worden. Trump würde mit der Kündigung die Klimakatastrophe beschleunigen, wenn nicht gar verantworten. Alarmismus war wieder an der medialen Tagesordnung. Jeder Kommentator ließ seine Sicht auf die Klimaapokalypse folgen. Dann war es soweit. Trump sprach tatsächlich die Kündigung aus und die Welle der erprobten Trump-Empörung nahm wieder mächtig Fahrt auf. Ohne auf die reale Schlagkraft des Pariser Abkommens einzugehen, diente Donald Trumps Beschluss als schnelle Schlagzeile, um mit plakativ- journalistischen Mitteln ein paar Leser anzustoßen.
Das Klimaabkommen von Paris war eines der letzten ganz großen bürokratischen Highlights in der Debatte um die Erderwärmung. Fürsprecher wie François Hollande nannten es einen „großen Schritt für die Menschheit“, laut Greenpeace entsprang in Paris eine „neue Hoffnung für die Welt“, Barack Obama sprach von einem „Wendepunkt für die Welt“. An Superlativen und Selbstbeweihräucherung mangelte es den Teilnehmern nicht, wohl aber an glaubhafter Vermittlung von Realität. In Paris wurde 2015 beschlossen, dass die Erderwärmung auf klar unter zwei Grad begrenzt werden soll. Aber darauf hat sich die Staatengemeinschaft schon Jahre zuvor in Warschau, Lima oder Doha geeinigt. Damals hatte man allerdings noch ein rechtlich bindendes Klimaabkommen im Sinn, das 2015 umgesetzt werden sollte. Nun bleibt es aber jedem Staat selbst überlassen, wie viel CO2-Emissionen er reduzieren will. Das Pariser Abkommen beruht einzig auf Freiwilligkeit. Denn ohne diesen Zusatz wäre es kaum zu dieser zahnlosen Einigung gekommen.
Wenn jetzt der Spiegel aber vom „Triumph der Dummheit“ schreibt und den angekündigten Rückzug der USA aus dem Pariser Klimaabkommen als eine „Kriegserklärung an die Völkergemeinschaft – und die Vernunft“ bezeichnet, verlässt er wie viele andere Medien und Politikvertreter das Feld der Sachlichkeit, um unter moralischem Druck ein Angstszenario aufzubauen. Das Publikum wird im Alarmzustand gehalten, immerhin müssen auch die milliardenhohen Fördergelder für Klimawissenschaftler, die seit mehr als einem Jahrzehnt weltweit fließen, gerechtfertigt werden.
Hinzu kommt, dass Trump seit Anbeginn seines politischen Engagements als beliebtes Hassobjekt dient, weil er den vorgegebenen und vorgeschriebenen Weg regelmäßig verlässt. Der gewählte US-Präsident gilt per se als schlecht, alles was er sagt wird degoutiert. Wer sich seinem Weltbild vorurteilsfrei und kritisch-distanziert zu nähern versucht ohne in die allgemeine Empörung einzustimmen, wird irreversibel zum Trump-Fanclub gezählt. Roger Köppel nennt dieses Verhalten „das Trump-Verblödungssyndrom“: „Viele finden Trump angeblich so schlimm, dass sie alles, was er sagt, kompromisslos, kategorisch, krankhaft ablehnen. Es krümmt und schüttelt sie. Und ich vermute, selbst wenn er unbestrittene Wahrheiten ausspräche, sähen seine Kritiker einen intellektuellen Skandal darin“.

21 comments

  1. Kluftinger

    In der Samstag Ausgabe der WELT findet sich ein Beitrag über China und deren Umweltpolitik.
    Nicht nur dass sie nicht zahlen, sie bauen die Anzahl der Kohlekraftwerke noch aus. Aber sie halten zum Klimaabkommen! Die Doppelbödigkeit ist kaum zu übertreffen. Aber auf Trump wird hingedroschen!

  2. sokrates9

    Die ganze Klimadebatte ist doch die perfekte Echokammer unserer Medien!Unterstüt5zt von einer unglaublichen Abzockerlobby die von staatlichen Zuschüssen exzellent leben wird die ” Klimasau” durch das Weltdorf getrieben! Seriöse Statements und Untersuchungen gibt es kaum und wenn ja sagen sie was anderes aus und werden niedergeschrieben! Trump ist einer der ganz wenigen Querdenker die wir heute noch haben! Mit Hillary hätte Europa wahrscheinlich schon seinen Beitrag verdoppelt!

  3. waldsee

    Gottseidank wird Trump genannt,aber mir fehlen Putin,Le Pen,Orban,AfD,Strache und Haider,Waldheim,Gadaffi…..was ist los mit den Medien,warum berichten sie nicht mehr umfassend und tiefsinnig ? Ich bin der Meinung es gibt eine Informationspflicht.

  4. stiller Mitleser

    Die Wahrheit ist immer ein Skandal, da sie Machtgefüge auflösen kann.
    Und deswegen @ waldsee hilft auch keine Informations”pflicht”, die leichter umgangen wird, als ihre Nichtbefolgung sanktioniert werden könnte

  5. Lisa

    Was das nun wieder für ein Leerlauf ist! Reine Alibiübung für sonst arbeitslose Naturwissenschaftler, Politiker und Umweltretter samt ihrem bunten Gefolge an Demo-Partys. Dass da ein Mächtiger mal des Kaiseres neue Kleider nicht vorgegaukelt haben will, ist zwar nicht pc (sive Heuchelei), auch nicht positionsgemäss – aber in dieser Hinsicht haben auch andere einen Mangel an Diplomatie und Etikette bewiesen. Vor allem die Umweltretter seien mal auf ihre Hybris hingewiesen: Was können wir Sterblichen gegen die Eiszeiten und Warmzeiten schon! All die selbsternannten Klimaretter und deren Unterstützer leben ja nicht als Selbstversorger ohne Traktor u.a. auf Bauernhöfen, sondern sind bei Verkehr, Heizung und sämtlichen Industrieprodukten (Wohnung, Kleider, Essen, Strassen etcetc.) am CO2-Ausstoss mitbeteiligt, nicht zuletzt, weil sie ausatmen… In diesem Sinn ist Trump sogar von einer geradezu frommen Demut… Vernünftige Wissenschaftler beschäftigen sich nicht mit Unveränderbarem (nicht einer will ja verzichten! oder gehen die alle zu Fuss an ihre Konferenzen?), sondern: Was verändert sich bei gleichem oder sogar vermehrtem Ausstoss – und was kann man da effektiv tun?

  6. aneagle

    Es ist an der Zeit, dass sich die besorgten, verantwortungsbewussten vereinigten Staaten der Clima-Church-Welt rasch zusammenrotten und unter Führung von Greenpeace ein starkes Signal senden. Dem Trumpeltier wird die Stirn geboten! Es beschließen die Vereinigten besorgten Klimaschutzstaaten einstimmig und unwiderruflich ein Erdbeben der Stärke 7 nach der nach oben offenen Richterskala. Über die endgültige Stärke Dauer und Lokalität wird bereits hektisch verhandelt. Damit ist schon mal unbeugsame Aktionsbereitschaft demonstriert. Wir lassen uns unseren bisherigen Klima- Schutz- und Rettungsweg von niemanden mit ein paar Berechnungen aus dem kleinen Einmaleins miesmachen. Schon gar nicht von einem carnivoren, weißen, alten, nicht gendergerechten, Kapitalisten. Nach dem baldigen Abschluss der Verhandlungen, wird als Erstes der Planet informiert. 😉

  7. Weninger

    Trump tut, was die Industrie von ihm erwartet, nichts anderes, das hat mit Ideologie doch nix zu tun.

  8. Leitwolf22

    Ich kann es nur immer wiederholen: es gibt keinen Treibhauseffekt! Diese Theorie ist pseudowissenschaftlicher Mumpitz. Dass diese Theorie von Apologeten wie auch Skeptikern des Klimawandels gleichermaßen unkritisch als gegeben hingenommen wird, setzt der postmodernen Blödheit die Krone auf. Es ist wie ein Streit darüber, ob des Kaisers neue Kleider nun rot oder blau sind, wobei jene die Richtung blau optieren natürlich gottlose Ketzer sind.

    Bei so viel Schauspiel gehen nicht nur die Grundlagen des wissenschaftlichen Diskurses unter, sondern die Rationalität als Ganzes. Ich für meinen Teil kann jedenfalls ohne weiteres Beweisen, dass es KEINEN Treibhauseffekt gibt. Das Interessante hieran ist nun, dass zwar die Apologeten auf meine Forschungsergebnisse eingehen (allerdings im gravierendem Argumentationsnotstand), nicht aber die Kritiker. Man möchte meinen letztere wären erleichtert, wenn sich AGW endlich als unrichtig heraustellt.
    Tatsächlich aber ist die “Leugnung des Klimawandels” (sic!) längst wohl selbst zu einem Geschäftsmodell geworden, dem meine Erkenntnisse ja gleichmaßen den Boden entziehen.

  9. waldsee

    ich tratsche. 1.Seite des heutigen Kuriers zeigt eine trauernde Muslimgruppe sichtlich
    hingestellt zu Propagandazwecken. Reichen <10 Trauer-spielende Muslime aus um alle lachenden rein zu waschen? Das
    Religionsspiel wird immer treister.

  10. mariuslupus

    Die Linken konnten Trump nicht verzeihen dass er gewählt wurde. Der Hass hat sich weiter gesteigert als die Linken realisieren mussten dass Trump, anders als Obama, seine Versprechen im Wahlkampf auch realisiert.
    Dazu gehört auch dass Trump nicht bereit ist sich an der Inszenierung des “Klimaschutzes” zu beteiligen. Trump ist Realist. Niemand konnte bis jetzt schlüssig beweisen dass, falls es eine Klimaänderung tatsächlich geben sollte, sie anthropogen verursacht wird. Wie soll etwas geschützt werden, wenn die Faktoren die eine Veränderung verursachen sollen, nicht bekannt sind. Die ganzen Klimamodelle und Vorhersage bewegen sich im Bereich von Hypothesen, wurde aber von den Erfindern des “Klimawandels” und den Medien, als Tatsachen postuliert. Erkenntnistheoretisch ist unzulässig, Koinzidenz mit Kausalität zu verwechseln.

  11. sokrates9

    Tom Jericho@ Wenn man den Artikelliest – Donald Trumps Stich in den Heißluftballon – muss man sich ernsthaft fragen ob wir nur von Vollidioten namens Politiker umgeben sind, die sich auf unsere Kosten ein schönes Leben machen und ausschließlich heiße Luft produzieren! Was sind das für Menschen die Applaudieren wenn China und Indien ihre Schmähzahlen bekanntgeben!?

  12. Oliver H.

    @stiller Mitleser
    “Phillip Blond – Das-sozialdemokratische-Modell-ist-tot [presse-link]”

    Der selbstdeklarierte “Red Tory” Blond ist spiegelbildlich jenes, was früher “New-Labour” war und sich im Strapazieren einer “neuen Mitte” übt. Mehr oder minder nichtssagend ist der “Presse”-Artikel, abgesehen von der notorischen Frage Raths zum Abschluß des Interviews den neuen austriakischen Messias betreffend.

    Spätestens beim Überfliegen von Phillip Blonds Twitter-Meldungen aber sollte man hellhörig werden, nachhaken und auch fündig werden, wonach der ‘Decentralization rules!’-Prophet ein reinrassiger EU-Phoriker und überzeugter Geldsozialist ist.

    by Phillip Blond on 26 November 2012 (socialeurope.eu/2012/11/inside-out-the-eu-and-the-uk/): “.. it is uncertain how long social stability can be maintained. Plus all of this is before the final fiscal pact for the Eurozone members is agreed and national financial autonomy is stripped away to be reinstalled at some EU centre where national public expenditure and conditionality are traded off – such as agreeing national budgets in return for reducing debt or improving labour market flexibility. [..]
    To my mind an in or out referendum would more than likely be won by those who wish to remain inside the EU, leaving euroscepticism as a defeated minority position utterly bemused by its loss. [..] Yes there is a loss of sovereign autonomy on joining the EU club but this surrendered independence is arguably no longer the asset it once was. [..] Plus if you pool sovereignty you also increase it.”

    Dieselben Presstituierten, die aktuell vom Tod der Sozialdemokratie berichten, dienen uns heute mit identer Verve an den knatternden Schreibmaschinen die “neuen roten Bürgerlichen” an, Hauptsache, das ‘Projekt Europa’ wird vorangetrieben.

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