Überraschung: Medizin wird teurer, wenn sie “gratis” ist

“…..Das «Gesetz der Nachfrage» besagt, dass von einem Gut mehr nachgefragt wird, wenn dessen Preis sinkt. Die Erfahrungen aus Oregon legen nun nahe, dass die Behandlungskosten einer Person um 25% bis 35% steigen, wenn sie Medicaid erhält….” (NZZ, lesenswert!)

10 comments

  1. gms

    Der Link oben scheint unvollständig, nachfolgender funktioniert:
    nzz.ch/wirtschaft/kommentare/obamacare-und-das-gesetz-der-nachfrage-1.18215846

  2. Leitwolf

    Das Gesundheitswesen nach marktwirtschaftlichen Kriterien zu beurteilen, ist etwa so wie mit einem Mikroskop in die Sterne zu schaun.
    Die Arzteschaft ist sowohl für den Großteil der Nachfrage als auch des Angebots verantwortlich. Damit haben wir hier keinen Markt, sondern einen Extremfall von Inzest vor uns.

    Wer bestimmt denn, welche Medikamente, welche Behandlungen notwendig sind? Wer verdient, übrigens weit überdurchschnittlich, an der Erfüllung dieser “Notwendigkeiten”? Und wie ist diese äusserst missbrauchsanfällige Konstellation organisiert? Richtig, durch Ärztekammern die Scherbengerichte als Rechtsstaat a la “state of the art” betrachten.

    Nicht böse sein, aber das Gesundheitswesen ist nun wirklich nicht geeignet das Funktionieren der Marktwirtschaft zu diskutieren. Das ist einfach dumm und blendet die Realität aus.
    Zur Marktwirtschaft gehört etwa eine Haftung für Fehlleistungen. DIese, konseqent umgesetzt, würde jedoch die meisten Gesundheitssysteme sofort zum implodieren bringen. Die Qualität in diesem Bereich würden wir nirgend sonst akzeptieren wollen. Wie wäre es mit einem Architekten, der den einstürzenden Neubau mit unverhersehbaren Komplikationen erklärt??? Und nein, das ist keine übertriebene Darstellung. Ich kenne mehr als genug Praxisbeispiele die noch weit haarsträubender sind, erspare es mir nur aus ökonomischen Gründen diese durchaus lustigen Episiden, trotz Faschingszeit, hier zu zitieren.

    Tatsache ist aber ohnehin, dass etwa die USA den Parallelimport von Medikamenten verbieten. Das ist quasi ein Kartell mit staatlichem Sanktus. Man könnte es auch Mafia nennen. Nicht zu unrecht.

  3. Christian Weiss

    @ Leitwolf
    Marktwirtschaft im Gesundheitswesen funktioniert grundsätzlich schon. Es entstehen halt die selben Effekte, wie an anderen Orten auch. Wettbewerb steigert die Effizienz. Produkte und Dienstleistungen werden besser und gleichzeitig kostengünstiger. Die Nachfrage danach steigt, das Wachstum setzt ein. Gerade bei bester Effizienz würden also wohl die Gesundheitskosten steigen. Allerdings würden sie es in einem überschaubaren Rahmen tun. Irgendwann hat man all die Vorsorgeuntersuche gemacht. Nur weil es billig ist, lässt man nicht mehr Arschfernsehen machen.

    Hauptkostentreiber in den westlichen Gesundheitssystemen ist neben der ständig steigenden Lebenserwartung und dadurch überproportional steigende Pflege- und Betreuungskosten und neue Krankheitsbilder die im NZZ-Kommentar kurz und schlicht angesprochene Tatsache, dass in westlichen Gesundheitssystemen (und dank “Obamacare” neu auch in den USA) der Kunde nicht selber bezahlt. Kein Wunder, werden die Notfallstationen mit Bagatellfällen geflutet, wenn sich keiner überlegen muss, ob es für ihn nicht eine billigere Lösung gäbe.
    Versicherte in einem subventionierten Gesundheitssystem verhalten sich wie eine Speisegesellschaft, die sich die Rechnung des Abends teilt. Die grössten Profiteure sind die, welche sich für die Filletstücke auf der Karte entscheiden und das Ganze mit dem Trüffel Parfait abrunden. Wer knapp bei Kasse ist, und darum die Gesamtrechnung etwas drücken will, wird in der kleinen Runde vielleicht noch mit dem Sauerkraut vorliebnehmen. Am grossen Tisch mit einigen Millionen, die sich die Rechnung teilen, sind solche Sparanstrengungen wirkungslos, also nimmt man besser auch gleich den Achtgänger mit Kaviar, Wachteleier und zerriebenen Beutelwolfpenis.

    Ein Ausweg aus diesem Teufelskreis ist auch nicht ersichtlich. Vorstösse in Richtung kostengünstigere Modelle werden für gewöhnlich mit der Warnung vor der drohenden “Zwei-Klassen-Medizin” abgeschmettert. So wurde zum Beispiel in der Schweiz eine Einschränkung der freien Arztwahl und eine Stärkung des in der Endabrechnung billigeren Hausarztmodells gerade von linker Seite bekämpft, weil dadurch ein Privileg für Leute entstanden wäre, die sich eine Zusatzversicherung leisten können. Die wären dann weiterhin von Spezialist zu Spezialist gerannt, hätten das aber auch selber bezahlt. Im aktuellen Modell tun das auch viele obligatorisch Versicherte.

    Die Amerikaner werden es noch merken. Die einmal geschaffene Zwangssolidarität und die daraus resultierende kostentreibende Verluderung werden sie nicht mehr wegbringen. Für Obamacare werden sie Fantastillionen verballern.

  4. Christian Peter

    @Die Vorarlberger, Leitwolf

    Ganz genau. Mit “Marktwirtschaft” hat das Gesundheitswesen mangels Wettbewerb rein gar nichts zu tun. Von den hohen Gesundheitskosten profitieren nicht Patienten, sondern hauptsächlich die Krankheitsindustrie (Pharmaindustrie, Ärzte, u.a.). Nach Ansicht von Experten erfolgen etwa 50 % aller Medikationen und 40 % aller medizinischen Behandlungen ohne Nutzen für den Patienten.

  5. Riso

    Wenn ich mich richtig erinnere, gibt es im US Gesundheitssystem zwei Zweige, die marktwirtschaftlich agieren und konstant Preise senken/nicht steigern ohne Qualitätseinbussen:
    1) Augenkorrektur mit Lasik
    2) Plastische Chirurgie

  6. Christian Peter

    @Die Vorarlberger, Leitwolf

    Ganz genau. Von “Marktwirtschaft” kann mangels Wettbewerb im Gesundheitswesen keine Rede sein. Von den hohen Gesundheitskosten profitieren nicht Patienten, sondern hauptsächlich die “Gesundheits” (?) – Industrie (Pharmaindustrie, Ärzte, u.a.). Nach Ansicht von Experten erfolgen etwa 50 % aller Medikationen und 40 % aller medizinischen Behandlungen ohne Nutzen für den Patienten.

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