“Übergeschnappte Leitartikler und andere symbolische Schenkelöffnungen”

“……Bundesinnenminister Thomas de Maizière räumt, wie ein Qualitätsjournalist schreiben würde, ein, dass die Bundesregierung sich in der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 “von Stimmungen leiten lassen” habe – so der Minister gegenüber der Bild-Zeitung –, statt “nüchterner” zu handeln. “Deutschland hätte Bilder von Wasserwerfern gegen Flüchtlinge nicht ausgehalten”, beteuerte de Maizière, der nicht den “Bluthund” (Gustav Noske) geben wollte. Die Regierung hätte rigide Maßnahmen unter dem Druck der Volksmilde schnell wieder zurücknehmen müssen, vermutet der Minister, was wiederum eine “Sogwirkung” erzeugt haben würde. Merkwürdigerweise gab ja genau das, eine Sogwirkung, ohne rigide Maßnahmen, verursacht durch Bahnhofsklatscher, Kanzlerinnen-Selfies, übergeschnappte Leitartikler und andere symbolische Schenkelöffnungen, aber es würde auch eine Sogwirkung gegeben haben, hätte die Regierung der Flut wehren wollen, “Sog, überall Sog!” (so Hans Sachs im Sog-Monolog, Meistersinger, Dritter Aufzug). Damit bestätigt de Maizière die Kernaussage aus Robin Alexanders Buch “Die Getriebenen”: Die Merkeltruppe habe aus Gründen vermuteter Stimmungen im Lande und aus Angst vor “schlimmen Bildern” auf Grenzsicherung und Schutz der ihr via Amtseid anvertrauten Bevölkerung verzichtet und das im Nachhinein als ein Gebot höherer Odnung, als Edelmut, Afrikarettung, Fachpersonalrekrutierung und notwenige Gesellschaftsverbuntung verkauft.” (Michael Klonowsky, hier)

9 comments

  1. nattl

    Merkel hat über ihre ganze Karriere stets auf die Stimmung, die Umfragen und darauf, was die Medien über sie schreiben geschielt. Ungeniert hat sie sich der Parteiprogramme der politischen Konkurrenz bedient und diese zu ihren eigenen gemacht. Ihr höchstes Ziel war stets #1 zu bleiben und das um jeden Preis. Nach dem Shitstorm um das palästinensische Flüchtlingsmädchen Reem im Jahr 2015 hat Merkel ihre Zuwanderungs- und Flüchtlingspolitik nach extrem links verschoben und wurde so als konservative Politikerin zur Ikone der Linken.

    Es ist halt traurig, dass Leute wie De Maizière (Spross einer strammen deutschen Politiker- und Soldatenfamilie, dessen Vorfahren in hohen Positionen im deutschen Reich, in Nazideutschland und auch in der kommunistischen DDR gedient haben) im Ruhestand draufkommen, dass das, was sie selbst (mit-)verursacht haben, nicht richtig war. Diese Fähigkeit zur Selbstreflektion wäre 2015 wünschenswert gewesen und nicht jetzt, wo wir vor dem Scherbenhaufen der Merkelpolitik stehen.

    Den Österreichern sollte zu denken geben, dass ein Kurz die selbe Strategie wie Merkel fährt: die Meinung des politischen Gegners übernehmen zum Zwecke der Stimmmaximierung. Während Merkel scheinbar nach links gegangen ist, hat Kurz den anderen Weg gewählt und ist nach rechts gedriftet. Allerdings muss man sich stets bewusst sein, dass jedes Wort, jede Tat dieser Politiker nicht so gemeint ist und nur dem Zugewinn und Erhalt der Macht dient.

  2. Kluftinger

    @ nattl
    Wenn der Zugewinn an Macht dazu dient, konstruktive Problemlösungen umzusetzen, ist kaum etwas dagegen einzuwenden.
    Blöd nur wenn es anders läuft. (siehe Venezuela oder die Türkei)

  3. Rado

    Über das Mitläufertum der de Maizières ist schon viel geschrieben worden. Sie dienten im 3. Reich, in der DDR und jetzt Merkel. Immer geschmeidig, immer im Windschatten und immer servil zum Dienstherrn.
    Der Instinkt, wann es gilt abzuspringen und sich zu distanzieren gehörte auch immer dazu.

  4. astuga

    Dass es sich in Sachen Migration und Asyl bei den Regierenden um Getriebene (Opfer der kurzsichtigen wie unqualifizierten Volksmeinung) gehandelt hat dient der Legendenbildung.

    Das öffentliche anpöbeln, diffamieren und die soziale Ächtung kritischer Stimmen (unter Beihilfe willfähriger Medien) von Anfang an ist noch gut in Erinnerung. Und dauert nach wie vor an.
    Ein echtes Klischee – der Täter der sich als Opfer der Umstände inszeniert und seine Hände in Unschuld wäscht.
    “F. you!” Möchte man da sagen…

  5. jaguar

    Merkel war nicht eine Getriebene, das ist nunmehr eine Ausrede.
    Sie hat mit ihren Äußerungen den Ansturm sogar verstärkt . Sie wird deshalb oft als Soros Magd bezeichnet. Und unter ihrer Ägide wurden alle Ankömmlinge mehr als wohlwollend behandelt u.a. betr. falsche Alters- und Herkunftsangaben, criminal record usw. usw.

  6. Selbstdenker

    Die Merkeltruppe habe aus Gründen vermuteter Stimmungen im Lande und aus Angst vor “schlimmen Bildern” auf Grenzsicherung und Schutz der ihr via Amtseid anvertrauten Bevölkerung verzichtet und das im Nachhinein als ein Gebot höherer Odnung, als Edelmut, Afrikarettung, Fachpersonalrekrutierung und notwenige Gesellschaftsverbuntung verkauft.”

    Merkel und die sie innerhalb der CDU umgebende Clique haben die Gemeinsamkeit, dass sie linke Axiome verinnerlicht haben. Selbst wenn man ihnen rationales Handeln unterstellen würde, könnten sie auf Basis dieser falschen Grundannahmen nur zu falschen Ergebnissen kommen.

    Dazu kommt, dass die Merkel-Clique wiederum von einer Unzahl an Personen der Anointed Class (“Künstler”, “Medienschaffende”, “Journalisten”, “Public Intellectuals”, etc.) umschwärmt wird, die als Gatekeeper und Mittler zwischen Politik und Öffentlichkeit fungieren.

    Mitglieder der sich selbst als moralische Oberschicht definierenden Anointed Class grenzen sich über einen gemeinsamen, von der Realität abgekapselten gesinnungsethischen Kult vom Rest der Bevölkerung ab, die sie so sehr verachten, dass sie sogar ihre erklärten Feinde zu Anbetungsobjekte erhöhen.

    Mit Politik und der Anointed Class eng verbunden sind interessensgeleitete Kartelle (Gewerkschaften, Kirchen, NGOs, etc.), die vermeintliche Mega-Trends im Sinne ihrer Agenda einspannen wollen. Sie sahen in der Migrationskrise einen Ausweg aus ihrer Sinnkrise sowie ein gigantisches Konjunkturprogramm für die Migrations- und Sozialindustrie à la Keynes.

    Auf keinen Fall sollte man zur Tagesordnung übergehen und diese historischen Vorkommnisse vergessen.
    Alle genannten Personen und Gruppen sind im Spätsommer 2015 davon ausgegangen, dass gerade eine Revolution stattfinden würde und sie haben sich mit ihrer erhofften Rolle in einer phantasierten neuen Ordnung bereits so angefreundet, dass sie Brexit, Trump & Co wie ein völlig unerwarteter „Schicksalsschlag“ getroffen hat.

    Viele der Anointed Class hätten mit Plünderung, Versklavung, Vergewaltigung und Mord überhaupt kein Problem gehabt, wenn es die ihrer Meinung nach „Richtigen“ getroffen hätte.

    Merkt Euch diese Personen gut: sie wollten (und wollen) uns allen an die Gurgel gehen. Das pervertierte “Gute” sehen sie als Vehikel zur “Legitimierung” ihrer Bösartigkeit.

  7. sokrates9

    Europa auszuschalten ist hervorragend gelungen! Da haben Soros und Merkel ganze Arbeit geleistet! Wo der Vorteil liegt dieses reiche Europa zu zerstören ist mir nicht klar. Kissinger hat immer gejammert 26 Telefonnummern zu brauchen wenn er Europa anspricht! Jetzt hat er eine EU – Nummer, mit der man jedoch auch nichts anfangen kann!

  8. astuga

    Es geht ja nicht nur bloß um Europa.
    Wer die Gegenwart verstehen will muss in der Vergangenheit ansetzen (ist wahrscheinlich nur ein Teil des Gesamtbildes).

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