Ukraine/NATO: Da hätte Minister Kurz besser den Mund gehalten

(A. UNTERBERGER) Sebastian Kurz ist auf jeden Fall gegen einen raschen Beitritt der Ukraine zur NATO. So hat es jetzt mehreren Meldungen zufolge der junge Außenminister ganz offiziell verkündet. Das zeigt Kurz entweder als Erfüllungsgehilfen Moskaus. Oder dieser Satz ist eine unglaubliche Frechheit. Denn Kurz vertritt weder ein Nato-Land, das darüber entscheiden könnte, ob die (auch Österreich jahrzehntelang schützende) Allianz neue Mitglieder aufnimmt. Noch ist er befugt, für die Ukraine zu sprechen, die als souveräner Staat über ihre eigene Zukunft entscheidet. Die Ukraine ist nämlich meines Wissens kein Protektorat Österreichs. Als was spricht er dann? Selbst wenn Herr Kurz persönlich einen Nato-Beitritt Kiews für die Nato oder die Ukraine nicht als klug ansehen sollte, hat er als österreichischer Außenminister nämlich nur eines zu tun: den Mund zu halten und vor allem keine solchen Ratschläge (=Schläge) zu erteilen. Jahrzehntelang haben alle österreichischen Regierungsparteien größten Wert darauf gelegt, dass niemand dem Land sagt, was es tun soll. Und jetzt das!

PS: Die Dummheit des Herrn Kurz zum Thema Ukraine übertrifft sogar die völlig unpassenden Töne, mit denen vor wenigen Wochen der Landwirtschaftsminister Ungarn provoziert hat (und wo Kurz selber noch klüger reagiert hat). Da wie dort sollten sich die unerfahrenen Ministerberater hinter die Ohren schreiben: Osteuropäer lieben es auf Grund der Geschichte noch weniger als andere, wenn sie aus Wien solche Töne hören. (TB)

5 comments

  1. FDominicus

    Das finde ich eher lustig. Da geht einen das überhaupt nichts an und man sagt trotzdem etwas. “Lustigerweise” machen das unsere Abgeordneten täglich. Keiner von denen ist in der GKV macht nicht, die Gesetze werden trotzdem gemacht. Keiner von denen “verdient” sein Geld produktiv, trotzdem wird über das Geld der Produktiven entschieden.

    Das passt alles herrlich. Die Gutmenschen verraten sich – nicht immer; aber immer öfter.

    Das ist so genial….

  2. Thomas Holzer

    In diesem konkreten Fall sollten alle(sic!) den Mund halten, von den Europäern über die USA bis zu den Russen!
    Aber nachdem alle(sic!) Politiker von sich selbst und ihren eigenen Meinungen so unendlich überzeugt sind, sind alle dem Wahnsinn verfallen, andere, welche davon gar nichts wissen wollen, im Notfall per Zwang zu “überzeugen”
    Weitsicht, Geschichte und Intelligenz haben in den letzten Jahren/Jahrzehnten in EU-Europa, Russland und USA leider keinen Politiker ausgezeichnet; wenn dem so gewesen wäre, hätte man ja auch von Staatsmännern gesprochen

  3. Gerhard Huemer

    Unterberger macht sich schon wieder lächerlich. Der österreichische Aussenminister darf also laut A.U. keine Meinung zu einem Konflikt in unserer unmittelbaren Nachbarschaft haben – oder meint er eh nur, Kurz darf keine Meinung haben, die von seiner Meinung abweicht?
    Darf man dann auch keine Meinung zu Bosnien oder zu Palestina haben? Beides sind ja auch keine Protektorate Österreich’s, oder?
    Da hat mal eine Aussenminister – oder seine Berater – ein bisserl mehr Fingerspitzengefühl für die reale geopolitische Lage bewiesen, als der etwas eigenartige EU Kommissar Füle und seine Freunde, die endlich wieder mal einen “äußeren Feind” haben wollen – und was macht A.U.? Er bezeichnet den Minister als Büttel von Putin.

    Es stimmt schon, das Politiker oft viel Unsinn reden – aber gilt das nicht auch für (ehemalige) Journalisten?

  4. Mona Rieboldt

    Offenbar ist der letzte Krieg schon zu lange her, da wünschen sich offensichtlich deutsche Zeitungen und diverse Politiker endlich wieder militärisch gegen Russland vorzugehen, dann spricht auch niemand mehr über ihre Schulden. Gleichzeitig winkt Merkel die Gasverträge mit Russland durch.

    Der österreichische Außenminister hat das Richtige gesagt. Es war mal ohnehin mit Russland vereinbart, keine Nato an deren Grenzen. Diese Vereinbarung wurde gebrochen, um die baltischen Staaten in die Nato aufzunehmen. Und jetzt soll auch die Ukraine in die Nato aufgenommen werden? Man kann es wohl kaum erwarten, Russland (wird ja heute als Putin bezeichnet) so in die Enge zu treiben, bis es reagiert. Dann kann die Nato endlich eingreifen.

    Man sollte nicht versäumen, die Ukraine in die EU aufzunehmen. Als Pleitestaat passt sie bestens zur EU.

  5. gms

    Mona Rieboldt,

    “Offenbar ist der letzte Krieg schon zu lange her, da wünschen sich offensichtlich deutsche Zeitungen und diverse Politiker endlich wieder militärisch gegen Russland vorzugehen ..”

    Ehrlich gesagt muß man den politisch-medialen Kompetenzvorgauklern dankbar sein, aus ihrer Absicht kein Geheimnis zu machen, wenn sie ihren Zöglingen Lesefutter wie dieses in die Schultasche packen: “Liebe Kinder, die Polen, die Tschechen, die Schweden, die Balten, all diese Leute zittern ganz toll vor einer militärischen Intervention der Russen! Auch die Ungarn tun das, aber die wollen es nicht so offen zugeben, weil sie noch Geld aus Moskau wollen.”

    Mit diesem Bockmist abgefüllt bis unter die Haarspitzen kann Klein-Bürgerlein nur noch nachfragen, ob er auch einen Keks bekommt, wenn er bei den kommenden EU-Wahlen vor Panik schlotternd sein Kreuz bei den etablierten Kräften macht, die als einzige diese existentielle Bedrohung aus dem Osten in Bilder gossen, und zugleich die Power haben, das Bürgerlein abends sicher ins Bett zu bringen.

    Die aufgelegte Antwort: Ja, es gibt tatsächlich einen Keks, denn Rußland wird nach den EU-Wahlen nicht in Polen, in Tschechien, Schweden oder im Baltikum einmarschieren. “Danke, Mutti, ganz lieb!”

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