Und als nächstes wird Bargeld verboten….

Von | 12. Juli 2014

(A. TÖGEL)  Über je weniger Freiheit der Bürger verfügt, desto weniger Ärger für die politischen Eliten. Nichts ist denen lästiger als das mündige und handlungsfähige Individuum. Zwischen der Walachei und Nebraska und von Melbourne bis Hammerfest strebt der Leviathan daher die jederzeitige und vollständige Kontrolle über seine Untertanen an. Daher wird einerseits ein immer dichteres Netz von Ge- und Verboten gesponnen und andererseits die totale Kontrolle über private Vermögen und Geldbewegungen verwirklicht.

 

Was den letzteren Punkt angeht, kann die hohe Politik bereits ansehnliche Erfolge vorweisen: Bankgeheimnis existiert faktisch keines mehr. Unter der falschen Flagge eines Kampfes gegen die Geldwäsche, gegen illegale Drogen- und Waffengeschäfte und unter anderen durchsichtigen Vorwänden, wurde der von den Obertanen gewünschte „Gläserne Mensch“ geschaffen. Immobilienbesitz, Firmenbeteiligungen, Wertpapierdepots, Girokonten – alles offene Bücher für die Steuervögte. Horte ohne mittelbare oder unmittelbare staatliche Kontrolle gibt es faktisch keine mehr. Damit ist, aus Sicht der hoheitlichen Minderer unserer Einkommen und Vermögen, eine beinahe schon totale Überwachung sichergestellt. Einen Schwachpunkt allerdings gibt es noch: Das Bargeld. Mittels einer simplen elektronischen Manipulation können zwar Konten jederzeit abgeräumt oder gesperrt werden (wie in Zypern vorexerziert), das in den Händen Privater befindliche Bargeld dagegen ist für die Behörden nicht greifbar.

 

Daß die Bankindustrie größtes Interesse daran hat, den Bargeldverkehr so weit wie möglich einzuschränken, liegt auf der Hand: Sie verdient schließlich an jeder bargeldlosen Transaktion. Auch Handelsketten lieben das Plastikgeld, da es ihnen ermöglicht, ihre Kunden stärker an sich zu binden. Entsprechend aggressiv wird die Verwendung von Bankomat- und Kreditkarten oder „elektronischen Geldbörsen“ beworben. Darüber, daß damit eine vollständige Kontrolle über sämtliche Transaktionen und die Möglichkeit zur Erstellung eines Persönlichkeitsprofils verbunden ist, macht sich kaum jemand Gedanken.

 

Restlos entzückt über den Vormarsch des elektronischen Geldes ist der Staat. Der greift mit seiner inflationistischen Geldpolitik zwar jetzt schon unentwegt auf die Spargroschen der Bürger zu. Allerdings sind ihm dabei Grenzen gesetzt. Immerhin muß ein Vertrauensverlust in die Währung und eine damit verbunden Hyperinflation vermieden werden. Bargeldbestände aber entziehen sich – anders als auf Bankkonten geparktes Giralgeld – weitgehend seinem direkten Zugriff.

 

Die zwecks Krisenbekämpfung seit Jahren betriebene expansive Geldpolitik ist, trotz eines nahe am Nullpunkt liegenden Zinsniveaus, bislang wirkungslos verpufft (sieht man von der damit verbundenen Staatsschuldenexplosion ab). Wenn die Wirtschaft, trotz historisch niedriger Zinsen – aus guten Gründen – keine Kredite nachfragt, sind die Geldalchemisten mit ihrem Latein am Ende.

 

Doch Rettung naht: Miles Kimball, Ökonom an der University of Michigan, kennt einen Ausweg: Unter dem vielversprechenden Titel „Can weg get rid of inflation and recession forever“ präsentiert er den Stein der Weisen. Sein Plan läuft – richtig geraten – auf die Abschaffung des Bargeldes hinaus. Die dahinter steckende Idee: Analog zu den kürzlich für Einlagen der Geschäftsbanken bei der Zentralbank eingeführten Negativzinsen, sollen auch Bankkonten der Haushalte künftig keine Zinsen mehr bringen, sondern kosten. Sparen soll damit auch nominell zum Verlustgeschäft werden. Dadurch – so die Vorstellung Kimballs – sollen Krethi und Plethi motiviert werden, kein Geld mehr zu sparen, sondern alles so schnell wie möglich wieder auszugeben. Dadurch – so der geniale, an Keynes und Gesell orientierte Plan – soll die stagnierende Wirtschaft „angekurbelt“ werden. Wohlstand für alle – und zwar durch Konsumrausch. Phantastisch. Der Wirtschaftsnobelpreis wartet.

 

Hier ist nicht der Platz, um ausführlich auf die Abwegigkeit derartiger Phantastereien einzugehen. Es soll der Hinweis genügen, daß Versuche dieser Art in der Vergangenheit in 100 von 100 Fällen gescheitert sind. Mit monetären Maßnahmen sind strukturell bedingte Probleme nämlich nicht zu lösen…

 

Etwas anderes ist wichtiger: In vielen Ländern Europas wird schon jetzt immer offener auf eine Abschaffung des Bargeldes hingearbeitet – ohne daß sich dagegen bislang Widerstände formiert hätten. Die Existenz von Bargeld aber, das kann nicht stark genug betont werden, bedeutet Kontrollverlust für den Leviathan und Freiheit für den Bürger. Bargeld trägt kein Mascherl. Kein noch so smarter Staatsscherge kann – anders als bei elektronisch getätigten Zahlungen – dessen Weg nachvollziehen. Und das ist gut so! Es geht um die letzen Reste von Privatsphäre, in der niemand herumzuschnüffeln hat – und auch nicht kann! Wer bei dieser Gelegenheit die beliebte Phrase „Wer nichts zu verbergen hat, braucht sich auch vor Kontrolle nicht zu sorgen“ zu hören bekommt, der sollte sich vergegenwärtigen, was es etwa in Deutschland zwischen 1933 und 1945 bedeutet hätte, wenn der Staat über jene elektronischen Kontroll- und Überwachungsmittel verfügt hätte, die ihm heute zur Verfügung stehen! Eine Abschaffung des Bargeldes würde die Mobilität jedes Dissidenten radikal einschränken und diesen faktisch nur noch die Wahl zwischen Gefangenschaft oder Hungertod offenlassen. Ist das der Plan?

 

Jedem einzelnen ist es möglich, dem schleichenden Prozeß der Beschränkung und der als Endziel angepeilten Abschaffung des Bargeldes entgegenzuwirken: Zur Sicherheit seines sauer verdienten Geldes sollte man so wenig wie möglich davon auf Girokonten parken. Und besonders wichtig: So oft wie möglich sollte auf den Gebrauch von Plastikgeld verzichtet werden. Barzahlung sollte, wo immer es möglich ist, vorgehen. Eine volle Brieftasche vermittelt nicht nur ein gutes Gefühl, sondern sie bedeutet auch Freiheit!

Tagebuch

7 Gedanken zu „Und als nächstes wird Bargeld verboten….

  1. Thomas Holzer

    Und mit dem Verbot von Bargeld wird auch ein Verbot von Edelmetallen in Privatbesitz, egal in welcher Form, kommen.
    Wenigstens schafft die Politik mit diesen Maßnahmen tausende von ach so produktiven zusätzlichen Überwachungsarbeitsplätzen, weil Verbote müssen natürlich auch kontrolliert werden 😉

  2. Ehrenmitglied der ÖBB

    Es ist zum Fluchen?
    “Ja kruzitürken” warum ist das so, lautet ein volkstümlicher Spruch.
    Wer schaut den zu, dass diese Entwicklung fortschreitet? Sind das anonyme Mächte oder sind nicht auch unsere Politiker und Diplomaten, sowie die Lobbyisten der Industrie daran beteiligt?
    Besonders pikant ist eine Aktion der Kronen-Zeitung, welche Unterschriften sammelt gegen TTIP u ä.
    Aber mit keinem Wort den von ihr (KZ) so geschätzten Herrn Bundeskanzler auffordert, die Karten auf den Tisch zu legen, die österreichische politische Linie zu eröffnen und zu erklären?
    Wir jammern auf allen Kanälen über die Entmündigung, nehmen aber unsere Regierung bzw. das Parlament nicht in die Pflicht?
    Was ist da los?

  3. Spartakus

    Der Preis für den Verlust der Freiheit war stets das Gefühl der Sicherheit. Und Sicherheit hat auch den Österreichern seit Kreisky – der damit etliche Wahlen gewonnen hat – immer schon viel bedeutet. Es ist nur leider eine vermeintliche aber nicht existierende Sicherheit. Das Sozial-System ist ausgehöhlt und wackelig, für die Sicherheit der Spareinlagen haften die Sparer mit ihren eigenen Spareinlagen – pervers oder?
    Aber die Zeit der Kasko-Sicherheit für alles ist längst vorbei.
    Aber wie schrieb schon Frau Ebner v. Eschenbach: “Die erbittertsten Feinde der Freiheit sind die zufriedenen Sklaven….”. Und denen geht es halt in Österreich halt anscheinend noch immer zu gut!

  4. gms

    Eine absurde Blüte erleben wir in diesem Kontext aktuell in den USA. Nachdem u.a. in Colorado mitterdings Marihuana legal gehandelt werden kann, fallen hierfür auch Abgaben an. Da Banken aufgrund bundesstaatlicher Bestimmungen (Stichwort: Drogen) den betreffenden Unternehmen keine Konten anbieten, werden entsprechende Steuern nun bar bezahlt (in Colorado etwa an der einzig hierfür vorgesehenen Stelle in Denver). Hierfür wiederum verrechnet die Steuerbehörde IRS nicht etwa eine moderate und nach oben hin gedeckelte Bearbeitungsgebühr (“handling fee”), die sich mit einigen Verrenkungen vielleicht noch begründen ließe, sondern einen 10%igen Strafzuschlag (“penalty”).

    Jede US-amerikanische Banknote trägt den Aufdruck “this note is legal tender for all debts, public and private”. Angesichts der im staatlichen Geldwesen genererell herrschen Willkür verkommen aber selbst solch glasklaren Vereinbarungen zur lächerlichen Randnotiz mit einem Wert unterhalb der hierfür verwendeten Druckerschwärze.

    Apropos “lächerlich” — im Mai diesen Jahres beschlossen die Vertreter der EUdSSR ein “Grundecht auf ein Bankkonto”, das spätestens 2016 in allen Ländern der EU umgesetzt sein soll.

  5. timeo

    Ich wäre auch dafür, möglichst alles Geld abzuheben. Aber was könnte die Folge sein, wenn dann tatsächlich kein Bargeld mehr vorhanden ist–> dann nützt mir das Bargeld auch nichts, wenn es von niemanden genommen wird.
    Also–> wir sitzen dann in jedem Fall in der Falle !

  6. Selbstdenker

    Nicht jammern sondern kämpfen!

    Wir sollten uns alle darauf einstellen, dass wir unsere Freiheitsrechte so wie damals bei den Bürgerlichen Revolutionen wieder erstreiten werden müssen.

  7. rider650

    Kann dem Artikel nur 100% zustimmen. Allerdings ist der Bargeldgebrauch noch verbreiteter, als es den Banken und den Obertanen lieb ist, das lässt hoffen. So schnell werden sich auch die einfachen Schlafschafe das Bargeld nicht ausreden lassen. Das gibt Zeit, Stimmung gegen die Totalüberwacher zu machen und die Menschen zu informieren. Und im übrigen, die FIAT Geldsysteme sind zum Scheitern verdammt, das ist unausweichlich und nur eine Frage der Zeit. Darum werden Edelmetalle immer sicher sein, und seien sie auch noch so sehr verboten. In den USA konnte man auch in der Zeit des Goldverbotes Dinge für Gold bekommen – was der Leviathan den Menschen verbietet, und was die Menschen wollen und machen sind nämlich gottlob oft zwei sehr verschiedenen Dinge.

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