Und dann rot/blau in Wien?

Von | 28. September 2015

(ANDREAS TÖGEL) Wenn eine seit langem regierende Partei, unter der Führung eines über die Parteigrenzen hinaus geschätzten Landeshauptmannes, über zehn Prozentpunkte bei einer Wahl verliert; Wenn die bisher drittplatzierte Partei ihren Stimmenanteil verdoppelt und auf den zweiten Platz vorstößt; Wenn die bei der letzten Wahl bereits schwer geschlagene zweitplatzierte Partei diesmal weitere sechs Prozentpunkte verliert – dann kann von einem politischen Erdbeben gesprochen werden. So geschehen bei den oberösterreichischen Landtagswahlen am 27. 9. 2015.

Über eine Million Wähler haben gesprochen. Die Wahlbeteiligung war mit über 80 Prozent bemerkenswert hoch. SPÖ und ÖVP, die im Bund eine große Koalition bilden, haben eine verheerende Niederlage erlitten. Die von den politischen Wettbewerbern, den Medien und dem dunkelroten Staatsfunk routinemäßig als rechtspopulistische Schmuddelkinder abqualifizierten Freiheitlichen (FPÖ), haben einen Kantersieg eingefahren.

Und dem politischen Establishment droht weiteres Ungemach: Wien wählt in zwei Wochen und die Zeichen stehen auf Sturm: Trotz ununterbrochene Medienfestspiele zugunsten des sozialistischen Bürgermeisters und seiner grünen Steigbügelhalter, bahnt sich für die Regierenden auch hier ein Debakel an. Nicht nur der katastrophalen Kommunalpolitik (Verschwendungsprojekte, Rekordschulden, Gebührenexzesse, Arbeitslosigkeit wie nie zuvor, Schulkrise, etc.), sondern einer allgemeinen Denkzettelatmosphäre wegen, die sich in den letzten Monaten im ganzen Land ausgebreitet hat. Nie zuvor hatten die politischen Machthaber ein übleres Image.

Das von den regierungsfreundlichen Analysten nun zur alleinigen Ursache des rotschwarzen Desasters erklärte „Europathema Nummer eins“ – die Asylantenflut – hat eine zwar wichtige Rolle gespielt, doch sie war beileibe nicht alleine ausschlaggebend.

Die allgemeine „Politikverdrossenheit“ im Lande ist nicht erst seit gestern unübersehbar. Kein Wunder! Die Bürger fühlen sich von ihren Führern seit Jahren unverstanden, verraten und verkauft. Ob bei der Eurorettung, einer auf einem Allzeithoch befindlichen Steuerbelastung, der überbordenden Bevormundung in allen Lebensbereichen, oder wegen der völligen Hilfslosigkeit angesichts der ins Land brandenden Völkerwanderung – die Herrschenden liegen mit traumwandlerischer Sicherheit stets falsch. Unter diesen Voraussetzungen ist es kein Wunder, wenn die einzige ernstzunehmende Oppositionskraft von Sieg zu Sieg eilt.

Allein die als böse Populisten gescholtenen Freiheitlichen verstehen es geschickt, Signale in Richtung der Bürger des Landes zu senden, die von diesen in zunehmender Zahl als positiv verstanden werden. Alle anderen dagegen vermitteln eher den Eindruck, ausschließlich der Zentralbürokratie in Brüssel gefallen und Politik zugunsten aller anderen – nur nicht für die heimischen Bürger – machen zu wollen. Das kann auf Dauer nicht gutgehen und wird den überaus geduldigen Austriaken derzeit eben zuviel.

Den nächsten Denkzettel für ihre beispiellose Arroganz und Heuchelei wird sich die herrschende Klasse am 11. Oktober in Wien abholen dürfen. Das ist der Tag, an dem die Karriere des roten Weana Bazi und „man-bringe-den-Spritzwein“Bürgermeisters Michael Häupl, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit enden wird.

Dann kann endlich zusammenwachsen, was ohnehin zusammengehört: Rote und blaue Sozialisten werden – mangels brauchbarer Alternativen – eine Zweckehe eingehen. Vorerst (nach dem gelungenen Erstversuch im Burgenland) nur in Wien…

10 Gedanken zu „Und dann rot/blau in Wien?

  1. frustrierter Bürger

    Möglicherweise gibt es doch noch eine kleine Chance nicht nur die herrschende Nomenklatura samt ihren großteils opportunistischen und tlw. ebenfalls korrupten Unterläufeln zu ärgern, sondern sie auch einzubremsen?- Glück auf!

  2. Christian Peter

    Dass es sich bei der FPÖ um ‘Sozialisten’ handelt, ist mir nicht bekannt. Viel spannender ist die Frage, was HC Strache auf Bundesebene als (wahrscheinlich) nächster Bundeskanzler politisch bewegen wird.

  3. Erich

    Ich sah gerade im Facebook einen handgeschriebenen Aufschrei: “Wien darf nicht Oberösterreich werden”. Sehr witzig! Als ob die ÖVP in Wien noch viel verlieren könnte ;-))
    Mir tun die armen Menschen irgendwie leid, die verzweifelt versuchen, andere von einer Stimmabgabe zugunsten der FPÖ abzuhalten. Offenbar ist ihnen lieber, wenn die Zustände in Wien unter rot-grün so weitergehen. Das kommt davon, wenn man sich von den Medien einlullen lässt und alles glaubt, was man im ORF sieht und hört.

    Zur burgenländischen Therme: solche Betriebe haben in der Hand von Gemeinden, Ländern oder Staat nichts verloren – auch wenn sie (noch) gewinnbringend laufen. So steht das ja auch im Artikel. Der Verkauf dürfte aber mit der FPÖ kaum etwas zu tun haben; der ist doch schon in der Zeit der linken Regierung vor den Wahlen beschlossen worden. Dass Sozialisten mit Geld nicht umgehen können ist bekannt. Allerdings lassen sich auch andere Politiker von tollen Burschen blenden; die riesigen meist unnötigen Provisionen zahlen ja nur die Steuerzahler.
    Den Chef der BIG und einen Wirtschaftskämmerer würde ich nicht ohne nähere Überprüfung zu großen Experten zählen, die jetzt unverdientermaßen abgelöst werden. Es waren alles politische Bestellungen, die jetzt eben in anderen Farben fortgesetzt werden.

  4. Thomas Holzer

    @Ercih
    Pack schlägt sich, Pack verträgt sich; vor allem dann, wenn es beiden zum Vorteil gereicht!
    Und nichts anderes habe ich behauptet

  5. Herr Superg'scheit

    Ich kann den Optimismus leider nicht teilen. Gepflegte 2 Drittel (!) sahen bei der Wahl in OÖ keinen aktuellen Anlass, das eigene Wahlverhalten zu ändern. Und man muss kein Prophet sein, um zu wissen, es wird schwarz-rot kommen.

    Und in Wien? Natürlich wird die FPÖ zulegen und rot und schwarz werden verlieren. Aber es wird allemal für rot/grün oder dann eben rot/grün/pink reichen. So what? Ich stell mich schon mal auf den Schwedenplatz-Umbau inkl. Verkehrszusammenbruch am Franz Josef-Kai ein.

    Ich glaube es ist Zeit anzuerkennen, dass in Österreich die Mehrheit links wählt. Egal was sich rund um uns abspielt.

  6. astuga

    Wenn in Wien Rot-Grün unmöglich wird, wäre das auch bereits ein Erfolg.
    Jedenfalls muss es diesmal zu einer Wende kommen, denn bei den nächsten Wahlen haben wir dann eventuell bereits das sog. Ausländerwahlrecht, von dem Rot-Grün ja bereits jetzt schon träumt.

    Dann kann man aber in Wien den Laden dichtmachen, weil der rote Filz noch auf viele Jahre an der Macht bleiben würde.
    Mit all den negativen Folgen für die Stadt.

  7. CE___

    Ich hatte mit mir selber eine kleine Wette laufen dass die Freiheitlichen die 40%-Marke knacken.

    Die Roten haben eh Federn gelassen, die Schwarzen sind glimpflich davongekommen.

    Es braucht doch noch ein paar Hunderttausend (vielleicht sogar Millionen) Illegale mehr bis die Schmerzgrenze überschritten ist und offenbar reiben sich bei den Schwarzen in OÖ schon viele die Hände vor Vorfreude sich sehr bald im Asyl-industriellen-Komplex einreihen zu dürfen.

    Rindviecher raus aus dem Stall, Maschinen raus aus der Fabrik, Getreide runter vom Feld, da kommen jetzt “Flüchtlinge” hinein bzw. rauf, und das Geld dazu druckt eh die EZB.

  8. Pickaball

    .
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    Hausverstand

    Dieser wird gern mit Populismus gleichgesetzt – weil zu sehr vereinfacht und verkürzt dargestellt wird.

    Wenn etwas zu kompliziert ist, um es mit einfachen Worten erklären zu können –

    – hat man es nicht verstanden –

    – bzw. funktioniert es auch nicht (Lösungen)

    Die Politik hat sich aus diesem Grund LABERN angewöhnt –

    – mangels Verständnis bzw. tauglicher Problemlösung redet man solange herum bis keiner mehr weiß um was es überhaupt geht.

  9. Der Realist

    dem Vernehmen nach ist gestern bei der ersten Hochrechnung manchen sogar der G´spritzte im Halse stecken geblieben.

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