Und jetzt Waldheim 2.0?

(ANDREAS TÖGEL) Die Meinungsforscher kürten Alexander Van der Bellen, den Kandidaten der Grünen, schon lange vor dem ersten Wahlgang unisono zum haushohen Favoriten. Es war demnach gar keine Frage, dass er bei der Wahl am 24. 4. als Erster durchs Ziel gehen würde. Nun stehen die Damen und Herren Demoskopen eher blöd da: Ein Favorit, der um rund 16 Prozent der Stimmen (ohne die der Wahlkartenwähler) hinter dem von ihnen offenbar schwer unterschätzten Erstplatzierten landet?

Der erste Verlierer dieser Wahl steht also zweifelsfrei fest. Es sind die Meinungsforscher. Ihre Vorhersagen unterscheiden sich offensichtlich ins Nichts mehr von denen beamteter Ökonomen: Sie liegen chronisch daneben. Während letztere aber – als Apologeten der Regierung und deren professionelle Meinungsmanipulanten – ein klares Interesse daran haben, das Lied ihres Ernährers zu singen, liegen die Dinge bei den Seismographen des Wählerwillens anders. Welches Kalkül sie dazu veranlasst haben könnte, den kandidierenden Linksausleger in ihren Umfragen derart stark zu forcieren, erschließt sich nicht – nicht einmal auf den zweiten und dritten Blick. Sollte aber keine Absicht, sondern schieres Unvermögen hinter ihrem Vorhersagefiasko stecken, sollten sie sich besser um ehrliche Arbeit umzusehen.

Der zweite große Verlierer sind die beiden Blockparteien SPÖ und ÖVP, deren Geschäftsmodell der proporzhaften Aufteilung der Republik – 61 Jahre nach Abschluss des Staatsvertrags – vollständig unter die Räder zu kommen scheint. Wenn die beiden Kandidaten der Groko zusammen gerade einmal jeden fünfen Wähler zu überzeugen vermögen, dann sollte das zu denken geben.

Der bis zur Bekanntgabe seiner Kandidatur der Öffentlichkeit weithin unbekannte Kandidat der Freiheitlichen, Norbert Hofer, hat mit einem Ergebnis von über 36 Prozent einen Überraschungserfolg gelandet. Damit ist er zwar noch lange nicht Herr der Hofburg, aber die Ausgangsposition für die Zweitrunde ist nicht übel. Den gewaltigen Vorsprung auf seinen Widersacher aufzuholen, dürfte dem grünen Kettenraucher Van der Bellen nicht leichtfallen – auch wenn viele Bürgerliche immer wieder dazu neigen, im Zweifel eher rot als freiheitlich zu wählen.

Denn wer tatsächlich Van der Bellen als Ersatzkaiser sehen will, der hat ihn ja bereits im ersten Wahlgang gewählt. Ob die freiwerdenden Stimmenreservoirs der übrigen Kandidaten dazu ausreichen werden, Hofer im zweiten Durchgang noch abzufangen, muss sich erst herausstellen.

Damit das gelingt, ist jetzt allerdings jede Menge Kreativität gefragt. Da die politisch korrekten Antifanten aus zurückliegenden Pleiten noch niemals etwas gelernt haben, kann bereits jetzt vorausgesagt werden, was in den Wochen bis zum 22. Mai ablaufen wird, ohne sich damit allzu weit aus dem Fenster zu lehnen: Besorgte Auslandsösterreicher (namentlich Künstler und Intellektuelle) werden lautstark darüber wehklagen, wie sehr ein freiheitlicher Wahlsieg dem Lande schaden würde. Die Linksjournaille wird im Tagesrhythmus mit Schauergeschichten über dräuende Sanktionen und den durch einen Hofer-Erfolg angeblich entstehenden Schaden für den Wirtschaftsstandort aufwarten. Bilder der beiden Wahlkämpfer werden entsprechend ausgewählt und bearbeitet werden: Die grünen Zähne des einen werden plötzlich in strahlendem Weiß blitzen, während man dem anderen Bocksbeine und Hörner verpassen wird. Holocaustüberlebende werden vor die Mikrophone treten und mit brüchiger Stimme für den Fall der Wahl Hofers das erneute Heraufdämmern des Nationalsozialismus in Hitlers Geburtsland prophezeien (und zwar ungeachtet der Tatsache, dass die freiheitliche Pateispitze mittlerweile häufiger in Yad Vashem als in Mariazell anzutreffen ist).

Das volle Programm also, das sich – siehe Causa Waldheim anno 1986 – schon einmal als Schuss ins eigene Knie erwiesen hat.

20 comments

  1. Mourawetz

    Der rote Kandidat war bei der Wahl weit abgeschlagen und ist aus dem Rennen. Trotzdem präsentiert sich am Tag 1 nach der Wahl die SPÖ ungeniert weiterhin im Wahlkampf. Aber mit einer Schmutzkübelkampagne gegen Hofer. Die Sozialistische Jugend Wiens verteilte gestern kleine Zettelchen, auf denen sie Hofer eine Nähe zur Rechtsextremen andichtet.

    War da nicht etwas von einem Fairnessabkommen, das die Parteien der Zweitplatzierten lautstark verkündet haben? Dieses wurde nun von der SP Jugendorganisation einseitig aufgekündigt. Und das, obwohl der eigene Kandidat aus dem Rennen geworfen ist. Das ist skurril. Und voller Hass. Und zeugt von wenig Demokratieverständnis. 

  2. Herbert Manninger

    Das ,,anständige ” Österreich muss jetzt aufstehen…..
    Besteht zB. aus ,,kauft nichts vom Westbank-Juden”-SPÖ-Funktionärinnen, aus linksradikalen Demoschlägern und dümmlich-naiven (Ein)Bildungsbürgern.

  3. Thomas Holzer

    @Mourawetz
    Fairnessabkommen sind das Papier nicht wert, auf welchem sie geschrieben wurden; hat mit Niveau, bedarf es keines Abkommens, hat man keines, ist es evident, daß das Abkommen nicht eingehalten wird.
    Die ÖH hat auch schon zu einer Demonstration gegen den “Rechtsruck” für den 19.05. aufgerufen 😉

  4. Rado

    Würde mich wundern, wenn sich die Linksszene im Lande vier Wochen lange im Griff halten könnte.
    In seiner Panik wollte ja vdBellen in den letzten Tagen ja sogar Irmard Griss noch als Nazibraut hinstellen.
    Die deutschen Systemmedien springen übrigends schon ganz von selber an, wie man gestern bereits feststellen konnte. Für das Merkelmilieu ist dieses Wahlergebnis ein höchst alarmierendes Menetekel.

  5. Reini

    … die Meinungsforscher waren wohl nur in Wien unterwegs,… und sie haben eins vergessen! – Wien ist anders!!!! 😉

  6. sokrates9

    Bin gespannt ob das mit dem Schuss in das eigene Knie funktioniert! Die entspechende Waffe wie FPÖ raus Flüchtlinge rein, Flaggerl für`s Gaggerl , ORF Nazikeule usw ist ja Vorhanden!!

  7. Peter Matzenberger

    Mich stört diese Polarisierung links/rechts bzw. gut/böse.

    Worauf es in Wahrheit snkommt, ist eine radikale Verjüngung der amtierenden Spitzenpolitiker.

    Auch Sebastian Kurz schlug mediale Häme bei seinem Amtsantritt als Aussenminister entgegen. Seine Performance ist mittlerweile national und international sehr positiv kommentiert.

    Warum also, soll man nicht dem mitten im Leben stehenden Norbert Hofer die Chance geben es besser zu machen? Das wäre mir der viel liebere Bundespräsident, als ein reanimierter Politdinosaurier, der vorgaukelt, unabhängig zu sein und dabei ungeniert mehr als 2 Mio € Steuergelder aus der Parteikassa der Grünen im Wahlkampf verpulvert.

  8. Reini

    Österreich schämt sich für RECHTS nicht mehr!!! …
    Bevor man LINKS in eine Sackgasse geht, weicht man automatisch nach RECHTS aus! …

    Einige leben noch in der Vergangenheit und nicht mit der Vergangenheit und man sollte aus der Vergangenheit lernen, mit dem Blick in die Zukunft, … der leider vielen fehlt!!!
    In der Geschichte lebten viele Tyrannen die Völker ausgerottet haben!
    “Hitler und der Nationalsozialismus” waren im vorigen Jahrtausend, …

  9. mariuslupus

    Eine interessante, geschichtlich äusserst seltene Erscheinung. Eine absolut reaktionäre Jugend im Verbund mit den Politdinos auf dem Weg in die Vergangenheit. Jugendhat das Recht, und soll auch intolerant sein, aber bis jetzt galt die Intoleranz immer den Ideen, die sich gegen die Zukunft gesperrt haben. Eindeutig das Ergebnis der jahrzehntelangen Indoktrination durch die, die Meinungsbildung monopolisierten roten Inteligentsia.
    Ein Repräsentant dieser Politklasse ist gerade auf dem Sprung in die Hofburg. Nur im Gegensatz zum beliebten Spruch, wird er nicht abspringen, sondern wird im Wagerl von seinen grünen Genossinen in die Hofburg geschoben.

  10. Falke

    Ich bin, ehrlich gesagt, für die Stichwahl nicht so zuversichtlich (ich gebe zu, habe Hofer gewählt und werde ihn auch am 22. Mai wählen). Am 24.April gab es eine Abstimmung gegen die Regierung, wobei die meisten Stimmen natürlich jener Partei (bzw. ihrem Kandidaten) zukamen, die (der) der schärfste Gegner dieser Regierung ist. Das hat geklappt, die Kandidaten der Regierungsparteien wurden abgestraft und sind nunmehr kein Thema mehr. Am 22. Mai gibt es das nicht mehr – da geht es um etwas ganz anderes. Da ist damit zu rechnen, dass erstens viele “Wutwähler” gar nicht mehr hingehen (da sie ihr Ziel ja bereits erreicht haben) und zweitens dass manche Hofer-Wähler dann – wenn ihr erster Zorn verraucht ist – doch für VdB stimmen. Weiters ist zu erwarten, dass viele “Parteiwähler” (die also immer auf jeden Fall den Kandidaten ihrer Partei stimmen) auch nicht mehr zur Wahl gehen (da ja nur der eine für sie in Frage kommt, und der steht nicht mehr zur Wahl). So gesehen stimmt also die Milchmädchenrechnung nicht, wonach Hofer nur noch 15% für den Sieg braucht, er wird wohl wesentlich mehr brauchen, da er keineswegs damit rechnen kann, alle derzeitigen Stimmen auch in die Stichwahl “mitzunehmen”. Das sind jetzt keine Hirngespinste, sondern das hat sich bei Gesprächen im Familien- und Bekanntenkreis herauskristallisiert. Ich gebe sogar schamvoll zu, dass die eigene Tochter tatsächlich jetzt verärgert für Hofer gestimmt hat, bei der Stichwahl aber fest entschlossen ist, VdB zu wählen.

  11. Menschmaschine

    Für mich ist es kein Zufall, dass die Wahlprognosen waren, wie sie waren. Von der linksgrünen Medienszene wurde ein Kopf-an-Kopf herbeiphantasiert, um Wähler für den Kommunisten VdB zu mobilisieren. Motto: “Geht wählen, es wird knapp”.
    Da wird versucht, mit Meinungsumfragen Politik zu machen, gar keine Frage. Ein weiterer Tiefpunkt unserer ohnehin schon ganz tief im Regierungsinseratesumpf steckenden Journaille.

  12. Christian Peter

    @Falke

    meinen Sie das ernst oder sind Sie einer der zahllosen Ehrenamtlichen der Parteizentralen Löwelstraße/Lichtenfelsgasse/Lindengasse, die in diversen Foren ihr Unwesen treiben ?

  13. Mona Rieboldt

    Und wenn jetzt die Wähler der SPÖ und ÖVP geschlossen für den Grünen stimmen? Damit wird dann das bessere Ergebnis von Hofer in der Stichwahl nicht mehr zu sehen sein. Das fände ich schade, wenn es am Ende doch der Grüne ist.

  14. Falke

    @Christian Peter
    Ja ich meine es ernst, ich habe Hofer gewählt und werde es auch am 22. Mai tun, in der Hoffnung, dass er es doch schafft. Woraus schließen sie, dass ich aus irgendeiner Parteizentrale komme (außer vielleicht von der FPÖ, aber dort bin ich auch noch nie gewesen)?

  15. Gerald Steinbach

    Jetzt kommt dann eine cousine 9ten grades, die sich noch genau erinnern kann, wie sie dazumals in den 70 er jahren mit norbert im wald gespielt hat und dieser immer nur die rechte hand gehoben hat

  16. Christian Peter

    @Falke

    Weil es höchst unwahrscheinlich ist, dass FPÖ – Wähler 4 Wochen später einen Kandidaten der Grünen wählen, das machen weniger als 1 % der Wähler. Es kann bloß sein, dass bisherige Nichtwähler bei der Stichwahl teilnehmen, aber auch das wird kaum ins Gewicht fallen, da die Wahlbeteiligung mit 68,1 % für eine BP – Wahl ohnehin bereits extrem hoch ausfiel.

  17. Wanderer

    @Gerald Steinbach
    “im Wald gespielt hat” …also für das DÖW wäre das der eindeutige Beweis für eine Teilnahme an einer Wehrsportübung.

  18. Johannes

    Wir werden in den nächsten vier Wochen ein Lehrbeispiel erleben wie Meinung “gemacht“ wird. Was jetzt kommt wird ein wahres Trommelfeuer an Einschüchterung im Sinne von Schwarzmalerei sein. Man wird alles versuchen um Hofer zu verhindern und mit alles glaube ich wirklich alles!!
    Ich glaube wenn Hofer sich nicht provozieren läßt, kühlen Kopf und gute Nerven bewahrt wird diese Negativkampagne von der ich sicher bin das sie kommt ihm helfen. Die Menschen haben das Bevormunden satt, die Waffen der Linken sind stumpf und wirkungslos geworden. Hofer ist aufgefordert nach der Wahl, wenn er sie gewinnt, alle Anfeindungen zu vergessen und ein Präsident für alle zu sein, ich traue ihm diese Größe zu!

  19. Gerald Steinbach

    Wanderer@ Ja genau,.. die mit den 9 Grad kann sich noch erinnern, das Norbert eine Uniform getragen hat und so komische Stiefel hatte er auch immer an,

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