Und was machen wir beim nächsten Crash?

(C.O.) Amerikas Superreiche gefallen sich neuerdings in Pessimismus. Carl Icahn etwa, milliardenschwerer Investor und Apple-Großaktionär, warnte jüngst in einem TV-Interview vor der gewaltigen Blase, die die US-Notenbank Fed durch “exzessives Drucken von Geld” verursacht habe; sein Milliardärskollege Steve Schwarzman, Gründer des Finanzkonzerns Blackstone, sieht im “Wall Street Journal” schon “die nächste Finanzkrise” nahen, genauso wie Crispin Odey, der zu den einflussreichsten Hedgefonds-Managern der Welt zählt und ebenfalls vor dem nächsten Knall warnt. Kaum eine Woche in diesem Sommer, in der nicht ein Finanzoligarch den nächsten ökonomischen Super-GAU herannahen sieht.

Sollten die Herren mit den prall gefüllten Geldspeichern recht behalten, stellt sich leider eine kleine Frage: Welche Instrumente stehen den Staaten und Notenbanken eigentlich zur Verfügung, um die Folgen eines Crashs wie jenen von 2007/2008 einzudämmen und erneut den Ausbruch einer Großen Depression zu vermeiden? Damals verschuldeten sich bekanntlich die meisten Staaten enorm, gleichzeitig druckten die großen Notenbanken enorme Geldmengen.

Eine eher beunruhigende Antwort auf diese Frage gibt die hochseriöse Bank für internationalen Zahlungsverkehr (BIS) in ihrem neuen Jahresbericht. Die Welt, analysiert die als “Notenbank der Notenbanken” bekannte Institution, stünde in einer neuerlichen Krise weitgehend ohne finanzielle Instrumente der Krisenbewältigung da. Vor allem der Umstand, dass die Notenbanken die Zinsen so lange wie noch nie so niedrig wie noch nie gehalten haben, bereitet der BIS Kopfschmerzen. Denn diese traditionelle Methode der Krisenbewältigung stehe nun nicht mehr zur Verfügung, weshalb die BIS, ganz ähnlich wie die US-Milliardäre, die Gefahr eines “größeren Krachs” sieht.

Das ist insofern beunruhigend, als ja auch die Fähigkeit der Staaten, mit gewaltigen neuen Schulden die Lage zu stabilisieren, gehörig gelitten hat. In den ersten fünf Jahren nach dem Crash von 2007 stiegen die Schulden in der Eurozone von 66 Prozent der Wirtschaftsleistung auf 93 Prozent; ein ungemütlich hoher Wert. Dass die nächste Krise einfach noch einmal mit einem solchen Schuldenberg bekämpft werden könnte, ist eher nicht anzunehmen – dann drohte nämlich der ganzen Eurozone ein griechisches Schicksal.

Zwar weiß niemand genau zu sagen, wo die Obergrenze für Staatsschulden liegt, deren Überschreiten Insolvenzgefahr bedeutet; aber klar ist, dass übermäßige Schulden das Wachstum bremsen und schließlich ganz zum Erliegen bringt. Ob diese Grenze bei 90 Prozent der Wirtschaftsleistung liegt, wie einige Studien nahelegen, oder doch darüber, weiß man in der Praxis leider erst, wenn es zu spät ist.

Notenbanken, die nicht mehr mit Zinssenkungen gegen einen Crash ankämpfen können, und Finanzminister, die nicht mehr ausreichend neue Schulden aufnehmen können, um dessen Folgen zu dämpfen – das sind keine wirklich beruhigenden Aussichten für den Fall, dass Amerikas Männer mit dem Gespür für Cash tatsächlich recht behalten sollten und sich das Licht am Ende des Tunnels der Weltfinanzkrise als Scheinwerfer des nächsten herandonnernden Zuges entpuppt. (WZ)

5 comments

  1. Thomas Holzer

    Wir haben doch den Herrn Draghi und seine EZB, außerdem ausgewiesene Politikerdarsteller; da mach ich mir aber wirklich keine Sorgen 😉

  2. Fragolin

    Der Titanic-Effekt: Wir brauchen nicht so viele Rettungsboote, es wird sowieso nie etwas passieren.
    Eisberge? Ach was, lächerlich! Wir sind viel zu stark, zu gut, zu perfekt und allwissend, als das irgendwas passieren könnte!!

  3. H.Trickler

    Wer wie die gemäss Text jammernden super reichen Investoren auch nur 1% des heutigen Vermögens über die kommende Krise behalten hat, braucht sich für sein weiteres Überleben eigentlich keine Sorgen zu machen.

  4. Der Realist

    der nächste Crash kommt bestimmt, steht doch das gesamt Finanz- und Bankensystem auf extrem fragilen Beinen, fällt in China der sprichwörtliche Reissack um, beginnen weltweit die Finanzjongleure zu rotieren, da werden dann laut “Experten” Verluste in mehrstelligen Milliardenbereichen “erwirtschaftet”, ob das Geld vorher überhaupt da war, interessiert ohnehin niemand. Hinter eine “Finanzkrise” können sich die Politikerdarsteller wieder jahrelang bequem verstecken, da können sie leistungsbefreit jahrelang das eigene Unvermögen auf die Krise schieben.
    Man wird dann von den “Experten” auf der politischen wie wirtschaftlichen Bühne wieder hören, “die Krise hat uns völlig unvorbereitet getroffen”, wobei das “unvorbereitet” wohl auf die handelnden Personen zutrifft.

  5. aneagle

    .. und was machen wir beim nächsten Crash ?
    keine Frage- das Gleiche wie bei den bisherigen- die 7 Schritte der staatlichen Ausweitung:
    – Steuererhöhungen für alle, die zu viel haben um zu randalieren
    – Angriff auf alle privaten Geldvermögen, Sparbücher, etc. mit allen Mitteln
    – Teilenteignung und Mästung des ohnehin schon überbordenden Staates
    – Legistische Beschränkung der bürgerlichen Freiheit, um “Schwarzgeld (?) hintan zu halten”
    – absichtliche Verstärkung der angeblichen Krise
    – Ankündigung die Bevölkerung vor allem und jedem zu schützen
    – sich von seinen Anhängern feiern lassen

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