Und wie willkommen wären 10.000 Sinti und Roma gewesen?

Von | 9. September 2015

(C.O.) So viel Ergriffenheit über die vermeintliche eigene moralische Überlegenheit war schon lange nicht in diesem Lande. Im Endlosschleifen-Modus beglückt sich der politisch-mediale-Komplex, die hiesige twitter-Blase und das juste milieu im Wiener Bobostan laufend selbst dazu, die vermutlich besten Menschen dieses Planeten, wenn nicht gar des inneren Sonnensystems, zu sein.

Nun ist gewiss höchst anerkennenswert, dass ein paar tausend (von acht Millionen) Österreicherinnen und Österreicher den durchziehenden Migranten Wasser, Nahrung, Hilfsgüter und freundliche Gesten mit auf den Weg gegeben haben – aber die alberne Pathos-Inszenierung hart an der Kitschgrenze, mit der dieses Land sich selbst feiert, als hätten wir gerade das Böse der Welt abgeschafft und Conchita Wurst den Friedensnobelpreis erhalten, erscheint bei nüchterner Betrachtung doch etwas überdimensioniert. (Warum das so ist, dürfte wahrscheinlich nur der Psychiater erklären können.)

Vor allem dürften die Tränen der Rührung über sich selbst, die da rundum fließen, der Blick auf die raue Wirklichkeit ein wenig getrübt haben. Und in dieser Wirklichkeit dürfte zum Beispiel die FPÖ in diesen Tagen zur endgültig stärksten Partei des Landes geworden sein, weil ziemlich viele gar nicht so rührend finden, was da gerade zwischen Budapest und München so abgeht. Diese Menschen finden in der Kitsch-Inszenierung dieser Tage keinen Platz, werden aber schon in ein paar Wochen bei der Wien-Wahl den politischen Regisseuren des Rührstückes ihre Meinung kundtun.

Einer Inszenierung, die so wohl nur möglich war, weil nahezu alle Migranten, die in den vergangenen Tagen österreichische Gastfreundschaft genießen durfte, nach Deutschland wollten. Es wäre ganz interessant zu wissen, ob das „Welcome“ auch so laut erschallt wäre, hätte 10.000 Migranten den Wiener Stadtpark besiedelt und Österreich zum Ziel ihrer Migration erkoren.

Nicht weniger interessant wäre zu wissen, wie herzlich die Begrüßung der Migranten gewesen wäre, hätte es sich beispielsweise um 10.000 Sinti und Roma gehandelt, die zu uns gekommen wären, um zu bleiben.

Dass Deutschland und nicht Österreich Ziel der akuten Völkerwanderung ist, hat es ermöglicht, dass Österreich gleichsam humanitäre Trittbrettfahrerei betreiben konnte, ein hierzulande ja nicht unbekanntes Verhalten. Denn während sich Österreichs humanitäre Heldentaten auf die Betreuung der Durchreisenden beschränkt, wird Deutschland noch auf Jahrzehnte mit den Problemen zu kämpfen haben, die jede derartige Völkerwanderung mit sich  bringt. (“F&F”)

10 Gedanken zu „Und wie willkommen wären 10.000 Sinti und Roma gewesen?

  1. Thomas Holzer

    Nachdem die Bilder des ach so hilfsbereiten und die Willkommenskultur lebenden “Österreichs” sicherlich auch in den arabischen Ländern veröffentlicht und auch in den “sozialen Medien” getauscht wurden, werden sich die guten Menschen dieses Landes in Kürze in gelebter Nächstenliebe üben dürfen………

  2. mike

    wir werden leider von Vollidioten regiert, die nicht in der Lage sind, die Realität wirklich zu sehen und entsprechend reagieren zu könnten. Zum Speiben !

  3. sokrates

    hoffentlich sti,mmt die Prognose, dass es einen Wechsel in Wien gibt!

  4. Thomas Holzer

    @mike
    Ich hoffe, Sie haben “recht”, und es steckt kein Kalkül dahinter…………

  5. H.Trickler

    Das meiste was heutzutage in der Welt geschieht lässt sich nur durch die Brille eines Psychiaters halbwegs verstehen. Der schweizerische Schriftsteller Dürrenmatt hat dies schon 1961 im berühmten Stück “Die Phyisker” erstmals vorgeführt und dann 1989 in seinem letzten Roman “Durcheinandertal” wiederholt.

  6. Enpi

    Mich erinnert es eher an Frischs Biedermann und die Brandstifter. 🙂

  7. astuga

    Die sind ja ohnehin bereits in Deutschland (ebenso in Italien und Frankreich).
    So mancher wird auch bereits den jetzigen Migrationszug ausgenutzt haben (von wegen alles Syrer), andere die weiterhin offenen Grenzen.

    Echte europäische Kompetenz und echte Humanität wie Solidarität wäre gewesen, wenn die EU in den vergangenen Jahrzehnten mehr für eine Integration der Zigeuner getan hätte.
    Ich verwende den Begriff absichtlich, weil Roma nur eine Teilgruppe in Europa bilden (Sinti, Kalderasch etc).
    Aber auch dieses Problem wird stattdessen immer größer, zusätzlich importieren wir jetzt weitere ethnische und religiöse Konflikte.

  8. Wolf

    @Enpi
    Wie recht Sie haben, hörte man erst kürzlich aus Israel. Dies ist ja bekanntlich auch ein Nachbarstaat Syriens und hätte also die “Pflicht”, Kriegsflüchtlinge bei sich aufzunehmen. Israel nimmt allerdings keinen einzigen auf. Dazu Ministerpräsident Netanyahu sinngemäß: “Wir werden uns nicht von einer Welle von Terrorismus überschwemmen lassen”. Israel wird wohl am besten wissen, was da aus Syrien herüberkommen würde.

  9. astuga

    @Wolf
    Warum sollte gerade Israel Flüchtlinge aufnehmen?
    Noch dazu als Kleinstaat, und von einem Land mit dem es sich noch immer offiziell im Krieg befindet.
    Da könnten sie auch gleich die Grenze zum Libanon aufmachen und die Hisbollah-Kämpfer aufnehmen.
    Nicht mal der reiche Nachbar Saudi Arabien nimmt Flüchtlinge auf (außer den symbolischen 661), stattdessen errichten sie eine Grenzschutzanlage.

  10. mario wolf

    Die Willkommenskultur wurde auch im ORF zelebriert, breitgetreten. Jeder möchte sich im Fernsehen zeigen, insbesondere als Gutmensch. Bemerkung es gibt keine Sinti und Roma. Eine Erfindung der politisch korrekten. Entweder Roma , oder Sinti. Aber warum nicht Zigeuner ? Es gibt keinen Zigeunerbraten, dafür die Roma Musik, bald geht es auch dem Zigeunerbaron an der Kragen. Zigeuner ist nicht politisch korrekt, und Adelstitel wurden 1919 verboten. Also, noch viel Arbeit für die Sprachen-Polizei.

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