US-Aussenminister voll Lob für noch mehr Syrien-Tote

(ALEXANDER GRUBER) Während seines Moskau-Besuchs in der vergangenen Woche war US-Außenminister John Kerry voll des Lobs für die Syrien-Politik seines Gastgebers: Russland habe „einen erheblichen Beitrag zu dem Fortschritt geleistet, den wir machen konnten.“ Gewissermaßen als Gastgeschenk präsentierte Kerry einen bemerkenswerten Kurswechsel: „Die Vereinigten Staaten und ihre Partner streben keinen Regimewechsel an“, erklärte er – nachdem die Obama-Administration über vier Jahre lang unmissverständlich den Abgang des Assad-Regimes gefordert hatte. In Syrien tätige Hilfsorganisationen sind von den „Fortschritten“, die die russische Intervention gebracht haben soll, weit weniger angetan. Die Vertreterin einer dieser Organisationen brachte die Folgen des ausgeweiteten russischen Engagements auf den Punkt:„ It’s hard to imagine that the conditions in Syria could have become worse than they already were, but they have.” (weiter hier)

9 comments

  1. Fragolin

    Das deutsche TV quillt gerade über von rührseligen Geschichten über syrische Flüchtlinge.
    Menschen, die als Konzertpianisten im Opernhaus gespielt haben. Theaterschauspielerinnen und Ballettänzerinnen, gemischtkonventionelle Menschen, die im Frieden gemeinsam Weihnachten feiern konnten, assyrische Christen, Frauen, die sich freuen, hier endlich wieder kniefrfeie Röcke tragen zu dürfen…
    Was haben alle diese Menschen gemeinsam? Sie konnten in Frieden Kunst schaffen, sich frei bewegen, ihre Religion frei leben, Geschäften nachgehen – unter Assad. Der achsoböse Diktator und Menschenschlächter war der einzige Garant für ein Midestmaß an persönlicher Freiheit und hat dafür gesorgt, dass Syrien im Nahen Osten als fast schon westlich orientiertes Land galt, in dem man in die Oper gehen oder unverschleiert im Straßencafe sitzen konnte.
    Erst die vom Westen im Interesse eines mehr US-affinen Regimes losgetretene “Revolution” führte zum Hochschwappen der, auch vom Westen ausgerüsteten, “Rebellen”, fast durch die Bank radikalmuslimische Banden, die sich nach einem schariakonformen Gottesstaat sehnen und Syrien zu einem neuen Iran umbauen wollen.
    Assad ist kein Chorknabe. Aber für die Mehrheit der Syrer war er die beste real mögliche Option.

  2. Selbstdenker

    Ich hätte mir nie gedacht, dass es eine noch inkompetentere US-Regierung als die von G. W. Bush geben könnte, die Präsidentschaft von B. H. Obama bricht dahingehend alle Rekorde: “Yes we can”

  3. Mona Rieboldt

    Wenn der Westen wenigstens Ahnung von arabischer Mentalität hätte, dann gäbe es nicht die unsinnigen Versuche, irgendwelche islamischen Gruppierungen, genannt Rebellen, zu unterstützen. Das Gleiche passierte in Libyen, da waren es Stammeskämpfe, aber hier wurde durch die Presse eingeredet, die kämpften gegen den bösen Gaddafi und wollten Demokratie. Heute ist Libyen ähnlich Irak ein failed state, das würde auch Syrien ohne Assad werden. Will der Westen jeden Diktator weg bomben?

    USA haben doch gar nichts erreicht, in dem sie islamische Gruppen in Syrien unterstützt haben, Obama ist ein Schwätzer, da hat sicher Putin mehr Realitätssinn.

  4. Falke

    @Fragolin
    Und das gilt meiner Meinung nach (mit gewissen Einschränkungen) für alle arabischen Staaten, die in den letzten Jahren von “blutigen Diktatoren” befreit wurden: Irak, Libyen, Ägypten.

  5. Tom Jericho

    Bisher waren die Russen unter Putin die einzige ausländische Partei, die effektiv gegen den IS vorgegangen sind. Jetzt kann man natürlich verschwörungstheoretisch spekulieren, warum die USA mit ihrem hochgerüsteten und -finanzierten Militär nicht in der Lage (oder Willens) waren, eine Bande von Kriminellen zu bekämpfen statt sie mit Waffen gegen den bösen Assad zu versorgen, aber wie wir wissen, sind das ja nur schlimme, rechte, völlig haltlos aus der Luft gegriffene Dunkelmenschengedanken.

  6. Selbstdenker

    @Falke:
    Wobei die aktuelle Militärregierung in Ägypten westentlich mehr Realitätssinn betreffend der Lage im Nahen Osten aufweist als die Regierungen der USA, der meisten EU-Staaten und Russlands zusammen.

    Das Anzetteln vom sogenannten “Arabischen Frühling” samt Unterstützung der nachfolgenden islamistischen “Demokratien” vom Mittleren Osten bis nach Nordafrika war die noch größere Schnaps-Idee als die US-Invasion im Irak.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .