US-Wahl: Be careful what you wish for. You just might get it.

(THOMAS EPPINGER) Schicksalswahl also. Wieder einmal. Wer in den letzten Wochen die deutschsprachige Berichterstattung zu den amerikanischen Präsidentschaftswahlen verfolgt hat, könnte meinen, Europas Schicksal hinge davon ab, wie der amerikanische Präsident über Frauen oder Mexikaner denkt.
Doch innenpolitische Themen wie die Besetzung des obersten Gerichtshofs, die Straflosigkeit von Abtreibungen, die Sicherung der mexikanischen Grenze, Waffengesetze oder gesetzliche Pflichtversicherung berühren Europa nur atmosphärisch, wenn überhaupt. Es sind die Wirtschafts- und Außenpolitik der USA, von denen europäische Interessen unmittelbar betroffen sind.
Donald Trump proklamiert eine protektionistische Wirtschaftspolitik, ist gegen den globalen Freihandel und strikt gegen TTIP. Auch in der Außenpolitik steht er für einen isolationistischen Kurs. Unter seiner Führung würden die USA die Kastanien für die Europäer entweder gar nicht mehr aus dem Feuer holen oder sich ihr militärisches Engagement teuer vergüten lassen. Außerdem sympathisiert er mit Putin und ließe ihm überall freie Hand, wo er amerikanische Interessen, die er sehr viel enger definiert als seine Vorgänger, nicht betroffen sieht.
Ganz anders Hillary Clinton. Viel stärker als der außenpolitisch impotente Obama verkörpert sie die verlässliche Schutzherrin der westlichen Welt, die sich im Zweifelsfall nicht scheuen würde, diese Aufgabe auch militärisch wahrzunehmen. Mit ihrem Einsatz für Flugverbotszonen in Syrien riskiert sie einen Konflikt mit Putin. Sie ist für eine Freihandelszone mit Europa und steht für die aktive Führungsrolle Amerikas in der Weltpolitik.
Das erklärt, warum ein überzeugter Transatlantiker wie ich für Clinton ist. Es erklärt aber nicht, warum die linksliberale Elite geschlossen an der Seite jener Kandidatin steht, die mit Ausnahme der Klimapolitik in allen für Europa relevanten Belangen genau jene Politik verkörpert, für die ebendiese Elite die USA bei jeder Gelegenheit verurteilt.
In der postfaktischen Ära geht es nicht mehr um die tatsächlichen Folgen amerikanischer Politik für Europa, sondern um die wohlige Gewissheit auf der richtigen Seite zu stehen. Und die ist im Zweifel immer links.
Wahrscheinlich wissen wir morgen, wer die westliche Welt in den kommenden vier Jahren anführen wird. Und wahrscheinlich wird das Hillary Clinton sein.
Be careful what you wish for. You just might get it.

17 comments

  1. MM

    Im Gegensatz zu Clinton und Obama würde Trump vermutlich aufhören, die “moderaten Rebellen” in Syrien und sonst wo zu unterstützen. Das betrifft uns durchaus ziemlich direkt. Außerdem gibt es bei den Republikanern auch eher die Bereitschaft die Allianzen an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen anstatt im Schema des Kalten Krieges zu denken. Bei aller berechtigten Kritik an Russland ist es unsinnig, Russland als Feind zu betrachten, wenn gleichzeitig Saudi Arabien, Pakistan und die Türkei “Freunde” sind.

  2. Fragolin

    Jaja, liebe Hillary-Cheerleader, morgen wird eure große Göttin endlich die Welt retten und ihr könnt euch wochenlang tränenfeucht in den Armen liegen, dass ihr den satanischen Trump nicht ertragen müsst. Haltet euch gut fest, denn falls die Geschichte mit Putin schief geht, besteht die reale Gefahr, dass wir nicht nur die Kastanien samt ein paar Millionen Arabern und Afrikanern aus dem Feuer geholt bekommen, sondern auch ein paar neue Sonnen dazu. Aber was ist schon eine Atomkriegsgefahr, wenn sie doch so toll für TTIP ist, und das ist ja nun was ganz doll Gutes, auch wenn bis jetzt keiner der Jubelperser über CETA und TTIP mehr sagen konnte, als dass Freihandel an sich eben was ganz Obersupergutes ist und die restlichen 1500 Seiten eh nicht so wichtig wären und das, was da drin stehen könnte, komplett überbewertet wird.
    Trump würde sich nur um die USA kümmern aber nicht um uns – herrje, wo kommen wir denn da hin, wenn uns keiner mehr beschützt? (Lösungsvorschlag: Jagen wir die Kriegstreiber und Zündler von Brüssel ins Mittelmeer und schotten dann die Südküste ab – dazu brauchen wir keine Amerikaner sondern einfach nur Eier.)

  3. Selbstdenker

    @Thomas Eppinger:
    Bei dieser Wahl geht es um mehrere fundamentale Richtungsentscheidungen, die alle erhebliche Auswirkungen auf Europa haben werden. Mit Hillary Clinton im Präsidentenamt werden jene Prozesse, die den Westen zerstören, erst so richtig Fahrt aufnehmen:

    Weitere Aufwertung vom dogmatischen Genderismus, Multikulturalismus und Klima-Alarmismus an US-Universitäten als Inkubator gesellschaftszersetzender Strömungen im Westen. Je mehr der Westen davon befallen wird, desto mehr wird er gehasst und angegriffen werden.

    Eine unumkehrbare Transformation des Westens durch den Import der Dritten Welt auf allen Ebenen; deutlich erkennbar am Wegbrechen der Rechtstaatlichkeit, islamistischen Anschlägen, ethnischen Unruhen, angekündigten Beschränkungen bislang konstitutionell garantierter Freiheitsrechte, absinkender Wettbewerbsfähigkeit, ausufernden Schuldenexzessen, etc.

    Eine völlig unnötige Provokation und direkte Konfrontation mit Russland, die sich bis hin zum Dritten Weltkrieg auswachsen könnte. Hier sei auf das Desaster, das die Politik von Hillary Clinton rund um Europa bewirkt hat, hingewiesen: Sturz von Muammar al-Gaddafi, die Unterstützung der Muslimbrüder in Ägypten, die direkte und indirekte Unterstützung vom IS, die als “Arabischer Frühling” bezeichnete Brandstiftung im Arabischen Bogen, etc.

    Hillary Clinton ist eine größenwahnsinnige, pathologische Lügnerin, die für ihren Ego- und Machtkick bereit ist, den gesamten Westen über die Klippe zu stoßen. Herr Trump würde bei politischen Fehlern sofort auf Opposition stoßen, während man diese bei Frau Hillary runterspielt, schönredet oder sogar bejubelt.

    Für die neoprogressiven Spinner wäre sogar Hitler rehabilitiert, wenn er sich – ähnlich wie Bruce William Jenner – einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hätte.

    Wenn Hillary gewinnt, werden sich viele in Europa Putin zuwenden. Meine Phantasie hätte sogar vor zehn Jahren nie soweit gereicht, dass Russland irgendwann zum Stabilitätsfaktor wird, während die USA an allen Ecken und Enden der Welt Brände legen.

    PS: Ich bewundere Ihren Mut, dass Sie sich öffentlich als überzeugten Transatlantiker outen. Das ließe sich nur noch steigern, wenn Sie sich auch noch als Neocon bezeichnen würden.

  4. sokrates9

    Wenn Trump die US – Militärausgaben um 20% kürzen würde, könnte er das Land schön sanieren! Bei der Marionette Clinton besteht die Gefahr dass die Ausgaben um 2ß0% erhöht werden!

  5. Kluftinger

    Wenn Hillary so “professionell”vorgeht wie in Libyen dann gute Nacht Europa. Ein zweites mal werden F und GB sich nicht mehr in ein derartiges Szenarium begeben? So weit zur “verlässlichen Schutzherrin” für Europa.
    Diese Dame hat zwar Erfahrung, aber wie Tucholsky schon sagte ” Erfahrung ist nichts, man kann Dinge auch 35 Jahre lang falsch machen”.

  6. mariuslupus

    Der Autor hat eine eurozentrische Perspektive auf die Wahlen in den USA offenbart, angereichert mit der üblichen Portion von Wunschdenken. Der Autor vergisst, bzw. übergeht grosszügig, dass die Wahlen für die amerikanischen Wähler eine Entscheidung zwischen einer korrupten und verbrauchten politischen “Elite” die sich an die Macht klammert, und einen Versuch einer Erneuerung, sind.
    @Selbstdenker
    Voll einverstanden. Ausserdem besteht die berechtigte Aussicht, dass die Position der gewählten Präsidentin durch die weiteren Enthüllungen geschwächt wird. In diesen Falle würde, die geschwächte Clinton, versuchen aussenpolitisch Stärke zu zeigen und die Konfrontation mit Russland suchen.
    Noch Ergänzung, Konstelation Trump und Putin, ist auf jeden Fall der Alternative Clinton gegen Putin, vorzuziehen.Wer versucht Russland zu bedrohen und kleinzuhalten, fördert bewusst den Abwehrreflex von Putin.

  7. Herzberg

    Das erklärt, warum ein überzeugter Transatlantiker wie ich für Clinton ist. Es erklärt aber nicht, warum die linksliberale Elite geschlossen an der Seite jener Kandidatin steht

    It’s the establishment, stupid.

    Für Libertäre ebenso wie für Linke mit Restverstand, ist die Messaliance zwischen politischer Verdrecktheit und interessenszentrierter Kriegsgeilheit so leicht dechiffrierbar wie eine schweizer Kirchturmuhr. Bloß darf man dafür nicht gleich einem nützlichen Idioten mit der Nase dran kleben oder Zeitangaben vorzugsweise aus transatlantischen Postillien beziehen.

    Jeb versus Hillary respektive Pepsi gegen Cola als letzlich abgesagtes Traum-Endspiel in den USA, nahtlos ineinander übergehende Blockparteien in der BRD, eine weltweite Medienlandschaft, die in bestimmten Belangen ausnahmlos Identes orgelt — und dann säuselt doch glatt jemand: “Es erklärt aber nicht”. Süß!
    Im Film “Matrix” mußten die Protagonisten zwecks Durchblickes noch Pillen einwerfen, im realen Leben reicht ein einfaches Augenöffnen plus die Bereitschaft zum Eingeständnis, einer gewaltigen Truman-Show auf den Leim gegangen zu sein.

  8. Thomas Eppinger

    @Selbstdenker
    Sie liegen nicht ganz verkehrt. Ich schätzte Wolfowitz. Und Daniel Pipes lese ich heute noch gern.
    Ansonsten halte nichts von den rechts/links Zuschreibungen, aber wenn man schon ein Kasterl braucht, finde ich das in Amerika populäre gewordene Koordinatensystem (x-Achse links/rechts, y-Achse kommunitaristisch/libertär) sehr viel aussagekräftiger. Ich selbst lande bei solchen Tests immer ganz weit unten (liberal) Mitte rechts. Womit ich ganz gut leben kann.

  9. Thomas Holzer

    faszinierend!
    Der ORF ist um 03.15h am anscheinend besser informiert als CNN 🙂
    Wahlmänner zu diesem Zeitpunkt lt. CNN
    128 Trump, 97 Clinton
    lt. ORF
    130 Trump, 104 Clinton

    Daher: Erhöhung der Zwangsabgaben, mit diesem Wissensvorsprung durchaus gerechtfertigt 😉

  10. Herzberg

    @Thomas Eppinger

    Sie liegen nicht ganz verkehrt. Ich schätzte Wolfowitz.

    In Mediendemokraturen sind boots on the ground ohne zuvor schuftende monkeys on typewriters schwerlich umsetzbar, weshalb die Wertschätzung sicherlich erwidert wird.

    Ansonsten halte nichts von den rechts/links Zuschreibungen

    Und dann im O-Ton Bauklötze staunen über die erotische Anziehungskraft einer Clinton auf die linksliberale Elite, Hauptsache, man hat sich irgendwo lebenswert verkastelt. Das ist Kabarret vom Feinsten.

  11. mariuslupus

    @Thomas Eppinger
    Es könnte sich ausgehen, dass sich die aussenpolitischen Voraussagen erfüllen könnten. Der gewählte President wird nicht für die Europäer die Maroni aus dem Feuer retten und er könnte Putin freie Hand lassen. Eigentlich eine positive Perspektive. Die Europäer sollen lernen mit ihren Problemen selbständig fertig zu werden und sich nicht nach den Amerikanern als trouble shooter zu rufen. Russland sollte als eigentlicher Partner von Europa behandelt werden und nicht als der bedrohliche urs ante portas.
    Die Chance besteht, dass es zu einer Veränderung kommt. Aber, das Blatt könnte sich zu Gunsten des Imperiums, der dunklen Seite der Macht, wenden.

  12. Leitwolf22

    Man muss das mal aus Sicht Frau Merkels betrachten: Trump auf der einen Seite, Putin auf der andere, GB scheidet aus der EU aus, in Frankreich wartet Sarkozy/Juppe/Le Pen. In der Schweiz dominiert die SVP, in Ö wohl die FPÖ (und ihre vorrangetriebenen SPÖ und ÖVP)…

    Ja, es wird einsam….

  13. Selbstdenker

    Aktuell stehts 244 (Trump) zu 215 (Clinton) bei 270 notwendigen.
    http://www.politico.com/
    Meine Einschätzung: Pennsylvania (20), Michigan (16) und Arizona gehen (11) gehen an Trump.

    (Die Briefkarten und die Stimmen aus den Altersheimen wurden wohl noch nicht ausgezählt).

  14. Reini

    … lag nicht Frau Clinton lt. den Umfragen vor der Wahl in Führung,…
    … wieder ein Beispiel, dass die Menschen mit falschen Umfragewerten der verlogenen, von den Parteien geführten und bezahlten (mit Steuergeld) Medien vor den Wahlen beeinflusst werden!
    … bin schon gespannt wie der ORF für VdB die Umfragewerte aussehen! …
    … und aus Amerika wird viel eingebürgert und übernommen, eines Tages kommt auch ein “Trump” in Europa und wird eine Mauer herum bauen!

  15. sokrates9

    Wandern die Staatskünstler von Hollywood jetzt nach Österreich aus? – Wäre neue Flüchtlingswelle! Oder zieht es alle Linken nach Venezuela??

  16. mariuslupus

    @Selbstdenker
    254 zu 218 – Fox News.
    @Reini
    Problem mit Umfragen, Anhänger der Eliten befragen andere Anhänger der Eliten und bekommen das erwünschte Ergebnis für das sie bezahlt werden. Ein arbeitsloser Stahlarbeiter wird sich auf eine Diskussion mit Befragern gar nicht einlassen. Geht wählen. Und wählt Trump.

  17. Fragolin

    @Reini
    Menschen, die von den Medien belogen werden, sehen keinen Grund, denen gegenüber die Wahrheit zu sagen. Damit sind die Umfragen einen Dreck wert. Positiver Nebeneffekt: Es hört sich irgendwann auf, weil sich die Medien lächerlich machen.

    @sokrates9
    Nach den ersten Ergebnissen, die Trumps Vorsprung deutlich machten, fiel der Server der kanadischen Einwanderungsbehörde wegen Überlastung aus. Alles jene Amerikaner, die Trump für hysterisch und aufbrausend halten…

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