Verweichlicht, entmündigt und verzwergt

(CHRISTIAN ORTNER) Die „allgemeine Sozialdemokratisierung in den vergangenen Jahrzehnten“, so formulierte es jüngst der deutsche Wirtschaftspublizist Stefan Baron, „hat große Teile unseres Volkes anscheinend derart verweichlicht und entmündigt, dass sie zu mutigen Entscheidungen gar nicht mehr in der Lage sind. Ein Staat, der seine Menschen zu Zwergen macht, und sei es zu einem guten Zweck, wird eines Tages feststellen, dass sich mit kleinen Menschen keine großen Dinge erreichen lassen.“

Da ist einiges dran, auch wenn dieser stahlharte Tonfall gerade in Österreich nicht gern gehört wird, wo man ja im Allgemeinen eher davon überzeugt ist, das vom gütigen Nanny-Staat verwaltete Zwergendasein sei eine erstrebenswerte Lebensform, wohingegen all jenen, die sich einbilden, „große Dinge“ erreichen zu wollen, eine nicht geringe Portion Misstrauensvorschuss entgegengebracht wird.

Wie sehr Barons Diagnose vom „verweichlichten und entmündigten“ Bürger, der in der Folge zwangsläufig verzwergt, zutrifft, hat sich in allen großen Krisen der jüngeren Vergangenheit auf dramatische Weise gezeigt.

Das trifft auf die Weltwirtschaftskrise der Jahre 2008 ff. genauso zu wie auf die darauffolgenden Euro- und Griechenland-Krisen, auf die von der jüngsten Völkerwanderung ausgelöste soziale und politische Krise in Europa und auf die im Gefolge des törichten Arabischen Frühlings verursachte Katastrophe in Nordafrika und dem Nahen Osten, samt dem Entstehen des Islamischen Staates.

Bei all diesen und vielen anderen kleineren Krisen auch reagierten die europäischen Wohlfahrtsstaaten nach dem immer gleichen Muster. Oberste Maxime des politischen Krisenmanagements war immer, die Bevölkerung – präziser: den Wähler – selbst dann vor unangenehmen und schmerzhaften Maßnahmen zu bewahren, wenn diese zur Überwindung der jeweiligen Krise dringend notwendig gewesen wären. In all diesen Krisen hat die politische Klasse Schmerzstiller und Valium ausgeteilt, wenn eine schmerzhafte Operation notwendig gewesen wäre.

Etwa im Gefolge der Wirtschaftskrise, in der zur Vermeidung einer kurzen, unangenehmen Anpassungsrezession nach den Schuldenexzessen Schulden mit neuen Schulden und irrsinnigen Mengen frisch gedruckten Geldes bekämpft worden sind; was mit hoher Wahrscheinlichkeit früher oder später in der nächsten Krise enden muss.

Etwa im Zuge der massenhaften Migrationsbewegung dieses Jahres in den Kern Europas, bei der die im EU-Recht festgelegte Sicherung der Außengrenze fahrlässig ignoriert wurde und zum Teil noch immer wird. Und zwar vor allem aus einem Grund: weil Europäer jene unschönen Fotos und Videos, die an einer robust gegen illegale Einwanderung gesicherten Grenze entstünden, nicht ertragen wollen.

Oder etwa auch im Kampf gegen den Islamischen Staat und seinen gegen Europa gerichteten Terror, bei dem schon allein die Vorstellung von allenfalls in Särgen heimkehrenden europäischen Soldaten jeden ernsthaften Kampf gegen das „Kalifat“ am Boden verunmöglicht.

Es ist immer das gleiche Muster. Schmerzhafte, aber wirksame Therapien sind den verzwergten und weichgespülten Insassen der europäischen Wohlfahrtsvolksheime nicht mehr zumutbar, also betätigt sich die politische Klasse als Beruhigungsmittel-Ausgabestelle. Zur Torheit der Regierenden, wie die Historikerin Barbara Tuchman das genannt hat, gesellt sich die „Torheit der Regierten“, das Ergebnis ist laufend in den Nachrichten zu sehen, wenn man einen guten Magen hat.

Interessant wird es sein zu beobachten, wie derartige Gesellschaften reagieren werden, wenn einmal wirklich schmerzhafte Operationen, seien sie ökonomischer, militärischer oder sozialer Art, sozusagen alternativlos werden, weil auch Valium und Schmerzmittel nicht mehr wirken; was leider nicht wirklich ausgeschlossen werden kann. Für die sedierten Bewohner der europäischen Komfort-Kokons auf Pump könnte das ein eher schmerzhaftes Erlebnis werden (“Presse“)

12 comments

  1. frustrierter Bürger

    Sehr geehrter Herr Ortner!
    Ihr gestriger Beitrag in der WZ “Laßt uns doch endlich mal in Ruhe!” wäre m. M. nach ein Denkansatz für Interessierte. Da wird nicht nur mir als ehemals selbständig Erwerbstätigen, heute aber gottseidank nur mehr selbständig Denkenden klar, wie tief uns die nationale und internationale Politik mit verhaltensauffälligen Dilettanten , bzw. Alkoholikern an der Spitze und Heeren von gutmenschlichen Gouvernanten hineingeritten haben! – Davonlaufen, oder … ?

  2. Lisa

    Ich habe den Artikel auch gelesen und kann das nur bestätigen. Einfach in Ruhe lassen – das bewährt sich ja sogar in “Entwicklungsländern” (p.c.?), wo Minikredite an Frauen vergeben werden und fast jede ein kleines “biznis” aufbaut, sich slebst, ihrer Famioie und der Gemienschaft hilft. Es wird kaum kontrolliert, wie sie das machen, solange die GEschäfte florieren und einige Regeln respektiert werden. Grossunternehmen sind das zwar nciht, aber im Vergelich zur übrigen Bevölkerung würde ich das mittelständisch nennnen.

  3. sokrates9

    Der Teufelskreis liegt darin, dass Zwerge Zwergenpolitiker wählen, weil die Ihnen eine schöne Zwergenwelt versprechen! .. Der Ruf nach dem “starken Mann” ist ja ziemlich danebengegangen…

  4. Josephus

    Schön,
    dass es ORTNER ONLINE gibt, und schön, dass ich es endlich gefunden habe.
    Verweichlicht, entmündigt und verzwergt, das ist auch mein Befund.
    Genau so empfand ich, als ich vor einiger Zeit in den VN das Bild einer 19-jährigen mit ihrem ca. 1-jährigen Kind auf dem Arm abgebildet sah (Rubrik – Was meinen Sie zum Neuen Jahr (oder so ungefähr)?

    Für sie als allein erziehende Mutter sei es schwer, eine schöne Wohnung zu bekommen.
    Da wusste ich alles. Und ich dachte genau das, was der Herr Ortner hier schreibt: Verweichlicht, entmündigt, statt verzwergt dachte ich ohne Eigenverantwortung, Vorstufe der Verzwergung, wie ich jetzt weiß.
    Und die Urheberschaft ortete ich ebenfalls bei der Sozialdemokratie, welche seit Jahren diesbezüglich von der abgehobenen grünen Spießergesellschaft noch übertroffen wird.

  5. Mona Rieboldt

    Eine Bodenoffensive mit europäischen Soldaten gegen den IS scheitert schon daran, dass es nicht genug junge Männer gibt, die man in einem solchen Krieg verheizen kann. Darüber hinaus wären sie der Brutalität des IS nicht gewachsen. Da müssten sie schon die frühere SS dafür nehmen.

    In Deutschland werden die vielen jungen Männer aus Syrien und Nordafrika gehätschelt mit halal-Essen und Geld. Warum bitte kämpfen die nicht gegen den IS? Es wäre schön, würde gefordert, dass diese jungen Männer zurück gehen und als Bodentruppen dort kämpfen. Vor allem haben Araber einen Überschuß an Geburten, der zur Zeit nach Europa entsorgt wird.

    Dazu kommt, Kampf gegen den IS, aber Freundschaft mit Saudi-Arabien, die sich kaum vom IS unterscheiden, was Kreuzigungen, Kopf abschlagen und Auspeitschungen angeht.

  6. Thomas Holzer

    @Mona Rieboldt
    Eine Bodenoffensive des “Westens” gegen den IS wäre der politische “Supergau” für uns alle; ich hoffe, “unsere” Politikerdarsteller nehmen davon Abstand

  7. Mona Rieboldt

    @Thomas Holzer
    Ich kann mich noch gut an die Kriegsrhetorik von Journalisten erinnern, als es gegen Russland gehen sollte. Jetzt zu fordern, europäische Soldaten sollten gegen den IS mit Bodentruppen kämpfen, gleichzeitig aber Erdogan freie Hand lassen, gegen die Kurden vorzugehen, die Einzigen, die tatsächlich am Boden gegen den IS kämpfen, ist mehr als eigenartig.
    Die vielen jungen arabischen Männer sollten selbst dort kämpfen, die es sich hier gut gehen lassen.

    Deutsche Soldaten sind dazu da, deutsche Grenzen zu schützen. Das ist aber politisch nicht gewollt, offenbar sind noch nicht genug Araber hier, jetzt kommen sie schon aus Algerien und Marokko nach Deutschland. Aber schön, dass Österreich an der Seite Deutschlands steht und auch offene Grenzen hat für alle Asylanten 😉

  8. Plan B

    Nur der Ordnung halber:

    Der Satz,
    = Ein Staat, der seine Menschen zu Zwergen macht, und sei es zu einem guten Zweck, wird eines Tages feststellen, dass sich mit kleinen Menschen keine großen Dinge erreichen lassen. =,
    stammt von John Stuart Mill.

    Ansonsten: Wir erleben die *Ausweitung der Kampfzone* – Houellebecq wird als Prophet in die Geschichte eingehen.

  9. mariuslupus

    Dass es die schlimmen Bilder von der EU Aussengrenze hätte geben können behauptet die regierende Politikerkaste. Jetzt ist die Politikerkaste zufrieden dass es die Bilder nicht gegeben hat und die, das Problem verursachenden Politikerinen, sind mit sich selbst höchst zufrieden.
    Die Bilder wären auch bei einen Vorgehen dass Australien gewählt hat, nicht entstanden. Australien hat gezeigt dass es bereit ist seine Grenzen zu schützen. Viktor Orban hat ein ähnliches Vorgehen gewählt, wird dafür angepöbelt, aber in Budapest hat es keine arabischen Gewaltexzesse gegeben.
    Die Politikerinenkaste ist ungebildet, si vis pacem, para bellum, kennen sie nicht. Und würden sie es kennen, wäre davon ihr Handeln unbeeinflusst. Merkel wollte diese Invasion und hat sie aus allen Kräften gefördert und fördert sie noch immer. Eine Ideologie ist stärker als jede Ratio. Und ihren hauseigenen Zwergen kann sie ihre Ideologie auftischen, sie wird akzeptiert.
    Nur ein Gedankenspiel: Angela Merkel beschlliesst dass die sogenannten Flüchtlinge sich auf deutschen Staatsgebiet illegal aufhalten, und sie verfügt die Ausschafung. Die öffentliche Meinung der Untertanen würde sofort umschlagen, die Staatsgewalt würde durchgreifen, die Transpotkapazitäten wären kein Problem. Die paar Querulanten würden bald aufhören zu querulieren. Ein Obrigkeitsstaat, Frau Merkel bestimmt, die Zwerge laufen hinterher.

  10. Thomas Holzer

    @Mona Rieboldt
    Im österreichischem “Der (Sub)Standard” wird auf dessen Website heute berichtigt, daß die deutsche Bundesregierung 2016 zumindest 1 Million “Flüchtlinge” erwartet 😉

  11. Fragolin

    @mariuslupus
    Es gibt die schlimmen Bilder von der EU-Außengrenze.
    Frage: Wieviele Menschen versuchen eine Überfahrt über das Mittelmeer, wenn sie kurz hinter der Küste bereits aufgefischt und sofort an Land zurückgebracht werden? Wie viele Menschen versuchen es, wenn Asylrecht nach Genfer Konvention angewendet und 99% der Leute schlicht sofort zurückgeschickt werden? Und wenn es, wie zu vermuten ist, mangels Anreiz fast keiner mehr versucht – wie viele Menschen ersaufen dann jämmerlich? Bis jetzt waren es mehrere Tausend.
    Was es bei einem Vorgehen wie dem Australiens auch nicht gegeben hätte wären die ertrunkenen Kinder, die von “Flüchtlingen” über Bord geworfenen Christen – und die in Köln und an hunderten anderen Orten auch angegriffenen Frauen und Kinder. Für all das, und für all die Grauslichkeiten die noch kommen werden, tragen Menschen wie Merkel und Faymann die volle Verantwortung. Ich bin mir nicht sicher, ob denen klar ist, was in kommenden Geschichtsbüchern über sie stehen wird. Es wird auf keinen Fall etwas Schmeichelndes sein.
    Was ihr Gedankenspiel betrifft: Vielleicht hat man Köln auch bewusst passieren lassen? Immerhin können jetzt Diskussionen geführt werden und Parolen ausgegeben, die bis vor zwei Wochen noch als rechtsnationale und rassistische Hetze gegolten haben. Und wie man gestern bei der Pegida-Demo gesehen hat ist der Staat sehr wohl in der LAge in kürzester Zeit mehrere Hundertschaften zu mobilisieren und mit Tränengas, Wasserwerfern und Schlagstöcken Zivilisten zu massakrieren, zumindest, so lange es Deutsche sind und sie nicht aus der linksautonomen Szene stammen.
    Was man gestern und in den letzten Wochen aber sehr schön erkennen konnte war, dass man sich keinen Illusionen hingeben sollte, auf wessen Befehl hin die Staatsgewalt handelt und gegen wen sie bereit ist, zur Not auch mit Brutalität vorzugehen. Eine solchen Hundertschaften die Invasorensammelpunkte umstellen lassen und dann jeden auf geklaute Handys durchfilzen und Täter herausfischen, das geht doch nicht, aber Leute, die gegen die laxe Zerstörung des Rechtsraumes auf die Straße gehen heimwärts knüppeln, das ist OK. Von dieser Polizei ist den Deutschen keine Hilfe zu erwarten. Und ich erwarte hier in Österreich nichts anderes.

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