Verzwickte Flüchtlingsarithmetik

Von | 17. Dezember 2015

(MARTIN VOTZI)  Unser geschätzter Bundeskanzler mag sich nicht mehr mit den Niederungen der österreichischen Innenpolitik herumschlagen.
Daher hat er sich „die große Weltpolitik“ als neues Hobby auserkoren. So ist er für die Koordination der Operationalisierung des Abkommens zwischen EU und der Türkei zuständig. Und soweit man das jetzt schon sagen kann, macht er das wirklich nicht schlechter als seinen Job als Bundeskanzler in Österreich.
Nun hat er angekündigt, dass die EU (oder eher nur ein Teil davon) nächstes Jahr ein Kontingent von 40 bis 50 Tausend Flüchtlingen direkt aus der Türkei zu übernehmen bereit wäre, wenn, ja wenn die Türkei brav ihnen Job macht, nur noch „sehr wenige“ Migranten in die EU weiterreisen zu lassen.
Klingt im ersten Moment gut, statt mehr als 1 Million im aktuellen Jahr kommen 2016 nur mehr 50 Tausend Migranten aus der Türkei. Aber kann das auch funktionieren? Ziemlich sicher nicht, denn was passiert dann mit dem Rest auf 1 Million. Bleiben die dann einfach in türkischen Flüchtlingslagern, die ja auch erst errichtet werden müssten, zusätzlich zu den schon jetzt ca. 2 Millionen Flüchtlingen?
Halt, die EU hat ja der Türkei 3 Milliarden für Flüchtlingskosten zugesagt. Da sollte eine zusätzliche Million an Menschen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und Pakistan keine Rolle spielen. Aber selbst wenn man diese 3 Milliarden nur auf 1 Million Flüchtlinge aufteilt, dann sind das gerade mal 3.000 € je Flüchtling. Nicht unbedingt sehr viel, um für einen Flüchtling für 1 Jahr Unterkunft, Verköstigung, Gesundheitsversorgung und vieles mehr bereit zu stellen.
Oder wird die Türkei vielleicht kaum noch mehr Flüchtlinge ins Land lassen, vielleicht in Schnellverfahren prüfen, ob ein Asylanspruch vorliegen könnte oder die Grenzen einfach dicht machen? In diesem Fall hätte die EU die Drecksarbeit – eine neue Art von Outsourcing – ausgelagert und müsste sich nicht die Finger selbst schmutzig machen.
Werner Faymann hat für heute Abend die „Koalition der Willigen“, zu der natürlich auch Österreich gehört, zu einem Gespräch in Brüssel eingeladen. Ich bin mir sicher, er wird sich dort wohler fühlen als in der österreichischen Regierung. Es sei ihm vergönnt, aber sollte er uns Österreicher nicht mal fragen, welche Flüchtlingspolitik wir wünschen.
Auf Sebastian Kurz ist Verlass. Kaum macht der Kanzler oder die SPÖ einen neuen Vorschlag zur Flüchtlingskrise, kontert er fast ohne Verzögerung. Für die Aufnahme von Flüchtlingen aus der Türkei sieht er kurzfristig keine Chance. Die akute Überforderung der „willigen“ EU-Länder sei im Moment zu groß. Hoffentlich verdirbt er damit nicht unserem Kanzler den schönen Abend unter Gleichgesinnten.
Aber vielleicht ist diese Diskussion ohnehin nur akademisch, denn was von EU-Beschlüssen zu halten ist, sieht man am Umsiedlungsprogramm von 160.000 Flüchtlingen aus Griechenland und Italien.
Wenn man bis dato nur 184 Flüchtlinge, das ist knapp mehr als 1 Promille, umverteilt hat, dann kann man dieses Programm nur als gescheitert betrachten. Schweden, das noch zu den „Willigen“ gezählt wird, hat bereits angemeldet, dass es auch gerne Flüchtlinge abgeben würde. Endgültig kabarettreif wird es aber, wenn unser Herr Bundeskanzler dem Vorschlag des luxemburgischen Außenministers folgt, die 50.000 Flüchtlinge aus der Türkei vom EU-internen Umsiedlungsprogramm abzuziehen.
184 – 50.000? Das kann sich ja nicht ausgehen.

13 Gedanken zu „Verzwickte Flüchtlingsarithmetik

  1. Thomas Holzer

    @Votzi

    Sie unterschätzen “unseren” Bundestaxler 😉
    Wenn er erst mal auf der EU-Ebene, noch dazu als Führer der Willigen, werkeln darf, wird sein politisches Talent erst sichtbar und von Erfolg gekrönt werden……

  2. Ch.

    @Th.H.
    Nun, ein gewisses politisches Talent scheint er ja zweifelsohne zu haben, sonst hätte er es nicht zwei Mal in Folge zum Bundestaxler gebracht und hielte sich noch immer an der Position. Oder ist sein politisches Talent relativ zu seinem Umfeld zu sehen, nach dem Motto: unter den Blinden ist der Einäugige König?

  3. Fragolin

    @Ch.
    In vielen Firmen und eigentlich allen geschützten Werkstätten kommt nicht der nach oben, der das größte Fachwissen oder die ambitionierteste Leistungseinstellung hat sondern der, der am geschicktesten intrigieren, paktieren und “Radlfahren” (also nach oben buckeln und nach unten treten) kann.
    Das erklärt das Bild, das unsere Obertanenmafia täglich bietet.

  4. Thomas Holzer

    @Ch.
    Ihr letzter Satz bringt es auf den Punkt; hinzu kommt noch viel, sehr viel Steuergeld, welches sein mastermind, auch Ostermayer genannt, im Sinne des Machterhaltes verschleudert

  5. Christian Peter

    Völlig irre. Nach einer aktuellen Studie kommt es 30 x teurer, Flüchtlinge aus dem Nahen Osten umzusiedeln, als in einem sicheren Nachbarland zu versorgen. Sehr viel vernünftiger und auch moralischer wäre es, allen Flüchtlingen Hilfe zukommen zu lassen und das Geld vor Ort zu investieren.

  6. Thomas Holzer

    Man sehe sich “Weltjournal +” von gestern an…………da komme mir noch einer und behaupte, die flüchten alle……..dieses ganze verbrämte Gefasel “unserer” Politikerdarsteller ist nur noch hochnotpeinlich.
    @CP
    Vollkommen richtig; insofern könnte man wirklich dem Gedanken verfallen, dies alles sei absichtlich herbeigeführt…………

  7. Falke

    Genauso kabarettreif ist seine “Drohung”, den unwilligen “Oststaaten” die EU-Mittel zu kürzen. Er tut so, als ob er allein das entscheiden könnte; ganz abgesehen davon, dass das nach den derzeitigen EU-Regeln gar nicht möglich ist. Aber offenbar fühlt er sich plötzlich – endlich! – wichtig und in der EU ernst genommen.

  8. Reini

    2013 waren es noch 500 Flüchtlinge die Eingeflogen werden sollten – 2016 sind es lt. Faymann 50.000 …. also lt. dieser Hochrechnung wären es 2019 …. 5.000.000 … könnt sich knapp ausgehen! …

  9. sokrates9

    Von 50 Flüchtlingen rechnet man damit dass einer einen Job bekommt! Was passiert mit den anderen? Mindestsicherungsempfänger? Wie viel Jobs werden die nachgeholten Familienangehörigen bekomme? ( Bitte Promillerechner einschalten?) . Wie lange braucht ein afghanischer Analphabet – sagen wir mit 22 – bis er Volksschul/ NMS – Abschluss hat? Weniger als 9 Jahre?. Dann kann er mit 30 sich als Hilfsarbeiter wo bewerben ! Fazit: Parallelkulturen sind nicht zu vermeiden! Das Potential für Terroristen wächst!

  10. Thomas Holzer

    Karl Aiginger: neue Wortkreation: “Flüchtlingsmigration”, welche mehr Staatseinnahmen bringt….

    Wo hat dieser Mann studiert?!

  11. Fragolin

    @Thomas Holzer
    Abgesehen davon, dass der Gebrauch und die Kreation von Worten des Intellektüllen aus der geschützten Werkstatt Ding nicht ist, hat er in einem Punkte wohl Recht: Die Flüchtilanten spülen haufenweise Geld in die Staatskasse; allein durch ihren markenbewussten Konsum und dann noch durch Mehreinnahmen aus unweigerlich steigenden Steuern bei den Kuffar und Dhimmi. Dass sie ein Vielfaches davon wieder herausspülen, steht ja auf einem anderen Blatt. Wir werden ja nicht belogen sondern nur mit teilamputierter Wahrheit versorgt.

  12. Thomas Holzer

    @Fragolin
    Das nennt man wohl landläufig: Umwegsrentabilität
    Fragt sich nur, für den das rentabel ist, außer für “unsere Neubürger” 😉

  13. mariuslupus

    Aber er wird es allen zeigen was für ein “klassa Bursch” er ist. Die Rebellen aus dem östlichen Teil des Kontinents fürchten sich schon vor seiner eisernen Faust. Wetten, Orban, Zeman, Kaczynski haben den gleichen Albtraum – es erscheint der Ritter Werner in roter Rüstung und bestraft sie für ihre Insubordination.

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