Vom bösen Russen

“….Festzuhalten ist, dass Putin nicht Russland ist, sondern ein ehemaliger KGB-Spion und Profiteur des Machttriebs einiger Geheimdienstler und Oligarchen. Russland ist eine Kulturnation, in der viele Bürger Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Meinungsfreiheit einfordern….”  (Kluger Essay in der NZZ)

10 comments

  1. Riso

    Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Meinungsfreiheit werden nur von der verschwindend kleinen liberalen Elite in Moskau und St. Petersburg gefordert. Die breite Masse will Stabilität und Sicherheit.

  2. Thomas Holzer

    Demokratie steht Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit diametral entgegen.

    Auch tagtägliche Wiederholungen -auch in Schweizer Medien- werden diesen Widerspruch nicht
    auflösen.

  3. Thomas F.

    So wie alles gelogen ist, was aus Richtung Kreml kommt, so sind es wohl auch die 80% Zustimmung für Putin in der russischen Bevölkerung. Aber eine deutliche Mehrheit dürfte es scheinbar doch sein, und das ist das allererschreckendste an der Situation.
    Gerade jetzt würde es der “Kulturnation” gut zu Gesichte stehen zu demonstrieren und “Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Meinungsfreiheit” einzufordern.

  4. gms

    Wir haben Ihr Land immer als ein bedeutendes Zentrum der europäischen und der Weltkultur behandelt, für deren Entwicklung auch Russland viel geleistet hat. Kultur hat nie Grenzen gekannt. Kultur war immer unser gemeinsames Gut und hat die Völker verbunden.
    Heute erlaube ich mir die Kühnheit, einen großen Teil meiner Ansprache in der Sprache von Goethe, Schiller und Kant, in der deutschen Sprache, zu halten. [..]
    “Zwischen Russland und Amerika liegen Ozeane. Zwischen Russland und Deutschland liegt die große Geschichte.” – Das schrieb der deutsche Historiker Michael Stürmer. – Ich möchte dazu feststellen, dass die Geschichte genauso wie die Ozeane nicht nur trennt, sondern auch verbindet. [..]
    Wir sind natürlich am Anfang des Aufbaus einer demokratischen Gesellschaft und einer Marktwirtschaft. Auf diesem Wege haben wir viele Hürden und Hindernisse zu überwinden. Aber abgesehen von den objektiven Problemen und trotz mancher – ganz aufrichtig und ehrlich gesagt – Ungeschicktheit schlägt unter allem das starke und lebendige Herz Russlands, welches für eine vollwertige Zusammenarbeit und Partnerschaft geöffnet ist. Ich bedanke mich.

    bundestag.de/kulturundgeschichte/geschichte/gastredner/putin/putin_wort/244966

  5. Rennziege

    31. Juli 2014 – 13:56 Thomas F.
    ” … gut zu Gesichte stehen, zu demonstrieren und “Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Meinungsfreiheit einzufordern. – See more at: https://www.ortneronline.at/?p=30194#comments
    Leider haben Sie keine Ahnung von der Realität dieser Kulturnation (ich setze dieses Wort aus gutem Grund nicht in Anführungszeichen). Die Russen lieben eine starke Hand, auch heute noch. Jahrhundertelang, bis zum Ersten Weltkrieg, fühlten sie sich wohl unter Zaren und Zarinnen. Ihre Erfahrungen unter Pseudodemokraten wie Gorbatschow und Jelzin waren verheerend und führten zu bandenmäßigem Diemstahl des Volksvermögens. (Als der im Westen verherrlichte Gorbatschow zur Präsidentenwahl antrat, erhielt er 0,8% der Stimmen.)
    Putin genießt das Vertrauen der Russen; ihm trauen sie zu, sie allmählich mit einem gewissen Wohlstand auszustatten. Aber die Spuren von 70 Jahren Kommunismus und anschließender Ausraubung durch kriminelle Seilschaften sind nicht in wenigen Jahren zu beseitigen.
    An gutmenschlichen Parolen (wie Ihren) sind sie ausgesprochen mäßig interessiert.

  6. gms

    Thomas F.,

    “Gerade jetzt würde es der “Kulturnation” gut zu Gesichte stehen zu demonstrieren und “Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Meinungsfreiheit” einzufordern.”

    Der Westen geht von der irrigen Meinung aus, Putin könne Rußland nach Belieben lenken, als hätte er keine Gegenspieler, als gäbe es keine Beharrungskräfte oder gar reaktionäre Bestrebungen im Lande, die sich wieder die UdSSR herbeisehnen.

    Putins Reden, und davon gab es in den letzten 14 Jahren jede Menge, verweisen immer auf den Aufbau marktwirtschaftlicher Strukturen als notwendige Voraussetzung für Demokratie. Nur jene Gesellschaft, die auch und insbesondere mit dem Westen engen Handel treibt, lernt von eben diesem Westen, wie Verantwortung und Selbstbestimmung miteinander einhergehen.

    Niemand von Verstand wundert sich, weshalb die bisherigen Demokratisierungsversuche islamischer und in Stammesstrukturen verhafteten Länder völlig aus dem Ruder liefen, bei Rußland allerdings, das niemals in seiner Geschichte individuelle Mitbestimmung kannte, erwartet man, ein starker Mann könne innerhalb kurzer Zeit das flächenmäßig größte Land der Erde ummodeln.

    Immer und immer wieder hat Putin Fehler eingeräumt und zugleich den Westen um Mithilfe ersucht. Diese Hilfe wurde ihm auch gewährt, das Land erholte und stabilisierte sich, bis vor einigen Jahren eine Wende eingeläutet wurde, und diese Wende ging definitiv nicht von Rußland aus.

  7. Thomas F.

    @ Rennziege
    1. “Kulturnation” stelle ich in Anführungszeichen, weil das Wort an sich für mich schon Unfug ist. Welche Nation hat denn keine “Kultur”? Es ist nur eine gegenstandslose Anmaßung, kein Argument.
    2. Wieviel Einblick ich in Russland habe, können Sie wohl schwer abschätzen. Immerhin spreche ich täglich Russisch mit meiner Frau. Ich kenne all die Denkmuster und Überzeugungen ganz gut und muss mir immer wieder Schelte anhören für meinen konträren Standpunkt. Aber es macht etwas nicht richtiger, wenn noch so viele kollektiv davon überzeugt sind. Tamensi movetur…
    3. Dass die Russen sich wohl fühlten unter Zaren und Zarinnen würde ich in Zweifel stellen. Das ist vielleicht die Überlieferung der aristokratischen Geschichtsschreiber. Vermutlich an die 90% der Bevölkerung zu dieser Zeit waren Leibeigene und damit so gut wie Sklaven. Aber ich würde beipflichten, dass sie dadurch womöglich eine gewisse Prägung zu einer Untertanenmentalität erfahren haben, die bis heute noch manches erklärt.

  8. Rennziege

    31. Juli 2014 – 15:57 Thomas F.
    Ich kann Ihren Einblick in die russische Seele ebensowenig einschätzen wie Sie den meinen.
    Einigen wir uns darauf: Ihr Russisch ist besser als meines, ich kann mich in dieser Sprache aber einigermaßen verständlich machen. Aber auch in Kanada habe ich viel mit dort tätigen Russen zu tun, halt meist auf Englisch, und sporadisch fliegen sie mich nach St. Petersburg und Moskau ein, für ein paar Tage.
    Außerdem hab’ ich den Vorteil, fast alles von Tolstoi, Puschkin, Tschechow, Gontscharow et al. gelesen zu haben, wenn auch in hervorragenden deutschen und englischen Übersetzungen.
    Dazu noch Tschaikowskys und Mussorgskys Musik — und man weiß mehr über die russische Seele, wie sie auch heute noch tickt, als 250 klugscheißende Moskau-Korrespondenten.
    Vor allem weiß man, dass die Russen ein Kulturvolk waren und sind.

  9. Rennziege

    31. Juli 2014 – 17:05 Rennziege
    Muss nachtragen: Falls Sie immer noch daran zweifeln, dass die Russen ein Kulturvolk waren und sind — werfen Sie einen tiefen Blick in die Augen Ihrer Frau! Anschließend sind Sie um Längen klüger.

  10. Christian Peter

    Machen wir uns doch nichts vor : Um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ist es in Ländern wie Österreich kaum besser gestellt als in Russland. Bloß die Art und Weise der Unterminierung bürgerlicher und politischer Rechte ist im Westen eine andere.

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