Vom Kapitalismus zum kAppitalismus

“…..Was ist das jetzt, wenn man sich per App bei Uber oder sonstwo ein Privat-Taxi bestellt: Eine Errungenschaft der Share-Ökonomie, in der man sich Dinge wie Autos teilt – oder ein Anschlag auf die Rechte von Arbeitnehmern?…” (hier)

7 comments

  1. gms

    Netter Artikel, aber leider weder vollständig noch fehlerfrei. Tichy: “So lange Uber-Fahrer nur gelegentlich Kunden mitnehmen, kutschieren sie steuerfrei; schon von daher fahren Uber-Kunden um fast 20 Prozent billiger.”

    Das ist falsch. Sowohl in D als auch in A gilt für klassische Taxifahrten der ermäßigte MwSt-Satz von sieben respektive zehn Prozent, was den Entgeltvorteil einigermaßen relativiert. Zugleich sind Taxis hierzulande von der NoVA und der KFZ-Steuer befreit, haben Standplätze auf öffentlichem Grund und diverse Sonderregelungen fürs Halten sowie Zu-, Be- und Abfahren in Zonen, die für Nicht-Taxler tabu sind. Niemand kann behaupten, hier bestünde kein Zusammenhang zwischen Rechten und Pflichten.

    Unter die Räder kommen im aktuell staatsverseuchten Kapitalismus (‘Kaputtismus’) jedoch entscheidende Rechte der Kunden. Der ‘Appitalismus’ als Gegenpol charakterisiert die Entgrenzung des vormals zeitlich und örtlich eng gefaßten Flohmarkts, auf dem Private ohne jedwede staatliche Einflußnahme als Handeltreibende auftreten. Damit einher geht eine Wiederermächtigung des Bürgers, der in der Vergangenheit mittels Konsumentenschutz und Gewerbeordnung zunehmend in die Rolle eines unmündigen Zöglings gedrängt wurde, der nahezu kein Gut und keine Dienstleistung ohne amtlich gespanntes Sicherheitnetz beziehen konnte.

    In einem liberalen Rechtsstaat darf der Staat nicht bestimmen, welche Vereinbarungen Erwachsene untereinander ausmachen dürfen und welche nicht. Demgemäß kann nur begrüßt werden, wenn der Appitalismus langfristig den mitterdings bis zu seiner Kenntlichkeit verzerrten Kaputtismus zum Flohmarkt deklariert, auf dem sich dann nur noch erklärte Freunde der geschützten Werkstätte einfinden.

  2. Christian Peter

    ‘Anschlag auf Rechte der Arbeitnehmer’

    darum geht es nicht, sondern darum, dass in einem Rechtsstaat Gesetze für alle Marktteilnehmer zu gelten haben : Wenn das Taxigewerbe restriktiven Regulierung unterliegt, dann hat dies auch für Unternehmen aus dem Silicon Valley wie Uber zu gelten. Wenn das Hotelgewerbe restriktiver Regulierung unterliegt, dann hat dies auch für Unternehmen wie Airbnb zu gelten. Es kann nicht angehen, dass sich einzelne Unternehmen durch Unterlaufen der Regeln Wettbewerbsvorteile verschaffen.

  3. PP

    @Christian Peter
    Die angeblich “restriktiven Regulierungen” sind nicht wirklich der große Kostenfaktor. Mindeststandards für alle Marktteilnehmer sollen sein. (Z.B. Brandschutz in der Beherbergung, Fahrzeugsicherheit und Versicherung bei der Beförderung) Und freilich “muss” eine gewerbliche Tätigkeit (Kennzeichnung: Gewinnorientierung und Regelmäßigkeit) entsprechend gleich brutal besteuert werden (und einer Kammerpflichtmitgliedschaft unterliegen). Dann ist’s bald wieder vorbei mit der neuen Mode.

  4. Christian Peter

    @PP

    ‘gewerbliche Tätigkeit muss gleich besteuert werden, dann ist es bald wieder vorbei mit der neuen Mode’

    Sie sagen es. Der Wettbewerbsvorteil der Share Economy ist vorüber, sobald sich alle Marktteilnehmer an die Regeln halten. Logisch, dass man Dienstleistungen günstiger anbieten kann, wenn man keine Steuern bezahlt und auch sonst keiner Regulierung unterliegt. Mit ‘Fortschritt’ hat dies in Wirklichkeit rein gar nichts zu tun.

  5. gms

    PP,

    > Und freilich “muss” eine gewerbliche Tätigkeit …

    Die Trademark ‘gewerblich’ subsumiert bloß staatliche Allmachtsphantasien, denen sich wiederum glückliche Sklaven nur allzu gerne unterordnen. Verträge sind einzuhalten, und wer meint, er hätte den sprichwörtliche Gesellschaftsvertrag unterschieben, soll auch mit dessen Auswüchsen glücklich werden.

  6. Sven Lager

    Wiederum ein Argument mehr, den bargeldlosen Zahlungsverkehr ehestmöglich einzuführen.
    Auch die technischen Möglichkeiten der Politik nehmen zu.

    Das Finanzamt kann in Deutschland auf allen Bankkonten bereits heute Einblick nehmen. Es fehlt (?) noch eine Software mit Plausibilitätskontrollen. Wer zB. übermäßig Autoersatzteile, Farbe usw. einkauft macht sich dann „automatisiert“ verdächtig, Schwarzarbeit durchzuführen.
    Ein Fall für die soziale Gerechtigkeit ?
    Big Data lässt grüßen.

    Big Data lässt grüßen.

  7. Christian Peter

    @Sven Lagler

    ‘ein Fall für soziale Gerechtigkeit?’

    Die ungleiche Verteilung der Steuerlast gefährdet sehr wohl den sozialen Frieden, weil der Mittelstand ausgenommen wird wie eine Weihnachtsgans, während Konzerne und Superreichen legale Steuervermeidung betreiben.

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