Vom Politikerglück, Ignoranten als Wähler zu haben

Von | 10. Oktober 2021

(CHRISTIAN ORTNER/ „PRESSE“) Eine Umfrage unter deutschen Jugendlichen hat kürzlich ergeben, dass 44 Prozent der Befragten nicht die geringste Ahnung haben, was der Begriff „Inflationsrate“ bedeutet. Man kann getrost davon ausgehen, dass das in Österreich nicht viel anders sein wird.

Für Politiker und Notenbanker ist das eine wunderbare Nachricht. Wenn offenbar die Hälfte einer Generation nicht zu verstehen vermag, was Inflation ist, wird es politisch natürlich viel attraktiver, Geld zu drucken wie in einer gut organisierten Fälscherwerkstatt – was ja derzeit auch geschieht – und damit ein politisch lukratives wirtschaftliches Strohfeuer zu entfachen, als auf den Geldwert achten zu müssen, weil das einer informierten Öffentlichkeit ein Anliegen ist.

Das kleine Problem dabei: Wenn eine Politik, der es ausschließlich um Machterhalt oder -gewinn geht, auf eine Öffentlichkeit trifft, die in wirtschaftlichen Dingen weitgehend unbeleckt ist, ist das ein klassisches Desaster-Rezept. Wenn man etwa den Menschen erfolgreich einreden kann, das Drucken enormer Mengen frischen Geldes, dem keinerlei Wert gegenübersteht, sei möglich ohne gravierende negative Folgen, dann ist es nur eine Frage der Zeit , bis die Währung ruiniert ist.

Im Grunde haben wir es hier mit einem Kernproblem der Demokratie zu tun: Wenn erhebliche Teile des Souveräns nicht imstande sind, die wichtigsten ökonomischen Zusammenhänge zumindest halbwegs zu verstehen und zu beurteilen, ist der demokratische Prozess in Gefahr, selbstzerstörerisch zu werden.

Bis zu einem gewissen Grad war das auch im zurückliegenden deutschen Wahlkampf zu beobachten. Da war zwar Baerbocks Neigung zum Plagiat ein großes Thema – aber die Inflationswelle, die gerade die Kaufkraft der Menschen schwächt, war für keinen der Spitzenkandidaten von besonderer Relevanz. Vermutlich, weil zu kompliziert, zu wenig vermittelbar und damit politisch nutzlos. Neigte man zu Verschwörungstheorien, könnte man fast meinen, die Politiker sorgten dafür, die Jungen ökonomisch dumm zu lassen, weil ihnen diese Unbildung das Leben doch stark erleichtert. Aber so ist es natürlich nicht, die Ursachen sind komplizierter: eine Lehrerschaft, die im Großen und Ganzen nicht eben aus Fans der freien Marktwirtschaft besteht; eine Gesellschaft, die Unternehmertum unter Generalverdacht stellt und ein in Österreich wie in Deutschland nur schwach verankerter Liberalismus. Das ist kein Umfeld, in dem Ökonomie-Nobelpreisträger gedeihen.

Was der Politik und den dort angebundenen Notenbankern kurzfristig frommen mag, ist auf längere Sicht schädlich für Wohlstand und Wachstum. Denn wenn in der Wirtschaftspolitik die Gaukler, die Hütchenspieler und die ökonomischen Leichtmatrosen ihre Voodoo-Politik betreiben können, ohne von einem halbwegs sachkundigen Publikum mit nassen Fetzen vertrieben zu werden, führt das zu schädlichen staatlichen Maßnahmen. Gerade die Geldpolitik zeigt das in weiten Teilen der Welt. Der Schule die Hauptursache für den ökonomischen Bildungsnotstand zuzuweisen ist beliebt, greift aber zu kurz. Denn die Folgen des Notstandes wären wesentlich linder, träfen sie nicht auf eine politische Klasse, der jegliches überzeugungsgetriebene Handeln abhandengekommen ist und die nur umfragegetrieben agiert. In Fragen der Wirtschaftspolitik muss man in Geschichtsbüchern schon weit zurückblättern, um auf Fälle zu stoßen, in denen die Politik unbeliebte, aber notwendige Schritte gesetzt hat um den Preis des Machtverlustes. 

Gerade angesichts der anschwellenden Inflation wären solche Politiker und Notenbanker jetzt gefragt. Inflation lässt sich immer nur mit unpopulären Methoden wie höheren Zinsen bekämpfen, die das Wachstum bremsen und Arbeitslosigkeit für kurze Zeit steigen lassen.

Nur: Warum sollen sich Politiker diesen mühsamen Kampf überhaupt antun, wenn eine halbe Generation nicht einmal weiß, was Inflation überhaupt ist?

5 Gedanken zu „Vom Politikerglück, Ignoranten als Wähler zu haben

  1. Gerhi09

    Generation Doof. Fridays for Future – Doofköpfe unter sich!

  2. Gast

    „Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen mißfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.“
    ―Gustave Le Bon

    Und am Ende werden sie selbst zu Opfern. Wozu?

  3. Mourawetz

    Demokratie kann es nur geben zwischen Menschen mit gleichen gnostischen Fähigkeiten und die Verantwortung für sich tragen können. Andernfalls wäre es ja absurd, solche Menschen über das Gemeinwohl abstimmen zu lassen.

  4. CE___

    Alles richtig.

    Ich denke mir aber mit Sicht auf die Jugend dass so ein Vorwurf halt schwer ist wenn ich selbst gestandene „Wirtschaftsexperten“, ja auch jene die das Fiatgeldsystem mit Teilreserve ablehnend sehen, laufend Inflation mit Teuerung verwechseln.

    Oder die Giralgeld am Konto als „cash“ bzw. „Bargeld“ bezeichnen, sehr beliebt im englischen Sprachraum.

    Wie sollen sie’s besser wissen, die Jungen, wenn sie tagtäglich bewusst Schrott und Lügen auf sie einprasseln?

    „…aber die Inflationswelle, die gerade die Kaufkraft der Menschen schwächt, war für keinen der Spitzenkandidaten von besonderer Relevanz. Vermutlich, weil zu kompliziert, zu wenig vermittelbar und damit politisch nutzlos…“

    Weil alle Spitzenkanditaten wissen dass die einfach gestrickte Relevanz daran besteht dass nicht nur deren Polikter-Gehalt hier und jetzt aus dieser Inflation beglichen wird, sondern auch das Geld um die Hirngespinste der Mäzene, Gönner und Förderer im Hintergrund in die Realität umzusetzen, und man bei der Umsetzung sich selber auch noch einen schönen Batzen Geld abschneiden wird dürfen können (zB. in dem man nach Ausscheiden aus der Politik eine NGO gründet die dann schön gespiesen wird von den Mäzenen und Gönnern deren Hirngespingste man half umzusetzen)

  5. Falke

    Schuld ist natürlich das Bildungssystem einschließlich links-grün indoktrinierter Lehrer. Statt Grundbegriffen der Wirtschaft, lernen die Schüler die p.c Sprache, wie man richtig gendert, dass es 69 Geschlechter gibt, dass schwul, transgender und ähnliches erstrebenswert sind und dass wir kurz davor sind, an CO2 zugrunde zu gehen. Daher schwänzen sie die Schule und gehen auf die Straße, um die Abschaffung jenes Systems zu fordern, dass es ihnen erst überhaupt gestattet, in die Schule und demonstrieren zu gehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.