Von Österreich lernen…

(GEORG VETTER)  Letzte Woche war eine Delegation aus Vietnam unter Leitung des Justizministers in Österreich zu Besuch, die sich vor allem für die elektronischen Fortschritte auf dem Gebiet des Justizwesens interessierte. Offensichtlich hat Österreich international einen ausgezeichneten Ruf, wenn es das moderne Grundbuch, das Firmenbuch oder den elektronischen Rechtsverkehr betrifft. Im Zuge des Besuchs dieser Delegation stand auch ein gemeinsames Mittagessen mit Mitgliedern des Justizausschusses des Parlaments auf dem Programm. Neben allgemeinen Bemerkungen über die Situation in den beiden Ländern kam die Sprache auch auf die neue Verfassung. Ich hatte mich ein bisschen schlau gemacht und wusste daher, dass bei der vor 14 Tagen beschlossenen neuen Verfassung auch die Monopolstellung der Kommunistischen Partei Vietnams in Frage gestanden ist –ohne dass es allerdings zu einer Änderung gekommen ist. Auf diesbezügliche Wortmeldung meinte der Justizminister diplomatisch, dass auch er Mitglied dieser Partei ist und ging dann auf die als Fortschritte bezeichneten Neuerungen ein. Ebenso diplomatisch beantwortete er die Frage der grünen Abgeordneten nach der Rolle der Menschenrechte. Für mich war es eine interessante Erfahrung, bei der ich nebenbei vom Dolmetscher erfahren habe, dass General Giap vor zwei Monaten verstorben ist – was mir bislang entgangen war. Ich habe einmal ein ausführliches Buch über die beiden Vietnamkriege gelesen, das sich sehr an der Person des General Giap orientierte (Phillip B. Davidson, Vietnam at War, The History 1946-1975). Giap war seinerzeit als militärischer Führer der mächtigste Mann hinter Ho Chi Minh. Dass Giap nach so vielen Kämpfen über 102 Jahre alt wurde, grenzt an ein Wunder.

3 comments

  1. rubens

    Oft habe ich mir die Frage gestellt, wer diese Delegationsreisen bezahlt? Könnten Sie uns darüber Aufschluss geben, Herr Dr. Vetter?

  2. Thomas F.

    Unser Grund- und Firmenbuch sind so modern, dass ich zum Amt gehen muss und bezahlen, damit ich im 21. Jahrhundert Information aus einem eigentlich öffentlichen Register erhalte.
    Wenn wir uns auf diesen Lorbeeren ausruhen, werden uns bald Delegationen aus Ländern, die vor kurzem noch zweite Welt waren, wie Estland heimlich auslachen.

  3. Reinhard

    @Thomas F.
    “…aus einem eigentlich öffentlichen Register…”
    Wir haben auch eine nur “eigentlich” öffentliche Verwaltung, denn das demokratische System ist in der postkaiserlichen Beamtenschaft mit ihren Hofräten und -schranzen bis heute hinter dem “Amtsgeheimnis” abgesoffen, das es ermöglicht, als steuerzahlender und (eben nur eigentlich) mitbestimmender Bürger von den Vorgängen hinter den Amtstüren selbst dann kategorisch ausgeschlossen und für freche Neugier hart bestraft zu werden, wenn ihn diese Vorgänge als betroffene Partei interessieren dürften.
    So gesehen verstehe ich die Neugier eines kommunistischen Verwaltungssystems an dem unsrigen.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .