Von wegen New Deal…

Von | 4. November 2016

“…Wenn wir den Friseurberuf liberalisieren, wird es keinen Friseur mehr geben, der Qualität anbietet.» Diese jüngste Aussage eines führenden Gewerkschafters spiegelt, wie man in Österreich über die Gewerbeordnung debattiert. Nur wenige können sich hierzulande vorstellen, dass vielleicht auch die Kunden zu entscheiden vermögen, wer ein guter und wer ein schlechter Friseur ist. Deshalb ist eine Reform des Regelwerks erneut äusserst zögerlich ausgefallen….” (NZZ, hier)

6 Gedanken zu „Von wegen New Deal…

  1. Fragolin

    Die reglementierten Gewerbe wurden massiv reduziert, nämlich von 80 auf 81.
    Wen wundert das in einem Land, in dem nach massiven Steuersenkungen höhere Steuern zu zahlen sind?
    Jedesmal wenn die Regierigen öffentlich posaunen, jetzt endlich Erleicherungen und Verbesserungen für “die Wirtschaft” beschließen zu wollen, wird es den Wirtschaftstreibenden dieses Landes Angst und Bange, welche Grauslichkeiten jetzt wieder beschlossen werden.
    Das nächste wird wohl, wegen ihrem übergroßen Entgegenkommen bei der gloriosen Gewerbeordnung von der Kern-Truppe bei den permanent am Boden liegend das Umfallen versuchenden Mitterlehner-Truppe eingefordert, die erneute Forderung nach einer Gewinnbesteuerung kleiner Einzel- und Kleinstunternehmer sein, euphemistisch als “Maschinensteuer” getarnt, die angeblich Großkonzerne für den Einsatz von Robotertaktstraßen “bestrafen” soll, in Wirklichkeit aber Kleinunternehmer – eh die am brutalsten Abgemolkenen im Lande – weiter auspresst.
    New Deal? New Pressure.

  2. Thomas Holzer

    Jeder, der in diesem Zusammenhang das Wort Reform verwendet, ist ein Realitätsverweigerer.
    Sogar Kleingeister sind offener und fortschrittlicher als diese Politikerdarsteller

  3. Fragolin

    @Thomas Holzer
    “Flüchtling”, “Reform”, “Freihandelsabkommen”, “Meinungsfreiheit”, “abgeschottete Grenzen”, “Bereicherung”, “Einsparung”, “Gerechtigkeit”, “Demokratie”…
    Man könnnte inzwischen ein ganzes Lexikon füllen mit Begriffen, die wortverdreht, sinnentstellt und pervertiert verwendet werden. Der Versuch, NLP mit einer Brandbombe in den Hirnen explodieren zu lassen, misslingt immer häufiger, aber das wahre Ausmaß der Sinnentstellung wird einem erst bewusst, wenn man sogar kritische Texte nur noch gespickt mit inhaltsverdrehenden Vokabeln und Euphemismen vorgesetzt bekommt.
    Unsere Sprache wurde bereits dermaßen verhunzt, dass man um die Verwendung der Lügenvokabeln kaum noch herumkommt.

  4. Falke

    Tatsächlich müssten ausschließlich die wenigen Gewerbe reglementiert werden, wo ein Pfusch die Gesundheit oder gar das Leben der Konsumenten gefährden kann. Alle anderen werden – besser und schneller als jede Gewerbeordnung – vom freien Markt geregelt. “Freier Markt” ist (und war immer schon) allerdings ein Horrorszenario für die Wirtschaftskammer und die Gewerkschaft. Daher wird das auch nie kommen. Dafür bräuchten wir eine “österreichische” Margaret Thatcher; sogar ein österreichischer Ronald Reagan würde genügen.
    Und was die von Fragolin aufgezählten Begriffsverdrehungen angeht (davon gibt es natürlich noch viel mehr), wird offensichtlich nach und nach die Vision von Orwells “Neusprech” in die Tat umgesetzt.

  5. Erich Bauer

    Als ich noch ein kleiner Bub war… Da hab ich meinen Onkel jeden Sonntag – in den Schulferien – assistiert. Im südlichen Waldviertel. Mein Onkel betätigte sich als Haarschneider (heute nennt sich das Friseur oder Coiffeur). Er hatte diesen Beruf nicht gelernt. Vielleicht war er ein Naturtalent. Wie dem auch sei, er hatte eine Menge Kunden die nach dem Kirchgang seine Leistung in Anspruch nahmen. Die Werkzeuge, die er dafür verwendete, erinnern mich im Nachhinein an Folterinstrumente. Bei der Ausgangstür lehnte ein Original-Klingelbeutel. Mein Onkel war auch Aushilfe-Messdiener. Dorthin entrichteten die “Geschorenen” ihre “Spende”. Auch damals wollte der “Finanzer” schon überall dabei sein. Die waren wahrscheinlich auch damals schon sehr streng, hatten aber noch nicht die heutigen Möglichkeiten. Ob mein Onkel mit dem Herrn Pfarrer abteilte, weiß ich nicht.

    Dieses Geschichtlein hat sich bei mir emporgedrängt bei der Vorstellung einer zügellosen, unregelmentierten Verbreitung von noch mehr Friseuren. Meine Befürchtung ist, dass die Haarschneider, konzerngleich, und natürlich günstig, diesen Markt sich unter den Nagel reißen. Auf die Kunden, als “Regulativ”, setze ich keine besonderen Hoffnungen. Die Vorstellung, dass nach eine “Übergangszeit” die Herren kaum noch unterscheidbar sind, da das Modell “anatolischer Schafhirte” sich durchgesetzt hat, plagt mich…

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