Von wegen unabhängige Zentralbank….

Von | 15. Mai 2014

“…..Komplett pervers ist die Begründung für die Niedrigzinspolitik von Politikern quer durch Europa aber auch von EZB-Chef Mario Draghi, die schon sehr bald zu einer Nullzinspolitik werden wird. Man wolle damit die Kreditvergabe der Banken an die Wirtschaft und die Bürger fördern, um damit mehr Wachstum zu generieren, heißt es da unisono aus der Politik.
Das überrascht Menschen, die der Grundrechnungsarten mächtig sind, dann aber doch ein wenig. Denn die gleichen Politiker werfen genau diesen Banken vor, Kredite in der Vergangenheit viel zu leichtfertig vergeben zu haben und deshalb die Alleinschuldigen der angeblich noch immer existierenden Finanzkrise zu sein. ……” (hier)

16 Gedanken zu „Von wegen unabhängige Zentralbank….

  1. Sybille Stoa

    Draghi versucht den Kapitaldruck durch geringeren Zinsdruck zu lindern. In der gleichen Zeit erhöht die Politik aber um ein vielfaches den Steuerdruck auf die reale Wirtschaft. Die Privatpersonen und Firmen nehmen weniger Kredite, weil die Wirtschaftslage noch nicht so rosig ist. Und der Staat verschlechtert dabei selbst die Lage ständig, indem er die kalte Progression jahrein jahraus nicht ausgleicht und ständig neue Steuern einhebt.

    Manche Banken sind aber tatsächlich überstreng, was Kreditvergaben an KMUs mit sicheren Einnahmen und vorhandenem Betriebsvermögen angeht.

  2. Sybille Stoa

    Die Erleichterungen für Unternehmen durch niedrigeren Zinsdruck mehr Gewinn erwirtschaften oder investieren zu können werden durch den höheren Steuerdruck wieder vollkommen zu nichte gemacht!

  3. rubens

    Hinkünftig wollen ja der Juncker und Co den Eurokurs festsetzen und der EZB diktieren.
    Außerdem gab es heute Wahlwerbung durch den EZB-Chefvolkswirt Praet “Strafzinsen für Banken”. Das kommt gut an bei dem grottenschlechten Wirtschaftswissen des Großteils der Österreicher.

  4. Thomas Holzer

    @Rubens
    Die EZB wird schon seit Jahren von der Politik dominiert!
    Unabhängige Zentralbanken gibt es einfach nicht, auch wenn das Gegenteil von den Politikerdarstellern coram publico immer wieder behauptet wird

  5. Herr Karl jun.

    Es ist unglaublich, mit welcher Verbissenheit die Politik, die Medien und die Wirtschaftswissenschaften die tieferen Ursachen der Dauer-Flaute ausblenden. Solange ganze Branchen verteufelt, Unternehmer in die Nähe des Kriminals gerückt, Erfolgreiche an den Neid-Pranger gestellt und jedem, der seine Cents nicht sofort verkonsumiert, sondern erspart, hoch und heilig die künftige Enteignung per Steuergesetze versprochen werden, solange wird der ganze Kontinent wirtschaftlich nicht mehr auf die Beine kommen und eine unausweichliche Pauperisierung erleben. Nichts verdeutlicht die Lern-Unfähigkeit des derzeitigen Polit-Systems mehr als das völlige Scheitern des vollmundigen Vertrages von Lissabon 2002: Wollte man damals nicht Europa zu DER Wachstumsregion der Welt zu machen? Zu allem Überdruss sind die Akteure von damals bis heute teilweise dieselben geblieben (z.B. Juncker)….

  6. Thomas F.

    Die staatliche Festsetzung von Zinssätzen ist schlicht weg Planwirtschaft.

  7. rubens

    Herr Holzer
    Die Bundesbank hat mehrere Wünsche der Politik abgelehnt und in Österreich konnte Kreisky zum Glück auch keine Weichwährung gestalten. Hier wären lobenswert zu erwähnen, der Herr Androsch und später die Frau Schaumayr. Die letzten Garden von Liebscher bis Nowotny sind mA nach zu vergessen.

    Thomas F.
    Nicht nur den Zinssatz wollens manipulieren, man will auch Staatsanleihenankäufe und ABS hinterlegt mit Unternehmensanleihen forcieren. Außerdem werden die 3-Jahres-Tender aus 2011 und 2012 in Höhe von einer Billion neu aufgelegt werden müssen, können sie eben von den südländ. Banken nicht rückgezahlt werden. Das habe ich bereits damals vorausgesagt. Der Zeitpunkt der Wahrheit rückt eben näher, bis nach der EU-Wahl wird es sich schon ausgehen.

    “Die EZB muss schnell und flexibel reagieren können. Durch den Kauf von Staatsanleihen, die bis zum Ablauf in den Bilanzen bleiben und vor allem durch die 3-Jahres-Tender über 1.000 Milliarden Euro ist die Flexibilität arg beschränkt worden, das Geld im Falle einer anspringenden Konjunktur wieder einzusammeln zu können. Die Banken könnten zwar bereits nach einem Jahr das Geld aus den Krediten zurückzahlen, doch werden sie es tun? Werden sie es können?”
    aus http://www.conwutatio.at Die Geldschwemme der EZB

  8. Sybille Stoa

    @Thomas F.Viele Staaten und die Banken sind pleite in €uropa und ich sehe das einmalige Drucken zu Stabilisierung jetzt nicht so als Problem (das machen andere Notenbanken sogar viel exzessiver als die EZB), sondern das Versagen der Staaten wieder auf gleich zu kommen (Ausnahmen: Deutschland, Irland, Holland, skandinavische Staaten) [Anmerkung: Schweiz, Luxemburg waren nie so tief in der Krise]

    Und da muss sich Österreich auch an der Nase nehmen, denn abgesehen von der EU liegen doch auch sehr viel Schuld und Ursache hier im eigenen Land.

  9. Thomas Holzer

    @Rubens
    deswegen schrieb ich auch “seit Jahren” 🙂

    @Thomas F.
    Unsere Politikerdarsteller in Zusammenarbeit mit den Vertretern der Nationalbanken versuchen nicht nur Zinssätze festzusetzen und die Planwirtschaft wieder einzuführen, sondern sie versuchen auch unser aller Leben bis in den “privatesten” Bereich zu manipulieren und kontrollieren.

    Leider mit immer größerem Erfolg

  10. rubens

    Sybille Stoa

    Doch das wird zum Problem, nicht so sehr wenn die Währung zum Wirtschaftsraum passen würde. Im Euro wird das Problem ordentlich schwer werden. Die Leute haben das noch nicht bemerkt.

  11. Christian Peter

    Fällt doch nicht auf den billigen Lobbyismus rein, denn jeder weiß : Die Geldpolitik wird von der Finanzindustrie bestimmt, nicht von der Politik. Die Billigzinsenpolitik der EZB wurde unmittelbar nach Amtsantritt des ehemaligen Goldman Sachs Banker Mario Draghi eingeläutet.

  12. Steuerknecht

    Wenn die Zinsen auf einen realistischen Wert anstiegen, wären sofort zumindest 3/4 aller €-Staaten pleite weil das Geld für die laufenden Zinszahlungen fehlte.

  13. gms

    Steuerknecht,

    “Wenn die Zinsen auf einen realistischen Wert anstiegen, wären sofort zumindest 3/4 aller €-Staaten pleite weil das Geld für die laufenden Zinszahlungen fehlte.”

    Nein, zumal der Zinssatz für aktuell laufende Anleihen ja unverändert bleibt. Einzig eine Neuverschuldung oder Refinanzierung würde teurer.

  14. Steuerknecht

    @ gms

    Stimmt natürlich, aber es bleibt zu bedenken, dass jährlich Milliarden Euro bzw. EYPO “umgeschuldet” werden, also alte in neue Schulden – zu neuen Zinssätzen – getauscht werden.

  15. Christian Peter

    Mit einem Vertreter der Finanzindustrie an der Spitze der EZB kann von ‘Unabhängigkeit’ der Europäischen Zentralbank wohl kaum die Rede sein.

  16. Reinhard

    @Christian Peter
    Wieso halten Sie so verbissen an der Trennung fest?
    “Finanzindustrie” und “Politik” sind das Gleiche. Banker sitzen in höchsten Ämtern, haben auch schon übergangsweise den Masseverwalter ganzer Staaten (Italien) gespielt; Politiker sitzen in Aufsichts- und Verwaltungsräten der Banken. Die meisten Banken sind an politische Einheiten (Parteien, Staaten, Länder…) gekoppelt oder halten sich diese politischen Einheiten als Vorgärten für erntefreische Gewinne.
    Die “Finanzindustrie” muss sich keine Politik kaufen, denn sie IST die Politik – ebenso andersherum. Warum wohl brummt ein kleiner Provinzbanker als Finanzminister dem öst. Steuerzahler eine milliardenschwere Bankleiche auf den Hals (und ALLE Politiker der Systemparteien schweigen dazu) und kehrt dann in seine Bank zurück – die er gerade vor Verlusten gerettet hat. Hier werden Spitäler geschlossen, Kinderbetreuung zurückgefahren, Kleinschulen geschlossen, Gemeinden zwangsfusioniert und Zugang in die Invalidität erschwert um ein paar Millionen zu sparen, während zur Rettung der Raiffeisengruppe die Regierigen geschlossen die alternativlose Übernahme des Hypo-Dreckshaufens dem Volk um den Hals hängt.
    Banken und Parteien, Finanzer und Politiker, die mögen sich noch so sehr gegenseitige Scheingefechte liefern wie Saturn und MediaMArkt in ihrer Werbung – unter’m Strich stecken die alle im gleichen Sack.

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