Wären wir ohne Milliardäre besser dran?

Von | 16. Mai 2014

(C.O.) Wenn es darum geht, Schuldige für die wachsende wirtschaftliche Kluft zwischen Wohlhabenden und Habenichtsen ausfindig zu machen, sind die Verdächtigen dieser Tage schnell dingfest gemacht, zumindest in der schlichten Welt der hiesigen Kapitalismuskritiker: entfesselte Märkte und enthemmte Gier, neoliberale Finanzhaie und böse Banker; das Übliche halt.

Als Therapie wird immer häufiger und immer ungenierter – wie etwa zuletzt in dem Megabestseller „Kapitalismus im 21.Jahrhundert“ des Franzosen Thomas Piketty – vorgeschlagen, einfach denen, die das Geld derzeit besitzen, dieses wegzunehmen (gut, das wird meistens etwas eleganter formuliert). Dass das in der Vergangenheit nicht so toll funktioniert hat, wird in diesen Milieus genau 25 Jahre nach dem Untergang des real existierenden Sozialismus in Mittel- und Osteuropa nonchalant ignoriert.

Ausgespart werden von den immer zahlreicher werdenden Anhängern dieser postsozialistischen „Her-mit-dem-Zaster“-Fraktion hingegen regelmäßig zwei Fragen, die seriös zu debattieren sich tatsächlich lohnen würde: Erstens, welches Ausmaß an ökonomischer Ungleichheit wir eigentlich für wünschenswert halten; und zweitens, wer eigentlich darüber entscheiden soll, wie gleich oder ungleich verteilt Einkommen und Vermögen sein sollen. Dass extrem ungleich verteilter Wohlstand – einige wenige haben alles und alle anderen so gut wie nichts – nicht wünschenswert ist, wird dabei heute kein vernünftiger Mensch bestreiten. Weder das Oligarchensystem noch die südamerikanischen Feudalökonomien des 20. Jahrhunderts sind sonderlich zukunftsfit.

Schon weniger Allgemeingut ist heute freilich die Erkenntnis, dass zu wenig Ungleichheit in der Verteilung von Besitz und Einkommen eine Gesellschaft genauso schnell und effizient ruinieren kann. Der real existierende Sozialismus des Ostblocks hat das recht anschaulich bewiesen. Wo es überhaupt keine materiellen Anreize gibt, Leistung zu erbringen, wird eben keine erbracht. Game over. Das gelegentlich zu vernehmende Argument „je weniger Ungleichheit desto besser“ ist glatter Unfug. Seriös kann daher nur darüber gestritten werden, wie viel an wirtschaftlicher Ungleichheit notwendig ist und ab wann sie mehr Schaden als Nutzen stiftet.

In diesem Kontext fällt auf, dass Österreichs Superreiche wie Karl Wlaschek, Johann Graf oder Dietrich Mateschitz in aller Regel weder geerbt haben noch böse Banker sind, sondern sich ihr Vermögen selbst und höchst realwirtschaftlich geschaffen haben.

Ihr bemerkenswerter Erfolg führt zwar mathematisch zu mehr Ungleichheit, ist aber wirtschaftlich für Österreich in Summe höchst erfreulich. Niemand kommt durch diese zusätzliche Ungleichheit zu Schaden, aber viele profitieren. Wären die Herren Wlaschek, Mateschitz oder Graf nicht auf die Welt gekommen und hätten nicht ihre Imperien gegründet, wäre die Vermögensverteilung heute zweifellos gleichmäßiger – aber das Land eindeutig ärmer an Arbeitsplätzen, Steuereinnahmen, Wohlstand.

Bitte, wo ist da eigentlich das Problem? Noch dazu, wo hierzulande gleichzeitig dank der massiven staatlichen Umverteilungsmaschinerie die Einkommen auch im Vergleich zu anderen europäischen Staaten eher sehr gleichmäßig verteilt sind.

Stark bezweifelt werden darf angesichts der historischen Erfahrungen auch, dass eine staatliche „Gerechtigkeits“-Bürokratie besonders gut geeignet ist, die Angemessenheit von Bezügen oder Vermögen besser festzustellen. Klar führen die irren Bezüge im Spitzenfußball zu einer höheren Ungleichheit der Einkommen. Aber wo ist das Problem, wenn die Fußballfans bereit sind, zu ihrem Vergnügen derartige Gagen zu finanzieren? Und warum sollte die Welt ein besserer Platz sein, wenn eine staatliche Bürokratie festlegt, welcher Fußballer wie viel wert ist?

Irgendwie drängt sich da der Verdacht auf: In dieser Debatte sucht eine Lösung verzweifelt nach einem Problem. (“Presse”)

9 Gedanken zu „Wären wir ohne Milliardäre besser dran?

  1. Reinhard

    Wären wir ohne Milliardäre besser dran?
    Wer weiß?
    Ohne neidgetriebene Hetzer und Versager aber ganz sicher!

  2. Thomas Holzer

    Man sollte ein Faktum vorab außer Streit stellen, zumindest meiner Meinung nach.
    Nämlich: es geht den Staat und die Politik rein gar nichts an, ob jemand sein “Vermögen” erarbeitet oder ererbt hat; es geht den Staat und die Politik rein gar nichts an, ob dieses “Vermögen” € 1, € 10.000,–, oder wie hoch auch immer ist, ob es aus Häusern, Gemälden, Sammlungen oder was auch immer besteht.
    So lange der Erwerb von Vermögen legal erfolgte, ist dies alles reine Privatsache, und sonst gar nichts!

  3. Steuerknecht

    Fußball:
    Wenn ein spanischer Fußballklub den “Kauf” eines englischen Spielers und auch dessen Gage mit staatlicher Hilfe – für die ich mithaften muss – abwickelt, dann ist dass wohl nicht mit dem Aufbau eines Lebensmittelhandelsunternehmens vergleichbar.

  4. Sybille Stoa

    Also eines steht fest “Arbeit wird hier zu Lasten des Arbeitnehmers und des Arbeitgebers zu hoch besteuert”
    ich zitiere aus dem heutigen Standard:

    84 Milliarden Euro Abgabenlast auf Arbeit, gepaart mit Widersinnigkeiten

    Allerdings wird um Arbeit zu entlasten immer die Besteueung von Vermögen herangezogen. Ich würde einmal schauen, was man gewinnen könnte, wenn man die oft unsinnigen Sonderausnahmen streicht, wie Steuerfreiheit des 13. & 14. Monatsgehalts, staatliche Förderungen (z.B. für private Pensionsversicherer oder die Kreativwirtschaft) Es ist ja auch so, dass jede dieser Ausnahmen und Förderungen einen Haufen an Beamten erfordert.

  5. Sybille Stoa

    Alles wird hier gefördert, egal ob die Schaffung von Eigenheimen oder Kreativwirtschaft und andere weniger ertragreiche Wirtschaftszweige. Mir wäre eine eigenverantwortlichere Gesellschaft lieber, wo AG + AN weniger Steuer zahlen müssten und dann selbst entscheiden könnten, ob sie einen Ferarri mit Zimmer-Küche-Wohnung oder lieber ein eigenes Eigenheim anstreben.

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  7. Thomas Holzer

    off topic!
    Warum wird eigentlich nicht thematisiert, daß die Kommunalkredit den Steuerknecht bisher mehr Geld gekostet hat als die HAA?!
    Interessant, daß es in der “Causa Kommunalkredit” bis dato kein einziges Strafverfahren gibt…….
    anscheinend waren alle Beteiligten unbeteiligt 😉
    So viel zur Unabhängigkeit der Korruptionsstaatsanwaltschaft…………….
    Ein Schelm, der Böses denkt 🙂

  8. herbert manninger

    @Thomas Holzer
    Warum? Weil die VerantwortlichInnen mit Grandezza sich vertschüsst haben und einer politischen Richtung angehören, die sie derJustiz gegenüber immunisiert, und die politische Gegner – falls überhaupt als solche vorhanden – aus Angst vor der im Solde der “Guten/Korrekten” stehenden Medien den Schwanz einklemmen.

  9. Thomas Holzer

    yep!
    Die “NEOS”, ganz unabhängig, neu, innovativ, fliegend, Bäume umarmend…………..etc.
    vor lauter “mediengeiler” Aktivitäten “vergessen” die NEOS die Inhalte;
    now well, systemimmanent bleibt systemimmanent……………………..
    ergo: wo keine Inhalte, kann man diese auch nicht vergessen………….
    Hinweg mit all diesem Schwachsinn!

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