Waffengesetz, Terror und wehrlose Bürger

Von | 11. Dezember 2020

(ANDREAS TÖGEL) Die jüngst in Nizza und Wien verübten Terroranschläge haben zweierlei gezeigt: Zum einen hat sich die Vorstellung, die bereitwillige Aufnahme von „Flüchtlingen“ würde von diesen immer nur mit Dankbarkeit quittiert, als Illusion herausgestellt; zum anderen wurde einmal mehr klar, dass man als Unbewaffneter einem zu allem entschlossenen Gewalttäter wehrlos ausgeliefert ist. Andere Optionen, als Deckung zu suchen oder die Flucht anzutreten, eröffneten sich den Menschen nicht, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Schuld daran ist das Waffengesetz.

Denn die Regierung hat mit einer restriktiven Waffengesetzgebung dafür gesorgt, dass mordlustige Verbrecher ihrem Handwerk nachgehen können, ohne sich um Gegenwehr sorgen zu müssen. Selbst speziell für die Terrorbekämpfung ausgebildete Polizeieinheiten können den oder die Täter bestenfalls nach vollzogener Untat ausschalten. Für deren Opfer kommt ihr Einsatz aber immer zu spät.

Es überrascht daher nicht, dass die zuletzt aus Nizza und Wien gelieferten Bilder von Blutlachen, Terroropfern und in Panik fliehenden Menschen, nicht nur die üblichen, ebenso verlogenen wie sattsam bekannten Betroffenheitsadressen hervorrufen, sondern einige auch zum Nachdenken anregen, wie derlei Ereignissen künftig wirkungsvoll zu begegnen ist. Wie die Berner Zeitung am 3. 11. berichtet, wurde von „rechtskonservativen“ Politikern in der Schweiz eine Lockerung des dort vergleichsweise ohnehin recht liberalen Waffengesetzes gefordert. Nicolas Raimondi, Vorstandsmitglied der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz, stellt in einem Twitter-Eintrag fest: „Freie, gesetzestreue und mündige Bürger müssen sich gegen Terroristen verteidigen dürfen“. Der Walliser SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor, Präsident der Initiative „Pro Tell“ (Schweizer Gesellschaft für ein freiheitliches Waffenrecht) unterstützt den Vorstoß, hat aber derzeit – mangels jeder Erfolgsaussicht – nicht vor, diesbezüglich einen neuen parlamentarischen Versuch zu unternehmen.

Faktum ist, dass in der Schweiz und in Österreich, anders als in Deutschland, der Wunsch, sich zur Selbstverteidigung zu bewaffnen, von den Behörden als Voraussetzung zum Erwerb eines dazu berechtigenden Dokumentes anerkannt wird. Leider gilt diese Erlaubnis nur für das Bereithalten der Waffe in den eigenen vier Wänden oder innerhalb einer eingefriedeten Liegenschaft, nicht aber auf der Straße. Das ist – nicht nur angesichts der Bedrohung durch islamische Terroristen – äußerst unbefriedigend. Den Opfern in Nizza und Wien oder irgendeiner anderen außerhalb ihrer Wohnstätte attackierten Person, hätte die daheim im Panzerschrank versperrte Waffe ja nichts genützt. Um sein Leben außerhalb der eigenen Wohnstätte wirkungsvoll gegen Gewaltverbrecher schützen zu können, bedarf es einer „Trageerlaubnis“, wie sie beispielsweise in vielen US-Bundesstaaten oder in Israel erteilt wird, wo man über eine ganze Menge Erfahrung im Umgang mit Terroristen verfügt. Szenen wie die in Wien kommen in Jerusalem oder Tel Aviv kaum vor, weil ein Täter dort gar nicht dazu kommt, einen zweiten Schuss abzugeben. Der würde zuvor nämlich von bewaffneten Zivilisten niedergeschossen.

Interessant sind die in verschiedenen Internetforen auf Forderungen nach liberalen Waffengesetzen folgenden Rektionen. Da werden „Wildwestszenen“ befürchtet, Waffennarren beschworen, die Hilfssheriffs spielen könnten und Notwehr wird mit Selbstjustiz verwechselt. Viele Bürger sind eher bereit, sich abschlachten zu lassen, als Gewaltverbrechern bewaffnet entgegenzutreten.

Selbstverständlich hat der Wiener Täter seine Waffen (einen serbischen Nachbau des russischen AK-47 und eine Pistole) illegal beschafft. Die Bundesregierung hat prompt ihren Sinn für Ironie bewiesen und eine Verschärfung des Waffengesetzes angekündigt. Immerhin werden Terror-Überlebende weiterhin Kerzen anzünden dürfen.    (aus Nr. 209 des Magazins „eigentümlich fei“)

5 Gedanken zu „Waffengesetz, Terror und wehrlose Bürger

  1. Nightbird

    Bei diesem Artikel fällt es einem schwer, etwas hinzuzufügen.

    Wieder mal ein Tögel, wie wir ihn kennen und schätzen. Applaus! Vor den Vorhang!

    Ich kann also nur ergänzend mein Posting aus dem IWÖ-Forum veröffentlichen:

    [Zitat]
    https://ooe.orf.at/stories/3079871/

    Da sieht man mal wieder, daß eine Waffe, egal, ob Schusswaffe oder Schreckschusswaffe, in Notsituationen hilfreich sein kann, vielleicht sogar Leben retten kann.

    Das sollten sich besonders jene; egal ob selbsternannte Besserwisser, Medien,R edakteure; ins Stammbuch
    schreiben, die ständig denselben sinnbefreiten Sermon herbeten, daß Waffen per se gefährlich und daher
    unötig sind. Verboten werden sollten.

    Ich wünsche jenen nicht, daß sie in eine ähnliche Lage kömmen.

    Dem Patienten wünsche ich das Beste und gute Genesung.
    An ihm wird auch sichtbar, daß man auch in Notsituationen durchaus noch Herr seiner Sinne sein kann.
    [/Zitat]

    Dem gibt es nichts hinzuzufügen.

  2. Bull

    … was soll man erwarten von Leuten die Terroristen Fußfesseln anlegen wollen, damit sie keine Terroranschläge verüben…so naiv ist man in unseren Regierungskreisen…

  3. Johannes

    Ich persönlich würde bei einer Lockerung des Waffengesetzes sofort eine kaufen. Niemand möchte ein wehrlose Opfer sein.
    Mit absoluter Sicherheit würde es bei einer Lockerung zu einem enormen Anstieg von Schießereien kommen.
    So mancher Bürger der aus vermeintlicher Selbstverteidigung geschossen hätte würde sich wundern warum er deswegen ins Gefängnis kommt.

    Eine verzwickte Situatuion niemand will hilfloses Opfer sein aber vor Gericht wird ein terroristischer Mord der nicht stattgefunden hat weil ein beherzter Bürger schneller war wohl ebenso schnell als eine Überschreitung der Selbstverteidigung ausgelegt.

    Mir wäre wesentlich lieber wenn wir rigoros abschieben würden,selbst beim kleinsten Verdacht und auch bei kleineren Verbrechen. Das wäre das scharfe Schwert der bedingungslosen Konsequenz.

  4. Nightbird

    Leider kenne ich auch einige Waffenbesitzer, denen ich selbst keine Waffe genehmigen würde. Deren Auftreten zeigt einem schon: Aha, ein Prolo!

    Aber der Großteil der Waffenbesitzer ist ohnehin zuverlässig, gesetzestreu. Schiessereien sind bei denen nicht zu befürchten.

    Obwohl ich die derzeitige Rechtslage als gerade noch eträglich erachte, sollte der Psychotest im Rahmen des Antrags auf Waffenbesitz strenger ablaufen. Hier gehört eigentlich nachgebessert um solche Psychos auszufiltern. Aber da könnte man ja auch schon beim Führerscheinantrag anfangen, oder?.

    Der Antrag auf Waffenbesitz/Waffenkauf ist derzeit noch möglich, da es ohnehin nur mehr eine Waffenbesitzkarte gibt. Für das Bereithalten zuhause in den eigenen 4 Wänden, am eigenen Grundstück.

    Das faktische “Nichtmehrvorhandensein” eines Waffenpasses für Zivilisten trotz IMO vorhandener Gründe steht auf eine anderen Blatt. Hier dürfen wir uns bei den Schwarzen/Türkisen bedanken inklusive des Umfallers Straches zugunsten der Raucherregelung. Und bei den Grünen. Denen ist ja jede Waffe ein Graus, sogar bei der Polizei.

    Eine Lockerung des Waffengesetzes ist daher nicht zu erwarten, eher das Gegenteil. Denn, wen man den Gerüchten glauben darf, plant die EU ein generelles Legalwaffenverbot. Wir ALLE sind dann Freiwild!
    Die Angst der Obertanen, Schusswaffen in den Händen der Bürger zu wissen, muß enorm sein.

    Abschiebung? Jederzeit. Beim geringsten Anlass. Und ohne die Möglichkeit der Wiedereinreise!
    Das Versorgen eines Kriminellen in unseren 3-Stern-Häf’n kostet nämlich UNSERE Steuergelder.
    Oder hat hier wer Geld zu verschenken?

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