Waffenrecht: Legale Schusswaffen sind nicht das Problem

(ANDREAS TÖGEL) Ob in Wahlkämpfen, in Fragen der Geldpolitik oder beim Waffengesetz: Die über die Deutungshoheit gebietenden Kräfte des politisch-medialen Komplexes, nehmen es mit der Wahrheit nicht so genau. Mit größter Begeisterung werden Strohmänner aufgebaut und bekämpft. Und es wird so getan, als ob damit ein (nur zum Zwecke weiterer Machtakkumulation erfundenes) Problem zu lösen wäre.

Beispiele gefällig? Im Wahlkampf um die österreichische Bundespräsidentschaft unterstellt die Entourage des Linkskandidaten, dass im Fall eines Sieges dessen Gegners mit einem Austritt der Alpenrepublik aus der EU zu rechnen sei, womit ein Bündel von Nachteilen für das Land verbunden wäre. Wahr ist: Der Bundespräsident hat in der Frage des Austritts aus der Union nicht das Geringste zu melden. Von einem ernsthaften Plan zum Austritt war und ist überdies keine Rede.

Im Kampf gegen das Bargeld werden die organisierte Kriminalität und ruchlose Steuerhinterzieher bemüht, um ein seit Jahrtausenden bewährtes Tauschmittel madig zu machen. Mit einem Mal ist jeder verdächtig, der nicht mit Kredit- oder Bankomatkarte zahlt. In Wahrheit geht es natürlich um nichts weiter, als um die totale Kontrolle und die möglichst problemlose Enteignung der Untertanen durch den Staat.

In der Frage des privaten Waffenbesitzes schließlich, sind es angeblich Legionen von Todesopfern, die durch eine restriktive Gesetzgebung „eingespart“ werden könnten. Sie ahnen es bereits: Das ist purer Unsinn.

Die folgenden Zahlen stammen aus einer amtlichen österreichischen Quelle (Sicherheitsbericht des Innenministeriums 2014) und sehen für Deutschland vermutlich nicht viel anders aus (multipliziert mit dem Faktor zehn): 2014 gab es

5.558 Straftaten mit Waffenverwendung. Davon

2.944 mit Stichwaffen (53%)

1.402 mit Hiebwaffen (25,2%)

1.191 mit Schusswaffen (21,4%)

Bei 336 Anlässen wurde geschossen. Dabei handelte es sich in 83 Fällen um Sachbeschädigung, 52 Mal um Tierquälerei, 43 Mal um Jagdrechtsvergehen und 39 Mal um Gefährdung der körperlichen Sicherheit (0,7%). Die Gefahr, von einem Gewalttäter mit einem Messer verletzt zu werden, ist um ein Vielfaches höher als die, angeschossen zu werden. Eine Initiative zur Einschränkung des freien Erwerbs von Messern, ist indes bislang noch nicht bekanntgeworden.

Die Zahl der Straftaten unter Verwendung von Schusswaffen, bewegt sich seit 2010 auf einem annähernd gleichbleibenden Niveau – trotz (oder wegen!) eines sprunghaften Anstiegs der in Privathand befindlichen Feuerwaffen seit Ausbruch der rezenten Völkerwanderung. Doppelläufige Flinten (die in Österreich nach wie vor frei erhältlich sind), sowie gängige Faustfeuerwaffenmunitionssorten, waren im Vorjahr monatelang vergriffen.

Im Jahr 2015 gab es insgesamt 83.073 Todesfälle. Davon 0,6% durch Mord/tätlichen Angriff (Daten von der amtlichen Statistik Austria).

Was diese Zahlen eindrucksvoll belegen, bestätigt sich auch im direkten Gespräch mit „an der Front“ tätigen Kriminalisten: „Legale Schusswaffen sind nicht unser Problem“.

Umso seltsamer mutet der Furor an, mit dem Politnomenklatura und Mainstreamjournaille jede Gelegenheit nutzen, um gegen den legalen Waffenbesitz zu polemisieren. Von Schießeisen, die sich in der Obhut von amtlich registrierten (und kontrollierten) Jägern, Sammlern und Sportschützen befinden, geht in deren Phantasie größte Gefahr aus, während die zum Schaden der Bürger zum Einsatz kommenden Tatwerkzeuge von Verbrechern (die in keiner Datenbank des Innenministers registriert sind), niemanden aufregen.

Dass im Zuge der laufenden Völkerwanderung möglicherweise Tausende bis an die Zähne bewaffnete Individuen die Grenzen überschritten haben und nun unbekannten Aufenthalts sind, ist weder für die Politik noch für die ansonsten stets erregungsbereiten Medien ein Anlass zur Sorge. Wir stehen also – wieder einmal – vor der Frage: Handelt es sich um eine Verschwörung oder um Dummheit? Vermutlich um eine höchst ungesunde Mischung aus beidem.

Der Beitrag ist zuerst in der Jänner/Februar 2017 Ausgabe 169 von „Eigentümlich Frei“ erschienen.

11 comments

  1. elfenzauberin

    Das beste Argument für ein liberales Waffengesetz liefert die Schweiz. Ganz anders als die Waffengegner uns weismachen wollen, führt ein liberales Waffengesetz keineswegs zu Wild-west-Zuständen, sondern gerade die Schweiz gilt als Hort der Sicherheit und Stabilität. Hinzuzufügen wäre noch, dass den Schweizer Bürger auch der Besitz von Sturmgewehren erlaubt ist, also Gewehre mit durchaus militärischen Einsatzzweck, die bei uns rundweg verboten sind. Nicht wenige Schweizer haben so ein Sturmgewehr daheim in greifbarer Nähe.

    Ist die Schweiz deshalb unsicherer?

  2. sokrates9

    Das schlimme ist dass logisches Denken immer weniger eine Rolle spielt-. Die Wirkung einer Maßnahme wird voll verzerrt und manipulativ dargelegt und kaum einer traut sich zu Widersprechen, da er dann nicht mit Argumenten geschlagen wird sondern mit der Nazikeule und ähnlichen emotionalen Attacken!

  3. Fragolin

    Die Souveränität eines Hauses wird nicht durch Gesetze begründet sondern dadurch, dass der Hausherr mit der Waffe in der Hand und seine Söhne hinter sich in der Tür erscheint.
    @Urban Galler
    Kriminelle wollen keine Gegner sondern Opfer. Das gilt auch, wenn sie einen Staat lenken.

  4. buerger2015

    private waffen für bürger waren in hitlerdeutschtland und in der ddr verboten ! wir wollen keines dieser systeme je wieder erleben !

  5. Peter Malek

    Herr Tögel hat die Zahlen und die Entwicklung sehr gut zusammengefasst. Leider muss aber doch bemerkt werden, dass Österreichs Legalwaffenbesitzer sich hier wie alle Schneebrunzer (pardon, aber diese Bezeichnung trifft es am genauesten) verhalten, indem sie nicht für dieses Recht einstehen. Vielmehr ist man der Ansicht, wenn man eine bestimmte Partei (3x dürfen´s raten..) wählt, würde diese im Fall des Falles für das Recht auf Legalwaffenbesitz einstehen.

  6. nattl

    Legaler Waffenbesitz ist halt öffentlich verschmäht, so wie viele andere Dinge.

    Im übrigen Stimme ich Fragolin mit seiner Aussage über die Kriminellen zu 100% zu.

  7. stiller Mitleser

    Es gibt eine starke illegale Bewaffnung. Am Morgen des 1.1.17 konnte man im Park eines Wiener Außenbezirks
    jede Menge 9mm Knallpatronen finden. Ob die wirklich alle aus frei erhältlichen Waffen abgefeuert wurden ist zu bezweifeln. In den letzten Jahren haben wir immer wieder auf KInderspielplätzen und öffentlichen Grünflächen Munition gefunden, nicht immer nur Knallpatronen.

  8. mariuslupus

    Speak softly and carry a big stick.
    Zu Erinnerung, was soll daran schlecht sein ? Second amendment.

  9. waldsee

    text: “””: Handelt es sich um eine Verschwörung oder um Dummheit? Vermutlich um eine höchst ungesunde Mischung aus beidem.”””
    gestatten sie mir die –überheblichkeit im sinne von selbstübrschätzung–
    anzufügen.

  10. Christian Peter

    Wenn die Regierung nicht fähig ist, die elementarsten Aufgaben eines Staates – wie innere Sicherheit – zu erfüllen, dann muss die Bevölkerung die Initiative ergreifen, sich bewaffnen und ihr Leben schützen. Weit besser wäre es natürlich, die verantwortlichen Regierungen sofort zu entlassen.

  11. Benjamin Spiss

    Wie Herr Tögel bereits feststellt, sind legale Schusswaffen in der Hand von mündigen Bürgern überhaupt kein Problem. Die richtigen Zahlen sind sogar noch ernüchternder für Waffengegner – im Artikel gab es anscheinend 2 Rechenfehler:

    – von den Todesfällen in AT im Jahr 2015 sind nur 0,06% (und nicht 0,6%) auf Mord/tätlicher Angriff zurückzuführen (konkret 50 von über 83.000 Todesfällen)

    – 39 Fälle der Gefährdung der körperlichen Sicherheit von 336 Schusswaffeneinsätzen sind 1,2% und nicht 0,7%

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