Wahlkampf: Lachen Sie, es ist ernst

Von | 31. August 2013

(von RALPH JANIK) Im Land mit der weltweit zweithöchsten Parteienförderung und der damit einhergehenden Hegemonie der Parteien bedeutet Wahlkampf: Omnipräsenz von Plakaten, die oft so riesig wie inhaltsleer sind und insofern einzig über die Photoshop-Fähigkeiten der dahinter stehenden Werbeagenturen informieren. Noch mehr oder minder versteckte Parteienwerbung in einschlägigen Zeitungen, die bei näherer Betrachtung so „gratis“ nicht sind. „Apps“, die einen permanent „auf dem Laufenden“ halten (worüber eigentlich?

Die xxx-te Wahlprognose, die dann doch nicht zutrifft? Die neuesten Wahlversprechen? Ein neuer Kommentar, der substantiell letztlich nur eine elaboriertere Form dessen ist, was man in jedem Gasthaus zu hören bekommen kann?) Und – natürlich – „TV-Duelle“ en masse.

Vor allem letztere sind schon seit geraumer Zeit en vogue wie nur was. So darf man mittlerweile fast täglich dabei zusehen, wie zwei Spitzenkandidaten sich beflegeln, Kärtchen mit Grafiken oder sonstigen Botschaften, die ihnen ganz besonders am Herzen liegen präsentieren und sich allgemein in narzisstischer Selbstdarstellung betätigen – „NLP Coaches“ oder wie man die unzähligen fragwürdigen Berater, die hinter dem Auftritt stehen auch nennen mag, reiben sich die Hände. Substantielle Themen waren (angeblich zumindest) gestern, die Auseinandersetzung mit nackten Oberkörpern von Spitzenkandidaten ist heute (eine Causa, bei der selbst der Ehemann von Eva Glawischnig-Piesczek hineingezogen wurde).

Vor Ort garniert wird das fragwürdige Spektakel mit Analysen von Experten aller Art, wobei Atmosphäre und Aufmachung sich nicht wesentlich von einer beliebigen Fußballübertragung unterscheiden. Hier ein Vertreter der einschlägig bekannten Riege der Haus- und Hofpolitologen, dort ein ehemaliger österreichischer Profi-Fußballer (hiermit fordere ich einen Rollentausch, um die Sache zu beleben – wer weiß, was Herbert Prohaska oder Frankie Schinkels zu einem Duell zwischen Stronach und Strache zu sagen hätten).

Der Erkenntnisgehalt dieser Analysen entspricht dabei freilich jenem des TV-Duells: „Kandidatin A spricht im Dialekt, damit zeigt sie Volksnähe.“ „Kandidat B spricht zurückhaltend, wirkt unsicher.“ „Kandidat C hat eine jugendliche Krawatte, um sein hohes Alter zu verschleiern.“ „Kandidatin D hat mit ihrer Grafik einen überraschenden Angriff gestartet.“ Die Freitagsausgabe der Politik-Werbeplattform „Heute“ bietet sogar eine nette Visualisierung der Bewertung. Kriterien: Inhalt (oha!), Glaubwürdigkeit und, jetzt wird es besonders spannend, „Fight“, „Fun“ und „Style“.

Gesetzt den Fall, dass man kein hohes Interesse an einem Magengeschwür hat, bleibt einem letztlich nichts anderes übrig, als diese Auswüchse des gemeinhin als „Politainment“ bezeichneten Konglomerats aus Journalismus, Politik und Entertainment mit Humor zu nehmen. Auch oder gerade wenn es Galgenhumor ist. „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“ soll Joachim Ringelnatz gesagt haben (zum Glück gibt es google, so findet sich immer ein passendes Zitat von jemandem, von dem man noch nie etwas gehört hat). Das gilt im Wahljahr 2013 mehr denn je.

 

Ein Gedanke zu „Wahlkampf: Lachen Sie, es ist ernst

  1. Christian Peter

    Österreichs Parteien werden jährlich mit unfassbaren 200 Millionen Euro (!?!) aus den Töpfen
    der Steuerzahler finanziert – da gibt es nichts mehr zu lachen. Zum Vergleich : Deutsche Parteien müssen sich mit 154 Millionen Euro Parteiförderung begnügen, obwohl das Land
    zehnmal so groß ist.

    Berücksichtig man auch noch die zahlreichen indirekten Subventionen an politische Parteien (Zuwendungen an vorgelagerten Interessenverbände wie Kammern, Gewerkschaften, ORF – Gebühren, Presseförderung, Inserate, u.a.) wird rasch klar : Österreich leistet sich die teuerste Demokratie der Erde.

    Das Schweigekartell der Parteien in Österreich :

    http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/oesterreich/2262075/parteienfoerderung-oesterreich-teuersten.story

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