Währungskrieg gegen die eigene Währung

Von | 20. Februar 2013

(von ANDREAS TÖGEL)  Nach einer Meldung des deutschen Nachrichtenmagazins „Spiegel“, ist die EZB, lt. einer vom Marktforschungsinstitut GfK-Verein vorgelegten Studie im Begriff, das Vertrauen der Anleger zu verlieren. Nur weniger als ein Drittel der Investoren in Europa glaubt demnach noch daran, daß die EZB in der Lage wäre, die Inflation wirksam zu kontrollieren. Das ist gerade dieser Tage höchst bemerkenswert, weil die von der EZB bisher gezeigte Geldpolitik als geradezu „moderat“ gelten kann, wenn man sie mit der ihrer internationalen Konkurrenten vergleicht. Die kürzlich erfolgte Ankündigung der Bank of Japan, ihr Inflationsziel von einem auf zwei Prozent zu erhöhen, und dem Markt – wörtlich – „unbegrenzte Mittel“ an neuer Liquidität zuführen zu wollen, um endlich aus der seit zwanzig Jahren auf dem Land lastenden Krise herauszukommen, ist von heimischen Kommentatoren überraschend zurückhaltend thematisiert worden.

Daß es sich dabei faktisch um eine Kriegeserklärung an die ebenfalls hart auf Inflationskurs segelnden USA und Großbritannien, aber auch an das hinsichtlich seiner monetären Politik etwas „konservativere“ Euroland handelt, wurde von Wirtschaftsfachleuten kaum zum Thema gemacht. Diese etwas andere Art des Merkantilismus, der Versuch, der Exportwirtschaft durch die Verschlechterung der eigenen Währung auf die Sprünge zu helfen, kann und wird allerdings nur dann erfolgreich sein (und selbst das nur kurzfristig), wenn die Wettbewerber zeitgleich nicht auf dieselbe Idee kommen. Genau das aber ist – siehe die expansive Geldpolitik des US-FED und der BOE – der Fall. Wo also wird die Reise enden, wenn sich alle Zentralbanken zur selben Zeit die Inflationierung ihrer Währungen aufs Panier schreiben? Es ist zu erwarten, daß es nach der Ankündigung der BOJ, die Geldproduktion zwecks Unterstützung der auf den Export angewiesenen Industrie, hochzufahren, entsprechende (gleichartige) Gegenmaßnahmen aus Europa und den USA geben wird – also eine weitere Intensivierung des schon bisher betriebenen „quantitative easing“. Daß keine dieser Maßnahmen in der Vergangenheit je etwas anderes als explodierende Staatsschulden bedeutet, die angepeilten Ziele aber regelmäßig völlig verfehlt hat, kümmert die hohe Politik offenbar keinen Deut.

Daß Japan trotz Jahrzehntelanger Verschuldungspolitik nach wie vor in der Krisenstarre verharrt, führt nicht etwa dazu, seine offensichtlich fehlgeschlagene Geldpolitik zu überdenken, sondern sogar zu deren weiteren Intensivierung. Was -zehn Milligramm Valium i. v. helfen nicht gegen den Lungenkrebs? OK – versuchen wir es eben mit zwanzig! Der Umstand, daß die Notenbanken in den USA und in England (zumindest derzeit noch) unter erheblich stärkerem politischen Einfluß stehen als die EZB, könnte zur Folge haben, daß – was angesichts der anhaltenden Eurokrise geradezu paradox erscheint – ausgerechnet der Euro kurz- bis mittelfristig zur härtesten Währung des „kapitalistischen“ Teils der Welt avanciert. Denn die EZB ist insofern – so seltsam es klingen mag – ein Hort der Stabilität, als die widerstrebenden Interessen innerhalb der Eurozone ihren Einsatz zu Erreichung politischer Ziele einigermaßen schwierig macht: Während die maroden Südstaaten – inklusive des traditionell erzsozialistischen Frankreichs – meinen, mittels hemmungsloser Geldvermehrung (auf Kosten Dritter) ihrer Probleme Herr werden zu können, sind die wirtschaftlich verhältnismäßig gesunden Staaten, wie Deutschland, Holland, Finnland und Österreich, eher am Kaufkrafterhalt und einem entsprechend zurückhaltenden Einsatz der Notenpresse, interessiert.

Der im Verhältnis zum Dollar, dem Pfund und dem Yen gemessene Wert des Euro, könnte daher, beim Wettlauf um eine möglichst rasche Abwertung, zunehmen (was natürlich gar nichts über seinen „wahren Wert“ – seine Kaufkraft nämlich, aussagt). Über die längerfristige Wirkung der Weichwährungspolitik braucht man sich übrigens keiner Illusion hinzugeben. Die historische Evidenz ist klar: Mittels Währungsverschlechterung schafft man keinen Wohlstand, man zerstört ihn. Ohne breites Vertrauen in die Währung geht es nämlich nur in eine Richtung: nach unten. Deutschland etwa hat mit der Hyperinflation der frühen Zwanzigerjahre nicht nur einer wirtschaftlichen Katastrophe den Weg bereitet, während es sein „Wirtschaftswunder“ nach dem Kriege mit einer beinharten Währung geschafft hat. Seinen Erfolgen als Exportnation hat die harte DM keinen Abbruch getan. Das pausenlos die Abwertungskarte spielende Italien dagegen steht – trotz einst wesentlich besserer Ausgangsbedingungen als „Sieger“ – deutlich schlechter da. Außerdem sei nicht übersehen, daß das BIP pro Kopf Deutschlands – trotz (oder gerade wegen!) seiner Hartwährungspolitik längst mit dem der seit vielen Jahren einer stark inflationistischen Geldpolitik anhängenden USA gleichgezogen hat. Soviel zu den Segnungen einer mit der Weichwährungspolitik einhergehenden Kaufkraftverschlechterung.

Eine stabile Währung, die das Vertrauen der Bürger, Unternehmer und Investoren genießt, ist die unabdingbare Voraussetzung für die Schaffung von Wohlstand. Eine expansive Geldpolitik dagegen ist lediglich dazu geeignet, kurzfristig Entspannung zu schaffen und die ökonomisch ahnungslosen Sozialisten in allen Parteien ruhigzustellen, während sie langfristig neue Probleme kreiert: Fehlallokationen, Blasenbildungen und zyklische Krisen. Setzen zeitgleich alle Währungskonkurrenten auf die Abwertungspolitik, wird das Ergebnis ein globales Währungsdesaster sein. Einziger Trost: Spätestens wenn die Kaufkraft bei null angelangt ist, findet das böse Spiel sein Ende… (Tagebuch)

11 Gedanken zu „Währungskrieg gegen die eigene Währung

  1. Robert

    Also Wiki meint zu Merkantilismus: “Gemeinsam ist dieser wirtschaftspolitischen Praxis das Streben nach Überschüssen im Außenhandel zur wirtschaftlichen Entwicklung des eigenen Staats.”

    Also wenn Deutschland es macht, ist es OK, wenn andere es machen, ist es verwerflich. Grandiose Logik.

  2. Thomas Holzer

    Sollten CDU/CSU/FDP im September abgewählt werden, dann ist es mit der relativ “konservativen” Währungspolitik der EZB über Nacht vorbei;
    Dann haben die Etatisten in der EU definitiv Oberwasser

  3. rubens

    @Thomas Holzer
    So ist es. Pest ist eben doch besser als die Cholera, wie es scheint. Doch das Marxsche Glück und die Gerechtigkeit werden die Menschen schon überzeugen, die Cholera zu wählen. ;-((

  4. Thomas Holzer

    @rubens
    Und unser Kanzlerdarsteller wird in der Riege der Etatisten in vorderster Reihe stehen 😉

  5. Christian Peter

    Thomas Holzer :
    Sollten CDU/CSU/FDP im September abgewählt werden, dann ist es mit der relativ “konservativen” Währungspolitik der EZB über Nacht vorbei;
    Dann haben die Etatisten in der EU definitiv Oberwasser

    @Thomas Holzer

    Lösen Sie sich vom Parteibuch – Denken. Etatisten haben in Europa seit
    Jahrzehnten Oberwasser. Die EU in der heutigen Form würde sonst gar
    nicht existieren.

  6. Leitwolf

    Dem Artikel fehlt es an Reflexion. Man fühlt sich ein wenig an die Diskussion über die 30 Stunden Woche erinnert, die von der linken Seite mit ähnlichem Tiefgang geführt wurde. Allein schon die Bezeichung “Währungsverschlechterung” ist ein Griff in den Schmalztopf, der zum Fremdschämen animiert.

    In der Sache ist erst mal zwischen expansiver Geldpolitik (vulgo: Notenpresse anwerfen), und einem spezifischen Wechselkursregime zu unterscheiden. Diese beiden Dinge haben genau gar nichts miteinander zu tun.

    Wenn Politik oder Notenbank Zeichen setzen die vom Markt positiv oder negativ bewertet werden, dann mag das durchaus Auswirkungen auf den Wechselkurs einer Währung haben. Allerdings geht es dabei immer noch um eine Entscheidung des Marktes, dem auch reale Kapitalflüsse zu Grunde liegen. Und eben diese Kapitalflüsse haben sehr wohl Auswirkungen auf die Wettbewerbsposition. Genau so wie der Wechselkurs.

    Flüchtet etwa Kapital in die Schweiz aus Angst vor einem Zusammenbruch des Euro, dann haben die schweizer Bänker mehr zu tun. Ihre Bankdienstleistungen werden bevorzugt nachgefragt, die Wettbewerbsposition der Schweiz hat sich verbessert. Wenn der Franken zugleich aufwertet, dann geht dieser Vorteil umgehend wieder verloren. Unterm Strich bleibt ein Nullsummenspiel, und das ist kein Zufall. Das hat vielmehr System welches sich Markt nennt.

    Gleiches gilt für den Schwächeanfall des Yen, der ebenso auf Einschätzungen ob der längerfristigen Wettbewerbsposition des Landes basiert. Dadurch, dass der Markt das Land schlechter beurteilt, dies im Wechselkurs reflektiert und somit neutralisiert wird, hat sich nichts verbessert, nichts verschlechtert.

    Gänzlich anders liegt der Fall, wenn die Notenbank interveniert. Gemeint ist im Aussenverhältnis. Wesentlich ist dabei ohnehin nur eine Unterbewertung, da eine Überbewertung (in Tögel`scher Diktion: Währungsverbesserung) weder erstrebenswert ist, noch (mangels unendlicher Devisenreserven) auf Dauer aufrecht erhalten werden könnte.

    Eine Unterbewertung vermag die Einschätzung des Marktes zu unterlaufen. Die Wettbewerbsposition ist dann zu jeder Zeit besser als es der Markt erlauben würde. Ein Vorteil der gravierende Auswirkungen haben kann, vor allem langfristig.

    Beispiele hierfür wären die heute größte Industrienation der Welt, China eben. Oder Deutschland im Bretton Woods System (Stichwort: Wirtschaftswunder). Es ist ein System das funktioniert. Das Unterschreiten des Marktwertes einer Währung zwingt die Investitionen regelrecht in die betreffende Volkswirtschaft. Ein fairer Wettbewerb ist, nun da der Markt ausgehebelt ist, nicht mehr möglich.

    Hohe Wachstumsraten, getragen von einer industriellen Exportwirtschaft, sind die logische Folge. Ebenso wie schwerwiegende Probleme für die konkorrierenden Volkswirtschaften, die trotz aller Anstrengungen nicht auf Augenhöhe konkurrieren können.

  7. Andreas Tögel

    Vererhter Leitwolf,
    wenn einst – vor Erfindung des Papiergeldes – über das Münzmonopol gebietende Fürsten den Metallfeingehalt der umlaufenden Geldstücke reduzierten (wie z. B. beim römischen Denarius geschehen) – was war das dann, wenn nicht “Geldverschlechterung”? Etwas Edles durch etwas Unedles zu ersetzen – wie würden Sie das nennen?

    Wer – unter sonst gleichen Bedingungen – eine gegebene Geldmenge ausweitet, senkt nota bene die Kaufkraft der einzelnen Geldeinheit. Ist das aus Sicht des Geldhalters Ihrer Meinung nach gut oder schlecht?

    Daß Geldmonopolisten untschiedliche Möglichkeiten haben, auf Kaufkraft und Währungsparitäten Einfluß zu nehmen, wird im Beitrag nicht bestritten. Der historische Befund allerdings zeigt eines ganz klar: Jede dieser Maßnahmen läuft auf Inflation – und damit Verluste für die Geldhalter – hinaus. Seit 1913 hat der USD 98% seiner Kaufkraft eingebüßt. Der Euro seit seiner Einführung mehr als 50%. Beides ist dem genialen Wirken von Notenbanken geschuldet…
    Mit freundlichem Gruß,
    A. Tögel

  8. FDominicus

    @Andreas Tögel
    Manche Sachen sind eben doch einfach zu schön um wahr zu sein. Der Mythos vom aus der Krise drucken und staatlichen Interventionen ist eine Aneinanderreihung von Versagen. Damals mußte sich ein Fürst entblössen und jeder “wußte” das Geld wurde vom Fürsten verschlechtert. Heute braucht man sich diese Mühe gar nicht mehr zu machen. Die EZB beschließt, es gäbe eine Billion mehr an Zwangszahlungsmitteln und es gibt mehr Zwangszahlungsmittel.

    Dazu dürfen die Banken ebenfalls noch ungefragt die Einlagen der Kunden verleihen und machen dies mit einem Hebel namens Mindestreserve und den wirklich “dummen” wird eingeredet, das gehört so. Betrug durch Staaten organisiert nennt sich euphemistisch “Geldpolitik”….

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