Wann kommt der Staat, der auf Zwang verzichtet?

“Die heutigen Staatsmodelle stammen aus dem 19. Jahrhundert – und basieren auf Zwang. Wann kommen Staatsmodelle auf den Markt, die auf Freiwilligkeit und Vertragstreue setzen? Ein Gedankenexperiment. (NZZ)

55 comments

  1. dna1

    Der Staat in der heutigen Form ist kein Naturgesetz, sondern eine menschengemachte Ordnung, Die Diskussion erscheint mir teilweise getragen von der häufigen Vorstellung “so wie es ist, so muss es sein”, aber die Menschheit ist noch nicht am Ende der Geschichte angelangt.

    Nur ein freiwilliger Handel ergibt eine win-win Situation. Dem Bäcker ist der Euro mehr wert, als das Brot, dem Käufer das Brot mehr wert, als der Euro, jeder gewinnt. Hingegen ist jede auf Zwang basierende Transaktion ausschließlich ein win-lose Situation (sie müssen für eine Leistung bezahlen, die sie gar nicht haben wollen).
    Niemand kann doch ernsthaft behaupten, das wäre ein wünschenswerter Zustand. Wenn es nur der Wunsch und/oder Auftrag der Politik wäre, könnte man das ganz einfach beginnen Schritt für Schritt zu ändern, im Artikel der NZZ ist beschrieben, wo man anfangen könnte.

  2. Selbstdenker

    @Oliver H.:
    Vielen Dank, dass Sie sich um diese Uhrzeit noch die Mühe machen auf meine Kommentare zu antworten.

    Sie haben recht. Statt von Werten hätte ich besser von Prinzipien schreiben sollen. Ich meine damit, dass bei Einhaltung grundlegender Prinzipien (NAP, Einhaltung von Verträgen, etc.) das Individuum – trotz Unzulänglichkeiten – im westlichen Zivilisationsmodell den besten Deal bekommt.

    Man muss weder ein Heiliger noch ein Genie sein um im westlichen Zivilisationsmodell ein gutes Leben führen zu können.

    Ich bin ein Anhänger der Idee von tausenden Liechtensteins. Eine Verfassung müsste die Modalitäten von freiwilligen Zusammenschluss oder Trennung regeln.

    Der Vorteil dieses Konzeptes ist, dass es für jede (gute) Idee einen Ort gibt. Wenn nicht hier, dann eben 50 km weiter. Von diesem Wettbewerb der besten Konzepte profitieren langfristig wiederum alle Liechtensteins, weil Bewährtes tendenziell kopiert und Schädliches tendenziell rechtzeitig abgefangen wird.

  3. Lisa

    @Selbsdenker: Oh, da bin ich froh, dass jemand mal nciht gleich in Panik gerät, wenn man von Kleinestaaterei durchaus etwas hält: vor allem Ihr Argument, dass es für jede gute Idee einen Ort gibt, schient mir durchaus praktikabel. Ich glaube, es ist die Frucht nicht mehr Rädchen in einem “Grossreich” zu sein, was viele sich vor der Idee erschrecken lässt. “Immer strebe zum Ganzen und kannst du selber kein Ganzes werden, schliess an ein Ganzes dich an” so ungefähr, vielleicht nicht ganz korrekt ziitiert, keine Zeit zu googeln oder gar in den JWG Gesammelten Werken zu stöbern! Sorry.

  4. Selbstdenker

    @Lisa:
    Ich muss gestehen, dass mir in jüngeren Jahren viele dieser Zusammenhänge nicht klar waren. Im Jahr 1995 habe ich sogar für den Beitritt Österreichs zur EU gestimmt – eine Entscheidung, die ich heute sehr bereue.

    Liechtenstein und die Schweiz erinnern mich im positiven Sinne ein Stück weit daran, wie es bis in die späten 1990iger Jahre in Österreich war.

    Österreich – obwohl auch schon früher eine überbürokratisierte Steuerwüste – hatte damals noch etwas mehr vom dezentralen und pragmatischen Charme der Schweiz, während wir nunmehr vom Doppel-Wasserkopf (Brüssel und Wien) gegängelt werden.

  5. Oliver H.

    @Zaungast

    “Systeme ändern sich meist erst nach einer militärisch/ökonomischen Pleite und nicht, weil sich die Leute über ihre kollektiven Irrtümer belehren lassen und einsichtsvoll ihre untragbaren Partikularinteressen zurücknehmen.”

    Das ist richtig. Bloß kommt auch in diesen Fällen eine Zeit danach, ein Neubeginn, für den man Alternativen tunlichst bereits davor in Stellung bringt, wird doch die Linke ebenfalls nicht müde, als Ausrede für den Kollaps anzuführen, man hätte den Kollektivismus zuvor nicht aufreichend konsequent durchgezogen.

    “Im Klartext: Man gehe hin und erkläre dem Volk, daß man bei den Ausgaben kürzen muß. Und dann schaue man, wie viel Verständnis und wie viele Stimmen man damit erntet.”

    Ebenso im Fraktur gesprochen: Das taugliche Ringen um bessere Ideen erfolgt immer in der Gegenwart. Egal ob der Zusammenbruch kommt oder sich mirakulös doch noch vermeiden läßt, durch Fatalismus wurde noch niemals etwas Besseres hervorgebracht.

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