Wann kommt der Staat, der auf Zwang verzichtet?

“Die heutigen Staatsmodelle stammen aus dem 19. Jahrhundert – und basieren auf Zwang. Wann kommen Staatsmodelle auf den Markt, die auf Freiwilligkeit und Vertragstreue setzen? Ein Gedankenexperiment. (NZZ)

55 comments

  1. waldsee

    den Staat abschaffen ist eine Sache,aber wer verhindert ,daß nicht gleich ein Gebilde das Terror
    machen kann,nachfolgt ? Ich denke da sofort an religiöse Gebilde,-der Phantasie sind dabei aber keine Grenzen gesetzt.

  2. Christian Peter

    Der Staat ist nicht das Problem, sondern die Politik. Würde sich die Tätigkeit der Regierung auf das Notwendigste beschränken, hätte wohl niemand ein Problem mit staatlichem Zwang.

  3. Thomas Holzer

    Staat ohne Zwang ist ein Widerspruch in sich, und da meine ich nicht primär den Steuerzwang

  4. Fragolin

    Wenn ein Staat sich auf das Notwendige beschränkt, gibt es die Forderung nach der Einsicht in die Notwendigkeit. Kernaufgabe des Staates ist der Schutz des Individuums vor Angriffen von außen ebenso wie im Inneren. Dafür ist die Mehrheit bereit, eine Abgabe zu leisten.
    Zwang muss er erst anwenden, wenn die Forderungen unverschämt und die eingetriebenen Leistungen verschlampt werden, weil er sich im alles kümmert und seine Aufgabe in der “Umverteilung” sieht, was absolut keine Staatsaufgabe sondern strenggenommen Amtsanmaßung ist.
    Wenn der Staat die Schutzaufgabe vernachlässigt, wird er obsolet. Das zum Thema Grenze und Polizei.

  5. sokrates9

    Wenn sich Politiker an Gesetze halten würden und es für Beamte entsprechende fühlbare Sanktionen geben würde wäre das schon mehr als die halbe Miete!

  6. KTMTreiber

    Zitat: “Staat ohne Zwang ist ein Widerspruch in sich, und da meine ich nicht primär den Steuerzwang”

    Das sehe ich ebenso. Hätte ich die Möglichkeit, einen “Staat” nach meinen Vorstellungen zu errichten, dann würde die Bevölkerung von Anfang an mehr einbinden. Zudem müsste die gesamte Gesetzgebung, insbesondere das Zivilrecht “entrümpelt” werden. Der “Nanny-Staat”, der alles für alle regelt wäre Geschichte. Die Menschen müssten viel mehr Eigenverantwortung für sich selbst übernehmen. Soziale (Staats)Leistungen würden auf ein Minimum heruntergefahren, was jedoch nicht heißt, dass tatsächlich, sozial Bedürftige durch den sprichwörtlichen “Rost” fallen würden.

    Arbeitgeber- und Arbeitnehmer würden lediglich einen Bruchteil der heutigen Steuern bezahlen. Mit dem “Ersparten” haben die Leute dann für ihre Zukunft vorzusorgen. Wer das nicht schafft, oder einfach zu dämlich ist, wird im letzten “Drittel” seines Lebens ein kleines Problem haben. Handwerk bekäme in meinem Staat / meiner Gesellschaft wieder den Stellenwert, den es verdient.

    Das es natürlich auch einer Exekutive bedarf (die natürlich über Zwangsmittel verfügt) erklärt sich schon aus dem Umstand, dass “Menschen” in meinem Staat leben. Bedauerlicherweise gibt es ja auch Leute, die es mit Regeln und Gesetzen nicht so haben …

    Es gäbe so viele Dinge zu verbessern …

  7. Weninger

    @KTM
    Sehr idealistisch gedacht, aber so ist der Mensch nun mal veranlagt, der wird Sicherheit der Freiheit immer vorziehen. Man kann natürlich über jden Schaß immer alle abstimmen lassen, aber ob was Gscheiteres rauskommt als in einer Monarchie, steht in den Sternen. Da bin ich sogar eher bei Herrn Holzer, obwohl ich wahrlich kein Monarchist bin.

  8. KTMTreiber

    @Weninger

    Ich stimme Herrn Holzer ebenfalls zu. Nur meine “rosaobergeile Zuckerwattewelt” wäre der absolute Wahnsinn für alle, außer für Kriminelle und Flüchtlinge, die keine sind ! 😉

  9. Weninger

    @KTM
    Wie ich in einem anderen thread schrieb, alle sind unzufrieden, aber die wenigsten wissen was Sie wollen, deswegen wird sich auch nichts ändern. Außer es kommt von außen der große Rumms. Viele in diesem Land laborieren auch an First-World-Problems, wenn ich mich so umhöre. Das richtige Outfit, das Auto, der Urlaub, die Schönheistoperation, die Zweitgeliebte, … alles wichtiger als Leistung. Tut mir leid, ich bin Zyniker.

  10. KTMTreiber

    @Weninger

    Auch wenn ich weiß was ich möchte (und das sind keine 1st world-problems) nützt es mir nichts, da das was ich gerne hätte / erträume, hier in Österreich, insbesondere in meinem Bundesland nicht zu verwirklichen ist. Deshalb habe ich das schon abgehakt (vielleicht im nächsten Leben) und wünsche mir einzig und allein eine (lebenswerte) Zukunft für unsere Kinder, insbesondere für mein eigenes. Ich denke das ist wohl nicht zu viel verlangt.

  11. Weninger

    @KTMTreiber
    Aber Sie sind doch nach eigenem Bekunden erst Anfang 40? Da gibt es doch noch Möglichkeiten. Ich habe Ihne nicht vorgeworfen, firstworld-Problems zu haben, aber bei vielen Leuten ist es halt so, dass sich herrichten und Spaß haben den höchsten Stellenwert genießen, egal was da draußen geschieht. Irgendwelche romatischen Rütli-Schwur Vorstellungen werden unsere Gesellschaft auch nicht mehr ändern. Deswegen erachte ich auch als in Ordnung, zunächts mal für sich und die Seinen zu sorgen, bevor man die ganze Welt umkrempeln will. Die Wünsche und das Danken andereer richten sich nicht nahc unseren rosaobergeilen Zuckerwatte-Welten

  12. Thomas Holzer

    @KTMTreiber
    “Zudem müsste die gesamte Gesetzgebung, insbesondere das Zivilrecht „entrümpelt“ werden.”

    Das wäre mal ein vielversprechender Anfang! Und dies sollte mit möglichst viel “Getöse” passieren, damit den “Untertanen” endlich -auch in der Masse- bewußt wird, welch Schwachsinnigkeiten ex lege mittlerweile schon geregelt sind.

    Eine “Straffung” der Gesetze würde auch meine These -hoffentlich ;)- bestätigen, daß ein Parlament, dessen “Mitglieder” ihre Leistung durch die Anzahl der Gesetze definiert, gar nicht notwendig wäre.

  13. KTMTreiber

    @Weninger:

    Zum einen denke ich, dass das hier nicht die Plattform zum Erörtern meiner Wünsche u. Vorstellungen ist und zum anderen habe ich nicht die Absicht den Kommentarbereich “vollzuspammen”. 😉

    @ Th. Holzer

    Och, – ich hätte noch sehr viele weitere gute Vorschläge; – wer sagt denn, dass der Brennerbasis- Tunnel mit Maschinen vorangetrieben werden muss ! – *Scherzerl* 😉

  14. Thomas Holzer

    @KTMTreiber
    Bedenkend, daß wir ziemlich viel wenig bis gar nicht qualifizierte “Neubürger” im Lande haben, könnte man eine Rückkehr zu Schaufel und Spaten, mit händisch geschobenen Loren, durchaus ventilieren 😉

  15. Weninger

    @KTM
    “Zum einen denke ich, dass das hier nicht die Plattform zum Erörtern meiner Wünsche u. Vorstellungen ist ”
    Wollte ich auch gar nicht, viele andere hier sind weniger gehemmt.

  16. Weninger

    @Holzer
    Ich glaube durchaus, dass Orientalen Baumschinen betriebne könne, besser als Sie oder ich, wei viel Türken beweisen, aber ob sie wollen, ist die wahre Frage. Und die werden auch ncith zur Schaufel greifen, Sie Optimist.

  17. Thomas Holzer

    @Weninger
    Sie schreiben es!
    Alles eine Frage des Willens und des Wollens; egal ob es sich darum handelt, sich selbst weiterzubilden, eine Schaufel in die Hand zu nehmen, und/oder sich aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit zu befreien 😉

  18. Zaungast

    “Wann i, verstehst, was z’redn hätt …”

    Hat eh ein jeder Wahlberechtigte. Natürlich anteilig. Jeder mit einem Stimmgewicht von ca. 1/6Mill. Die Summe über alle ist dann der Staat, den wir haben. Mit dem keiner ganz zufrieden ist. Jeder einzelne will was anderes als die Summe.

  19. Weninger

    @Zaungast
    Nichts anderes wollt ich sagen, die Leute wissen immer nur, wogegen sie sind. Und wenn das dann gemacht wird, sind sie erst recht nicht zufrieden, das Jammern ist des Österreichers Lust, wie zahlreiche Beispiele auch hier belegen.

  20. Zaungast

    @Weninger

    Das übliche Gesudere halt. 😉 Das ich durchaus verstehen und teilen kann. Aber man wird eines nicht ändern können: Die Summe ist immer der Stärkere. Man kann nur versuchen, dem Stärkeren so gut es geht auszuweichen.

  21. Thomas Holzer

    @Weninger, Zaungast
    Eben weil es in diesem Land ca. 8,5 Millionen Partikularinteressen gibt, sollten sich die Politikerdarsteller darauf zurückziehen -wenn überhaupt- die “großen Leiplanken” zu bestimmen, nicht aber versuchen, einmal diese, einmal jene Partikularinteressen, rudimentär zu befriedigen.
    Wird mit einer Gruppe begonnen, und das ist leider nicht nur in Österreich der Fall, werden von anderen und natürlich auch derselben Gruppe immer wieder neue Forderungen gestellt werden; dementsprechend sieht auch das Zivilrecht in diesem Lande aus: Kein konzises Werk mehr, das es einmal war, sondern ein immer größerer Flickenteppich, welcher immer größere Widersprüchlichkeiten in sich birgt, und für (fast) niemanden mehr verständlich ist; für die Politikerdarsteller definitiv nicht.

  22. Zaungast

    @Thomas Holzer

    “Wos kriag i, wenn i di wähl?” – Das ist die Basis, auf der alles aufsetzt in Ö und sonstwo. Man mag es korrupt nennen oder eine Tradition. Die Basis ist halt so. Wer andere Ergebnisse (eine andere Politik) will, braucht eine andere Basis.

  23. Thomas Holzer

    Nachtrag: In Deutschland geht dieser Tage ein gewisser Herr Maas mit der Aussage hausieren, daß niemand auf Grund seines Namens bei der Wohnungssuche benachteiligt werden darf.

    “Geübte” Realisten erahnen schon, wohin die Reise gehen wird: Ein neues Gesetz wird kommen, und nach diesem wird eine neue Studie auf den Markt geworfen, welche einer anderen Gruppe eine Benachteiligung bescheinigen wird, mit den üblichen Folgen; ad infinitum

  24. Thomas Holzer

    @Zaungast
    Sie haben recht, das ist die Basis, das ist aber auch die Basis jeglicher Demokratie

  25. KTMTreiber

    @Th. Holzer

    Jawohl ! Deshalb artikuliere ich jetzt mal meine (dringlichsten) Partikularinteressen:

    – Grenzen (da stehen dann Männer u. Frauen in Uniform dort, die kontrollieren, wer REIN, oder RAUS darf)
    – Wiederherstellung der gesetzlichen / gesellschaftlichen Normalität – nehmen wir als Ziel das Jahr 2000

    – In jedem Bundesland mind. einen (min.) 500 – Meter Schießstand (erlaubt bis Kaliber bis .50 BMG)
    – Jeden 1. Samstag im Monat / Freibier / Spritzer – für ALLE

    – Geschwindigkeitsbeschränkung für Zweiräder auf Alpen- / Bundesstraßen MUSS fallen ! (die Guten
    überleben)
    – Europäische (weibliche) Kleiderordnung (ab 25 Grad C / Hot-pants- Pflicht (ich weiß, kann auch ins Auge
    gehen)
    – Politiker die absolut “daneben hauen” dürfen wieder “geteert und gefiedert” werden

    … so im Moment fällt mir auf die Schnelle nichts mehr ein … 😉

  26. KTMTreiber

    Nachtrag:

    Ich hab noch was vergessen !!!

    SPORT-Auspuffe für Benzin- Rasenmäher !!!! 😉 😉 😉

  27. Weninger

    @KTM
    Passt, nur eine Korrekutur, es heißt “gefedert” und alternativ zu Hotpants würde ich wahlweise Miniröcke erlauben.

  28. KTMTreiber

    @Weniger

    … “gefedert” war auch gemeint (war mein Browser der das offensichtlich verschlechtbesserte) – Miniröcke oder Hotpants, – darauf können wir uns einigen – bin ja kein Radikaler, oder “Fundi”,- lass ja mit mir reden … 😉

  29. mariuslupus

    Mit dem Staat ist es ähnlich wie mit den Göttern. Die Menschen haben den Staat nach ihren Ebenbild erschaffen.
    Der Unterschied ist, nach der Aufklärung und der Säkularisierung, kann man sich freiwillig entscheiden, ob man sich dem selbstgebastelten Gott unterwirft, oder nicht. Mit dem selbstgebastelten Staat ist es nicht so einfach. Der Staat gebärdet sich wie der aus der Flasche befreite Dschin.
    Einen Gesellschaftsvertrag zwischen Staat und Bürgern gibt es nicht mehr. Der Staat, sprich seine Repräsentanten, haben alle Vereinbarungen eines Vertrages wiederholt gebrochen. Alles was in den Verfassungen steht ist Makulatur. Meinungsfreiheit, Schutz des Eigentums, Rechtssicherheit, Gleichheit vor dem Gesetz, Schutz der Bürger, das staatliche Gewaltmonopol, alles Makulatur.
    Die Regierenden Machthaber wurden jahrzehntelang von niemanden kontrolliert, von den Wählern immer wieder trotz offensichtlicher Inkompetenz, wiederholt bestätigt. In dieser Zeit haben sich die Machthaber einen dicken Speckgürtel, auch Parteien genannt, zugelegt. Dieser Speckgürtel, zusammen mit den gleichgeschalteten Medien, garantiert den Machthabern den Verbleib an der Macht. Die Parteien entscheiden wer im Parlament sitzen darf und wie er dort abstimmen muss.
    Menschen die behaupten das Demokratie und repräsentatives Wahlrecht etwas gemeinsam haben, verschliessen die Augen vor der Realität , die sie den gewählten Politikern zu “verdanken” haben.

  30. Thomas Holzer

    @KTMTreiber
    “– Wiederherstellung der gesetzlichen / gesellschaftlichen Normalität – nehmen wir als Ziel das Jahr 2000”

    Also de facto KEIN Internet, rudimentäre Mobilfunktelephonie, kein Amazon, kein Google, aber dafür blau-schwarz 😀

  31. Thomas Holzer

    Nachtrag: Und natürlich keine Eurofighter ;), ergo keine teuren U-Ausschüsse

  32. namor

    Um wieder zum Thema zurück zu kommen, das Raunzen über Suderanten führt nun doch vom Artikelthema weg und ist peinlich allemal.

    Obwohl man über die Mittel einer Demokratie zur Durchsetzung nicht mehrheitstauglicher Maßnahmen durchaus mal Überlegungen anstellen sollte, da physische Gewalt ja eher nicht dazu gehört. Prinzipiell ist ja auch eine Demokratie mit nur Staatsmedien immer noch eine Demokratie, da hat man auch noch sein Stimmgewicht 1/6Mio. Demokratie ist ein weiter Begriff, ich denke man sollte ihn wieder enger fassen.

    Aber zum Artikel. Mit ein paar Absätzen schweifender Gedanken kommt er am Ende zu den Chartered Cities. Mit diesen Gebilden öffnet man eine Box, ob sie Geschenke enthält oder doch Pandora gehört? Ich denke letzteres. Aber kurz zuvor schlägt in dem Artikel die Postmoderne einen weiteres Mal auf die Identitätsfindung ein. Heimat als Wahlheimat für jeden. Am Basar der Lebensentwürfe wird eine weitere Wurzel durchtrennt. Ob sich die Heimat dann auch die zu Beheimatenden aussuchen darf, diese Frage wird noch nicht einmal gestellt. Wenn nicht, wird es wohl keine elysische Heimat geben, dahin will dann nämlich jeder. Herbst 2015 lässt grüßen.

    Als nächstes dann Familie als Wahlfamilie. Bei KTM-Treiber ist noch Platz und schießen lerne ich auch. Ich bin dann auch gerne seine sozialkonstruierte Tochter, wegen Quotenkindern. Falls ich älter als KTM-Treiber sein sollte, spielt das keine Rolle. Elternschaft ist ein auch so ein soziales Konstrukt. Im Familienverband kann man das verhandeln, dann werden Kinder die Eltern und Eltern die Kinder. Rolle als Wahlrolle.

  33. Oliver H.

    @waldsee

    “den Staat abschaffen ist eine Sache, aber wer verhindert, daß nicht gleich ein Gebilde, das Terror
    machen kann, nachfolgt?”

    Diese Gefahr besteht, im schlimmsten Falle liefe es auf die Wiedererrichtung dessen hinaus, was wir aktuell schon haben. Dann ließe sich tatsächlich von einer menschlichen Natur ausgehen, die konsequent zu Individuen ausbeutenden Unrechtsregimen tendiert. Erbracht jedoch wurde dieser Beweis bislang nicht, schon garnicht in unseren Gefilden.

    “Ich denke da sofort an religiöse Gebilde, – der Phantasie sind dabei aber keine Grenzen gesetzt.”

    Anders aber als derzeit aber müßten die Gewaltbereiten die Unterdrückung der Mehrheit selbst organsieren und finanzieren. Maligne Kräfte lassen sich niemals vollkommen ausschließen, bloß können diese niemals dermaßen wirkmächtig werden, wenn einmal die Legende vom Tisch ist, man sei aufgrund eines ominösen ‘Gesellschaftsvertrags’ tributpflichtig.

    Gewalt ist teuer, freiwillige Kooperation statt dessen sowohl billig wie auch langfristig erfolgreicher, was freiwillige Kooperation gegen Unrecht und deren Betreiber folgerichtig einschließt.

  34. Oliver H.

    @Fragolin

    “Wenn ein Staat sich auf das Notwendige beschränkt”

    Diese Prämisse ist weder logisch noch empirisch haltbar.

    “Kernaufgabe des Staates”

    Das setzt die Notwendigkeit eines staatlichen Gewaltmonopols voraus, etwas, was hier ja gerade auf dem Prüfstand steht.

    “[Sicherheit] Dafür ist die Mehrheit bereit, eine Abgabe zu leisten”

    Besagte Mehrheit jener, die einen bestimmten Anbieter für die Erledigung dieser Aufgabe entlohnen, könnte sich selbstverständlich auch in einem freien Markt herausbilden. Diese Mehrheit aber ginge dem Anbieter verloren, falls er, wie heute bei bestehenden Monopolen, seine Dienste nicht oder nur unzureichend erfüllt.

    Zugleich verfügte in einer Privatrechtgesellschaft die Minderheit ebenfalls über Sicherheitsanbieter, was Übergriffe dominanter Player schwieriger macht. Einmal mehr gilt: Gewalt ist teuer, weshalb sich vorherrschende Kräfte dreimal überlegen müßten, was ihnen die Knechtschaft der Minderheit wert ist.

    In heutigen Systemen müssen Bürger für ihre Unterdrückung selbst aufkommen. Es scheint, als hätte der verhaustierte Untertan sich dermaßen damit angefreundet, wonach er garnicht auf die Idee kommt, ein auf Freiwilligkeit basierendes System sei besser als ein Gewaltmonopol, das nach jeder Form der Beurteilung, sei es rational oder historisch, zum Exzess und damit zum gesellschaftlichen Niedergang führt.

  35. Oliver H.

    @Zaungast

    “Aber man wird eines nicht ändern können: Die Summe ist immer der Stärkere.”

    Dem ist, mit vernachlässigbaren Vorbehalten, zuzustimmen. Bloß steht und fällt diese ‘Summe der Stärkeren’ mit der Aufrechterhaltung kollektiver Irrtümer. Die manifeste Staatsgläubigkeit erinnert an den Glauben, es sei von Vorteil, den eigenen Kopf nach dem morgentlichen Aufstehen mit einem Ziegelstein zu mälträtieren.

    Auf der einen Seite haben wir Machthaber, die mit ihrer Einschätzung, die Masse sei dumm und müsse daher mittels inszenierter Demokraturspiele im Glauben gehalten halten, sie bestimme selbst den Lauf der Geschichte. Dem gegenüber stehen Libertäre und ihre Darstellung, die Masse sei künstlich verblödet worden, doch sei dies umkehrbar.

  36. Oliver H.

    @KTMTreiber

    “Hätte ich die Möglichkeit, einen „Staat“ nach meinen Vorstellungen zu errichten, dann würde die Bevölkerung von Anfang an mehr einbinden.”

    Welche Art der Einbindung kann weiter gehen denn die Erlaubnis an jedes einzelne Individuum, selbst zu entscheiden, an wen es sich in Sicherheitsfragen wendet?

    Alles andere wäre ebenso einbindend wie die Vorgabe, die Bürger müssen sich auf ein bestimmes Automodell einigen. Was in 99% der Fälle im täglichen Leben bei normalen Menschen Kopfschütteln auslöste, soll ausgerechnet im zentralsten verbleibenden Prozent hingenommen werden?

    “Der „Nanny-Staat“, der alles für alle regelt wäre Geschichte.”

    Nicht bei einem Gewaltmonopol. Weder logisch noch empirisch trägt die These, ein Minimalstaat bliebe konsequent auf selbigen beschränkt.

  37. Thomas Holzer

    @Gerald Steinbach 18:09h
    “…….„als tragenden Bestandteil des fairen Interessenausgleichs und des sozialen Friedens uneingeschränkt“”
    Könnte man auch “uneingeschränkt” als “Argument” für die Zahlungen an “unsere” Neubürger verwenden 😉

    @Weninger 18:22h
    Aber immer sehr ausführlich 😉

  38. Zaungast

    @Oliver

    “Dem gegenüber stehen Libertäre und ihre Darstellung, die Masse sei künstlich verblödet worden, doch sei dies umkehrbar.”

    Betrachten wir es praktisch:

    Bei ca. 6 Mill Wahlberechtigten haben wir ca. 2.3 (?) Mill Pensionisten, ca. 0.6 (?) Mill Arbeitslose, Notstandshilfe-/Mindestsicherungsempfänger, ca. 0.5 (?) Mill Staatsdiener usw., mit Angehörigen zusammen weit mehr als 3 Mill, also deutlich mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten.

    Welches unwiderstehliche Angebot haben Libertäre an diese an den Zitzen des Versorgungsstaates saugende Wählermehrheit? Mir fällt da gerade nichts ein.

  39. Oliver H.

    @Zaungast

    “Welches unwiderstehliche Angebot haben Libertäre an diese an den Zitzen des Versorgungsstaates saugende Wählermehrheit? Mir fällt da gerade nichts ein.”

    Wozu die versuchte Polemik der Unterstellung, eines *unwiderstehlichen* Angebots zu bedürfen? Denkbar simpel strukturierte Kläffer gibt es hier genügend, es besteht definitiv kein gesteigerter Bedarf, in deren Chor einzustimmen. Oder doch, wenn schon nicht aus verzeihlicher Gefühlssponanität, so zur expliziten Veranschaulichung der Wirksamkeit einer Handvoll rabulistischer Destrukteure?

    Anyway: Vermutlich sind wir uns einig in der Betrachtung, das von Ihnen genannte Saugen an den Zitzen des Versorgungsstaates sei a) irgendwann in der Vergangenheit begonnen worden, stelle b) eine zunehmende Korrumpierung der Bürger dar und könne c) nicht endlos lange fortgesetzt werden, was d) früher oder später zum Kollaps der Gesellschaft oder zumindest heftigen Verwerfungen derselben führt.

    Der kollektive Irrtum besteht, und damit erzählt man Ihnen definitv nichts Neues, darin, als Mehrheit im Staat dauerhaft auf Kosten Dritter leben zu können. Das Aufzeigen dessen ist kein Angebot, bloß das Festhalten des Offensichtlichen. Auch ist das Darlegen von Alternativen kein Angebot, sondern ebenfalls simples Beschreiben, ein systembedingt zur allseitigen Korrumpierung neigendes System sei eingedenk der zunehmenden Fallhöhe lieber heute als morgen durch eines zu ersetzen, dem keine derartigen Selbstzerstörungskräfte innewohnen.

    Dieses Aufzeigen könnte man tatsächlich unterlassen und sich statt dessen in Fatalismus üben, alternativ im tagesaktuellen Hecheln hinter Mainstream-Schlagzeilen und den hierbei zunehmend schriller kommunizierten Feindbildern oder, auch sehr beliebt, im wechselseitigem Kraulen der Testikel via smileytriefender Chatnachrichten.

    ‘Zu ne cede malis sed contra audentior ito.’ — Es ist der zweite Teil dieser kraftvollen Aufforderung, der Libertäre davon Abstand nehmen läßt, sich destruktiven Tendenzen zu beugen, denn der Beweis, was hinsichtlich gesellschaftlicher Entwicklungen tatsächlich *unwiderstehlich* ist, muß erst noch erbracht werden.

  40. Selbstdenker

    Ich erlaube mir folgendes Video in die Diskussion einzubringen:
    https://www.youtube.com/watch?v=hoBrgRQT1Qk

    Vorweg: dass die Zukunft “linksliberal” sei, wage ich stark zu bezweifeln 😉

    Die geschilderten Zusammenhänge sind meiner Meinung nach aber ein wichtiger Diskussionsbeitrag zur Frage wie ein Staat ohne Zwang funktionieren könnte.

    Meine Kernthese ist die, dass sozi-ökonomische Systeme mit zunehmender Größe und Heterogenität nur mit zunehmend autoritären Mitteln aufrecht erhalten werden können. Es kommt zur Konzentration von politischer / ökonomischer / medialen Macht und damit zur Aushöhlung der Vertragsfreiheit.

    Ich rede hier vom Parteienstaat, von verblüffend synchronen Mainstreammedien und von Global Playern, die selbst Politik betreiben und so mit unlauteren Mitteln kleinere Mitbewerber auf Distanz halten.

    Ich bin nicht der Ansicht, dass man Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen in einem gemeinsamen politischen Konstrukt zusammenpferchen sollte um sie dann anhand bestimmter Kategorien (Geschlecht, Hautfarbe, etc.) wieder aufzuteilen und untereinander auszuspielen.

    Das ist meiner bescheidenen Meinung nach genau jenes “Spiel”, das die US-“Democrats”, die EU, die UNO und verschiedene super- bzw. supranationale Organisationen mindestens seit Mitte der 1990iger Jahre spielen.

    Ein freiheitlich verfasster Staat als sozio-ökonomische Einheit funktioniert kleinteilig, schlank und mit klarer Abgrenzung entlang geteilter Werte. Damit wird einerseits die Konzentration von Macht und Bürokratie begrenzt und anderseits ein existenziell bedrohliches Ausufern von sozial schädlichen Verhalten verhindert.

  41. Selbstdenker

    Vorweg möchte ich festhalten, dass ich davon überzeugt bin, dass das (inzwischen eher schon althergebrachte) westliche Zivilisationsmodell den besten Deal für jedes einzelne Individuum bietet, das zumindest den überwiegenden Teil der grundlegendsten Werte teilt.

    Es lohnt sich meiner Meinung nach für die Zukunft dieses Modells zu kämpfen, auch wenn die Selbstunterwerfung vor dem epidemischen Fatalismus mit weniger Gefahren und Mühen verbunden wäre.

    Um nach zwischenzeitlich vielen verlorenen Schlachten nicht noch eine weitere Schlacht oder gar den ganzen (asymetrisch geführten) Krieg zu verlieren, sollte man sich über das Wesen vom Gegner klar werden und wie eigene Schwächen diesen begünstigen.

    Über vieles haben wir uns auf OO bereits unterhalten. Der ultimative Türöffner für den aktuellen Wahnsinn, der sogar noch vor Gender, Multikulti, Sozialstaat, etc. kommt, ist die westlich geprägte Idee des Universalismus.

    Dieses Konzept ist die sechsspurige Autobahn, die sowohl von Neocons als auch Neoprogressives in Richtung Osten errichtet wurde. Und nun stellt man überrascht fest, dass mindestens drei Fahrbahnstreifen von der Gegenrichtung befahren werden.

    Eine Idee, die man nur mit Feuer und Schwert, Kampfjets, Propaganda oder aggressiven Werbekeilern verbreiten kann, ist mit ziemlicher Sicherheit keine gute Idee.

    Wenn eine Idee gut ist, reicht es völlig aus, dass sie andere kopieren. Dabei hätte man es belassen sollen.

  42. Zaungast

    @Oliver

    Wir können kollektive Irrtümer in kunstvoll gedrechselten Sätzen aufzeigen bis zum St. Nimmerleinstag. Die mehrheitsbildenden Zitzensauger werden davon nichts merken, geschweige daß es sie auch nur einen Nanometer beeindruckt.

    Die praktische Bedeutung der Libertären ist null. Das ist die Realität.

  43. Oliver H.

    @Zaungast

    “Die praktische Bedeutung der Libertären ist null. Das ist die Realität.”

    Neandertaler werden das Bewohnen von Höhlen sicherlich als unüberwindbaren Dauerzustand empfunden haben. Kommunismus, Faschismus und Nationalsozialismus hatten damals anlog den Anschein von ewiger Gültigkeit und 100%ig garantiert dieselben brustgeschwellen Das-ist-Realität-Posaunisten, wie die aktuelle Doktrin. So what.

  44. Oliver H.

    @Selbstdenker

    “Vorweg möchte ich festhalten, dass ich davon überzeugt bin, dass das (inzwischen eher schon althergebrachte) westliche Zivilisationsmodell den besten Deal für jedes einzelne Individuum bietet, das zumindest den überwiegenden Teil der grundlegendsten Werte teilt.”

    Diese Darlegung einer Überzeugung ist zu respektieren und unterscheidet sich zugleich positiv vom Geschwätz derer, die zu feig für eine artikulierte eigene Haltung sind und dieses Defizit durch Anfeindungen anderer Personen kompensieren wollen.

    Zugleich aber verwundert diese Überzeugung, wenn sie speziell auf das Teilen gemeinsamer Werte verweist. Je gemeinsamer die Werte, desto weniger Friktionen und damit noch weniger Notwendigkeit zur monopolisierten Oberaufsicht. Das Anerkennen eines Gewaltmonopols als Gemeinsamkeit wäre bloß eine tautologische Begründung.

    Verzeihen Sie, wenn ich ergänzend, an Ihrem Posting festgemacht, einmal mehr eine omnipräsente Mär abräume, nämlich die mit dem ‘Teilen der überwiegenden grundlegendsten Werte’.

    ‘Grundlegendst’ ist Superlativ, folgedessen sollte es tunlichst nur einen einzigen ‘grundlegendsten’ Wert geben. Doch selbst in der Lesart ‘grundlegend’, anerkennend, es könnte deren mehrere Werte geben, kommen Friktionen selten aufgrund von Umstimmigkeiten über Bestandteile des Wertekanons zustande, sondern über deren *Rangfolge*, sowohl im Allgemeinen, wie noch viel mehr im speziellen Anlaßfall.

    Derselbe Irrtum, den die ‘glühenden’ EU-Scharlatane mit den x-fach abgelutschen ‘europäischen Werten’ verzapfen, auf die man sich geeinigt hätte, verfängt bei jenen, die damit den kleinräumigen und homogenen Staat begründen wollen. Die einzige gesellschaftliche Entität, bei der das funktionieren kann, ist das Individuum, und selbst dessen Präferenzen unterliegen einem zu respektierenden Wandel.

    Sind dennoch minimalstaatlich weltweit tausende Liechtensteins anzustreben? — Ja, denn sie sind um 10er-Potenzen besser als das, worauf die globale Unheilsfahrt aktuell zusteuert. Die Pointe aber liegt darin, wonach die Verfassung Liechtensteins sogar explizit Sezessionen erlaubt, ein Prozeß, der extrapoliert in einer Privatrechtsgesellschaft münden kann.

    Was bleibt unterm Strich? — Sind wir als Westen schon dermaßen verkorkst, daß wir dem Individuum nicht zugestehen, es dürfe von der Umwelt unbehelligt in Frieden leben? Offensichlich nicht, denn der einzige Unwert, über den Einigkeit zu bestehen scheint, ist die Option, andere gegen deren Willen vor den eigenen Karren zu spannen.

  45. Zaungast

    @Oliver

    Systeme ändern sich meist erst nach einer militärisch/ökonomischen Pleite und nicht, weil sich die Leute über ihre kollektiven Irrtümer belehren lassen und einsichtsvoll ihre untragbaren Partikularinteressen zurücknehmen.

    Im Klartext: Man gehe hin und erkläre dem Volk, daß man bei den Ausgaben kürzen muß. Und dann schaue man, wie viel Verständnis und wie viele Stimmen man damit erntet.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .