Warum China schon bald Krieg gegen Taiwan führen könnte

Von | 2. Mai 2021

Was zukünftig in der Taiwan-Strasse geschieht, ist eine Kernfrage der Weltpolitik, die auch über den Wohlstand in Europa entscheidet. Xi Jinping denkt daran, den Traum vom vereinigten China unter seiner Führung wahr werden lassen – notfalls mit Gewalt. NZZ, hier

3 Gedanken zu „Warum China schon bald Krieg gegen Taiwan führen könnte

  1. Hartmut PIlch

    Wir haben in den 1970er Jahren die Einheit Chinas anerkannt, zu dem Taiwan, Tibet, Xinjiang und andere Territorien gehören, über die ständig irgendwelche Kreuzzügler unter der impliziten Voraussetzung streiten, dass China zum Wohle der Welt destabilisiert werden müsse. Es wäre besser, wenn wir uns mit eigenen Problemen, einsclhießlich eigener Destabilisierung, befassen würden.

  2. CE___

    @ Hartmut Pilch

    “…Wir haben in den 1970er Jahren die Einheit Chinas anerkannt, zu dem Taiwan, Tibet, Xinjiang und andere Territorien gehören…”

    Ein Fehler. Genauso wie ein Fehler die ganzen territorialen Übergriffe eines kleinen Gefreiten in den 1930ern akzeptiert zu haben und damit nur “Geschmack auf mehr” erweckt zu haben.

    “…irgendwelche Kreuzzügler…” “…China zum Wohle der Welt destabilisiert werden müsse..”

    Sie unterschlagen dass wir hier weder vom 1911 verblichenen Kaiserreich China noch von der demokratischen freiheitlichen Republik China auf der Insel Taiwan gesprochen wird, sondern von der totalitär-kommunistischen VR China. Dass für sie Westler, die sich mit einem immerhin über 1,4 Milliarden Menschen gebietenden totalitären Regime mit ganz offen erklärter Weltmachtsambition nicht so abfinden wollen, “Kreuzzügler” sind, lässt eher tief in ihre ideologische Seele blicken als in die der “Kreuzzügler”.

    “…Es wäre besser, wenn wir uns mit eigenen Problemen, einsclhießlich eigener Destabilisierung, befassen würden….”

    Hier bin ich mich Ihnen d’accord. Nur das eine (interne) kann kein Grund sein das andere (externe) Problem zu negieren.

  3. Thomas Brandtner

    Die Konfrontation des Westens mit Russland treibt dieses Land schon seit Jahren zunehmend in eine Allianz mit China. Diese beiden Mächte wissen, daß sie den USA und ihren Verbündeten derzeit noch beträchtlich unterlegen sind. Aber diese Lücke schließt sich immer mehr. Und China wird in dieser Allianz tendenziell immer mehr zum führenden Partner, auf den Russland in seinen strategischen Entscheidungen Rücksicht nehmen muß. Die klassische chinesische Strategie, für die der Name Sun Tzu als Symbol gelten kann und die auch im heutigen China in hohem Ansehen steht, hat den Schwerpunkt immer darauf gelegt, die Kontrolle über ein angestrebtes Territorium möglichst ohne großflächige und kostspielige Gewaltanwendung zu gewinnen. Unter Mao Tzedong gewannen die Kommunisten den chinesischen Bürgerkrieg 1949 mit einer solchen klassischen Strategie, die dem Gegner die Initiative zum Angriff überließ, um ihn dann zu ermatten, gegen seine Verbindungslinien zu operieren und ihn erst dann mit vernichtenden Schlägen zu überfallen, wenn er sich bereits auf dem Rückzug befand.
    Die Erfahrungen Chinas aus dem Koreakrieg 1950-53 haben die Vorsicht der chinesischen Strategen und ihre Abneigung gegen riskante Operationen gegen technologisch überlegene Gegner, die über die Luftherrschaft verfügen, noch deutlich gesteigert. Schließlich ist nicht zu vergessen, daß es trotz aller Spannungen gut funktionierende Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Taiwan gibt. Den meisten Taiwanesen ist völlig bewußt, daß sie ihre Insel gegen eine chinesische Großinvasion wahrscheinlich schon heute nicht mehr halten können, und ein Versuch, dies zu tun, zur weitgehenden Zerstörung der von den Taiwanesen seit 1949 unter großen Opfern aufgebauten modernen Volkswirtschaft führen würde. Darin besteht aber auch ein wichtiger Teil ihrer Abschreckungsstrategie gegenüber Beijing. China würde ja von der Eroberung eines leichenbedeckten Trümmerhaufens nicht profitieren, hingegen sicherlich durch westliche Vergeltungsschläge furchtbar leiden. Es ist daher nicht davon auszugehen, daß China demnächst Krieg zur Wiedergewinnung Taiwans führen wird. Vielmehr wird China seine militärische Machtposition zielstrebig bis zu einem Punkt ausbauen, an dem eine Intervention der USA und ihrer Verbündeten zu einer Unterstützung Taiwans einem militärischen Selbstmord gleichkommen würde. Dann, und erst dann, wird Beijing mit Taipeh über eine “friedliche Wiedervereinigung” verhandeln. Wie lange es bis dahin dauern wird ? Vielleicht fünf, vielleicht zehn, vielleicht zwanzig Jahre. Man sollte die Geduld der Chinesen nicht unterschätzen. Wichtig ist für diese Go-Spieler, daß die Tendenz des Spieles für sie günstig verläuft.

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