Warum der 500er wirklich weg muß

Von | 20. Februar 2016

(CHRISTIAN ORTNER) Es war ein bemerkenswerter und aufschlussreicher Moment, als Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) im herbstlichen Wiener Wahlkampf vor laufender Kamera einer privaten Fernsehstation in die Tasche seines Sakkos griff, um etwas Geld herauszunehmen, aber irrtümlich plötzlich ein weißes, mit Banknoten – darunter auch in der Denomination 500 Euro – gefülltes Kuvert in der Hand hatte. Was man als sozialdemokratischer Spitzenpolitiker halt so bei sich hat. Eine anmutige Demonstration satten Wohlstandes. Und eine für das Milieu des Bürgermeisters überraschende Affinität zum Baren, die in dieser Form wohl bald nicht mehr möglich sein wird.

Denn die Europäische Zentralbank (EZB) wird wohl demnächst die violetten 500-Euro-Banknoten aus dem Verkehr ziehen, weniger aus eigenem Antrieb der angeblich so unabhängigen Notenbank (sonst hätte sie diesen Schein ja nicht eingeführt), sondern eher auf Druck der Regierungen der Eurozone.

Den meisten Österreicherinnen und Österreichern, die nicht zufällig grad Wiener Bürgermeister sind, wird das vermutlich völlig egal sein. Die Bezieher durchschnittlicher Einkommen sind ja eher selten in der Verlegenheit, mit dem violetten Schein zu zahlen. Denen wird nach dem Ende des 500ers auch nichts abgehen.

Ziemlich bedenklich ist die Abschaffung dieser Banknote trotzdem. Denn die Behauptung der europäischen Regierungen, es ginge um die Bekämpfung der Kriminalität und des Terrors, ist offensichtlich nur ein ziemlich durchsichtiges Täuschungsmanöver, um die tatsächlichen Gründe für diesen Schritt zu vernebeln.

Wie wenig der gegen Geldwäsche, Steuerhinterziehung und andere Delikte hilft, könnten die Verantwortlichen der EZB mittels einer kurzen Studienreise in die USA ganz leicht feststellen. Dort wird seit Jahrzehnten der 100-Dollar-Schein als größte Banknote ausgegeben, was bekanntlich nicht wirklich zu einem Verschwinden jener Kriminalität geführt hat, um die es angeblich geht. (Ganz abgesehen davon, dass sich Gauner nach dem Ende des 500ers ja jederzeit des eleganten schweizerischen 1000-Franken-Scheins bedienen können, der mehr als 900 Euro wert ist – und von dem weltweit mehr als 30 Millionen Exemplare im Umlauf sind.)

Warum dann das Ganze, wenn die Kriminalität damit ganz offenkundig nicht bekämpft werden kann? Dass sich ein biederer Gebrauchtwagenkäufer künftig halt ein Bündel der gelben 200er von der Bank holen muss, ist ja noch nicht eben ein zivilisatorischer Fortschritt.

Zu befürchten ist eher, und das geht auch all jene Österreicher an, die meinen, von dieser Causa nicht betroffen zu sein: Für die EZB ist das Verbot der großen Scheine ein Hilfsmittel, um die Enteignung aller Geldhalter mittels Negativzinsen noch effizienter durchführen zu können.

Denn solange Sparer, aber auch Finanzinstitutionen die Möglichkeit haben, Geld in Form von Barem im Safe oder der Schreibtischlade zu verwahren, ist es nicht so einfach, Negativzinsen auf Einlagen durchzusetzen, wie das die EZB schon jetzt gegenüber den Banken handhabt. Doch je unpraktischer es wird, große Bargeldbeträge physisch aufzubewahren, um so weniger können die unseligen Geldbesitzer den Negativzinsen entkommen. Die „finanzielle Repression“, wie das in Fachkreisen heißt, beißt dann noch unerbittlicher zu.

Dazu kommt, dass ein Verbot größerer Scheine auch ein Schritt in Richtung auf Abschaffung oder zumindest weitgehendes Zurückdrängen jeglicher Arten von Bargeld geht. Dieses gilt ja den meisten Regierungen Europas mittlerweile als eine Art Widerstandsnest im Kampf um die so dringend notwendige totale und allumfassende Kontrolle des Bürgers, um ihn endlich umfassend und alternativlos vor sich selbst, seinen gesellschaftlich unerwünschten Verhaltensformen beschützen zu können. Natürlich zu seinem Besten.

Der 500-Euro-Schein wird, wenn er demnächst abgeschafft werden wird, kaum jemandem abgehen. Die Freiheiten, die in der Folge sukzessive verloren gehen werden, hingegen schon, und nicht nur dem Wiener Bürgermeister. (“Presse”)

9 Gedanken zu „Warum der 500er wirklich weg muß

  1. sokrates9

    Der 500er wird nicht abgeschafft! Hat doch Novotny versichert! 🙂 Alte Regel: Das Gegenteil von dem was Novotny sagt ist immer richtig!!

  2. Fragolin

    Ich vermute mal, der arme Wampo kann sich gar nicht erinnern, wer ihm da heimlich ein Kuvert voller 500er in die Jackentasche geschmuggelt hat. Wahrscheinlich weiß er auch nicht mehr, was seine Leistung dafür war. 🙂

  3. Thomas Holzer

    @Fragolin
    Deswegen muß ja der 500er weg, damit “unser” Bürgermeister nur noch Banknoten verwendet, welche auch das Proletariat verwendet 😉

  4. aneagle

    Die Eurozone wird mit dem Wegfall der 500 EURO Banknote ganz sicher einen Riesenschritt Richtung Transparenz machen. Damit ist Europa nur noch ca. doppelt so korrupt wie die USA, wo es bekanntlich als größten Schein nur 100 DOLLAR gibt. Der nächste Schritt: Weg mit dem 200 EURO Schein, weg mit dem schmierigen umweltbelastenden Bargeld ! Alles wird gut ! 🙂

  5. Der Realist

    @Fragolin
    vielleicht ein lukrativer Immobiliendeal, oder er wollte einfach nur die nächste Weinlieferung damit bezahlen (ohne Registrierkassa)

  6. Rennziege

    20. Februar 2016 – 13:42 Der Realist
    Was macht Sie glauben, dass Herr Häupl seine Doppelliterkisten aus dem eigenen A5-Kuverterl bezahlt?
    Das Wiener Rathaus verpflegt luxuriös, wie schon im Palatul Parlamentului von Nicolae Ceaușescu üblich. Die Bukarester nannten diese bombastische Bausünde das „Haus des Sieges über das Volk“.
    O.K., das Rathaus ist viel älter und schöner, aber wer darin seit 1945 (?) das Geschick nicht nur Wiens bestimmt, hat den Sieg über das Volk längst errungen.
    G’sundheit, Herr Bürgermeister!

  7. gms

    Bis zum Jahr 1968 lag das aktive Wahlalter bei 21. Bedeutsam ist diese Größe insofern, alsdaß diese Zeitdauer in etwa jenen Zeitraum umfaßt, der bis heute vergangen ist, seit die Österreicherer über den EU-Beitritt abstimmen durfen. Danach war’s auf gut Wienerisch Essig mit der Mitbestimmung.

    Den Älteren unter uns werden sich erinnern, als bei einer Feier am 12. Juni 1994 zum positiven Abstimmungsergebnis Erhard Busek im Kreis der Sozialisten daraufhin mit erhobener Faust die ‘Internationale’ sang [1]. Was damals aus der Sicht eines linken Söldners an der Schreibmaschine dem O-Text nach ‘ein Spaß’ des ‘intellektuellen Feuergeists’ war, kann man auch gegenteilig beurteilen, so man Buseks Mitgliedschaft in der Trilateralen Kommission heranzieht.

    Das Kind, dem wir damals mit Zweidrittelmehrheit den Sanktus gaben und für das sich Busek ‘ohne Wenn und Aber’ ins Zeug warf, entwickelte sich ganz seiner DNS konform, um die Busek als Insider ebenso Kenntnis hatte, wie der hohe Bilderberger Vranitzky, der zuvor seine eigenen widerborstigen Genossen auf EU-Kurs umpolen konnte, da Kreisky Österreich bestenfalls in der EFTA eingebunden sehen wollte.

    Die Grünen? — Sie warben 1994 für ein Nein, zumal sie der Behauptung folgend die Verträge gelesen hatten [2], ein Faktum, auf das angesprochen wie gewiß verschnupft reagieren. Ob das Monster mit seinem Kopf in Brüssel aus damals öffentlich einsehbaren Dokumenten bereits erkennbar war, sei dahingestellt — spätestens nach den Verträgen von Maastricht 1999 und insbesondere Lissabon 2007 aber hätte man den Braten riechen können.

    So heute die Finanzminister von Deutschland, Italien und Frankreich im Ecofin in Sachen Bankenunion, Einlagensicherung und Bargeldabschaffung mit anderen eine Mehrheit finden, kann Österreich mit allfällig anderen Zielen sich sprichwörtlich brausen,- ein Umstand, der übertragen auf andere Themenfelder mehrfach dazu führte, daß man als Repräsentant seines Staates oftmals zähneknirschend zustimmte in Aussicht auf einen anderen Deal, anstatt erkennbar eine Niederlage einzustecken, die einen zuhause als Verlierer dastehen läßt und zugleich Packelei hinter den Kulissen erschwert.

    Das Ziel der Übung, von Insidern ‘European Community Project’ genannt, war von Anfang an die Auflösung der Nationalstaaten, organisatorisch und monetär betrieben vom Council on Foreign Affairs, der Trilateralen Commission, den Bilderbergern, der Pan-Europa-Bewegung und auch der Spinelli-Group mit ihrem Frontmann Guy Verhofstadt als Häuptling der ALDE-Fraktion in Strassburg.
    ‘Busek dockt wieder bei den Neos an’ [3] — Eingedenk der Europa-ohne-Wenn-und-Aber-Attitüde der Pinken überrascht allein der späte Zeitpunkt der Bekanntgabe des Andockens, ist das Fangnetz über den Kontinent doch seit Jahrzehnten dicht gewebt.

    Sollte es die ÖVP mit Mahrer und Konsorten tatsächlich erst meinen mit dem Ansinnen, betreffend Bargeld zumindest Steine von Wien aus in das europäische Mahlwerk zu werfen, so hätte sie mit den Blauen, Gelben und Fraktionslosen gemeinsam im lokalen Parlament eine einfache Mehrheit, die den eigentümlich zögerlichen Roten, die ihren Unwillen mit der Trumpfkarte namens EU-Recht camouflieren, beträchlicht auf die Sprünge helfen könnte.

    Anfangs der 90er blickte ich als kleiner Werkstudent der IV oftmals gemeinsam mit hauptberuflichen Ökonomen und Analysten dort auf das sich fast täglich wiederholende, verkehrstechnische Dead-Lock auf den Kreuzungen des Schwarzenbergplatzes. Für uns war es sinnbildhaft für den Stillstand in Österreich, dem die alles entscheidenden ‘Vier Freiheiten’ der EG und späteren EU auflösend Einhalt gebieten sollten. Ja, ich war jung und naiv,
    An der Oberfläche bloß und kommunikativ gezielt manipuliert drehte sich alles nur um Freiheiten, die dem Lehrbuch gemäß aber nichts anderes als Katalysatoren für Spill-over-Effekte und Abhängigkeiten waren in Richtung Zentralregierung und bedeutungslose lokale Parlamente und Regierungen.

    Im Moment brennt den Strippenziehern nichts weniger unter den Nägeln, als ein nachlassendes Momentum betreffend immer dichterer Integration. Aufkommende, öffentlich wahrnehmbare Skepsis, befeuert von sogenannten ‘Rechtspopulisten’ und anderen finsteren Geistern der Preisklasse ‘Eurokritiker’, bringt das ‘EU-Projekt’ in Gefahr, weshalb die aktuell schon unerträgliche Propaganda nach ‘mehr Europa als Lösung’ definitiv noch verstärkt werden wird.

    Tja, liebe ÖVPler, wie haltet ihr es mit Bargeld, bürgerlichen Freiheiten und dem Bekenntnis zur EU respektive dem, was sie an bürgerlichen Freiheiten für seine Insassen bereithält? Der Judoka im Würgegriff dreht den Kopf zur Seite, bekommt damit einige Sekunden mehr Luft und erhöht seine Chance, daß der Schiedsrichter den Griff als nicht zielführend beurteilt und die Runde abbricht.

    Österreich ist definitiv im Würgegriff, der Trend ist nicht unser Freund, doch wer nicht kämpft, der hat auch verloren. Was auch immer Österreich kurzfristig in lokalen Kodizes verankern kann, wird spätestens dann mehr als nur Nadelstiche wider den Moloch bewirken, wenn das System nachher diesen Widerstand auch brechen muß. Falls es keinen Aufschrei gibt, macht Brüssel der Junker-Doktrin folgend unaufhaltsam weiter. Wie es aber mit diesem Aufschrei weitergeht, muß er erst noch demonstriert werden.

    [1] wienerzeitung.at/nachrichten/archiv/144681_Der-intellektuelle-Feuergeist-Erhard-Busek.html
    [2] demokratiezentrum.org/fileadmin/media/pdf/plakate_eu_volksabstimmung.pdf
    [3] diepresse.com/home/meinung/marginalien/4727522/Busek-dockt-wieder-bei-den-Neos-an

  8. gms

    Zur Bedeutung von Bargeld und dem gleichzeitigen Kampf der Obertanen gegen Ersatz — “Commission presents Action Plan to strengthen the fight against terrorist financing, Strasbourg, 2 February 2016, [] We want to improve the oversight of the many financial means used by terrorists, *** from cash and cultural artefacts to virtual currencies *** and anonymous pre-paid cards, while avoiding unnecessary obstacles to the functioning of payments and financial markets for ordinary, law-abiding citizens.”

    europa.eu/rapid/press-release_IP-16-202_en.htm
    breitbart.com/tech/2016/02/03/eu-governing-body-proposes-end-of-anonymity-for-bitcoin/

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