Warum die Armut nicht verschwinden darf

…..Nicht staatliche Organisationen wie die Caritas haben in dieser Frage eine ambivalente Position: Sie fordern mit avancierter antikapitalistischer Rhetorik (der neue Präsident, Michael Landau, agiert auf diesem Feld noch deutlich lustvoller als sein Vorgänger, Franz Küberl) mehr Sozialstaat, wissen aber, wie wichtig auch für sie der statistische Hauptsatz der Armutsdynamik ist: Die Zahl der Armen bleibt immer gleich. Angesichts der gelegentlich brutalen Wettbewerbskultur in diesem Sektor will wohl keiner der Erste sein, der wegen Erfolgs in der Armutsbekämpfung Mitarbeiter auf die Straße setzen muss…..” (hier)

13 comments

  1. Ehrenmitglied der ÖBB

    Ich habe einmal eine Auflistung gelesen, nach welchen Kriterien man in Österreich als ‘arm’ bzw. ‘armutsgefährdet’ ist.
    Mir viel auf, dass ich nach diesen Definitionen viele Jahre ‘arm’ war, ohne dass ich es gewusst habe!
    (Werkstudent etc…).
    Es wäre mir aber nie eingefallen, eine Sozialeinrichtung zu beanspruchen.
    Mich wundert, dass man soviel Aufhebens um die “Sozialeinrichtungen” macht? Jede Organisationseinheit tendiert dazu, sich selbst zu erhalten und wenn es geht, auch zu wachsen. Das sagt uns schon Parkinson und auch grundlegende Erkenntnisse der Organisationspsychologie!
    Haben sie die Psychostrukturen von Chefs dieser Sozialeinrichtungen über längere Zeit verfolgt? Zu welchem Ergebnis sind sie gekommen? Eben!

  2. caruso

    Ob’s hierher paßt, bin nicht scher, ich stelle es trotzdem her. Mein Bruder, damals, in den 30er Jahren, er war vielleicht sechs Jahre alt, fragte unseren Vater: “Papa, sind wir arm?” Die Antwort war: “Nein, wir sind nicht arm, wir haben nur kein Geld.”
    lg
    caruso

  3. herbert manninger

    So wie jede Firma um Rohstoffnachschub besorgt ist, trachten unsere NGOs danach, dass ihre Gutheits-Produktion am Laufen und die innerbetriebliche Vollbeschäftigung erhalten bleibt.Verständlich,
    so funktioniert nun mal Marktwirtschaft, egal welches Geschäftsfeld da beackert wird…

  4. DailyMirror

    Hm.
    Also, zunächst die Feststellung seitens der Neoliberalen: “Die privaten Vereine wollen ja die Armut gar nicht bekämpfen! Die wollen, dass Leute arm bleiben!”
    Gleichzeitig die Forderung derselben Neoliberalen: “Schluss mit dem Wohlfahrtsstaat! Armutsbekämpfung ist eine Angelegenheit, die halt Vereine wie die Caritas und so übernehmen sollen.”
    Da fragt man sich, welche Absichten Ortner, Fleischhacker & Co. verfolgen…

  5. Thomas Holzer

    @Caruso
    Das erinnert mich sinngemäß an ein Bonmot vom guten alten Kostolany: auf die Frage des kleinen Michael;
    Baisse waren Frankfurter, Kartoffelpüree und Deine Mutter; Hausse waren Champagner und junge Frauen 😉

  6. Aron Sperber

    Die Aufgabe der Caritas ist nun einmal die Barmherzigkeit.

    Es ist absurd, die Caritas dafür zu kritisieren, dass sie ihre Aufgabe zu “gut” erledige:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2013/10/31/caritas-zu-gut/

    Es läge in der Zuständigkeit der Verwaltung und der Justiz, die Interessen der Allgemeinheit zu wahren und unbarmherzige, aber notwendige Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen.

    Den Wählerauftrag dazu gäbe es jedenfalls: die Grünen mit ihren gutmenschlichen politischen Vorstellungen haben schließlich lediglich 10 % der Wählerstimmen erhalten.

  7. Mourawetz

    @Daily Mirror: es stimmt nicht, wie Sie behaupten, dass Neoliberale behaupten, dass private Vereine wollen, dass die Leute arm bleiben. Sie, die Vereine, wollen dass die Leute RELATIV arm bleiben, damit sie trotzdem noch eine Existenzberechtigung haben obwohl ihre Schützlinge schon längst der Armut entkommen sind. Nichts dagegen wenn NGOs, die Kirche, die Rotarys, etc. Menschen helfen wollen. Aber man kann’s auch übertreiben. Und genau mit dieser Aussage endet auch der Kommentar Fleischhackers.

    Vielleicht haben sie es am Punschstand mit der Armutsbekämpfung übertrieben

  8. Heinrich Elsigan

    Was private nicht vom Staat geförderte Vereine machen tangiert mich normalerweise äußerst peripher, solange das mich nicht irgendwie in meiner Freiheit einschränkt.
    Private Vereine stören mich weder, noch verspüre ich Interesse mich mit ihnen näher zu beschäftigen, egal ob das jetzt eine esoterische Loge, Opus Dei, die Schwesternschaft der leistungsstarken Lesben, die Freunde des Pornokinos und Gruppensex, FKK & Sauner Liebhaber, Modellbauklub Traiskirchen, Volkstümlicher schwarzer Jazz-Club zur Förderung der Akzeptanz von Schwarzen bei ländlichen volkskonservativen oder was weiß ich sonst noch ist.
    Wichtig ist prinzipell nur, dass der Verein dem Vereinsgesetz unterliegt, nicht den Grundrechten / der Verfassung widerspricht und keine Angelegenheit für das Bundesamt für Verfasstungsschutz darstellt. Solange der Verein sich durch private Spenden, Mitgliedsbeiträge, legalen Veranstaltungen, Inhaberschaft an Unternehmen oder dem Kapitalertrag aus gut investiertem wohl versteuerten Vereinskapital finanziert, ist das bitte eine private gesetzlich erlaubte Sache und das Privatvergnügen von Privatpersonen.

    Kritik an Vereinen im Sinne der Meinungsfreiheit muss zulässig sein, im Falle einer Schmutzkübelkampagne gegen einen Verein, kann dieser natürlich etwaige Verluste aus dem entstandenen Imageschaden per Rechtsweg im Rechtsstaat einzuklagen versuchen.

  9. Heinrich Elsigan

    Ich finde diese Kritik an den Punschstände gerade zu pervers und für liberale in einer befremdlichen Art und Weise paradox. Die Verfügungsgewalt über das eigene Kapital innerhalb der rechtsstaatlichen Ordnung ist durch quasi eine Grundsäule des Liberalismus.
    Manche Neoliberale sehen es sogar als ihr gutes Recht gegen den € unter dem Schutzmantel der Privatspere zu zocken und der Schutz durch den Rechtsstaat auch bei für viele sehr destruktiv wirkenden eigenen Kapitalentscheidungen wird in neoliberalen Kreisen immer mit dem höchsten Eifer als gutes Recht verteidigt.
    Ob jemand sein Geld in FX-Swaps investiert, spendet, in einem Vereinslokal oder am.Punschstand ausgibt, obliegt rein nur dem Interesse dieser Privatperson, vollkommen unabhängig welche gesellschaftliche Auswirkungen das auch haben könnte, solange es rechtskonform ist. Das Ausgabeverhalten von anderen zu kritisieren, egal ob ich es als sinnvoll oder idiotisch empfinde, ist eigentlich total unliberal und trägt einen Hauch von belehrender Dominanz über andere mit sich.

  10. Reinhard

    Wieso wird hier mit Schrot in die Menge geschossen ohne zu differenzieren?
    Heinrich Elsigan hat vollkommen Recht; was private Vereine mit ihrem privaten Vermögen anstellen ist absolut egal und geht keinen Menschen etwas an.
    ABER leider sind viele der privaten Vereine nur als privat getarnte Vorfeldorganisationen, die ihre Finanzierung eben nicht aus privater Hand lukrieren sondern über Subventionen und politische Konstrukte verstecken, dass sie eigentlich von genau jenem Steuerzahler leben, den sie teilweise sogar bekämpfen.
    Aus liberaler Sicht muss alles erlaubt sein, was privat finanziert wird und den Grundregeln der Gesellschaft nicht widerspricht, aber es gehören sämtliche staatlichen Zuwendungen und Privilegien gestrichen und ein striktes Verbot her, dass von staatlichen Zuwendungen lebende politische Vereine (Parteien) diese Fördergelder zur Subvention anderer Vereine missbrauchen.
    Wenn dann jemand aus einem “Privatverein” die bessere Unterbringung von Asylanten fordert, dann kann der Verein da gerne tätig werden – aber bitteschön auf eigene Kosten. Jedem steht es frei, einen Asylwerber bei sich zuhause aufzunehmen und zu verköstigen. Ebenos wie es jedem frei steht, eine Modelleisenbahn zu bauen oder in eine lesbische Integrationstanzgruppe zu investieren. Ob ich in meinem Keller eine Eisenbahn stehen habe, ein Weinregal, eine Holzbastelwerkstatt oder einen Turnsaal für benachteiligte Kinder mit Migrationshintergrund bleibt dann mir überlassen, aber ich besitze in keinem dieser Fälle das Recht, den Staat anzubeißen, er solle mich gefälligst bei meinen Ambitionen unterstützen, da sie ja ach so gutmenschlich sind.
    Es ist nicht Aufgabe des Staates, private Vereine zu fördern und die Interessen der Vereinsmitglieder umzusetzen.

  11. Reinhard

    Nachtrag zum Thema: Ich erwarte mir auch, dass Politiker, die (gerade um die Weihnachtszeit) immer vollmundig tönen, sie verdoppeln die Spenden oder geben eine halbe Million dazu, dies bitte aus eigener Tasche (die sie eh schon mit Steuergeldern prall gefüllt haben) finanzieren und nicht das Geld fremder Leute medienwirksam wohltätig aus dem Fenster werfen.

  12. Heinrich Elsigan

    @Reinhard genau darauf wollte ich hinaus. ich finde es OK, dass am Weihnachtsbazar private Vereine Punschstände zur Finanzierung des Vereins aufmachen. Allerdings hier wird seitens des Rathauses eh auch manchmal gern vorselektiert, dass z.B. der Verein der linken Lesben eher einen Punschstand erhält und nicht der Verein der leistungsstarken Lesben, weil erstere eher der grünen Klientel und die anderen eher der Neos Klientel zuordenbar sind.

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