Warum die meisten Chefs Nieten sind

“….Die richtige Person auf der richtigen Position kann Berge versetzen. Doch leider greifen laut einer aktuellen Studie des Meinungsforschungsinstituts Gallup mehr als 80 Prozent aller Unternehmen bei der Besetzung von Chefposten daneben – auch, weil sie auf die falschen Mitarbeiter setzen…..” (Die Gründe dafür hier)

8 comments

  1. Herr Karl jun.

    Diese “Nicht-geeignet” – Quote unter den Führungskräften in der Wirtschaft ist sicher zu hoch veranschlagt. Es ware interessant zu erfahren, wen Gallup befragt hat. Rentner? Hausfrauen? Studenten? (Die sind ja bei Telefonumfragen am leichtesten zu erreichen) oder tatsächlich die “Geführten”. Befragt man diese nach ihren konkreten Vorgesetzten, weisen Umfragen in den USA regelmäßig Zufriedenheitsraten von 60% und mehr aus.
    Im Übrigen lösen sich Schwächen in den Führungsetagen in einer 8nicht arbeitsrechtlich allzusehr gegängelten) Marktwirtschaft auf Sicht von selber: Entweder die guten Mitarbeiter laufen davon oder die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse erzwingen Radikalkorrekturen auf der Führungsebene. Der einzige Ort, wo diese Katharsis ex lege ausgeschlossen ist, ist der öffentliche Dienst mit seinen (de facto) Definitivstellungen.

  2. Reinhard

    Was mir an diesem “Mein Chef kann mich nicht richtig motivieren!” – Geseiere immer wieder den Docht in die Kerze drückt ist die Tatsache, dass kein einziger Mensch mehr in der Lage zu sein scheint, sich selbst zu motivieren.

    Wenn jemand einen Klempner ruft, um das Klo zu entstopfen, also einen festgelegten Stundensatz bezahlt, damit der Herr Installationsmeister seines Amtes waltet und den Traps fachmännisch von den Resten der unsachgemäß entsorgten Mahlzeiten befreit, dann erwartet er, dass dieser seine Arbeit macht. Ordentlich, schnell und fachmännisch. Was würde dieser Jemand wohl sagen, wenn der Klempner erstmal gemütlich sein Brot auswickelt und das Handy zückt, vielleicht noch einen Kaffee haben will, bevor er genügend “motiviert” ist, für die folgende saftige Rechnung auch noch etwas zu tun? Und dann greift er sich den Besen, stopft die Pampe durch den Traps, sudelt das ganze Klo voll und schmeißt den versifften Besen auf den guten Teppich, nach dem Motto: “Musste halt mehr zahlen, wenn ich ordentlich arbeiten soll!”

    Wenn jemand einen Arbeitsvertrag eingeht, sich also verpflichtet, seine Fähigkeiten und Fertigkeiten zu pauschalen Sätzen zeitweise einem Unetrnehmen, in diesem Fall also seinem Kunden, zu überlassen, dann hat er sich genauso selbst zu motivieren, seiner Verpflichtung nachzukommen (oder es bleiben zu lassen und nach Hause zu gehen) wie der Klempner oder von mir aus ein Verkäufer.
    Wenn ich jemanden, den ich teuer bezahle (dass das halbe Geld der Staat einstreift, dafür kann ich nichts), auch noch motivieren soll, dass er das tut, zu dem er sich selbst vertraglich verpflichtet hat, dann ist was faul. Wenn nur 30% der Manager es schaffen, ihren Angestellten soviel Schleim um das Kinn zu schmieren, dass sie ihrer Verpflichtung nachzukommen bereit sind, dann ist das nicht ein Armutszeugnis für die Chefs, sondern für die Angestellten und Arbeiter.
    Und wenn jetzt wieder das blöde Argument kommt: “Ja von irgendwas müssen die ja leben, deshalb müssen sie ja malochen gehen…” – dann antworte ich nur: Das ist aber nicht das Problem des Unternehmens, das ihnen die Chance gibt, sich dieses benötigte Geld zu verdienen!
    Wer in seiner bezahlten Arbeitszeit nicht die Aufgaben erfüllt, die zu erfüllen er (oder sie) sich vertraglich verpflichtet hat, kann gerne zuhaus neue Motivation holen. Ex und hopp!

  3. gms

    Reinhard,

    die prinzipiell richtige Betrachtung zur Vertragserfüllung abseits der Notwendigkeit zusätzlicher Bauchpinselei läßt einen wichtigen und entscheidenden Aspekt außen vor. Der entscheidende Satz steht noch oben im Zitat des Ausgangsartikels: “Die richtige Person auf der richtigen Position kann Berge versetzen.”

    Unfähige Chefs sind ja auch und insbesondere deshalb die Falschen vorort, weil Sie, um in Ihrem Bild zu bleiben, den Klempner zur Tortenherstellung engagieren. Die Vertragserfüllung den Buchstaben nach mag dieser vielleicht gebacken kriegen, ob aber das Werkel über die Garantiefrist dicht bleibt, steht in den Sternen.

    “Wenn nur 30% der Manager es schaffen, ihren Angestellten soviel Schleim um das Kinn zu schmieren, dass sie ihrer Verpflichtung nachzukommen bereit sind, dann ist das nicht ein Armutszeugnis für die Chefs, sondern für die Angestellten und Arbeiter.”

    Ja, das stimmt, doch umfaßt diese Extremdarstellung die Thematik nur unzureichend. Dienst nach Vorschrift oder gar Pfadfindermanier werden die meisten aus ihren Mitarbeitern rausholen können, zugleich zeigt die Empirie, wonach erfolgreiche Unternehmen auch mit verteilten Schleimereien und Bonuszuckerln die Miete nicht reinholen, sondern insbesondere deshalb reüssieren, weil ihre Mitarbeiter andere verdammt gute Gründe haben, ihr Bestes zu geben. Monetäre Anreize spielen dafür eine ambivalente Rolle, entscheidend ist vielmehr das Aufbauen von Selbstmotivation durch die Schaffung von Freiräumen.

    Wer nach eigenem Ermessen gestalten kann, kann als Arbeitnehmer hierbei für den Arbeitgeber auch Schaden anrichten. Zugleich aber stellt dies einen evidenten Vertrauensbeweis dar, der, und das ist die Pointe, positiver wirkt, alles andere. Die restlichen nötigen Zutaten, wie etwa die Kommunikation des Kontextes der Aufgaben und der Marschrichtung, lassen sich daraus ableiten.

    Das Ganze kann man nun als zynische und utilitaristische Abhandlung lesen (“Verwende eine Hammer wie einen Hammer!”), oder aber als Folge eines positiven Menschenbildes, wonach sich Menschen umso smarter verhalten, je mehr man sie bis zum Beweis des Gegenteils als kompetent und verantwortungsbewußt behandelt.

  4. Reinhard

    @gms

    Ich möchte zu diesem Thema gerne weiter den Provokateur spielen (wohl weil ich in meinem Leben schon zu viele hochtrabend klingende Ausreden für eigene Faulheit gehört habe), deshalb setze ich noch eines drauf:
    Sie schreiben (und da gebe ich Ihnen 100% recht!): “Unfähige Chefs sind ja auch und insbesondere deshalb die Falschen vorort, weil Sie, um in Ihrem Bild zu bleiben, den Klempner zur Tortenherstellung engagieren.” Aber es ist auch so, dass die Bewerbung eine zweischneidige Klinge ist: Wieso bitteschön bewirbt sich ein Klempner beim Konditor? Verspricht er damit eine Leistung, die er nicht erbringen kann? Juristisch nennt sich so etwas “Betrug”. Ein “guter Chef” würde das natürlich merken und dem Dampfplauderer nicht auf den Leim gehen sondern ihn wieder heimwärts schicken.

    Natürlich werden hervorragende Leistungen nur von Mitarbeitern erbracht, die sich frei entfalten können. Aber um sich frei zu entfalten, bedarf es auch wieder der eigenen Motivation dazu. Und glauben Sie mir, die ist so selten zu finden – da wird gemotschgert, dass der Chef das Korsett zu eng zieht und wenn man dann angepasste Bereiche der Eigenverantwortung schafft, fällt den Motschgerern wieder eine andere Ausrede ein. Nur eine Handvoll, die wirklich von sich aus Motivierten, atmet durch und legt los.

    Wenn Sie in ein Unternehmen gehen um Qualitäts-Teams aufzubauen und eine freiere Arbeitsathmosphäre zu schaffen, müssen Sie erst den Chef knacken, das stimmt. Aber wenn das geschafft ist, haben Sie Glück, wenn Sie 20% der Belegschaft finden, die sich hochreißen lassen und mitmachen. Jahrelange Erfahrungswerte.

    Meine Erfahrung ist auch, dass viele Chefs falsch auf ihrem Posten sind. Hat aber ganz besonders bei uns damit zu tun, dass zum Beispiel eine führungsreife Person mit kommunikativer und pädagogischer Ausbildung, Empathie und Allgemeinwissen niemals auf solch einen Posten kommt, weil ihr die Fachidiotenzertifikate und Türöffnertitel fehlen. Da kann der größte Blutzer klopfen, hat er einen MBA oder einen Dipl.-Ing. ist er automatisch wie geschaffen für den Job. Auch dort, in der Chefetage, wimmelt es von tortenbackenden Klempnern. Die meisten Pleiten der letzten Jahre gehen nicht auf die “Krise” oder mangelnde Bauchstreichelei der Belegschaft zurück, sondern einfach auf die falschen Entscheidungen eines permanent überforderten Managements. Auch dort gilt der erste Absatz wortgleich.

  5. Thomas Holzer

    Ich hoffe, die gesamte Statistik-, Befragungs- und Evaluierungsindustrie hängt sich in Bälde an deren eigenen Kabel auf.
    Es vergeht mittlerweile leider kein Tag mehr, an welchem nicht “eine neue Sau” der Befragung, Evaluierung, Testung, Statistik durch Österreich gejagt wird.
    Interessanter Weise immer(sic!) auf Steuerzahlerkosten!

  6. nometa

    Das ist jetzt nicht gerade die Riesenüberraschung. Womit verbringen Angestellte 50% ihrer Arbeitszeit? Mit Lästereien über den Chef. Jeder weiß das – nur die Chefs nicht. Die zeigen da nicht selten eine Naivität, die man sonst nur von Lehrern kennt…

  7. FDominicus

    Geschrieben von? Ausgewiesen guten Chefs nehme ich an. Klar kann man selber gut lästern wenn man selber nur ein kleines Rädchen in einem schönen großen Betrieb ist. Da ist keine Umfrage sondern allerbilligste Propagande und dazu noch schlecht gemacht. Komisch, daß diese schlechten Chefs mit dazu beitragen das Hamsterrad anzutreiben.

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