Warum die Schule radikal privatisiert werden sollte

Von | 8. April 2016

(ANDREAS TÖGEL) Immer wieder wird, meist von Vertretern der Wirtschaft, die Forderung erhoben, man möge doch den Kindern in den Schulen mehr wirtschaftlichen Sachverstand vermitteln. Immerhin erklärt ein Großteil der Erwachsenen bei einschlägigen Befragungen, in wirtschaftlichen Angelegenheiten wenig bis gar nicht informiert zu sein. Außerdem wird der Großteil der Schüler doch später auf der immer ungemütlicher werdenden freien Wildbahn des Marktes bestehen müssen (nicht jeder kann schließlich beamteter Radfahrbeauftragter oder Umverteilungsbürokrat werden) und sollte daher zumindest über rudimentäre Kenntnisse der wichtigsten Grundbegriffe des Wirtschaftens verfügen.

Das ist eine zwar grundsätzlich sinnvolle Idee, verkennt jedoch leider die Realität des öffentlichen Schulsystems, das in den letzten Jahrzehnten von einer aus allen Poren Sozialismus ausdünstenden Zwangsschulkamarilla zu einem zutiefst marktfeindlichen Gehirnwäsche- und Indoktrinationsvehikel umfunktioniert wurde. Wer´s nicht glaubt, werfe einen Blick in das Schulbuch „Geospots“ für den Geographie- und Wirtschaftskundeunterricht der 7. Und 8. Schulstufe. Dort findet sich eine Graphik: “Überblick: Verschiedene Wirtschaftsideen”

Daran fällt spontan dreierlei auf: Der Umstand, dass man peinlicherweise nicht einmal imstande ist, den Namen eines Nobelpreisträgers (Friedman) richtig zu schreiben, ist noch das geringste Übel. Dass allerdings gleichrangig neben Marx, den Nobelpreisträgern Hayek und Friedman, sowie dem wirkungsmächtigsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, Keynes, der Philologe und Attac-Aktivist Christian Felber genannt wird, ist indes geradezu abenteuerlich. Den Tupfen auf dem i bildet schließlich der Umstand, dass dessen „Gemeinwohlökonomie“, als einzige der genannten Theorien, in Fettdruck dargestellt wird.

Dass sich das Unterrichtsressort seit 1970 mit einer eher kurzen Unterbrechung in der Hand der Sozialisten befindet, ist nicht zu übersehen. Was ein in der Wolle gefärbter Roter ist, der schreckt eben auch vor der unverschämtesten Desinformation nicht zurück. Denn hier geht es den Verantwortlichen ganz offensichtlich darum, wieder einmal den „Neoliberalismus“ zum Gottseibeiuns zu erklären und die Schüler zugunsten eines ultralinken Hirngespinsts zu beeinflussen. Mit einem „Heranführen an alternative Theorien“, wie das die für die Approbation von Lehrmitteln zuständige Ministerialrätin im Unterrichtsministerium wortreich erklärt, hat das gar nichts zu tun – zumal im Fall der „Gemeinwohlökonomie“ von „Theorie“ auch bei größtem Wohlwollen keine Rede sein kann. Es ist begründungslos geäußerte Phantasie eines auf dem Gebiet der Volkswirtschaftslehre dilettierenden Träumers.

Da es keine Schande ist, Herrn Felber nicht zu kennen, ein paar Worte zu einigen der Unwahrheiten und/oder Irrtümer, die er kolportiert:

► „Neoliberalismus ist eine (…) Reinform des Kapitalismus.“ Falsch! „Neoliberale“ wünschen sich einen starken Staat, während „reine Kapitalisten“ eine staatsfreie Privatrechtsgesellschaft vorziehen.

„Die Kapitalvermehrung [im Kapitalismus] ist Selbstzweck.“ Falsch! Jeder Unternehmer, der nicht die Konsumentenwünsche bestmöglich befriedigt, ist schnell weg vom Fenster. Kapitalvermehrung ist daher die Folge kundenorientierter Produktion und kein Selbstzweck.

► Die Staaten werden seit 2000 schlanker. Falsch! Nie zuvor haben die Staaten ihre Insassen brutaler ausgepresst als heute. Maximale Steuererträge bei gleichzeitig wachsenden Schuldengebirgen sind allerdings das Gegenteil eines Beweises für eine erfolgreiche Schlankheitskur der Staaten.

Ein kurzer Streifzug durch ein paar der skurrilen Ideen, die Felber in Büchern wie „Die Gemeinwohl-Ökonomie“ oder „50 Vorschläge für eine gerechtere Welt / Gegen Konzernmacht und Kapitalismus“ formuliert: Hier plädiert er etwa für eine Halbierung der Arbeitszeit, diagnostiziert einen „Gegensatz zwischen Wettbewerb und Kapitalismus“, tritt u. a. für ein steuerfinanziertes, bedingungsloses Grundeinkommen ein und träumt von einer sämtliche Aktivitäten der Wirtschaftstreibenden weltweit kontrollierenden und steuernden Superbürokratie. All das natürlich streng gendergerecht, antidiskriminatorisch und demokratisch.

Eine derartige Menge von Gedanken, die durch keinerlei Realismus getrübt sind, findet man selten zwischen Buchdeckeln. Nur ein Mensch, der nie im Leben einen Betrieb von innen gesehen, geschweige denn jemals mit eigenen Mitteln, auf eigene Initiative und auf eigenes Risiko unter Wettbewerbsbedingungen und Knappheitsverhältnissen wirtschaftlich tätig war – dafür aber das Prinzip des menschlichen Handelns vollständig verkennt – ist imstande, derartige Vorstellungen zu entwickeln. Die von Felber präsentierten Gedanken sind vielmehr typisch für marktferne, staatsverliebte Zentralbürokaten.

Einen linken Utopisten wie ihn gleichwertig neben Keynes, Friedman und Hayek zu stellen ist, als ob man in einem Beitrag über Titanen der Physik neben Newton, Einstein, Heisenberg und Schrödinger, Conchita Wurst oder Muhammad Ali nennen würde.

Wer fordert, dass mehr Wirtschaftswissen in staatlichen Schulen vermittelt werden sollte, muss sich darüber im Klaren sein, dass dabei hochgradig linksideologisch befrachtete Utopien präferiert und den Kindern der nüchterne Blick auf die Gegebenheiten in einer von Knappheit geprägtem Welt vernebelt würde.

Das beste Heilmittel für das Schulsystem wäre (und zwar nicht nur im Hinblick auf die Vermittlung von Wirtschaftswissen!) – wie sich schon am Beispiel des Telekommunikationssektors gezeigt hat – eine radikale Privatisierung. So lange das Schulwesen aber als wettbewerbsfreie, geschützte Werkstätte organisiert ist, in der parasitär lebende Staatsagenten das Sagen haben, die auf den Bedarf der Kunden (Schüler) keinerlei Rücksicht zu nehmen brauchen, werden weiterhin konsequent falsche Inhalte vermittelt werden. Und das zu exorbitanten Kosten.

Die Betreiber von Privatschulen dürfen sich die Hände reiben. Ihr Geschäftsmodell wird in den nächsten Jahren von Erfolg zu Erfolg eilen.

Tagebuch

13 Gedanken zu „Warum die Schule radikal privatisiert werden sollte

  1. kannitverstaan

    Auf den Punkt getroffen. Streuverluste gibt’s aber ausgerechnet im Stehlekom-Sektor. Die Reconquista des Mobilkom-Segmentes durch die Festnetzbürokraten stellt das eindrucksvoll unter Beweis! Unbeschadet dessen gibt es kein vernünftigeres, effektiveres und effizienteres Szenario als eben den Markt. Der ja so ganz nebenbei auch Ersatzplätze schafft (die böse, rein private Schattenwirtschaft, die das Gesamtsystem überhaupt überleben lässt!

  2. Kluftinger

    Die Forderung nach Privatisierung der Schulen hat vergangene Woche auch Alexander Purger in den SN empfohlen. Nicht “Privatisierung” um ihrer selbst willen, sondern vom Leistungsgedanken her. Fordern und Fördern könnte man es auch übersetzten.
    Und was die “Wirtschaftskenntnisse” betrifft? Herr Tögel, wie sollten diese Schüler wirtschaftliche Zusammenhänge erfassen wo sie doch kaum Lesen und Schreiben können? (Von den überforderten Lehrern ganz zu schweigen).
    Und in der Sozialpsychologie kennt man die Immunisierungsstrategie gegenüber Weltbilder die nicht den eigenen entsprechen. Diese Strategie ist über Jahre gewachsen und wird heute als beinahe normal empfunden.
    Sogar im Kreis von Jungakademikern (Dipl.Ing) kann man die Vorteile der Privatisierung von Staatseigentum (VOEST) nicht mehr sachlich diskutieren.
    Allerdings, nachdenklich wird mancher wenn man auf die Tatsache verweist, dass es in Schweden seit vielen Jahren keine staatliche Postämter mehr gibt (wo doch die Schweden immer als Musterknaben herhalten müssen).

  3. Christian Peter

    Schulen, Unis und öffentlichen Rundfunk werden sich die Altparteien so schnell nicht nehmen lassen – die idealen Instrumente, um die Bevölkerung zu indoktrinieren.

  4. Fragolin

    “sollte”, “könnte”, “hätte”… abgesehen davon, dass jeder Schritt in eine rational verständliche Richtung von den emotionalen Vorkämpfern der sozialen Kuschelwärme des menschenverheizenden Sozialismus sofort mit Vehemenz in das Loch zurückgeprügelt wird, aus dem er zu kriechen versucht hat, bleibt uns immer wieder nur, dem Grundgesetz des Konjunktivismus folgend, zu sehen, wie es sein sollte.

  5. Thomas Holzer

    Auf jeden Fall darf man festhalten, daß es Herrn Felber nicht an Selbstbewußtsein mangelt; immerhin hat er sich, nach Rückfrage eines Redakteurs des “Der (Sub)Standard” auf Grund einer Protestnote von Wirtschaftsprofessoren, mit der Begründung, auch Adam Smith war kein studierter Ökonom, sein Aufscheinen in diesem “Lehrbuch” gerechtfertigt 😉
    Der Mann sollte bei seinen Leisten bleiben und weiterhin in Ö1 Platten auflegen, da kann er wenigstens als dilettierender DJ keinen großen Schaden anrichten 😉

  6. kannitverstaan

    Da bekommt ja der Werbespruch einer Wiener Filialbäckerei eine ganz besondere Note:
    “Der…….bäckt selber”
    Nur mit dem Unterschied, dass dieser…..auch das Backen gelernt hat und daher nicht ohne Grund ein Meister ist! Wohingegen jener ….. sein “Wissen” anscheinend nur aus ideologiekonformer Sekundärliteratur bezieht. Anscheinend ist aber auch der Verstand dabei nicht wesentlich gefordert. Es genügt, sich die Phrasen zu merken und sie wieder und wieder zu formulieren – irgendwas wird schon dran sein, weil sonst tät er’s nicht dauernd wiederholen……

  7. Selbstdenker

    @Kluftinger:
    Vielen Dank für Ihren ausgezeichneten Kommentar!

    “Nicht ‘Privatisierung’ um ihrer selbst willen […]”

    Es geht – wie Sie treffend anmerken – nicht rein um die privatrechtliche Organisationsform, sondern um die zahlreichen positiven Implikationen, die dahinterstehen.

    “Und in der Sozialpsychologie kennt man die Immunisierungsstrategie gegenüber Weltbilder die nicht den eigenen entsprechen.”

    Dieser Effekt schlägt in den Anglo-Unis inzwischen voll durch. Die Forderungen nach Zensur, “No-Platforming”, “Safe Spaces” und “Trigger Warnings”, zeigen, dass es um das Aufrechterhalten eines bestimmten Weltbildes geht, das im akademischen Milieu seit Jahrzehnten gepflegt und ausgebaut wurde. Instinktiv spüren alle, dass ihre aufwendig und teuer antrainierten Narrative der Reihe nach abrauchen; deshalb die große Aufregung.

    Der gesamte Ausbildungsbereich steht vor einem radikalen Umbau durch neue Technologien und durch die Marktkräfte. Die Bildungsblase (=das Anhäufen von sinnfreien Ausbildungszeiten und Zertifikaten) ist kurz vor dem Zerplatzen.

    Auf die staatlichen europäischen Unis gehe ich gar nicht mehr ein – die sind abseits technischer bzw. naturwissenschaftlicher Studienrichtungen so gut wie tot. Aber auch die Ereignisse an den privaten Eliteunis in den USA zeigen, dass es im gesamten Bildungsbereich an mehreren Stellen kriselt:

    1) Der akademische Bereich in den USA ist – abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen – ähnlich stark mit linken Ideologien verseucht wie in Europa. Es geht also nicht nur um die private Organisationsform, sondern auch darum welchen Hintergrund die Lehrkräfte bzw. Professoren haben. Die österreichischen PÄDAK betrachte ich als fast ausschließlich ideologische Umerziehungsanstalten (ich kenne einige Leute vor und nach ihrem PÄDAK-Besuch).

    2) Die von Sozialisten vorangetriebene Zerstörung der Familie schlägt voll in den Bildungsbereich und die späteren Arbeits- und Erwerbsmöglichkeiten durch. Weniger begüterte Eltern hatten früher die Möglichkeit ihren Sprösslingen durch die Vermittlung von Werten (z.B. Work Ethics) einen wichtigen Wettbewerbsvorteil mit auf ihren Lebensweg zu geben. Das Wegfallen vom guten Elternhaus muss zunehmend durch die Lehrkräfte geschultert werden, womit zwingenderweise ein rasches Absinken vom Qualitätsniveau der Ausbildung verbunden ist.

    3) Die Unis produzieren als “akademische Ausbildungsstätten” sowohl ganz massiv an den klassischen fachlichen Inhalten als auch am Markt vorbei. Das duale Ausbildungssystem ist eines der wenigen Vorteile, die (Mittel-)Europa noch zu bieten hat. Diese gravierende Lücke zwischen falschen Erwartungen und tatsächlichem Bedarf zahlen in den USA die Studenten bzw. deren Eltern, die auf “Student Loans” für unbrauchbare akademische Ausbildungen sitzen bleiben. In Mitteleuropa wird diese Last in mehrfacher Hinsicht dem Steuerzahler um den Hals gebunden: a) unmittelbare Ausbildungskosten, b) die Schaffung marktferner Stellen und c) die Schäden, die die Verbildeten in solchen Stellen für die Allgemeinheit anrichten.

  8. Thomas Holzer

    Und im Ö1 Mittagsjournal wurde wieder einmal dem “Bildungsauftrag” des ORF nachgekommen; da wurde doch glatt folgender Satz gesagt: “Privat heißt ursprünglich nichts anderes, als dem Gemeinwohl geraubt”

    Man darf sich bei derlei Aussagen nur noch freuen, daß die Reichweite dieses Programmes sehr gering ist!

  9. Selbstdenker

    @Thomas Holzer
    Demnach muss die Subsistenzwirtschaft chronisch von Hunger und Krankheit bedrohter Ureinwohner ja ein wahres Feuerwerk des “Gemeinwohls” darstellten.

  10. Fragolin

    @Thomas Holzer
    „Privat heißt ursprünglich nichts anderes, als dem Gemeinwohl geraubt“
    Im Falle der Bezüge von Politikern stimmt das ja auch. 😉

  11. Falke

    Wenn schon Karl Marx, warum dann auch nicht Felber, mögen sich die hochkompetenten Verfasser des Schulbuchs gedacht haben. Fehlen nur noch Stefan Schulmeister und Thomas Piketty.

  12. Andreas73

    Stimme dem Kommentar zu 100% zu.
    Nur eine klitzekleine Korrektur:
    Mit dem Physiktitan war wohl Schrödinger und nicht Schröder gemeint.
    Wohl gar Gerhard Sch. 😉

  13. Andreas Tögel

    Verehrter Namensvetter,
    vielen Dank für den Hinweis auf den peinlichen Fehler (immerhin habe ich mich gerade über den Schreibfehler eines anderen mokiert). Wird so bald wie möglich korrigiert.
    Mit freundlichen Grüßen,
    A. Tögel

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